Der dreiteilige Film Helena basiert auf einem Roman des Autors Eberhard Wagner (Passagen-Verlag, Wien, 2000, alle Rechte fŸr Verfilmung beim Autor) und hŠlt sich weitgehend an die Vorlage. Es handelt sich um eine in sehr realistisch-naturalistischer Weise erzŠhlte Geschichte um die zum Zeitpunkt der Haupthandlung siebenundzwanzigjŠhrige Helena Surbeer.

 

FILMISCHES KONZEPT - HELENA - Der Film -

von Eberhard Wagner

 

VorausŸberlegungen: Was teilt ein Film mit? Ist er nicht Ÿberraschend arm an Mitgeteiltem? Wird nicht auf phŠnomenologisierte "Handlung" ("action") zu viel Wert gelegt? Uns tritt im Film eine Sinnenwelt gegenŸber, die scheinbar gleich der Wirklichkeit ist, aber in wenigen Stunden verarbeitet werden soll. Das Leben erzŠhlt sich aber in langen, manchmal jahrelangen Handlungsbšgen, und der Mensch kann auch nicht anders verarbeiten. Die Ansicht, da§ ein Film "Handlung" haben mu§ ist wenigstens dahingehend zu hinterfragen, wieweit "Spannung" als Element der Identifikation nicht auch auf ganz anderen Ebenen erzielt werden kann - nicht als Experiment, sondern als Behauptung. Entsprechend sucht das filmische Konzept eine andere Identifikationsebene (die schon im Buch - das ja "hintertrieben" genug ist - von bisher allen Lesern als Hšchstspannung  erlebt wird)

Die Geschichte ist - bei allem philosophischen Hintergrund, aber alle Philosophie entsteht aus Geschichte - sehr einfach konzipiert und leicht nachzuvollziehen. Sie bietet in den Protagonisten ein breites und sehr tiefgreifendes Identifikationsspektrum. In subtiler Dramatik wird eine breite GefŸhlsskala aufgebaut (von der der Betrachter gar nicht "wu§te" und wei§) und auf packende Weise einer Wandlung und KlŠrung zugefŸhrt. Das Konzept beruht auf drei HandlungsstrŠngen, die zusammengefŸhrt werden: Die Geschichte der Eltern HELENAs, jene der Schwester der Protagonistin Sabine und ihres Verlobten Victor, sowie die Geschichte von Helena und Bernhard.

Alle drei Teile sind dramatisch eng miteinander verknŸpft und so ein Ganzes: Stets werden Elemente offengelassen, die Spannung erzeugen und nach einer Lšsung in den nŠchsten Teilen verlangen, bis hin zum Schlu§, der sŠmtliche Elemente der Fesselung in einem "happy end" auflšst. Dennoch hat jeder Teil fŸr sich einen eigenen dramaturgischen Aufbau.

Im ERSTEN TEIL, der natŸrlich Expositionscharakter hat, wird in RŸckblenden auf ihre Kindheit sowie die Vergangenheit auch ihrer Eltern ein Werdegang angedeutet, der einen dramatischen Hšhepunkt in einer ausgewogenen HinfŸhrung und Schilderung ihres Mi§brauchs durch den Vater findet.

Dabei lšst sich das Geschehen von einem einfachen Schwarz-Wei§-Denken und versucht, die Ambivalenz zu zeigen, aus der Schuld entstehen kann: Hier Zufall und SchwŠche, dort kindliches Denken. Mit einem Hintergrund, der manche feministische Standpunkte ein wenig auf den Kopf stellt: Erotik als Machtinstrument der Frau, weil sie fŸr den Mann eine der grš§ten aperzeptiven KrŠfte darstellt. Entsprechend finden sich in Helena immer wieder erotische Szenen, die in der filmischen Darstellung aber auf das Zeigen der Schšnheit beschrŠnkt werden, wŠhrend vordergrŸndige SexualitŠt, die nicht an der Schšnheit stehenbleibt, nur angedeutet wird. An ihnen wird ihre Wirkung auf den Mann gezeigt, die ihn vom vernŸnftigen Handeln abzieht. Alkohol spielt in dem gesamten Film eine nicht unwesentliche Rolle; aber auch hier subtil: Bernhard wendet ihn zum Schlu§ an, um seine rationalistische †berspanntheit kurzzeitig aufzulšsen - legitim also.

Der erste Teil bezieht viel seiner Eindringlichkeit aus der Identifikation mit dem Nachkriegsgeschehen, dem Mitleid mit dem lebensuntŸchtigen Adolf auch angesichts des Hasses, der ihm von seiner Frau Ruth entgegengebracht wird. Und der sich auf  Helena erstreckt, wobei nur der Zuseher ahnt, da§ Ruth das Wissen um den Mi§brauch durch Adolf diesem gegenŸber subtil anwendet, um Macht Ÿber ihn auszuŸben. Als Hauptkonflikt bleibt zum Schlu§ offen: Spannung Victor und Helena versus Bernhard und Helenaangetrieben um das Wissen um ihren Willen zur €nderung, Spannung Adolf und seine Tšchter, Spannung ob Ruth egoistisch Adolf verlŠ§t.

