Teil 6 - Schlu§

Teil 5 - Theologie - Psychologie - PŠdagogik I

Theologie - Psychologie - PŠdagogik II

In der Auseinandersetzung mit der sogenannten Psychologie ist mir nichts geblieben Ð und ich habe hier einiges gelesen Ð das zu empfehlen sich lohnte. Au§er R.D. LAING, DAS ICH UND SEIN SELBST, das ich nach Ÿber zwanzig Jahren noch immer schŠtze und das mir das Wesen der Selbstentfremdung schon in der Jugend deutlich vor Augen fŸhrte.

Das meiste aber, was Ÿber Psychologie heute verbreitet wird lЧt sich mit gesunder Philosophie und aufmerksamer, aber respektvoller Menschenbeobachtung viel klarer sehen. Und was soll man von einer Wissenschaft halten, die nicht einmal wei§, was ihr Gegenstand ist Ð denn es gibt keine naturwissenschaftliche Definition von Seele, da streitet man weil sich herausstellt, da§ ãalles viel komplexer ist als man oft meinte". Nun: Verschiedenste Erkenntnisse auf dem Gebiet einer Gehirnforschung freilich sind hochinteressant Ð wie gesagt: Man mu§ sie nur zu interpretieren wissen. Viel Interessantes zur SEELE findet sich im gleichnamigen Werk von SCHAMONI.

Viel Aussage Ÿber das Wesen Mensch als Leib-Seele-GefŸge finde ich in meinem TASCHENATLAS DER PHYSIOLOGIE von SILBERNAGEL/DESPOPOULOS, den ich eigentlich immer auf meinem Schreibtisch liegen habe: Knapp, bŸndig, und ein Klassiker. Auch wenn dort ein mechanistisches Menschenbild vertreten wird bleiben die Fakten.

ECCLES/POPPERÕs DAS ICH UND SEIN GEHIRN ist aber sicher nicht uninteressant. Auch SYMBOLE von C.G.JUNG oder sein MENSCHENBILD UND GOTTESBILD haben indirekt Interessantes zu bieten. Das Schlimme aber an der Psychologie, wie man sie heute meist antrifft ist, da§ sie dem Menschen grundsŠtzlich die Freiheit abspricht und ihn zur Funktion degradiert. Der Mensch aber ist Ð als Person Ð immer ein Geheimnis, und wirklich nichts ist so einfach erklŠrbar oder ableitbar da§ man ãjemanden durchschauen" kšnnte. Auf da§ der andere nŠmlich Ð und das ist in meinen Augen klares Verbrechen Ð seine Gestalt in der Welt abgesprochen erhŠlt. Diese Grausamkeit leistet man sich heute leider sehr oft.

Eine kleine Ausnahme ist mir VIKTOR FRANKL mit DAS LEIDEN AM SINNLOSEN LEBEN und einigen weiteren Schriften. Die Logotherapie ist in meinen Augen die einzige sinnvolle Therapie, weil sie den Menschen respektiert. Wenigstens: Sollte. In der Praxis habe ich das auch schon anders erlebt, aber bitte: Es hŠngt natŸrlich am Therapeuten, und wenn der im GesprŠch ãetwas will" bricht die Logotherapie schšn zusammen. Er tut aber grundsŠtzlich nichts anderes als einen immer wieder zu der Frage fŸhren: Stimmt denn das, was ich da so vor mich hin sage, glaube ich wirklich dies oder das? Und die sogenannte ãparadoxe Intention" ist mir die einzig sinnvolle ãMethode" Ð und das macht sie mšglich, da§ sie eben keine ist sondern ihre Wirkung nur aus dem Moment heraus in einer Art ãhumorvollen †bersteigerung bis zum Grotesken" (also was auch die Komšdie tut) entfaltet. Man kann dies recht heilsam auch bei sich selbst ausprobieren.

Nunmehr mšchte ich ein Gebiet streifen, das mit ein ganz persšnliches Anliegen ist, denn kaum wo wird so viel und so effektiv verbrochen wie in der PŠdagogik. Wer nicht begreift, was Sein ist, sondern PŠdagogik mit ãVerhaltensma§nahmen" oder ãMoral" versteht, sollte die Finger von Kindern, vielleicht sogar Ÿberhaupt von Menschen lassen. PŠdagogik kann nur jenes Verhalten zu jemandem genannt werden, das mit wohlwollendem und staunendem Zugehen auf das Sein des anderen bezeichnet werden kann. Eine direkte pŠdagogische Ma§nahme mu§ Ausnahme., Notma§nahme um des geringeren †bels willen sein, niemals lЧt sich ein Mensch wirklich danach formen. Aber ausdrŸcklich NICHT so verstanden, wie es eine Maria Montessori tut, die wiederum ein Menschenbild ansetzt, wonach nichts an uns ganz spezifisch kulturbezogen und inhaltlich konkret wŠre, sondern wo alles aus dem Menschen selbst herauskommen soll Ð also eine Art aufgelšster, reduzierter Mensch. Auch Liebe ist keine Methode, und schon gar nicht erfindet jeder Mensch die Welt selber.

