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Aus meiner Arbeit fŸr Unternehmen Testkunde im Schlo§ Schšnbrunn - Bericht Um die Sache in jedem Fall rund zu machen kleide ich mich nach Art ãalpenlŠndischer Monarchist," mit Lodenmantel, Tweedkappe (echter Harris-Tweed!) Knickerbockers und v.a. meinem Spazierstock fŸrs Gebirge, aus gebogenem Birkenholz, den am unteren Ende ein eingearbeiteter Stahlnagel auszeichnet, damit man am Gei§zinken nicht ausrutscht. Dazu meine Profi-Fototasche, meine AusrŸstung. Kaufe dann im Supermarkt ums Eck eine Wurstsemmel samt Cola-Dose, und betrete so gegen 9.30 Uhr die Schlo§anlage, somit noch mit einem wunderschšnen Adeg-Heimat-Sackerl verziert. In der Trafik schleiche ich eine Runde um die Theke, die beiden Damen sind irgendwie beschŠftigt, schlie§lich melde ich mich Ð noch mit meiner sehr heiseren Stimme, ich war ja krank gewesen Ð und verlange Zigaretten, die in dem Regal von der Decke hŠngen, meine da§ es nur die gibt. Camel. Das junge, entzŸckende MŠdchen entschuldigte sich, sie habe heute ihren ersten Tag. Ob sie auch Parisienne habe. Sie frŠgt die Šltere Kollegin, die schaut ein wenig bissig drein, na so einen Typ gibt es halt, und holt dann Parisienne aus einem Kasten, kommt zurŸck, storniert die Camel anstandslos und ich zahle. WŸnschenswert wŠre ein Schild am Hof, wo es zum Schlo§ bzw. ins Schlo§ hinein geht, denn ich folgte erst ein wenig unsicher dem Hauptweg, bis ich die Leute am linken Seiteneingang bemerkte, und da sah ich auch erst das kaum erkennbare Schild: Schlo§eingang oder so. Das kšnnte wirklich besser sein. Eingetreten durch die zwei mŠchtigen GlastŸren brauche ich ein wenig, um mich zu orientieren. Erst mal die Toiletten. Ich sehe einen Bildschirm, von der Decke oder auf einer SŠule, da blinkt was von WC auf, bis ich aber gesehen habe wo die Toiletten sein sollen wechselt das Bild ... Informationswert m.E. Null. Ich hŠtte gerne auf den ersten Blick einmal einen †berblick gehabt, ich bin so. Also frage ich die Dame bei diesem nicht wirklich schšnen Kiosk mit Filmen etc. Die ist auch nicht wirklich freundlich, deutet wortlos mit dem Daumen Ÿber die Schulter. Ach ja, dort. Ich erleichtere mich. Die Anlagen sind sauber und nett. Dann zu diesem Hof. Ich kann mich nicht orientieren, denn in der Mitte steht eine japanische Reisegruppe, die Leute weichen auch nicht aus, ich kann kaum durch zu diesem Info-Stand, als welcher sich elegant die Garderobe zusŠtzlich ausweist. Der Mann ist freundlich, ich erkenne jetzt die ausgehŠngten drei mšglichen Touren, frage nach der Grand-Tour, wie lange sie dauere. HŠnge demonstrativ meinen Stock Ÿber den Arm. Alles ist korrekt, ich gehe zu den Kassen, freundlich bedient. Wieder frage ich nach dem Tourbeginn, ob ich hier oder dort das Tonband bekŠme, drinnen, da durch, ich gehe los. Frage unterwegs wieder jemanden, nur weiter, alles freundlich. Dann (hier schon? Oder nach dem Drehkreuz?) die TonbandŸbernahme, sehr freundlich, er erklŠrt mit wenigen Worten das GerŠt, ich kenne mich sofort aus. Drehkreuz. Jetzt wei§ ich wirklich nicht, wohinein die Karte, um wo durchzugehen. Ich stecke rechts Ð geht nicht. Die Dame hinter dem Schalter sagt links. Ich stecke links, verkehrt, absichtlich, was schwer ist, weil die Beschriftung ziemlich eindeutig ist. Wieder nichst. Anders sagt sie, noch nicht ganz wach. Bei ihr stehen zwei andere Damen, eine hŠlt sich charmant an ein KaffeehŠferl geklammert. Ein bissel privat von der Kleidung her kommt mir