Im ZWEITEN TEIL scheint die Titelheldin sowie die (etwas naiv-linkische) Sympathiefigur Bernhard am Ziel zu sein. SorgfŠltig wird die Erwartung des GlŸcks der beiden aufgebaut - beide die grš§ten SympathietrŠger der Geschichte - und nichts scheint mehr dazwischenkommen zu kšnnen. Doch durch einen dramaturgisch hšchst spannenden Aufbau "versŠumt" Bernhard sein Ziel, und die am wenigsten sympathische Figur Victor gewinnt in einer Peripetie. Gesteigert durch die Einblicke in seine Motivation. Die Sorge um das Wohl HelenaÕs aber erhŠlt ihre Spannung aus dem Wissen um den instabilen Charakter VictorÕs, sowie aus dem beginnenden und offensichtlichen Selbstverlust der Hauptprotagonistin. Dieser Teil endet mit diesem Zwiespalt: Man ahnt die BrŸchigkeit des GlŸcks, und sieht die klarste Identifikationsfigur in ihrer SelbsttŠuschung. WŠhrend Bernhard verloren hat.

Zugleich aber wird Victor von Seiten gezeigt, die auch ihn nicht unbedingt als den "Bšsen vom Dienst" erscheinen lassen. Der Betrachter wird in seinen Identifikationen mehrfach hinterfragt, mu§ Stellung beziehen und unterscheiden als Voraussetzung fŸr noch tiefergehende Verwachsung mit dem Geschehen.

 

Im DRITTEN TEIL kollabiert das Geschehen: Ausgehend von einem GlŸck HelenaÕs, das durchaus Zukunft zu bergen scheint, brechen Ereignisse herein, die VictorÕs CharakterschwŠchen offenbaren. Die AbhŠngigkeit HelenaÕs wird furchtbar, und man erkennt immer mehr, wie der schwache Victor mit ihr spielt. WŠhrend Bernhard hilflos zusehen mu§.

Zugleich wird die wenig sympathische Figur der Mutter, Ruth, in ihrem egoistischen Weg der GlŸckssuche gezeigt, die in Kontrast zur Verzweiflung, die Adolf aufgrund seiner Lebenslage endgŸltig befŠllt, hohe Spannung und GefŸhlswallung garantiert. In dem Moment aber, wo ihre Seifenblase der Illusion zerplatzt, und sie plštzlich zur Sympathiefigur wird, die sich gefunden hat, konstrastiert diese Spannungslšsung mit dem furchtbaren Ahnen, da§ ihre Wende zu spŠt kommt.€hnlich mit dem letzten Versuch BernhardÕs, der sich vor dem Hintergrund bewegt., da§ der Zuschauer wei§, da§ Helena gerade im Begriff ist, sich selbst zu tšten. Nachdem sie von Victor als Hšhepunkt einer Reihe von DemŸtigungen wie vernichtet wird. Und noch tiefer geht es: Die tragende Identifikationsfigur wird auch noch von primitiven Trinkern vergewaltigt. Die das Geld fŸr ihren Alkoholexze§ ... von Bernhard haben. Aus diesem Nichts aber erhebt sich Helena und zukŸnftiges GlŸck wird angedeutet, das befreit.

In einem letzten dramatischen Akt kehrt Ruth nachhause zurŸck. Und wŠhrend man erwartet, da§ sie vor dem Nichts steht, atmet man befreit auf (vor dem Hintergrund des Mitleids mit der gelŠuterten Ruth), als sich Adolfs Selbstmordversuch als grotesk gescheitert herausstellt.

Die deutlich herausgearbeiteten "antipathischen" Figuren Sabine und Victor aber werden in eine Illusion entlassen, deren bevorstehendes Scheitern der Betrachter nicht ohne Schadenfreude ahnt.

Die Orte der Handlung - BonviŽ, Trobeau, der Flu§ Dash - sind bewu§t fiktiv: Sie sollen eine Identifikation erleichtern, indem sie Distanz durch die Fiktion ermšglichen. Die Landschaft selbst ist im gesamten Bereich Mitteldeutschland - Alpenvorland …sterreich mšglich, die Schicksale zwar regional etwas geprŠgt, aber dennoch Ÿberall in Europa anzusiedeln. Das Genre selbst ist ebenfalls so universal gehalten: BŸrgerliche Mittelschichte. Elemente der heutigen Globalzivilisation also.

 
     
johannes
darstellung
ambrosius
sprache
EBERHARD
stimme
WAGNER
©
wort
   
 
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