Aber wenn wir von MARITAIN oder noch mehr von JOHANNES BOSCO reden dann finden wir uns schon: Erziehung kann nur von einer Liebe zum Sein ausgehen, und ihre Ma§nahmen sind nicht verschieden von jenen der Lebenskultur des Erziehenden, also ganz Konkretes, AlltŠgliches, in das der zu Erziehende integriert wird.

Die Augen dazu Ð und ich hoffe, man spŸrt die Verehrung und Bewunderung, ja die tiefe Dankbarkeit, in der ich von ihm spreche Ð hat mit WALTER BRAUN gešffnet. Ich verdanke diesem Menschen, der leider bereits verstorben ist, unendlich viel: RIP. Leider ist vieles von seinen Schriften gar nicht mehr erhŠltlich, und mit Stolz sage ich, da§ er mir persšnlich einige BŸcher aus seinen eigenen BestŠnden geschenkt hat. Mit ZŠrtlichkeit betrachte ich noch heute die Seiten, die er hŠndisch korrigiert hat, ehe er mir z. B. DER VATER IM FAMILI€REN ERZIEHUNGSPROZESS sandte. Gehen Sie in eine gute Bibliothek, kopieren sie alles, was Sie von ihm kriegen kšnnen, es zahlt sich aus: MYTHOS GESELLSCHAFT, DAS IN-DER-WELT-SEIN ALS PROBLEM DER P€DAGOGIK, ERZIEHUNG-GESELLSCHAFT-EXISTENZ, P€DAGOGISCHE ANTHROPOLOGIE, EINF†HRUNG IN DIE P€DAGOGIK, P€DAGOGIK Ð EINE WISSENSCHAFT? ... Ihm verdanke ich nicht, da§ ich nun wŸ§te, wie man zu erziehen hŠtte. Er hat mir generell Augen gešffnet Ÿber den Zustand der Wissenschaften heute, weit Ÿber die PŠdagogik hinaus, und seit ich seine BŸcher gelesen habe habe ich zu vielem an eigenem Denken Mut. Den man in einem Zeitalter des unselektierten, ja fŸr die meisten unselektierbaren Wissens und einer daraus resultierenden Wissenschaftshšrigkeit (die ja eigentlich auch eine Hšrigkeit den Medien und dem PopulŠren gegenŸber ist) meist nicht aufzubringen wagt. Vielleicht ist das nur eine meiner speziellen Lebensbedingungen gewesen, und Fremden bleibt es unnachvollziehbar. Aber was sollte ich von diesem auch wunderbaren Menschen sonst sagen ... so war es. Wieviel an gewonnener Klarheit Ÿber den Menschen verdanke ich ihm generell, wieviel an Knoten in meinem Denken hat er aufgelšst. Und aus der intensiven BeschŠftigung mit dem einen Gebiet habe ich viel RŸstzeug gewonnen fŸr so manches andere. MULTA SED MULTAE, sagten die Ršmer: VIEL, NICHT VIELES.

BRAUN auch hat den Satz formuliert: Die Familie wird eine Erwerbsgesellschaft sein, oder sie wird nicht mehr sein. Und diesen Satz trage ich schon viele Jahre mit mir herum, bedenke ihn immer wieder und finde ihn immer wieder wahr. Das hat in sehr Šhnlicher Weise Ÿbrigens auch Martin Buber so formuliert. Das damit zusammenhŠngende Problem der IdentitŠt aber wird uns noch mehr und in gewaltigerer Dimension beschŠftigen, als uns lieb ist: Es ist das Problem des Nicht-Seins. Braun zeigt wunderbar die von ihm so genannte ãPersšnlichkeitsdiffusion" auf, die in einer Auflšsung unserer Kultur und ihrer Strukturen grundgelegt ist, die ganz konkret in unserem alltŠglichen Leben geschieht und an der wir so vielfŠltig beteiligt sind.

Damit schlie§t sich dieser Bogen, den ich hier Ð unbewu§t Ð spannte. Ich wei§, da§ ich nur eine kleine Auswahl, ein Skelett bieten konnte, ja schon gar fehlt es am ganzen Bereich der Literatur. Da kann ich nur noch hilflos und Ÿberfordert mit den Achseln zucken Ð vielleicht treffen wir uns einmal und kšnnen uns dann austauschen.

Und doch ist mir dieser kleine Rundgang wichtig gewesen. Nicht zuletzt aus Sorge, aber auch in der Hoffnung, da§ wir um unserer und unserer Kinder geglŸckten Leben willen mehr werden und uns so stŸtzen in unserem Verstehen der Welt und des Menschen darin, im Verstehen unseresbendlandes, und im Verstehen und damit mšglichen Lieben der Menschen.

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