EXPOSƒ - HELENA - Der Film - von Eberhard Wagner

 

Diese Geschichte, die in drei Teile gegliedert ist, spielt vorwiegend in BonviŽ, einer Stadt mit 250.000 Einwohnern, sowie dem Dorf Trobeau, das sich 25 km davon entfernt befindet. Die Haupthandlung, in der sich mehrere HandlungsstrŠnge verbinden, spielt in der Zeit vom 4. bis zum 21. Juli 1996, im ersten Teil erfolgen RŸckgriffe auf 1958, sowie in der Kindheit HelenaÕs von 1968 bis 1977. †ber dem Land liegt drŸckende Hitze, die schon Wochen andauert.

Teil 1

 

Helena Surbeer lebt ein sehr eigenbestimmtes und freizŸgiges Leben, das fŸr sie den Inbegriff von Freiheit vorstellt. Sie arbeitet in der Verwaltung des GemŸsegro§hŠndlers Kowalsky in Bonvie. Dort hat sie sich den Nimbus der einsamen Wšlfin erworben, wobei von den Arbeitskollegen ihre seltsam gleichmŸtige Einstellung zu ihrem Kšrper geschŠtzt wird: Sie lŠ§t sehr vieles zu ohne zu reagieren.

Das ist ihrem heimlichen Verehrer ein Dorn im Auge, der ihr nicht nur wšchentlich anonym Blumen schicken lŠ§t, sondern sich auch einschaltet, wenn die Kollegen sich an Helena begeilen. Bernhard Ziegelbauer ist als Zweiunddrei§igjŠhriger noch ledig und trŠumt von einer FamiliengrŸndung mit Helena.

Der Film beginnt, als Helena wieder einmal einen Bettgenossen fŸr eine Nacht abschleppt "wie der Magnet Ÿber den Kehricht fŠhrt und Eisen sammelt". Sie wimmelt ihn kŸhl am Morgen wieder ab. An diesem Wochenende - beginnend am Samstag, 6. Juli 1996 - wird sie nach langen Jahren erstmals wieder in ihr Elternhaus nach Trobeau zurŸckkehren. Ihre Schwester Sabine will sich mit Victor Dšrrich verloben und hat sie eingeladen. Obwohl Helena gro§en Widerwillen hat und von Familienangelegenheiten nichts mehr wissen will, hat sie zugesagt.

Am Freitag Abend dšst sie ein. Eine am Gang ihres Wohnhauses, in dem sie eine Einzimmerwohnung besitzt, zuschlagende WohnungstŸr lšsen in ihr im Halbschlaf Assoziationen aus, die sie in ihre Kindheit zurŸcktragen.

An jenem Abend im Oktober 1977 schlug auch die HaustŸre zu. Nach einem der zahllosen Streits ihrer Eltern hat die Mutter das Haus zu ihrer obligaten Frauenrunde im Pfarrhof verlassen. Helena, ein achtjŠhriges MŠdchen, horcht gespannt in ihrem Zimmer auf die Laute ihres Vaters, der in der KŸche im Erdgescho§ sitzt und trinkt. Als auch er ins Bett geht, steht Helena wieder auf und geht aus dem Zimmer.

In verschieden geschichteten RŸckblenden, die immer wieder vom Fortgang dieses Abends im Oktober 1977 unterbrochen werden und der die Gegenwart HelenaÕs langsam aufklŠrt, wird nun die Geschichte der Ehe der Elterns HelenaÕs gezeigt. Adolf wuchs bei einer Stiefmutter auf, sein Vater war ein landbekanntes Filou, ViehhŠndler, der landauf landab seine BŠlger in die Welt setzte und auf zu gro§em Fu§ lebte. Adolf, der eine kŸnstlerische Seele besitzt, kommt mit der Welt nicht zurecht. Er wird vom Vater im Suff an Jakob Schweitzer "verschachert", der ihn als Hausbursche in seinen heruntergekommenen Reiterhof aufnimmt.

