Genetik

/28. 9. 2004) Zunahme von Fehlgeburten bei Šlteren Frauen - GrŸnde: Fehler in der Zellteilung;

RingmolekŸl sichert Weitergabe der Erbinformation
Wiener Forscher sind der Zunahme an Fehlgeburten im fortschreitenden Alter auf der Spur

Institut fŸr Molekulare Pathologie

Wien - Forscher im Labor des britischen Zellbiologen Kim Nasmyth am Institut fŸr Molekulare Pathologie (IMP) in Wien haben einen mšglichen Grund fŸr die starke Zunahme der Gefahr von Fehlgeburten bei Frauen mit fortschreitendem Alter gefunden. Ein ringfšrmiges MolekŸl, das Ÿber Jahrzehnte stabil bleiben muss, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dies teilte das IMP am Donnerstag mit.

Der Biochemiker Christian HŠring und seine Kollegen beschreiben in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Molecular Cell die Details: Vor der Teilung einer Zelle werden in einem als Replikation bezeichneten Proze§ zwei identische Kopien von jedem Chromosom hergestellt. Die als KohŠsion bezeichnete Verbindung zwischen diesen Schwesterchromatiden stellt sicher, dass bei der folgenden Zellteilung jede Tochterzelle genau eine Kopie eines jeden Chromosoms erhŠlt. Fehler bei dieser Chromosomenaufteilung fŸhren zu Zellen mit fehlenden oder ŸberzŠhligen Chromosomen, was schwerwiegende Folgen haben kann. So findet sich etwa eine abnormale Chromosomenanzahl hŠufig bei Krebszellen. Das Down-Syndrom geht gleichfalls auf eine zusŠtzliche Kopie eines Chromosoms (Trisomie) zurŸck.

GrŸnde fŸr Fehler bei der Zellteilung unbekannt

Wenn sich ein weiblicher Organismus entwickelt, reifen die Keimzellen in zwei Phasen heran. Noch vor der Geburt durchlaufen vermutlich alle Eizellen des embryonalen Kšrpers den Chromosomen-Replikationsproze§, verharren jedoch daraufhin in einem Stadium vor der Zellteilung. Erst mit Erreichen der Geschlechtsreife verlŠsst pro Zyklus jeweils eine Eizelle dieses Stadium, teilt sich und wird schlie§lich zur reifen Eizelle. Zwischen der Chromosomen-Replikation und der ersten Teilung liegen somit viele Jahre bzw. Jahrzehnte. Fehler wŠhrend dieser Zellteilungen sind die hŠufigste Ursache fŸr Fehlgeburten und nehmen ab Ende 30 mit zunehmendem Alter der Mutter exponentiell zu. Die GrŸnde fŸr die vermehrten Fehler mit hšherem Alter sind weitgehend unbekannt.

Die IMP-Forscher konnten bereits mit ihrer Arbeit an Hefezellen zeigen, dass ein aus vier Untereinheiten bestehender Eiwei§komplex die Schwesterchromatiden vor der Zellteilung zusammenhŠlt. Dieser Eiwei§komplex bildet eine ringfšrmige Struktur, die die Schwesterchromatiden vermutlich richtiggehend umschlie§t. Der Ring wird erst dann gešffnet, wenn die korrekte Aufteilung der Chromatiden in die Tochterzellen gewŠhrleistet ist. Dies geschieht durch ein Enzym namens Separase, das wie eine molekulare Schere wirkt.

Schwachstelle

Die Wissenschafter fanden nun, dass die Verbindungen der Untereinheiten, die diesen Ring bilden, sehr stabil sind. Sie fallen auch wŠhrend langer ZeitrŠume nicht auseinander. In Zusammenarbeit mit Kollegen in Cambridge (Gro§britannien), konnten die Forscher sogar eine dieser Verbindungen in atomarer Auflšsung sichtbar machen. Gleichzeitig wiesen sie nach, dass es nicht mšglich ist, die Verbindung zwischen den Schwesterchromatiden nach Vollendung des Replikations-Prozesses neu zu bilden. Die wŠhrend der Replikation hergestellte Kšhasion muss also bis zur folgenden Zellteilung halten.

Falls dies auch auf Eizellen zutrifft, dann muss die noch vor der Geburt hergestellte KohŠsion jahrzehntelang halten, ohne die Mšglichkeit, spŠter erneuert oder repariert zu werden. In dieser Schwachstelle kšnnte ein Grund fŸr die starke Zunahme an Fehlern bei der Eizellreifung mit fortschreitendem Alter der Mutter liegen. Die Forscher wollen nun den molekularen Mechanismus des Eiwei§komplexes, der fŸr die KohŠsion verantwortlich ist, weiter entschlŸsseln. (APA)

 
 
     
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