auch das junge Ding am Eingang zum ersten Raum vor. Jugendlicher Schmuddellook halt, ich persšnlich mag das nicht so. Das FunkgerŠt hat sie am Boden stehen, kuschelt sich in ihren Jacke, es ist ja kalt. Ich gehe raus und rein, schaue hilflos um mich, drŸcke am GerŠt mal hier, mal da. Ohne da§ ich frage kommt das MŠdel und erklŠrt mir sehr lieb, wo die Tour beginnt und wann ich ãStart" drŸcken mu§. Ich sehe weit und breit keinen Aufseher, ein bissel bin ich enttŠuscht. Mehrere Leute gehen mit mir, wir schauen. Schon in einem der ersten PrivatrŠume von Kaiser Franz Joseph denke ich mir, so, jetzt. Knipse, ohne Blitz, es ist ja ein 400 ASA Film. Nichts passiert. Im Schlafraum des Kaisers ist es glaube ich, wo noch eine weitere TŸr gešffnet ist, zum Einblick. Ich Ÿbersteige die Absperrungsseile, der Teppich rutscht, plštzlich Alarmgeheul. Verlegen tuend steige ich zurŸck, die andren Touristen lachen mich an. Wir entdecken die Bewegungsmelder. Aha. Das Geheul hšrt auf. Nichts passiert. Mit hochrotem Kopf gehe ich weiter, schaue zurŸck, der Teppich ist tatsŠchlich verrutscht. Tonband, zuschauen, knipsen wann ich will, es gibt keine Aufseher. Ich sehe, da§ auch viele andere Photoapparate umgehŠngt haben, einmal jemanden mit einer gro§en Videokamera in der Hand, als hŠtte er gerade gefilmt. Nach ein paar RŠumen halte ich es fŸr unverfŠnglich und packe meine Wurstsemmel aus, wandere mit der weiter, esse sie genŸ§lich. Nichts passiert, die Fettfinger ãwische" ich in die Stofftapezierungen, die ich antatsche, oder hinterlasse auf den GlaskŠsten oder GlaswŠnden, an die ich mich lehne, meine AbdrŸcke. Nichts passiert. Stolziere mit meinem Stock, ach ja, da sind ja Parkettbšden, nicht nur Teppich. Mit dem Nagel am unteren Ende. (NatŸrlich tue ich nur so, mir tut der Parkett leid und Schaden will ich nicht verursachen.) Einmal huscht eine Dame im Arbeitsmantel vorbei. Dann drei auslŠndische Putzfrauen, die nehmen dann ein kostbar aussehendes Kasterl von einem Tischchen, so ganz auf handfest, ich erschaudere innerlich, es sieht so kostbar aus, und putzen herum, es werden schon ganz schšn viele Touristen. Ab und zu sehe ich StŸhle, auf denen sollen wohl die Aufseher sitzen, denke ich. Irgendwann versuche ich es wieder: Ich beuge mich Ÿber die Absperrung, betatsche einen Stuhl, versuche mit der Hand seine Federung, aha, StrohfŸllung, tatsche alles an. Es wird mir zu bunt. Wieder Ÿbertrete ich die Absperrung, diesmal seitlich, wieder geht die Alarmanlage, ich husche zurŸck. Nichts passiert. Den ersten Auseher, ein junges MŠdel, sehe ich auf einem hšheren Stuhl sitzend in diesem Saal (Nr. 26?) mit den riesigen Kršnungsbildern Ma. Theresias. Ich gehe auf sie zu, frage, ob man denn das TonbandgerŠt nicht auch vorschalten kšnne, wenn man mal was nicht hšren mšchte. Sei ist au§erordentlich freundlich, mich stšrt nur ihr Palestinensertuch, rein persšnlich natŸrlich, und mit ein paar blitzschnellen Handgriffen stellt sie mir mein Tonband auf den aktuellen Saal ein. So tut es mir fast leid, als ich den nŠchsten Schritt gerade hier setze: Beim Verlassen des Saales hole ich mir die Cola-Dose aus dem Sackerl und šffne sie. Pffh, Sie kennen das. Nicht spassiert. Dann wandere ich mit der Dose in der Hand, jener Arm, an dem auch mein Stock baumelt, wenn ich ihn nicht ãverwende," weiter, trinke allmŠhlich das Cola. Photographiere. Trinke. Greife an, was ich erwischen kann. ãDas ist der kostbarste Raum des Schlosses," sagt irgendwann das Tonband. Zwei reizende