Ruth, die Mutter HelenaÕs, wuchs mit drei Schwestern auf diesem Reiterhof auf. Ihr Vater stirbt, als sie sieben Jahre als ist, an Leberzirrhose, kurz darauf die Mutter. Die Šlteste Schwester RuthÕs, Kerstin, schon von einem Bauingenieur schwanger, wird von diesem im Stich gelassen, und heiratet in Panik Jakob Schweitzer. Der trinkt und spielt und verspielt nach und nach den ganzen Hof. Die Schwestern wachsen ohne Elternhaus auf, und alle heiraten frŸh. Nur noch die sechzehnjŠhrige Ruth ist am nun "Schweitzrhof" genannten Gut.

Dort lernt sie den im Malen sich versuchenden Adolf kennen; und wird von ihm schwanger: Die beiden heiraten im Alter von siebzehn Jahren. Und es gibt von Anfang an Streit: Ruth, die mit ihrem Lebensschicksal immer unzufriedener ist, als sich herausstellt, da§ Adolf wenig Geschick hat, ein Leben, wie es von den anderen als "vernŸnftig" angesehen wird, auf die Beine zu stellen. Sie macht ihm das Leben zur Hšlle, dem er als Fremder gegenŸbersteht. Er flŸchtet immer mehr in das Trinken.

Helena wŠchst in diesem fried- und freudlosen Klima zu einem sehr hŸbschen MŠdchen heran. Die Mutter ha§t sie, und deshalb gehšren ihre ganzen Sympathien mehr und mehr dem Vater. Und auch der Lehrerin, die sie abgšttisch verehrt und am liebsten als Frau ihres Vaters sŠhe. Bei einem Schulausflug zum Ende des Schuljahres 1977 beobachtet sie die Lehrerin, die ihr einen neuen Begriff von Freiheit im Geist der Studentenbewegungen von 1968 vorlebt, wie diese mit einer Begleitperson im GebŸsch verborgen schlŠft. Von nun an meint Helena, zu jedem Handeln autorisiert zu sein.

Als an diesem Abend im Oktober 1977 die Eltern wieder streiten, hat sie einen Entschlu§ gefa§t. Sie schleicht ins Zimmer ihres Vaters, der bereits schlŠft, legt sich zu ihm und es kommt zum Geschlechtsakt. Der Helena grŸndlich verŠndert: Sie meint nun, Anspruch auf Vollwertigkeit zu besitzen.

Adolf aber wird mit seiner Schuld nicht mehr fertig. In einem Akt der Selbstaufgabe unterwirft er sich seiner Frau, die etwas ahnt, nachdem sie Blutflecken am Laken entdeckt hat. Von nun an ist sein Leben unter der Schuld geknechtet, mit der Ruth, seine Frau, spielt und ihn so in die Hand bekommt. In einer Art Solidarisierung verbŸnden sich die Eltern und Helena erlebt sich všllig ausgesto§en.

Neuerlich versucht sie, den Vater auf ihre Seite zu ziehen, aber der hat sich nach der Geburt des zweiten Kindes Sabine všllig unter dieses ihm eigentlich fremde Leben gestellt. Helena schlie§t sich všllig gegen ihre Eltern ab.

Als Helena nach langen Jahren der Abwesenheit und Freiheit wieder im Elternhaus ist, hat sich wenig geŠndert. Nach wie vor ist der Vater der Lakaie der Mutter, die ihn in der Hand hat. Sabine, die wie immer erst spŠt nachts von ihrer Discotheken-Tour nach hause gekommen ist, erscheint am spŠten Vormittag. Sie ist hŸbsch und keck. Helena bemerkt, wie sehr Adolf noch immer unter dieser Anziehung geknechetet ist, sich freiwillig knechtet. Sabine erzŠhlt aus ihrem Leben.

Am Abend kommt ihr BrŠutigam: Sein Vater gilt als einer der wohlhabendsten BŸrger BonvieÕs. Victor ist als typischer Jungmanager karrierebewu§t, wen auch erst unsicher in seinem Benehmen Helena gegenŸber, die ihm aber merklich gefŠllt: Frau neben dem MŠdchen Sabine, seiner Braut. Sie feiern abends auf der Terrasse die Verlobung. Es fŠllt Victor auf, da§ Helena sehr viel trinkt. Stolz erzŠhlt Sabine davon, da§ Victor an der Bšrse spekuliert.

