| TREATMENT
- HELENA - Der Film - von Eberhard Wagner
Teil
2
- Vorstadtzug nach
BonviŽ, die Bahnhofsuhr zeigt 6 Uhr. Helena sitzt unter verschlafenen
Pendlern. Sie wirkt aufgerŠumt und entschlossen.
- BŸro Kowalsky,
BonviŽ. Bernhard Ziegelbauer sitzt ganz alleine im BŸro, arbeitet.
Die BŸrouhr zeigt 6.40 Uhr. Die Putzfrau fummelt zwischen den Schreibtischen
herum. Er geht zur Kaffeemaschine, um sich Kaffee zu machen, da betritt
Helena in einem duftigen Sommerkleid das BŸro. Bernhard ist všllig
verwirrt, verschŸttet Kaffe, Helena hilft ihm. Sie arbeiten miteinander,
Bernhard richtet die Jalousien, die sie blenden, kŸmmert sich aufgerŠumt
um sie.
- BŸro Kowalsky Nachmittag.
Hektische Betriebsamkeit im BŸro, voll besetzt. Helena wird wie frŸher
belŠstigt, sie wehrt sich. Bernhard beobachtet sie. Konsultiert sie,
als es um die AbklŠrung eines Problems geht, wobei er darauf hinweist,
da§ sie beide es bearbeitet hŠtten. Helena lŠchelt ihm zu. Im Gegensatz
zu frŸher nimmt sie an belanglosen GesprŠchen mit Kollegen teil, ist
freundlich.
- BonviŽ, Fu§gŠngerzone,
halb sechs, gelbes Licht. Helena sitzt im Gastgarten eines Kaffeehauses,
trinkt Kaffee und liest Zeitung, beobachtet die Menschen: Treffen,
einfache GesprŠche, Vereinbarungen von anderen. Sie ist fŸhlbar alleine,
sieht Liebespaar zu, das es bemerkt, sie blickt verlegen weg.
- BŸro Kowalsky,
Dienstag (Kalender), 6 Uhr, glei§endes Sonnenlicht. Helena betritt
durch die GlastŸre das BŸro, trifft auf Bernhard. Der ist aufgeregt,
bietet ihr wŠhrend sie Kaffee macht sein PlundergebŠck. Putzfrau.
Gemeinsame Arbeit.
- Gro§es BŸrogebŠude
Drumbish-Derivations, IndustriegelŠnde.
- BŸro Drumbish-Derivations.
Victor unterhŠlt sich mit SekretŠrin, sie mu§ eine Aufstellung fŸr
das Controller-Meeting am Freitag bearbeiten, nennt ihr Kennzahlen.
Sie verlЧt sein BŸro. Victor erhŠlt am Handy einen Anruf. (Doppelbild)
Ein etwa gleichaltriger Mitarbeiter einer Bank. Sie unterhalten sich,
der bietet einen Zinssatz, Victor meint, der sei zu hoch, die Konkurrenz
wŠre gŸnstiger. Sein GesprŠchspartner meint, da§ es auf das dreiviertel
Prozent doch nicht ankŠme, er wŸrde sich dafŸr erkenntlich zeigen,
das brŠchte Victor doch durch, weil er doch der einzige sei, der die
wirklichen Zahlen des Betriebs kenne. Victor fŸhlt sich geschmeichelt,
meint, was er dafŸr kriege. Der Bankmitarbeiter bietet ihm - streng
vertraulich - ein GeschŠft an: Victor solle in kurzfristige Optionsscheine
von Beta investieren. Er wisse aus vertraulicher Quelle, da§ Beta
konkursreif sei, aber da§ ein Coup geplant sei: Die internationale
Clarich-Gruppe wŸrde sie heimlich Ÿbernehmen, er sei bei den Kreditverhandlungen
dabeigewesen. Dann wŸrden Ÿber gezielte Indiskretion in den Zeitungen
die Kurse gewaltig zum Steigen gebracht, worauf Clarich die Aktien
wieder absto§e, somit den Kaufpreis finanziert habe, um eine Woche
spŠter Beta mangels RentabilitŠt stillzulegen. So habe man gŸnstig
die Marke und die AbsatzmŠrkte in die Hand bekommen. Victor stimmt
zu, als ihm der Tipgeber anbietet, alles Ÿber ein offenes Wertpapierkonto
zu finanzieren, er brauche nur zu unterschreiben, und alles laufe
von selbst, er sei binnen weniger Wochen um ein schšnes StŸckchen
reicher.
- Elternhaus Bernhard
Ziegelbauer, ein schlichtes Einfamilienhaus in einem kleine lŠndlichen
Ort, Abend. Bernhard wird von seiner Mutter umhegt, ist ein wenig
ungehalten, als sie ihn bei der ZeitungslektŸre stšrt: Er studiert
Immobilienanzeigen, streicht Angebote an, murmelt vor sich hin. Klassische
Musik im Hintergrund.
- BŸro Kowalsky,
Mittwoche, tagsŸber. Bernhard und Helena arbeiten intensiv zusammen,
Bernhard ist sichtlich Ÿber beide Ohren verliebt, die Kollegen witzeln
schon. Aber sie beginnen, Helena zu respektieren, und sie wehrt sich
auch Šrgerlich, als ihr jemand zu nahe kommt und stellt ihn blo§.
Bernhard ist hoch zufrieden und gibt ihr všllig recht. Helena hat
sichtlich Sympathien fŸr ihn, legt ihm einmal wie zufŠllig die Hand
auf die Schulter; Bernhard ist im siebten Himmel. Zwei Arbeitskollegen
unterhalten sich: Einer sagt, da§ er schon froh ist, wenn das Wochenende
kommt. Der andere bestŠtigt ihn, ihm sei aufgefallen, da§ man nur
dort lebe, und das Leben weiterbringe. Und alles geschehe am Wochenende.