MŠdchen sitzen auf einem GerŸst und putzen die WŠnde. Ich schaue ihnen zu. Tatsche die orientalischen Wandeinlegearbeiten an. Ein paar RŠume lang schlie§e ich mich einer japanischen Reisegruppe an, gefŸhrt. Die Dame schaut zwar auf meine Cola-Dose, sagt aber nix. Vielleicht kann sie nur japanisch. ãAustro Tours" oder ãAustro Guide" oder so steht auf einem rotwei§roten (?) Schild, das sie angesteckt hat, ich bin mir lange Zeit nicht sicher, ob sie nicht zum Schlo§ gehšrt, drum provoziere ich indem ich mitgehe und an meinem Cola nippe. So komme ich in den gro§en Ballsaal, laufe herum, schaue mir alles an und wieder an, bleibe mitten im Saal stehen und photographiere die Ma. Theresia-Statue. Mehrmals. Aus den Augenwinkeln sehe ich das Aufleuchten eines Blitzes. Da sehe ich im nŠchsten Raum Ð es wird darin gearbeitet, er sieht wie eine richtige Baustelle aus, aber alles ordentlich, zweifellos Ð einen Herrn mit grauem wallendem Haar im GesprŠch mit einem JŸngeren Ÿber die Arbeiten vertieft. Das Klicken meines Photoapparats, der Blitz des anderen, der mu§ das doch ... nichts passiert. Die Cola-Dose halte ich auch noch demonstrativ in der Hand, als ich eine Putzfrau fast Ÿber den Haufen renne. Nichts. Den zweiten Aufseher, einen jungen Mann, entdecke ich im Jagdzimmer, im Raum davor bleibe ich in der Mitte stehen, damit er mich sehen kann, und photographiere dieses berŸhmte Bild von Ma. Theresia, da ist er verschwunden. Kurz Ÿberlege ich, ob das TonbandgerŠt in die beiden grauen Plastikkisten gehšren, die auf der Seite aufgestellt sind. So komme ich in den Shop. Tatsche die Ware an, ich sehe keinen Menschen au§er Kunden. Fettfinger, und dann das Buch ... mir als Literaten zieht es alles zusammen. Keiner wŸrde es sehen. Ich greife ein Buch nur am Umschlag an. Hole mir dann zwei Ansichtskarten, und gehe mit der Cola-Dose in der Hand, die ich in Brusthšhe stets hielt, zur linken der beiden Kassen. Der junge Mann mit nettem BŠrchen rŸstet sich zum Kassieren. Ich stelle die Cola-Dose auf den Tresen und frage ihn, ob er das entsorgen kann. NatŸrlich, sagt er Šu§erst freundlich, und schwupps, ist die Dose weg. Ich frage ihn nach den KaisergemŠchern, er erklŠrt es mir freundlich, die seien in der Hofburg. DAS habe ich ehrlich gesagt nirgendwo erfahren. Was man noch so zu sehen bekŠme. Na, die Wagenburg, sagt er, und das ãBergerlzimmer" oder so. Ich frage nach. Ehrlich, ein kleiner Makel, ich wei§ nicht wovon er redet. Frage noch nach Briefmarken, er gibt sehr zuvorkommend Auskunft, sympathisch. Auf dem Papiersackerl, in das er mir die beiden Postkarten einpackt, sehe ich noch: Silberkammer. Aha. Das habe ich nun erstmals gesehen. Das MŠdchen an der Nebenkassa Ð was haben Sie da fŸr hŸbsche MŠdels beschŠftigt! - fŠngt zu lachen an, als sie mich sieht. Aber sicher nicht weil ich so gut aussehe, ein wenig fŸhle ich mich ausgelacht, so als Gebirgsmensch. Oder hat sie gelacht wegen der Cola-Dose? Aber hŸbsch und so ein lieber Mund ... ach, wŠre man da gerne wieder zwanzig. Gerade in dem Moment, wo ich lŠstig wieder nach dem WC fragen will sehe ich das Schild: WC im Erdgescho§. Alles paletti, das halte ich nach dem Cola noch aus. Und kalt ist es ja auch. Das Tonband habe ich an der Schlaufe ebenfalls nun am linken Arm, gehe weiter. Eine Dame steht rechts. Ich gehe vorbei, Alarmgeheul oder so. Ohne was zu sagen, aber sehr hšflich und diskret reckt sie ihren Arm nach dem Band, ich entschuldige mich, gebe es ihr. Unten gehe ich wieder zur Kassa, wieder