Nach dem Mittagessen des Sonntag schlŠgt Victor vor, zum Baden an die Dash zu fahren, drŠngt auch Helena, mitzufahren. Sabine streckt sich nur zum Sonnen am Ufer aus. Helena bemerkt, da§ Victor sie mit wachsendem Interesse beobachtet.

Als sie zurŸckkommen, parkt vor dem Elternhaus HelenaÕs ein fremder Wagen. Ruth fŸhlte sichzunehmend unwohl, bis sie nach einem Arzt verlangt. Dr. Estlect ist ein schon hochbetagter Mann, der vertretungsweise kommt. Ruth streitet mit ihm, denn er deutet an, da§ sie deshalb so Schwierigkeiten mit dem Kreislauf habe, weil sie sich zuwenig bewege.

Zwischenzeitlich erzŠhlt Sabine Victor in ihrem Zimmer, der sie durch Andeutungen, da§ er Helena anziehend fŠnde, dunkle Seiten aus ihrer Jugend, in der Helena die ÔHure vom DorfÕ gewesen war.

Als der Arzt endlich geht, will ihn Victor, der mit Sabine wieder ins Wohnzimmer gekommen ist, hinausbegleiten. Diesem fŠllt VictorÕs Neurodermitis auf, und sie beginnen ein GesprŠch. Darin fŸhlt sich Victor aber zunehmend angegriffen und vor den Frauen blo§gestellt, soda§ der Arzt bald geht. Helena geht ihm nach, denn er hat etwas gesagt, das sie hellhšrig gemacht hat. Sie setzt das GesprŠch mit ihm fort. Als sie der Arzt liebevoll am Kinn nimmt und ihr sagt, da§ es sein kšnnte, da§ sie jemanden brauche, fŸr den sie dasein kšnne, bricht etwas in ihr auf. Sie zieht sich zurŸck und weint erstmals seit langer Zeit wieder.

 

Teil 2

 

Helena beschlie§t, ihr Leben zu Šndern. Sie erscheint plštzlich auch zu frŸher Stunde zur Arbeit, die bis jetzt die Stunde des Bernhard Ziegelbauer war. Der folgert aus der Wandlung HelenaÕs, da§ nun der Zeitpunkt gekommen sei, an dem er sein Ziel direkt anstreben kšnne. Er ist in sie verleibt, und sie scheint seine Zuneigung zu erwidern. Bernhard schwelt im GlŸck, und eien Beziehung scheint sich anzubahnen, die sich freilich erst auf harmonische Zusammenarbeit bei Kowalsky beschrŠnkt.

Victor erhŠlt in seinem BŸro bei Drumbish, wo er Controller ist und auch fŸr das LiquiditŠtsmanagement zustŠndig, unter AusnŸtzung seiner Stellung von einem Vertrauensmann bei der Hausbank seiner Firma einen Insidertip: Er soll auf ein Steigen und anschlie§endes Fallen der Kurse von Beta setzen, denn der Vertrauensmann wisse von der Transaktion und einem geplanten Coup der auslŠndischen Clarich-Gruppe. Victor entschlie§t sich zu einem hoch riskanten Einsteigen in reien Spekulationspapiere. Er sieht eien Chance, endlich seinem Vater seine TŸchtigkeit zu beweisen, der ihn nie geachtet und als verweichlichtes Sšhnchen verspottet hat. Er sieht sich endgŸltig in der ersten Liga spielen, auch weil ihm seine Machtposition deutlich wird.

Im GesprŠch mit ihren Kolleginnen Šu§ert Helena zunehmend Ansichten, die ihre VerŠnderung zum Erstaunen der anderen anzeigen: Plštzlich spŸrt sie eine Sehnsucht nach einem ganz normalen Leben, nach Eingebundenheit in AlltŠgliches, wie es das Leben aller anderen Menschen auch bestimmt. Ihre Einsamkeit wird ihr immer bewu§ter. Ihrer ganzen Umwelt entnimmt sie nun Signale, die ihre Sehnsucht nach Gebundenheit verstŠrken. Wenn auch Bernhard kein "Traummann" ist - er ist linkisch, unsicher, und ein Muttersšhnchen - so findet sie ihn zuznehmend sympathisch.