Bernhard hšrt aufmerksam zu.
- Elternhaus Bernhard,
Abend. Bernhard geht mit dem Ma§band durch sein Zimmer und mi§t verschiedene
LŠngen aus, die sich auf Mšbel beziehen, deren Ma§e er aus einem bereitliegenden
Mšbelkatalog bezieht. Seine Mutter kommt und bringt ihm seine warme
Milch; Bernhard wimmelt sie verlegen ab.
- Wohnung Helena.
Abend. Helena liegt auf der Couch und trŠumt vor sich hin. Sie betrachtet
Bilder ihrer Eltern, wo diese glŸcklich waren, mit ihr. Vor ihr ein
aufgeschlagenes Buntblatt mit einem Horoskop, das LiebesglŸck verspricht.
(Krebs) Sie richtet ihr Bett. Es ist zehn Uhr.
- BŸro VictorÕs bei
Drumbish, Donnerstag Mittag. Victor bespricht sich mit einem Kollegen,
die sich wechselseitig bestŠtigen, da§ sie eigentlich die gro§en Macher
sind und die Firma eigentlich in der Hand haben. VictorÕs Chef schaut
kurz herein. Als er weg ist, erzŠhlt Victor dem anderen, da§ dieser
ein Protektionskind ist und von nichts eine Ahnung hat.
- Wohnzimmer der
Familie Dšrrich, BonviŽ. Abend. Sehr gediegene Einrichtung im altenglischen
Stil, Bilder an der Wand, die Victor als glŸckliches Kind mit einer
anderen Frau, seiner Mutter, beim Bootsfahren zeigen. Victor speist
mit seinem Vater und seiner Stiefmutter. Der Vater ist ein alter,
sehr strenger Herr, der Victor immer wieder angreift, da§ dieser ein
verweichlichtes Kind sei, und es nie zu etwas bringe wie er. Victor
stochert wŠhlerisch im Essen, schneidet ein kleines StŸckchen Fett
weg. Vor allem mŸsse er seine privaten Angelegenheiten in den Griff
bekommen, setzt der Vater nach. Eine Karriere brauche ein familiŠres
Fundament. Die Stiefmutter nimmt ihn in Schutz, sie und Victor sind
sichtlich Verschworene. Victor weist darauf hin, da§ er mit Sabine
Surbeer liiert sei, wagt aber nicht zu sagen, da§ er bereits verlobt
ist, obwohl ihn die Stiefmutter immer wieder dazu ermuntert. Der Vater
nimmt einen Umschlagt und schiebt ihn Victor hin, es ist ein Reisegutschein.
Die Stiefmutter zwinkert ihm zu. Victor weist auf seinen baldigen
Aufstieg hin, der Vater scheint nicht unzufrieden; geht aus dem Zimmer.
Victor sagt zur Stiefmutter, die er mit Vornamen anredet, da§ es das
erste mal ist, da§ ihm sein Vater etwas geschenkt hat. Sie sagt, da§
er milder geworden ist, Victor habe sich ja sichtlich um den Aufstieg
bemŸht, und raunt ihm zu, da§ der Vater zu ihr gesagt habe, da§ er
ihm eventuell eine der Wohnungen in der Innenstadt von BonviŽ Ÿberschreiben
wolle.
- BonviŽ, StadtbŸro,
Freitag Vormittag. Es ist drŸckend hei§. FŸnf honorige Herren, darunter
der Chef von Victor, sitzen, stehen, wischen sich den Schwei§, und
unterhalten sich. Es geht um den geplanten Beta-Deal. Einer sagt,
da§ Clarich an einer †bernahme von Drumbish sehr interessiert ist.
Ein anderer bestŠtigt auch das Interesse von Clarich, die Zahlen seien
ja lŠngst aufbereitet. Man werde den Plan Šndern, die Papiere seien
ja unterschriftsreif. Ein junger Mann, Controller, macht sich Notizen.
Am Mittwoch nŠchster Woche sei die Unterschrift geplant: Clarich werde
Drumbish Ÿbernehmen. Und Drumbish dann Beta, nicht Clarich, und weiterfŸhren,
zusammen mit Drumbish sei ein ordentlicher Synergieeffekt zu erzielen,
Beta weit unterbewertet, vor allem verfŸge es Ÿber riesige GrundstŸcksreserven
in bester Lage, und man bekomme die MŠrkte gleich mit. Clarich sei
mit der Rohstofflieferung zufrieden. Beta wŸrde also steigen. Der
Controller weist auf einige Zahlen hin, er habe es berechnet. Er und
VictorÕs Chef sehen sich verstohlen an. Der Controller sagt, ob man
den Pressemann schon hereinlassen dŸrfe. Zwei der Herren - sie stšhnen
sehr unter der Hitze - besprechen sich noch, was sie ihm sagen: Sei
wŸrden die Wichtigkeit des inlŠndischen Marktes betonen, weshalb man
bei Drumbish einsteige, der Beta-Kauf aber sei geplatzt. Damit wŸrde
es billiger fŸr Drumbish. "Schmier ihm Honig ums Maul, ein wenig
NationalgefŸhl wecken, und sehr wichtig tun, dann laufen die Nachrichten
wie geschmiert," sagt der eine. Der Controller lЧt den Pressemann
ein.
- BŸro Kowalsky,
Freitag Nachmittag, Jalousien, alle sind froh Ÿber die Klimaanlage.
Bernhard ist sichtlich nervšs. Immer wieder scharwenzelt er um HelenaÕs
Schreibtisch herum, versucht ein GesprŠch in Gang zu halten. Ein TelefongesprŠch
unterbricht, er mu§ dringend zu einem Kunden, eine Lieferung ist verdorben.