der Hof voller Touristen, ich werde da leicht klaustrophobisch, so ein Gewusel. Als Architekt, der ich ja auch war bzw. bin sage ich: Da mŸ§te man mehr klare Linien reinbringen, das verwirrt alles irgendwie. Wobei die Schilder mit den mšglichen Touren gut sind, man kennt sich gleich aus. Wenn man sie entdeckt hat in diesem Linienwirrwarr und Menschengewimmel. Der Mann an der Kassa ist sehr freundlich: Nein, die Silberkammer, ich zeige ihm das Sackerl, ohne das hŠtte ich das ja gar nicht erfahren, die ist auch in der Hofburg. Korrekt, hšflich, nix zu sagen, die sollen ruhig tratschen, in dem Moment wo man sie anspricht Ð schon beim Eintritt war es so Ð sofort volle Aufmerksamkeit auf mir. Toll. Und dabei spreche ich ja so leise, weil ich schwer verkŸhlt im Halse bin. Dann noch einmal die Toilette. Diesmal aber geht es nimmer: Japaner stehen diszipliniert Schlange, ich mu§ lŠcheln bei dem Anblick, die Toilette ist aber kaum mehr zu betreten. Ich schau mich um Ð ah, ein weiteres MŠnnchen/Weibchen-Schild, und sogar ein Wickelraum scheint da zu sein. Ich betrete den Gang, der mir vorkommt als solle er nicht mehr zugŠnglich sein, kein Mensch weit und breit, viele TŸren offen, ich sehe die WCs, alles wieder sauber, ordentlich. NachtrŠglich finde ich auch den Preis o.k. Die kurze Tour Ð wobei ich mich frage, wie die aussieht? - scheint richtig preisgŸnstig. Die 9,8 Euro fŸr die Grand-Tour erscheinen mir absolut in Ordnung. Und mit einem Silberlšffel hŠtte ich die locker wieder reingebracht ... Noch nachgetragen: Ich mu§ Ihnen summa summarum ein gro§es Kompliment machen. Noch NIE habe ich Ð und ich habe doch auch schon einige Schlšsser etc. besucht Ð so ein familiŠres GefŸhl bei einer Besichtigung gehabt! Woanders wirkt alles so distanziert und ãgeht mich nix an." Ich habe mich hier aber richtig wohl gefŸhlt! Anders als bei meiner ersten Besichtigung vor sicher gut fŸnfzehn oder mehr Jahren. Das war als wŠre alles wieder lebendig, so persšnlich alles, GROSSES KOMPLIMENT!!! Ich finde nur Pingeligkeiten auszusetzen, wie erwŠhnt, und den Stellenwert des Photographierens oder eines Eisenstocks oder des Essens und Trinkens wŠhrend der Tour mŸssen Sie selbst beurteilen. Es hat mir aber gefallen! Ab und zu sind ja Baustellen, aber das stšrt nicht, ist sogar auch interessant, weil man hinter die Bespannungen etc. sehen kann. Und man ist irgendwie stolz, da§ alles wieder in Ordnung kommt, auch in den GŠrten sieht man ja die Arbeiten. Und nett war auch da§ Ÿberall so junge Leut herumstehen Ð sofern allerdings Ÿberhaupt welche herumstehen, das halte ich fŸr leicht fahrlŠssig. Ganz ehrlich gesagt nŠmlich hŠtte ich Angst, da§ jemand mal was mitgehen lЧt, denn das wŠre mir derart leicht mšglich gewesen, da§ ich selber staunte. Und dabei waren gar nicht wenige Leute unterwegs, und das an einem Donnerstag Vormittag. Was fŸr Silberbesteck ... da§ die das in den Mund bekamen ... in Reichweite!!! Man fŸhlt sich wenn schon von den Touristen selbst mehr beobachtet und kritisiert, wenn man sich so blšd benimmt wie ich, als von Aufsehern. Ich habe mich angelehnt wo ich wollte, bin herumgelŸmmelt auf den GlaskŠsten, da§ mir angst und bang wurde, ich hab ja ca. 100 Kilo ... Und ich habe nachgeschaut, nachdem ich es ja erfahren habe: Da waren auch sehr oft keine Bewegungsmelder! Keiner kriegt das mit, in meinem Sackerl oder in meinem weiten Lodenmantel hŠtte ich alles mšgliche mitgehen lassen kšnnen. |
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