Und so stimmt sie zu, als er ihr nach langem inneren Ringen vorschlŠgt, sich mit ihm zum Essen am Samstag Abend zu verabreden. Denn Bernhard hat nun Angst, denn er erfa§t, da§ sich an einem Wochenende viel abspielen kann. Helena ist endgŸltig entschlossen, ihr Leben zu Šndern, und Bernhard schwebt im siebenten Himmel: Er ist am Ziel seiner TrŠume und fŠhrt beschwingt zu einem Kunden.

>In einem BŸro in der Innenstadt von Bonvie sitzen honorige GeschŠftsherren: Vorstandsmitglieder und GeschŠftsfŸhrer der Drumbish-Gruppe, in der Victor Controller ist, und der auslŠndischen Clarich-Gruppe. Man beschlie§t, die Taktik fŸr einen ursprŸnglich geplanten Coup zu Šndern: Clarich wollte Drumbish Ÿbernehmen, daneben auch ein Unternehmen nanems Beta, das durch gezielt GerŸchte als konkursreif bekanntgemacht wurde, obwohl man wei§, da§ die Firma fŸr Clarich hohen Wert besitzt. Durch geschickt lancierte GerŸchte, die man vertraulich in die Presse absetzt, wollte man Beta billig aufkaufen. Nun soll Drumbish Beta kaufen, nachdem deren Kurse všllig niedergedrŸckt wurden, weil man sagt, das Kauf wŠre geplatzt. In dem Moment aber, wo Clarich Drumbish kauft, Drumbish Beta Ÿbernimmt, steigen die Kurse, und man hat deren MŠrkte, Markennamen und den Kaufpreis obendrein finanziert: Die Beta-Kurse werden also rapide abstŸrzen, um anschlie§end wieder zu steigen.

Am Freitag noch ruft Sabine, HelenaÕs Schwester an. Sie lŠdt sie fŸr den Abend zu einem Disco-Besuch mit Freunden ein. Helena sagt zu, wenn auch mit ein wenig Widerwillen. Victor habe den Vorschlag gemacht, sagt Sabine.

In der Discothek ist Sabine in ihrem Element. Victor bemerkt den Unterschied zwischen der reifen Helena und dem jungen Ding, das sich wie ein Kind benimmt. Er benimmt sich sehr distanziert zu seiner Braut. Als sie endlich am Parkplatz zum Auto gehen, lŠdt er Helena ein, sich am einen Arm einzuhaken. Am anderen hŠngt die všllig erschšpfte und aufgelšste Sabine. Helena lŠ§t ihn gewŠhren, als er den Arm um ihre HŸfte legt und sie an sich zieht.

Bernhard Ziegelbauer verbringt den Samstag in grš§ter NervositŠt in den Vorbereitungen fŸr den Abend. Liebevoll hat er einen Tisch bei einem Gasthof bestellt, der am Stadtrand von Bonvie liegt: Der lauschige Gastgarten und eine sanfte Brise am HŸgel sollen einen wunderschšnen Abend garantieren. Schusselig vergi§t er beinahe auf die Blumen, die er diesmal persšnlich Ÿbergeben wollte, um das Geheimnis darum zu lŸften. Er fŠhrt mit dem Auto des Vaters nach Bonvie um sie zu holen. Der warnt ihn, da§ der Benzintank schon sehr leer wŠre. Als er zurŸck ist, bittet er den Vater, Helena mit dem grš§eren Wagen ausfŸhren zu dŸrfen, denn Bernhard besitzt nur ein "vernŸnftiges" Kleinauto. Auf den Benzinstand vergi§t er všllig. Aufgeregt fŠhrt er um zwei Stunden frŸher weg, er will noch spazieren gehen. Kurz nach Trobeau biegt er in die Schotterstra§e ein, die zum ehemaligen "Schweitzerhof" fŸhrt. Plštzlich bleibt der Wagen stehen, das Benzin ist zu Ende.