Er bespricht sich mit Helena umstŠndlich, umkreist immer wieder einen
Punkt: Er mšchte sie zum Essen einladen. UmstŠndlich und linkisch,
vom Chef aufgefordert, sich endlich zum Kunden aufzumachen um die
Sache zu klŠren, verspricht er sich mehr als er es anspricht: Er lŠdt
sie fŸr Samstag ein: Er wisse in ganz entzŸckendes Restaurant, mit
kŸhlem und schattigen Gastgarten, einfacher aber guter KŸche, am Stadtrand
von BonviŽ, am HŸgel gelegen, soda§ eine leichte Brise die Hitze immer
ertrŠglich mache. Sie ziert sich erst ein wenig, man merkt aber, da§
sie sich freut. Und sagt zu. Er ist všllig aus dem HŠuschen und verwirrt,
es sprudelt aus ihm heraus, er wird den besten Tisch reservieren,
rennt hinaus, kommt zurŸck mit selbstironisierenden Grimassen, er
hat seinen Aktenkoffer vergessen, Helena lacht.
- BŸro Kowalsky.
Kaum ist Bernhard aus dem BŸro, klingelt HelenaÕs Telefon. Sabine
ist am Apparat, und lŠdt unter langem Geschwafel, man verstehe sich
ja nun wieder, die Familie sei wieder versšhnt, und ob sie nicht Interesse
habe, am Abend mit auszugehen, in eine Disco, mit einigen von ihren
und VictorÕs Freunden, einfach ein wenig Spa§, tanzen, Musik. Helena
staunt. Es sei eigentlich VictorÕs Idee gewesen, sagt Sabine. Sie
verabreden sich fŸr etwa acht, eine Viertelstunde auf oder ab, am
Kai an der Dash. Helena beschreibt den Weg, denn sie hat kein Telefon,
es rufe sie ohnehin niemand an. Eine Kollegin sagt zu ihr Ÿber den
Schreibtisch, da§ ihr diese Familienangelegenheiten zum Halse heraushŠngen,
stŠndig irgendwelche AnlŠsse, Hochzeiten, BegrŠbnisse, Geburtstage,
als ob da noch Inhalt dahinterstehe, alles sei Schein. Das habe Helena
ganz richtig gemacht, sei frei. Helena widerspricht ihr, das sei eben
so, und das sei eben das Leben: Ein Geflecht, das man sich nicht aussuche,
das manchmal lŠstig sei. Aber auch LŠstigsein sei Leben, und sie habe
frŸher auch anders gedacht. Alles wollte sie sich alleine richten,
nur tun, was ihr beliebte, und das als frei definiert. Nun aber, mit
neunundzwanzig, komme sie drauf, da§ das Leben wie zum Stillstand
kommt, als verlšre es jeden Inhalt. Die Kollegin staunt. "Na
Du hast Dich aber verŠndert." Helena nickt. Die Kollegin frŠgt
vertraulich, ob mit ihr und Bernhard ... es sei schon aufgefallen.
Helena verneint, es sei Ÿberhaupt nichts dahinter. Die Kollegin glaubt
es ihr nicht ganz.
- BonviŽ, Lagerhalle,
Firmenschild Botansky, "Partyservice, Bio-Buffets", Freitag
Nachmittag. Ein dicker, verschwitzter GeschŠftsmann begrŸ§t Bernhard
grantig, es sei schon halb vier. Die Lagerhalle sieht furchtbar aus.
Er zeigt ihm die Paletten mit GemŸsesteigen, die Ware sei verdorben.
Bernhard weist darauf hin, da§ Botansky ja gewu§t hatte, da§ die Ware
rasch verarbeitet werden m٤te. Aber so rasch? Botansky will den Preis
verhandeln, Bernhard stšhnt. Was er damit denn vorhabe? Botansky erzŠhlt,
da§ er einen Auftrag fŸr ein Bio-Buffet bei Drumbish erhalten habe,
pro Person um fŸnf Hunderter, mit allem Drum und Dran. Er ruft eine
Frau, die aus einer verschmuddelten KŸche nebenan kommt, und frŠgt,
ob das Zeug noch verwertbar sei. Sie sagt, da§ mit einer gehšrigen
Sauce, als bio verkauft, denn das kennt sich sowieso keiner aus, Hauptsache
es schmeckt irgendwie nach Land und exotisch, damit noch was anzufangen
wŠre. Botansky und Bernhard verhandeln um den Preis, Bernhard lЧt
ihm 50 Prozent nach, obwohl Botansky im Recht ist. Bernhard erkundigt
sich nach den rauchenden Fabriksschloten, die im Hintergrund sichtbar
sind. Botansky erzŠhlt, da§ dies die Firma Beta sei, wo ungeheure
Mengen zuletzt produziert worden seien, obwohl es KonkursgerŸchte
gŠbe, das sei ihm unverstŠndlich. Noch dazu besЧe die Firma gewaltige
FlŠchen (er zeigt das Ausma§ am Horizont) in bester Lage. Da stimme
etwas nicht. Wenn man ihn frage, wŸrde er Beta-Aktien kaufen, er habe
da eine Nase.
- BonviŽ, Stadtzentrum,
Bank. Bernhard geht in die Bank.
- Bank BonviŽ, Wertpapierabteilung.
Bernhard ist im GesprŠch mit dem Wertpapierberater, der ihm abrŠt,
Beta zu kaufen, es werde von Konkurs gemunkelt. Bernhard besteht darauf,
er habe da ein inneres GefŸhl, er mšchte die HŠlfte seiner nicht unbetrŠchtlichen
Ersparnisse per Montag in Beta anlegen. Denn heute seien die Bšrsen
ja schon geschlossen.
