Historie eines andauernden Versuchs

Vorbemerkungen aus 2003 + 2007

Erste Fassung vom 25. Mai 2000

Anfang

 

Es mag fŸr manchen anma§end wirken, was der Titel dieser Arbeit verkŸndet: Vor allem wohl fŸr jene, denen eine Gnade zuteil wurde, die meiner Generation (um die Geburtsjahre 1960) bereits vorenthalten worden ist. Denn WIR - und um wieviel mehr alle nach uns - sind bereits auf eine Weise erzogen und gelehrt worden, die uns die Grundlagen unserer eigenen Kultur gar nicht mehr nachvollziehbar machte. Unsere Lehrer waren wohlMann, Priester, Wahrheit, Form, Mitte ... uns prŠgt das Sein Ÿber die Sinne noch aufgewachsen in der SelbstverstŠndlichkeit dieses Geistes, doch waren sie nicht in der Lage uns das, was sie lehrten, zu begrŸnden. So, wie man es tun mu§, wenn etwas in Frage steht weil es bereits zerfallen ist und deshalb nicht mehr vernŸnftig scheint weil die Erkenntnis der jeweiligen Gegenwart ihm widerspricht. Gerade zu meiner Zeit Ð in einer ungeheuer optimistischen Aufbruchsstimmung Ð war es Zeichen von Lebenskraft, alles †berkomme zu entsorgen. Alles war anders ... scheinbar.

Die Anschauungen, die als scheinbar gesichertes, Ÿberkommenes Wissen Platz griffen, lie§en sie nicht nachvollziehen, was mit uns geschah: Und so haben sie darauf nicht reagiert - dies durchaus als Vorwurf an unsere Elterngeneration. WIR mŸssen uns nunmehr - alleingelassen - selbst erarbeiten, was ihnen noch in die Wiege gelegt worden war und soweit wir begreifen, da§ dieses Abendland nicht irgendeine Kultur ist, sondern den Menschen zu einer Freiheit und Wesensvollkommenheit gefŸhrt hat wie keine andere Kultur dieser Erde vorher. Sich mit dem Abendland zu befassen bedeutet mir mittlerweile ein Auffinden meiner selbst. Und ein gŸltiges Kunstwerk zu schaffen bringe ich mit einem Ð wenn auch nur solitŠr, nicht mehr allgemein (so ein TrŠumer kann man nicht mehr sein) zu erwartenden - Begreifen der Welt in Verbindung, wie es sich im Abendland auf so gro§artige Weise bereits findet. Wer das †berlieferte liest, betrachtet oder hšrt findet darin eine GŸltigkeit, die heute keinesfalls vermindert sondern noch lŠngst gŸltig ist. Diese SchŠtze heute so beiseitezuschieben und durch billige, ja lŠcherliche Dummheiten zu ersetzen bedeutet einen ungeheuren Verlust an Freiheit und Lebensfreude. Aber ich habe die Entdeckung gemacht, da§ auch die mit mir und spŠter Geborenen an diesem Wissen interessiert sind, von dem jedes Kunstwerk, jede gotische Dorfkirche, jedes GemŠlde kŸndet - doch wird auch ehrliches Interesse nicht mehr befriedigt.

Und doch bleibt alles BemŸhen fraglich: Denn wir sind bereits aus dem Paradies vertrieben. Denn keine Pose kann nun folgen, kein bemŸht nachgestelltes Bild. Alles Sein hat von Moment zu Moment ein anderes Gesicht Ð und doch immer dasselbe.

Ausgangspunkt war vielfach die Frage "Das kann doch nicht alles gewesen sein, da mu§ doch noch mehr dahinterstecken." Wie aber habe ich mit der Zeit gelernt, Hochachtung vor ihnen allen und ihren Denkleistungen zu empfinden. Ich sehe uns heute weit davon entfernt. Aber auch ich sehe mich kaum noch als AbendlŠnder ... viel zu viel bin ich bereits Amerikaner.

Was ich nachfolgend darlege, ist ein Ð und ich betone es: In aller Bescheidenheit und im oft genug schmerzhaften Wissen um die Gefahr der LŠcherlichkeit - Nachstellen von Eckpunkten jenes Weges, den auch ich gegangen bin: In vielen Jahren habe ich mich selbst oft mŸhsam durch Bibliotheken und BŸcher "durchgefressen", aus Literatur-Querverweisen in Antiquariaten ganz …sterreichs aufgestšbert, Verlagen geschrieben, noch lebende Autoren kontaktiert ... getrieben von dem BedŸrfnis, zu verstehen. Vielleicht ist es dem einen oder anderen ein nachvollziehbarer Weg, den ich hier in einem GrundgerŸst anbiete - und der im wesentlichen aus einer Geschichte meines Denkens und Lesens besteht (ohne Anspruch auf VollstŠndigkeit zu erheben.) und den ich zusammenstelle, indem ich von meinem Schreibtisch aus um mich sehe - auf die tausenden BŸcher, die mich umgeben ... und wir haben oft nur noch die BŸcher ... und die Steine. Vieles an der Auswahl ist zufŠllig und soweit momentan erinnert, oder findet sich, weil mir ein Buch oder ein Name wŠhrend der Niederschrift gerade in die Augen springt. Und es kann nur ein Hilfe sein. Man kann sich das eigene Nachvollziehen, das Aufnehmen vorn Form als Verstehen, Erkennen nicht ersparen. Selbst dann ... ich fasse es als Gnade auf. Denn jedes Wachsen in der Erkenntnis braucht ein Durchbrechen. DENN WIR SIND UNS ALLEN SELBST GEF€NGNIS. Unser Denken hŠngt stets dort, wo wir es eben nicht feststellen, und wo uns unsere Angst an einem Schritt ins Ungewisse hindert.

Teil 2 - Die Philosophie

 
     
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