Im Elternhaus HelenaÕs verlief der Tag mit gro§er Langeweile. Sabine, die am Abend mit Victor ausgehen mšchte, beginnt bereits am Nachmittag mit ihrer Toilette. Victor, dem langweilig ist, entzŸndet sich an der jugendlichen erotischen Ausstrahlung SabineÕs und versucht immer drŠngender, mit ihr zu schlafen. Doch sie weist ihn zurŸck. Er aber steigert sich in sein Verlangen hinein, bis er sie zu vergewaltigen versucht, wogegen sie sich aber energisch wehrt und ihn verletzt. Sie macht ihm gro§e Vorhalte, nennt ihn Sexschwein. Er ist všllig au§er sich und wŸtend. Sabine beschlie§t, ohne ihn auszugehen, und fŠhrt mit ihren Eltern mit. Adolf, der den ganzen Tag im Garten schwer gearbeitet hat, weil Ruth sich ein Biotop einbildet, mu§ mit seiner Frau zu einem Gesundheitsvortrag. Victor fŠhrt wŸtend alleine weg.

Beide Wagen fahren an Bernhard vorbei, ohne anzuhalten. Der versucht, am Bauernhof Benzin aufzutreiben. Plštzlich wird ihm die Zeit immer knapper. Doch dei BŠuerin kann nicht helfen. Ein dortiger Urlaubsgast bringt ihn zu einer Tankstelle, doch die hat geschlossen. Hektisch ruft Bernhard ein Taxi, das erst um 20 Uhr bei der Telefonzelle eintrifft.

Helena hat den Tag in nervšser Anspannung verbracht. Sie hat sich fŸr Bernhard schšn gemacht, und freut sich, denn ihr Leben soll nun anders werden. Immer bedrŸckender fŸhlt sie ihre Einsamkeit. Als sie um 18 Uhr mit den endgŸltigen Vorbereitungen fŸr den Abend beginnt, lŠutet es an der TŸre. Zu ihrer gro§en †berraschung ist es Victor, der vorgibt, auf einen Kaffee bei ihr vorbeizukommen.

Helena fŸhlt sich sichtlich unwohl, denn VictorÕs Gegenwart bedrŸckt sie. Er inspiziert ihre Wohnung, hšhnt ein wenig Ÿber ihre Verabredung. Doch sie steht zu ihrem Leben, wenn auch zunehmend verunsichert. Denn Bernhard erscheint nicht, als es schon 20 Uhr ist.

Victor wird immer wagemutiger, und macht sich Ÿber Helena und ihren Verehrer lustig, entzieht ihr immer mehr die Basis. Die Uhr rŸckt bereits gegen 20.30 Uhr.

Um diese Zeit ist Bernhard im Taxi gerade an der Stadtgrenze von Bonvie. In seiner schusseligen Genauigkeit stellt er fest, da§ er nun - unter Anrechnung der Taxi-Rechnung - zuwenig Geld fŸr den Abend dabeihaben wird, und er dirigiert den Taxichaffeuer noch zu einem Geldausgabeautomaten.

Victor drŠngt Helena immer mehr, sie solle mit ihm fahren: Er wŸrde sie zum Essen in ein Restaurant einladen, am Stadtrand von Bonvie, auf einem HŸgel belegen, mit lauschigem Gastgarten und einer Brise, die die Hitze, die schon wochenlang im Lande herrscht, ertrŠglich macht. Helena wird immer unsicherer, steht stŠndig am Fenster, doch kein Bernhard kommt.

In einem dramatischen Spiel um Minuten verpa§t Bernhard schlie§lich um Sekunden Helena, die sich kurz vor 21.00 verŠrgert entschlie§t, VictorÕs Angebot anzunehmen. VictorÕs Wagen fŠhrt an, als das Taxi einlangt.