- BonviŽ, Stadtzentrum,
halb sechs. Helena kauft in einer Boutique ein elegantes Abendkleid.
Sie sieht hinrei§end aus.
- Wohnung Helena,
kurz vor acht. Helena geht nervšs auf und ab, richtet ein wenig ihre
Wohnung, die wie immer sehr unordentlich aussieht: Sichtlich verschmutzt,
Ÿberall Staub, schmutziges Geschirr. Sie hat sich geschminkt, trŠgt
dunkelblauen Netzpulli und langen, schwarzen Rock. Nervšs sieht sie
immer wieder zum Fenster hinaus.
- Wohnung Helena,
Viertel nach neun. Helena sieht wieder zum Fenster hinaus, endlich
der schwarze Golf von Victor, dahinter noch ein anderes Auto. Sie
hupen, Sabine steigt aus und sieht hinauf, winkt.
- Stra§e vor HelenaÕs
Haus. Helena geht die Treppe auf die Stra§e hinunter zu den Autos,
Sabine, grell geschminkt, in hautengem wei§en Seidenanzug, grŸ§t sie
mit einem Wangenku§, Victor ist ausgestiegen und pfeift durch die
ZŠhne, macht ihr Komplimente, lЧt sie in den Fonds des Wagens einsteigen.
Aus dem anderen Auto grŸ§en lŠssig Yuppies.
- Auto Victor. Helena
sitzt mit einem jungen Mann im Fond, der sich mit Victor - zwischen
den Vordersitzen vorgebeugt - Ÿbers GeschŠft unterhŠlt. Victor erzŠhlt,
da§ er eine Stadtwohnung vom Vater erhalten wird. Helena sieht im
RŸckspiegel, da§ sie Victor immer wieder ansieht. Sabine ist nervšs
und aufgekratzt, spielt am Autoradio.
- Discothek, ohrenbetŠubende,
stampfende Musik, Tisch mit Victor, der sich sichtlich gelangweilt
in der Sitzecke zurŸckgelehnt hat und beobachtet, einer seiner Kollegen,
immer wieder aufstehende und sich niedersetzende Leute aus der Clique,
Sabine všllig aufgekratzt und meist tanzend. Helena bleibt immer sitzen.
Ab und zu frŠgt sie jemand, ob sie SabineÕs Schwester sei, wo sie
arbeite, es kommt aber kein GesprŠch zustande. Sie raucht sehr viel,
trinkt einen Campari nach dem anderen, fŸhlt sich sichtlich unwohl.
Victor sieht immer wieder zu ihr. Er will gehen, es sei Mitternacht,
Sabine benimmt sich wie ein kleines MŠdchen, bettelt um den nŠchsten
Tanz, die nŠchste Scheibe, noch ein GetrŠnk, tratscht aufgeregt mit
ihren Freundinnen, wirft sich auf Victor, der sie wieder wegschiebt.
Sie gehen um zwei Uhr, Helena ist sehr mŸde, Victor gŠhnt immer wieder.
- Parkplatz vor der
Disco. Sabine hat sich bei Victor eingehŠngt, murmelt nur noch von
mŸde, die Schminke lŠuft ihr Ÿbers Gesicht, sie schlŠft im Gehen,
legt den Kopf auf VictorÕs Schulter. Der bietet auch Helena den rechten
Arm, sie hŠngt sich ein, geht neben ihnen langsam her. Nach einigen
Metern umfa§t er Helena an der HŸfte, Sabine bemerkt nichts, sie schlŠft
beinahe an seiner Schulter, und zieht sie an sich. Helena lehnt ihren
Kopf an seine Schulter, bis sie zum Auto kommen.
- Wohnung Helena,
Samstag Vormittag, halb elf Uhr. Helena wacht auf, sieht auf die Uhr,
springt auf und hŠlt sich schmerzverzerrt den Kopf, sie hat zuviel
getrunken und Šrgert sich. Hastig macht sie Kaffee, wartet, hat das
Wasser vergessen, gie§t nach, es zischt auf, sie erschrickt, stš§t
sich am Herd, humpelt mit der Kanne in der Hand, schimpft auf sich,
der Kaffee lŠuft Ÿber die Arbeitsplatte, flie§t zu Boden, sie jammert:
Alles mu§ sie alleine machen, sinkt zu Boden, stŸtzt sich auf die
Fliesen, weint gepre§t, sie hat es satt.
- BonviŽ, Innenstadt.
Friseur. Helena lЧt sich wunderschšn machen. Sieht zufrieden in den
Spiegel. LЧt sich noch schminken, die KrŠhenfŸ§e wegretouchieren,
die grauen StrŠhnen - die hat sie von der Mutter - durch FŠrben beseitigen.
- Elternhaus Bernhard,
Wohnzimmer, zehn Uhr. Der Vater bittet Bernhard, ihn mit dessen roten
Fiesta zu den EinkŠufen nach BonviŽ mit Mutter fahren zu lassen, denn
er fahre lieber mit dem Kleinwagen als mit seinem Mercedes in der
Gro§stadt. Die Mutter ist mŸtterlich bemŸht, der Vater freut sich
mit ihr, da§ er ein Rendezvous hat, es ist ja schon Zeit, der Bub
(wie sie sagen) ist ja zweiunddrei§ig. Der Vater steckt ihm Geld zu.
Bernhard fŠllt ein, da§ er noch die Blumen holen mu§, die er diesmal
persšnlich abgeben mšchte: Um sich damit als Urheber der Blumensendungen
an Helena zu offenbaren. Er telefoniert mit dem Gasthof, reserviert
fŸr acht, maximal neun Uhr den besten Tisch, ist sichtlich gut bekannt
mit dem Gastronomen, und trŠgt ihm auf, eine nur mit Wasser gefŸllte
Vase auf den Tisch zu stellen.
- Mercedes von BernhardÕs
Vater, Innen. Bernhard fŠhrt nervšs auf der Stra§e von BonviŽ. Die
Benzinuhr bewegt sich im roten Bereich, Bernhard nimmt davon keine
Notiz, am RŸcksitz hat er einen gro§en Blumenstrau§.
- Elternhaus Helena.
KŸche, 11 Uhr. Sabine und Victor sitzen verschmust und kaum bekleidet
beim KŸchentisch, als Adolf mit einer gro§en Schachtel mit dem Wochenendeinkauf
hereinkommt. Sabine fischt ihm die Zeitung heraus, die obenauf liegt.
Beide lesen Zeitung. Victor frŠgt scheinhalber, ob er beim Reintragen
helfen soll, Adolf verneint. Ruth sei beim Friseur, wegen des komischen
Vortrages am Abend Ÿber Magnetismus. Sie bestehe darauf, da§ er sich
das anhšre, um sie besser zu verstehen. Wahrscheinlich kaufe sie dann
wieder eine Strahlenmatte, wie schon fŸnfmal in der Vergangenheit.
Sabine weist Victor empšrt auf eine Schlagzeile hin, wonach ein Kindesmi§brauch
durch einen Vater aufgedeckt worden sei. Victor verlangt, da§ man
solche Leute einsperren, und wenigstens zwangspsychiatrieren mu§.
Adolf nimmt verlegen eine Flasche Bier aus dem KŸhlschrank und geht
in den Garten, um am Biotop weiterzuarbeiten. Victor will noch die
Wirtschaftsseiten lesen, aber Sabine neckt ihn und rei§t ihm die Zeitung
aus der Hand, sie schmusen. Adolf kommt um die zweite Flasche Bier,
schaut verlegen weg. Man sieht die Zeitung in ihren Teilen am Boden
liegen: Auf der Wirtschaftsseite prangt die †berschrift: "Beta-Verkauf
geplatzt: Konkurs? Clarich will Drumbish".
- Supermarkt. Helena
schiebt hastig einen Einkaufswagen durch die Regalreihen, nimmt wahllos
Dinge, wirft sie in den Wagen.
- Wohnung Helena,
zwei Uhr Nachmittag. Sie ist schon fertig hergerichtet, geht nervšs
auf und ab, sieht immer wieder auf die Uhr. Die EinkaufstŸten stehen
noch bei der KŸchentheke, unausgepackt. Schlie§lich zieht sie das
Abendkleid, das sie am Vortag gekauft hat, wieder aus, und legt sich
auf die Couch, um ein wenig zu schlafen. Sie trinkt ein Glas Wein,
die Weinflasche steht vor ihr.
- Elternhaus Bernhard,
sein Zimmer, vierzehn Uhr. Er probiert AnzŸge und Sakkos, sucht alle
mšglichen Accessoires zusammen, ruft durch die TŸre nach unten, ob
ihm der Vater das Zigarettenetui borgt (Bernhard raucht nicht), frisiert
sich, beduftet sich. Immer wieder sieht er nervšs auf die Uhr.
- Elternhaus Helena,
Garten. Adolf steht bis zur HŸfte in dem ausgeschachteten Biotop,
und legt sorgsam wie bei einem Mosaik Steinchen um Steinchen, um es
auszulegen. Es ist brennendhei§, er trinkt immer wieder von seiner
Bierflasche.
- Elternhaus Helena,
Wohnzimmer. Ruth liegt auf der Couch, der Fernseher ist eingeschaltet.
Es lŠuft eine Sendung Ÿber das Zšlibat, mitsamt Telefonabstimmung.
Sie wŠhlt immer wieder die Nummer. Sie jubelt, als das Ergebnis 4:1
gegen das Zšlibat ausfŠllt, meint zu sich, man solle die Priester
endlich heiraten lassen, es seien auch Menschen, und nur so werde
man Mensch.
- Elternhaus Helena,
Zimmer Sabine, fŸnf Uhr Nachmittag. Sabine sitzt unter dem DachflŠchenfenster
und richtet ihr Haar. Sie sitzt im Slip, mit einer hellen Bluse, durch
die die Sonne durchscheint und ihre Konturen deutlich sehen lЧt.
Beim Auf und Nieder ihrer Arme sieht man ihre Achseln. Victor liegt
am chaotischen Bett und blŠttert lustlos in einer Zeitschrift. Dann
sieht er ihr zu, wird sichtlich erregt, als er ihren schšnen, jungen
Kšrper sieht. Vorsichtig beginnt er, sie mit den Zehen zu liebkosen,
legt sich mit den Fingern immer wieder einen Blick auf ihren Kšrper
durch Einblicke in die Bluse frei. Sie lЧt ihn erst gewŠhren, weist
ihn aber dann immer mehr zurŸck. Er wird immer zudringlicher. Sie
weist ihn immer schŠrfer zurŸck. Er lЧt sich auf den Boden gleiten,
will sie zu sich ziehen. Sie wehrt sich, denn es wŸrde ihre Frisur
zerstšren. Er aber drŠngt immer mehr, zieht sie, worauf sie vom Hocker
auf ihn fŠllt. Sie ringen am Boden, sie wird immer wŸtender, er will
ihr den Slip herunterziehen, sie beschimpft ihn wŸst, fa§t ihn am
Ohr, gleitet ab und zerkratzt ihm die Wange. Er zuckt zurŸck, blutet,
schimpft auf sie. Sie streiten,. wobei Sabine ihn "Sexschwein"
nennt und ihm seine "Massagen" in Singapur, von denen sie
erfahren hat, vorwirft. Er nennt alle Surbeer-Frauen ÔHurenÕ, das
lŠge in der Familie.