Bernhard, der nur noch zwei MŸnzen besitzt, sucht verzweifelt nach einer Telfonzelle: Vielleicht ist sie bereits vorgefahren, sitzt im Restaurant und wartet auf ihn.

Dort langt mittlerweile Victor ein. Der Wirt aber bedauert, er habe keinen Tisch frei. Da wird er ans Telefon gerufen: Bernhard frŠgt nach einer einzelnen Dame, der Wirt verneint, bittet um den Tisch, Bernhard stimmt resigniert zu, dann ist seine letzte MŸnze verbraucht.

Freudig teilt der Wirt Victor mit, da§ gerade ein Tisch freigeworden sei. Victor bereitet fachmŠnnisch Helena einen schšnen Abend, sorgt unter anderem auch dafŸr, da§ der Alkohol am Tisch nie ausgeht. Helena fŸhlt sich immer wohliger, kuschelt sich in VictorÕs Sakko. Nach einem frugalen Mahl sitzen sie noch bis nach Mitternacht.

Bernhard geht resigniert an das Dash-Ufer. Als ihn zwei Stadtstreicher um Geld anpumpen, gibt er ihnen, was er gerade in der Tasche hat, denn alles scheint ihm nun vorbei. Sein Vater holt ihn zu spŠter Stunde aus Bonvie.

Victor ist am Ziel: Helena, die bereits wankt wegen des Alkohols, ergibt sich ihm endgŸltig. Und sie Ÿbergibt ihm die SchlŸsse zu ihrer Wohnung, als sie aus dem Auto aussteigen. Sie wŠhnt sich endlich glŸcklich

 

Teil 3

 

Der Morgen des Sonntag, es ist der 14. Juli 1996, scheint fŸr Helena die ErfŸllung zu bedeuten. Sie genie§t ihr GlŸck mit Victor, wenngleich sie auch immer wieder Šngstlich darum besorgt scheint. Sie veruscht ihn zu halten, indem sie im jeden Wunsch von den Augen abliest, schlie§lich aber geht er am Nachmittag ohne einen weiteren Zeitpunkt mit Helena vereinbart zu haben, an dem sie sich treffen wollen.

Ruth ist besorgt um das ZerwŸrfnis zwichen Sabine und Victor. Sie bietet ihrer Tochter deshalb an, da§ ihr das Haus Ÿberschrieben werde, um das ihrer Meinung nach bestehende Ungleichgewicht der gesellschaftlichen Stellung zwischen den beiden ein wenig auszugleichen. Sabine fŸrchtet um die damit einhergehenden Pflichten, und will erst ihren BrŠutigam fragen.

FŸr Bernhard Ziegelbauer scheint die Niederlage perfekt, als er sich von seinem gro§vŠterlichen Freund Dr. Estlect animiert zu einer Selbstoffenbarung entschlie§t: Zur HŠme seiner Arbeitskollegen weist ihn Helena kŸhl aber hšflich zurŸck. So bleibt es auch an den nŠchsten Tagen, in denen Bernhard HelenaÕs VerŠnderungen besorgt miterlebt.

Mittlerweile zeigen sich erste Gewitterwolken fŸr Victor: Er erfŠhrt, da§ seine Spekulation vermutlich danebengehen wird, denn die Dinge um den Beta-Kauf liefen nicht wie gedacht. Victor ist wŸtend, verlŠ§t die Firma und betrinkt sich. Eine Niederlage kšnnte ihn in jeder Weise ruinieren. Er fŠhrt zu Helena, die ihn nicht direkt erwartet hat, und lŠ§t seine Wut an ihr aus. Und sie fŸgt sich. Zu spŠter Stunde eršffnet er sich ihr, erzŠhlt ihr von seiner Kindheit und den Schmerz um seine Mutter, die HŠrte, mit der ihm der Vater gegenŸbersteht, und ist sehr weich. Aus seinen Andeutungen sieht sich Helena wirkliche gemeinsame Zukunft.

Doch Victor, dessen Niederlage immer konkretere Formen annimmt, benŸtzt sie, um sie zu demŸtigen. Helena lŠ§t alles zu, fŸgt sich in wachsender Angst, sie kšnnte ihn verlieren, wird immer willenloser und lebt nur noch auf ihn hin.