- Elternhaus Bernhard,
Garage. Der Vater bietet Bernhard an, mit seinem Mercedes zum Rendezvous
zu fahren, aber er mŸsse tanken. Bernhard nimmt an. GesprŠch, da§
es doch erst sechs Uhr sei, aber Bernhard ist sehr nervšs, will auf
jeden Fall rechtzeitig da sein, geht halt noch ein wenig vor BonviŽ
spazieren. Die Mutter lŠchelt, richtet ihm noch den Kragen, er soll
einen guten Eindruck machen, und er fŠhrt ab.
- Mercedes Bernhard.
Die Benzinuhr zeigt die Nadel ganz am untersten Rand des roten Bereichs.
Bernhard fŠhrt durch Trobeau durch. Beim Schild "Urlaub am Bauernhof"
au§erhalb von Trobeau, wo auch "Kaffeejause" steht, an der
Abzweigung zum ehemaligen "Schweitzerhof", biegt er ab,
will noch einen Kaffee trinken, und fŠhrt auf die Schotterstra§e.
- Elternhaus Helena,
KŸche. Sabine und Victor beflegeln sich heftig. Die Mutter sieht betreten
zu, versucht zu schlichten. Sabine ist sehr wŸtend. Victor kocht.
Sabine frŠgt, ob die Eltern sie bei ihrer Freundin Eva absetzen kšnnen,
denn sie wolle heute nicht mit Victor ausgehen. Sie Mutter bejaht.
- Elternhaus Helena.
Vor dem Haus. Sabine steigt in den Fonds des kleinen, roten Fiesta,
den Adolf chauffiert, die Mutter setzt sich ins Auto, sie fahren ab.
- Auto Adolf. Sie
fahren zur Hauptstra§e. Ein Mercedes kommt ihnen entgegen, sie weichen
sich langsam aus, indem sie die Bankette befahren. Ruth belehrt schulmeisterlich
Sabine, da§ diese sich nicht so benehmen kšnnen ihrem kŸnftigen Ehemann
gegenŸber.
- Auto Bernhard.
Ein roter Fiesta kommt ihm entgegen, er fŠhrt langsam auf das Bankett,
das leicht erhšht ist, der Wagen ruckt erstmals. Im anderen Auto heftig
streitend Ruth und Sabine. Der Wagen ruckt immer mehr, und bleibt
plštzlich stehen. Bernhard erkennt schimpfend, da§ der Tank všllig
leer ist. Die Uhr am Armaturenbrett zeigt ein Viertel nach sechs.
- Elternhaus Helena.
Stra§e. Victor steigt wŸtend in seinen schwarzen Golf, schimpft heftig,
als er das Lenkrad angreift, das sehr hei§ ist. Er fŠhrt mit durchdrehenden
RŠdern davon.
- Schotterstra§e
zum Elternhaus Helena. Bernhard nimmt aus dem Kofferraum des Mercedes,
bei dem sŠmtliche Seitenfenster gešffnet sind, wobei man am RŸcksitz
den gro§en Blumenstrau§ sieht, einen Benzinkanister, rŸttelt ihn,
aber er ist leer. Er macht sich in Richtung des Schildes "Urlaub
am Bauernhof zu Fu§ auf. Nach einigen Metern kommt ihm ein schwarzer
Golf in hohem Tempo entgegen, der rŸcksichtslos am Bankett an ihm
vorbeibraust, obwohl Bernhard durch Winken Zeichen gibt, da§ er anhalten
soll.
- Autoinneres Victor.
Victor macht sich Ÿber den Mann am Stra§enrand lustig, der winkt.
Ihm sei wohl das Benzin ausgegangen. Warum kaufe er sich auch so ein
gro§e Luxuskarosse, so ein Angeber.
- Elternhaus Helena.
Bernhard steht am Gartenzaun und sucht nach der Klingel, niemand šffnet.
Er ist erst unschlŸssig, welche Richtung er einschlagen soll, geht
dann in Richtung Bauernhof weiter. Er sieht immer wieder auf die Uhr.
- Wohnung Helena.
18.30 Uhr. Sie wacht auf, sieht auf die Uhr, springt nervšs auf und
beginnt sich neuerlich herzurichten, zieht ihr Kleid an, geht ins
Bad, kommt wieder heraus, geht wieder ins Bad, kommt heraus, rŠumt
da und dort ein StŸck weg, ist sehr nervšs, sieht wieder auf die Uhr:
Jetzt erst rŠumt sie den Einkauf weg, stellt die Milch in den KŸhlschrank.
Plštzlich klingelt es. Sie schimpft leise, er sei doch viel zu frŸh,
stolpert zur TŸr, šffnet, und erschrickt: Es ist Victor. Er begrŸ§t
sie salopp, wie alte Freunde, sie lЧt ihn ein, weist aber darauf
hin, da§ sei jeden Moment weg mŸsse, und nicht viel Zeit fŸr ihn habe.
Er sagt, da§ er nur einmal bei ihr vorbeischauen habe wollen, und
ob er Kaffee bekomme. Sie bittet ihn, ihn sich selbst zu machen. Er
geht zur KŸche, sie ruft immer wieder, wo welche Dinge zur Zubereitung
zu finden sind, verschwindet wieder im Bad. Victor macht Kaffee. Ruft
nach Milch. "KŸhlschrank," ruft sie aus dem Bad. Geht immer
wieder hin und her, Haarspange zwischen den Lippen. Er sieht ihr zu,
macht ihr Komplimente. …ffnet die Milch, gie§t sich Kaffee ein, tut
Milch dazu, aber die ist sauer. Sei entschuldigt sich. Aber er mŸsse
nun gleich gehen, sagt sie, sie werde abgeholt. Er frŠgt von wem?
Sie sagt: Von einem Arbeitskollegen. Er sagt: Aha, Erbsenbesprechung.
Sie wirkt verlegen.
- Bauernhaus "Schweitzerhof",
mit Schild "Urlaub am Bauernhof". Vor dem Haus. Die BŠuerin
spricht mit Bernhard, bedauert, der Mann sei im Wald zur Holzarbeit
mit dem Benzinkanister, und sie habe sonst nur Diesel im Haus. Ein
Feriengast tritt hinzu und bietet Bernhard an, ihn zur nŠchsten Tankstelle
nach Trobeau zu fahren, um Benzin zu holen. Bernhard nimmt dankend
und sehr nervšs an, drŠngt, schaut immer wieder auf die Uhr. Es ist
Viertel nach sieben.
- Wohnung Helena.
Helena ist sehr nervšs. Victor geht in der Wohnung auf und ab, begutachtet
alles. Besieht ihre BŸcher: Kamasutra, Buchklubausgaben "Welt
von heute", D.H. Lawrence, Pernodflasche, halbleer. Er grinst.
Sie verschwindet wieder im Bad. Er bŸckt sich und riecht an der Couch,
grinst. Er stichelt, da§ der Kollege sie im Stich lassen wŸrde. Sie
verneint, Šrgert sich Ÿber Victor, ist nervšs. Victor macht ihr den
Vorschlag, mit ihr zum Essen zu gehen. Er wisse ein nettes Restaurant,
am Stadtrand von BonviŽ, leicht am HŸgel gelegen, wo eine sanfte Brise
die Hitze ertrŠglicher mache. Er habe zwar keinen Tisch reserviert,
aber das werde er schon richten, der Wirt sei mit ihm gut bekannt.
Helena lehnt deutlich ab.
- Tankstelle in Trobeau,
nur eine verrostete ZapfsŠule. Der Urlauber und Bernhard versuchen,
einen Tankwart zu finden, denn es ist geschlossen. Niemand ist zu
finden. Ein alter Mann geht vorbei und sagt, da§ am Samstag immer
geschlossen sei. Bernhard ist sehr nervšs, fast schon verzweifelt.
Er sagt, da§ er in einer halben Stunde in BonviŽ sein mŸ§te. Der Urlauber
meint, er kšnne ihn leider nicht hinbringen, mŸsse wieder zurŸck.
Er solle doch ein Taxi rufen, das sei doch gleich hier. Bernhard lŠuft
zu einer Telefonzelle und ruft ein Taxi an.
- Wohnung Helena.
Zwanzig Uhr. Victor frŠgt, wann denn der Kavalier kommen hŠtte sollen.
Helena ist verlegen, nervšs, sagt, da§ Victor gehen mŸsse, denn gleich
komme ihr Galan fŸr den heutigen Abend. Victor beobachtet sie amŸsiert.
Der komme nicht, sagt er, das habe er im GespŸr.
- Trobeau, Telefonzelle.
Bernhard tanzt von einem Fu§ auf den anderen, endlich kommt das Taxi.
Er sieht auf die Uhr, es ist 20.00. Er springt ins Taxi.
- Taxi-Inneres. Bernhard
erzŠhlt dem Taxifahrer, da§ er schon hšchste Zeit hat. Sie fahren
an der Abzweigung der Schotterstra§e vorbei, da fallen Bernhard die
Blumen ein, aber er sagt dem Taxifahrer, er solle weiterfahren, es
sei ohnehin schon so spŠt.
- Taxi-Inneres, Stadtgrenze
BonviŽ, dichter Verkehr, rote Ampel. Bernhard ist nervšs, schimpft
auf alle Verkehrsbewegungen, die sie aufhalten. DrŠngt den Fahrer,
greift nach der Geldbšrse, sagt erregt, da§ er zuwenig Geld dabeihabe,
wenn er jetzt auch noch das Taxi zu zahlen habe, und weist den Fahrer
an, einen Geldausgabeautomaten noch aufzusuchen. Die Uhr am Armaturenbrett
zeigt halb neun.
- Wohnung Helena.
Helena geht nervšs auf und ab, immer wieder sieht sie zum Fenster
hinaus, drŸckt sich gegen die Wand, sieht auf die Uhr. Es ist fŸnf
nach halb neun. Victor wartet, sagt nur ab und zu ein Wort, da§ die
Einladung stehe, der andere werde nicht kommen, sie sehe es ja. Helena
ist bereits wŸtend. Victor schaut ihr Ÿberlegen zu.
- Stra§e in BonviŽ.
Bernhard steht am Geldausgabeautomaten, der lange braucht, steigt
von einem Bein aufs andere, deutet mit den HŠnden, um ihn wie zu beschleunigen,
rei§t Geld und Karte heraus und steckt es in die Tasche. LŠuft zum
Taxi zurŸck, springt hinein.
- Helena ist sehr
wŸtend. Victor macht immer wieder ein spitze Bemerkung. Es ist zehn
vor neun. Da schnaubt Helena und sagt Victor, da§ er recht habe, das
sei doch ein Miesling, der sie da wie ein kleines MŠdchen sitzenlasse.
Victor bestŠtigt sie, das habe sie nicht nštig, so wie sie aussehe
kšnne sie sich das doch aussuchen, sei doch keine Bittstellerin. Helena
nickt, und sie gehen aus der Wohnung.
- Auto-Inneres Victor.
Victor blinkt, man sieht im RŸckspiegel ein Taxi nŠhern. Es hŠlt,
Victor fŠhrt aus der ParklŸcke und davon.