Zwischenzeitlich, es ist der Mittwoch, fŠhrt Ruth als Teilnehmerin an einer Werbeverkaufsfahrt nach Paris. Es ist fŸr sie eine der Gelegenheiten, zu denen sie sich ein schicksalshaftes Ereignis ersehnt, das ihr ganzes trostloses Leben auf einen Schlag Šndert. Und es scheint sich in einem der beiden Reiseleiter zu bieten, der sie in ein Abenteuer zieht, von dem sich Ruth alles erhofft. Sie Ÿbersieht den lŠcherlich-schmierigen Rahmen, in dem die Ereignisse ablaufen, und wirft sich HervŽ an den Hals.

Adolf ist froh, alleine zuhause zu sein, und verabredet sich mit Sabine, um endlich einmal mit ihr reden zu kšnnen, von Vater zu Tochter. Sein Plan scheitert aber: Sein geplantes Restaurant hat geschlossen, und so fahren sie auf Anregung von Sabine in ein neu eršffnetes Squash-Center, das ihr Victor empfohlen hat. Adolf gelingt es nicht, die Langeweile seiner Tochter zu durchbrechen.

An diesem Mittwoch treffen sich Victor und Helena neuerlich zum Essen in der Trattoria "Giovanni!". Diesmal bietet sich Helena bewu§t erotisch an, und Victor demŸtigt sie durch halbšffentliche Erotik, in der Helena jeden Eigenwillen aufgibt. Sie soll abends in das Squash-Center kommen.

Dort tobt sich Victor beim Sport aus, degradiert Helena zur Nebensache, an der er sich zum Schlu§ gerade eben befriedigt. Dabei aber werden sie von Adolf entdeckt, der sie unfreiwillig heimlich beobachtet. Das fŸr Adolf schockartige Erlebnis bringt fŸr diesen eine innere Wandlung: Er beschlie§t nach langem inneren Ringen, Victor zur Rede zu stellen.

Die Niederlage VictorÕs bei den Finanz-Spekulationen wird endgŸltig: Er mu§ erkennen, da§ er nur in der zweiten Liga spielt, und da§ die von ihm verachteten Vorgesetzten am lŠngeren Hebel sa§en. In diese Ratlosigkeit kommt der Telefonanruf SabineÕs, die um Versšhnung bittet und ihn frŠgt, was er dazu sage, wenn sei das Haus ihrer Eltern Ÿberschrieben bekomme. Das beschleunigt VictorÕs Versšhnungsbereitschaft erheblich, denn nun sieht er sich eine Chance, aus der Malaise herauszukommen, ohne seinen Vater um Hilfe bitten zu mŸssen. Denn gerade hatte der begonnen, seine frŸhere Ablehnung etwas aufzugeben und ihn ein wenige akzeptiert. Ein Hausverkauf, mit dem er spekuliert, wŸrde ihn sanieren.

Helena vergeht vor ungestillter Sehnsucht und nervšser Angst um Victor. Sie lŠ§t alle ihre Pflichten fallen, und ergibt sich všllig dem anstvollen Warten auf Victor. Bernhard stellt in immer grš§erer Sorge ihren Selbstverlust fest und versucht, sie zu finden, aber ohne Erfolg. Helena trŠumt sich in die Illusion eines gemeinsamen Lebens mit Victor hinein, unterdrŸckt ihr inneres Ahnen mit Alkohol.

Als in Paris die nicht zuletzt durch das naiv-lŠcherliche BemŸhen RuthÕs so erfolgreiche Verkaufsveranstaltung am Freitag beendet ist, ist Ruth zu jedem Schritt mit HervŽ bereit. Doch der behandelt sie mit einem male kŸhler, und durch Zufall hšrt Ruth ein GesprŠch der beiden Reiseleiter mit, das fŸr sie das Zerplatzen aller Seifenblasen bedeutet: Sie erkennt, wie primitiv HervŽ wirklich ist, und da§ dessen Leben nur auf Schein aufgebaut ist. In tiefer Reue wŸnscht sie nur noch, nach hause zu kommen.

Zum Termin der Aussprache mit Victor kommt Adolf etwas zu frŸh. Und wird Zeuge eines GesprŠches, das ihm klarmacht, in welchem Ansehen seine Tšchter wirlich stehen. In tiefer Verzweiflung und SchuldgefŸhlen mšchte er sich selbst richten, fŠhrt nach Hause und beschlie§t, sich im Schuppen zu erhŠngen: Er knŸpft an deren Pfette ein Kabel, legt sich die Schlinge um den Hals uns stš§t die Leiter weg. Krachend entlŠdt sich das Gewitter, das den Samstag Ÿber sich bereits am Himmel zusammenzog.

Bernhard, in tiefer Sorge, erkennt, da§ er seine Zukunft selber in der Hand hat. Er Ÿberwirft sich mit seinen Eltern und beschlie§t, ein letztes mal um Helena zu werben. Er fŠhrt zu ihr hin, sie ist neuerlich nicht zu hause, deshalb schiebt er einen auf ein Kuvert geschriebenen Heiratsantrag durch die TŸre durch.

Helena hat den Samstag in všlliger Angst und Auflšsung verbracht. Sie versucht den ganzen Nachmittag, Victor telefonisch zu erreichen. Als ihr das nicht gelingt, sucht sie ihn in seinem Elternhaus auf.

Dort hat sich Victor gerade seinem Vater gegenŸber Sabine verpflichtet erklŠrt, und die Verlobung bekanntgegeben, was seinen Vater endlich beruhigt. In diesem Moment steht Helena an der TŸre und bedroht den noch schwachen Frieden mit dem Vater. Helena fleht ihn an, versucht, ihn zu verlocken, stachelt aber damit VictorÕs Wut derma§en an, der seine SchwŠche zutiefst ha§t und diese als weibliche Versuchung erfa§t, da§ er Helena unter wŸsten Beschimpfungen wie einen Hund davonjagt.

In ihrer Verzweiflung beschlie§t Helena, sich das Leben zu nehmen und sich in die Dash zu stŸrzen. Als sie zum Flu§ hinunterstiegt, begegnet sie zwei Stadtstreichern, die betrunken sind. Diese erfassen ihre Chance und gehen ihr nach. Im Dunkel der Kaimauer am Flu§ fallen sie Ÿber Helena her und vergewaltigen sie brutal. Helena findet sich zu einem všlligen Nichts zerstšrt.

Von diesem totalen Totpunkt aus aber, auf harten Steinen liegend, steigt ihr eigentliches Mensch- und Frausein auf, und sie erhebt sich als neuer Mensch. Sie geht in ihre Wohnung zurŸck, wo sie das Schreiben von Bernhard findet. Sie ist zu sich erwacht.

Bernhard Ziegelbauer hat zum Zeichen seiner neuen Freiheit in einer Pension Ÿbernachtet. Am Sonntag fŠhrt er nach hause, und trifft auf Ruth. Diese hat in Bonvie am Banhhof Ÿbernachtet, nachdem kein Zug mehr nach Trobeau gegangen war. Er bringt sie zu ihrem Haus und fŠhrt dann weiter.

Ruth schleicht ins Haus. Als sie in den Garten geht, weil sie Adolf sucht, entdeckt sie da, wo der Schuppen stand, einen TrŸmmerhaufen. Und mittendrin Adolf, der damit beschŠftigt ist, aufzurŠumen, wobei er sich immer wieder den Hals reibt. Er erklŠrt ihr, da§ der Sturm letzte Nacht ie HŸtte zum Einsturz gebracht hat, er habe sie mit dem Kabel, das Ruth findet, sichern wollen. Wortlos hilft ihm Ruth, erzŠhlt, da§ sie es sich Ÿberlegt habe, und das Haus doch noch nicht Ÿbergeben wolle, denn sie hŠtten ja beide noch eine Zukunft.

" ... da war es ihr, als liebte sie ihn zum ersten mal."

 

* * *

 
     
johannes
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