- Taxi-Inneres. Bernhard
ist sehr nervšs, sie kommen zum Haus an die Dash. Der Taxifahrer wartet,
weil vor ihnen ein Auto aus der ParklŸcke will, wŠhrend Bernhard das
Geld zum Zahlen bereithŠlt, einen gro§en Schein. Das Taxi hŠlt endlich,
Bernhard drŸckt dem Chaffeur den Schein in die Hand, sagt, da§ es
schon stimme, und springt aus dem Auto.
- Wohnhaus Helena,
Treppenhaus. Bernhard lŠuft, indem er mehrere Stufen auf einmal nimmt,
die Treppe hinaus. Vor der Wohnung von Helena hŠlt er schnaufend und
lŠutet. Mehrmals. Niemand šffnet. Er denkt kurz nach, und lŠuft wieder
hinunter.
- Stra§e vor dem
Wohnhaus Helena. Bernhard springt die Vorstufen hinunter und lŠuft
nach links, biegt in die nŠchste Seitenstra§e.
- Telefonzelle auf
der Stra§e, BonviŽ. Bernhard sucht hastig eine Nummer im Telefonbuch,
legt zwei MŸnzen, mehr hat er nicht mehr in der Tasche, auf die Ablage
und telefoniert. Ob dort der Gasthof sei, er wolle den Wirt sprechen.
Ja, danke. Er wartet.
- Gasthaus in BonviŽ,
inmitten von BŠumen, ein umgebauter Bauernhof. Gastgarten. Victor
kommt mit der eingehakten Helena und wird vom Gastwirt freundlich
empfangen. Der bedauert aber, es sei heute kein Tisch frei. Da kommt
eine Kellnerin zu ihm und sagt ihm, da§ er am Telefon verlangt werde.
Er entschuldigt sich und geht ins Haus.
- Telefonzelle auf
der Stra§e, BonviŽ. Bernhard wirft die letzte MŸnze ein, endlich ist
der Gastwirt am anderen Ende, und Bernhard erkundigt sich, ob eine
Frau, Ende zwanzig, brŸnettes Haar, sehr hŸbsch, alleine bei ihm sei,
nein?, nein, den Tisch brauche er nicht mehr, piepsen, die Leitung
ist. tot.
- Gastgarten Gasthaus.
Der Wirt kommt zu Victor und Helena uns sagt, da§ soeben sein bester
Tisch durch Zufall freigeworden sei, und bittet sie weiter. Es steht
eine leere Vase darauf. Eine Kellnerin bringt die Speisekarten.
- Gastgarten Gasthaus.
DŠmmerung. Tisch. Victor bestellt weltmŠnnisch auch fŸr Helena ein
sehr opulentes Mal, bestellt sofort einmal einen Digestif, Obstsekt.
Er erzŠhlt von seiner letzten GeschŠftsreise. EntzŸndet die Kerzen.
- Kai an der Dash.
Bernhard schlendert enttŠuscht und zornig entlang, man sieht das Haus
von Helena, er sieht immer wieder hin. Zwei Stadtstreicher pumpen
ihn um Geld an. Ohne nachzusehen drŸckt ihnen Bernhard den gesamten
Inhalt seiner Hosentasche in die Hand, die beiden sind hšchst erstaunt
und machen sich sofort aus dem Staub. Bernhard ist verzweifelt und
wŸtend, geht die Treppen zum befestigten Ufer hinunter.
- Kneipe in BonviŽ,
verraucht, unterstes Niveau. Die zwei Stadtstreicher saufen sich fršhlich
einen an und feixen Ÿber die gro§zŸgige Gabe. Einer sagt, da§ man
damit eine ganze Woche auskommen wird, und jeden Tag einen Luxusrausch
haben kšnne.
- Gastgarten, Tisch.
Victor und Helena essen, Victor schenkt Helena Wein nach, animiert
sie, den hervorragenden Tropfen nicht schlecht werden zu lassen.
- Ufer an der Dash,
unter der Kaimauer. Nacht. Bernhard steht trotzig weinend am Flu§rand,
in dem sich die Lichter der Stadt spiegeln, und schiebt mit seinem
Fu§ Steine auf einen Haufen, als mŸsse er eine sehr konzentrierte
Arbeit erledigen.
- Gastgarten, Tisch.
Dunkel, Kerzenlicht. Helena hat VictorÕs Sakko umgehŠngt, kuschelt
sich hinein, hšrt ihm mit warmem Blick zu. Am Tisch eine andere Flasche
Wein, das Essen ist bereits abgetragen. Victor spricht sehr leise
und charmant.
- Gastgarten, Tisch.
Helena ist bereits sichtlich vom Alkohol mŸde, Victor schenkt ihr
gerade einen Pernod ein und gie§t Wasser dazu, der Wirt tritt hinzu
und bittet die Sperrstunde zu beachten, es sei Mitternacht. Victor
bittet nur noch um ein paar Minuten.
- Gastgarten, Tisch.
Der Wirt tritt zu den beiden, es sei bereits ein, er mŸsse nun wirklich
hšflich ersuchen, zu gehen, Victor zahlt, und Helena erhebt sich,
sie wankt ein wenig. Victor nimmt sie um die Schultern, als sie den
Gastgarten verlassen.
- Kaipromenade an
der Dash, vor HelenaÕs Wohnhaus. Ein roter Ford hŠlt, Bernhard steigt
ein.
- Wohnhaus Helena.
Stra§e. Victor hilft Helena aus dem Wagen, die sichtlich wankt, und
leitet sie Ÿber die Stufen. Sie gibt ihm die SchlŸssel, schmiegt sich
an ihn. Sie betreten das Haus.
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