| TREATMENT
- HELENA - Der Film - von Eberhard Wagner
Teil
3
- Wohnung Helena, Sonntag
Morgen. Helena und Victor frŸhstŸcken, wobei sei turteln wie Verliebte.
Helena versucht, sehr zurŸckhaltend zu sein, und tut alles, damit Victor
sich wohlfŸhlt.
- Elternhaus Bernhard
Ziegelbauer, Zimmer, Sonntag Morgen. Bernhard liegt wach im Bett und
starrt zur Decke, Ÿberlegt sichtlich, ist traurig und wŸtend.
- Wohnung Helena. Mittag.
Victor und Helena essen eine Fertigpizza, die ein Bote gebracht hat.
Victor hat ein Handy, Helena sieht immer wieder darauf, wagt aber nicht,
ihn um die Nummer zu bitten. Victor zieht Helena wieder aufs Bett.
- Elternhaus Bernhard.
Mittag. Die Eltern unterhalten sich, die Mutter ist besorgt, denn Bernhard
ist ohne zu essen weggefahren, wirkte so verwirrt. Etwas mŸsse ihn bedrŸcken.
Der Vater erzŠhlt, da§ er nicht gesprochen habe, als er ihn in der Nacht
heimholte.
- Garten Haus Dr. Estlect,
Mittag, gro§e Hitze, kleines Gewitter kŸndigt sich an. Bernhard klagt
dem Gro§vater sein Leid, ist všllig geknickt. Der Arzt tršstet ihn und
meint, da§ er selber entscheiden mŸsse: KŠmpfe er oder gebe er auf.
Sie unterhalten sich Ÿber das Wesen der Wirklichkeit, Ÿber das, was
die Geschehnisse ins Laufen bringt. Bernhard ist ein TrŠumer, der meint,
alles wŸrde nur durch Gedanken beeinflu§t.
- Elternhaus Helena.
Garten. FrŸher Nachmittag. WŠhrend Adolf am Biotop arbeitet, kommt die
besorgte Ruth. Der Streit Sabine und Victor vom Vorabend hat ihr nicht
gefallen. Sie weist auf die gesellschaftliche Ungleichstellung der beiden
hin und meint, da§ man Sabine helfen mŸsse: Adolf solle zustimmen, da§
das Haus bereits jetzt an Sabine Ÿbergeben werde, damit auch sie ein
wenig Vermšgen hat. Sie gibt Adolf eine Flasche kŸhlen Bieres, er zšgert,
stimmt aber zu, als sie sie ihm šffnet, und er trinkt vor ihr. Ruth
geht ins Haus, um mit Sabine zu sprechen.
- Wohnung Helena, fŸnfzehn
Uhr. Helena ist sehr nervšs, denn Victor blickt stŠndig auf seine Uhr,
als wolle er gehen. Er ist wieder sehr kŸhl geworden, soda§ Helena ihn
nicht um ein weiteres Treffen bittet, mokiert sich Ÿber die Sonne, die
ihn blendet. Dann geht er, Helena will noch ansetzen, ob sie mitkommen
kšnne, aber wagt es nicht. Victor hat einen Tennistermin mit seinen
Kollegen, den er einhalten will, denn er braucht Beziehungen fŸr seine
Karriere.
- Elternhaus Helena,
fŸnfzehn Uhr, Wohnzimmer. Sabine sieht fern, Ruth kommt hinzu und spricht
mit ihr, da§ sie sich Sorgen wegen ihr mache, sie sei doch einen Schritt
zu weit gegangen gegen Victor. Sie bietet Sabine an, das Haus zu Ÿbernehmen,
diese aber zšgert, denn sie fŸrchtet, da§ sie dafŸr die Eltern einmal
pflegen wird mŸssen. Dann sagt sie, da§ sie es mit Victor besprechen
mu§.
- BŸro Kowalsky, Montag,
neun Uhr. Bernhard ist sehr nervšs, sitzt an seinem Schreibtisch mit
dem welken Blumenstrau§ vom Samstag, und springt auf, als Helena das
BŸro betritt. Vor allen Kollegen offenbart er sich als ihr Verehrer,
sie ist abweisend, kŸhl, wenn auch nicht unhšflich, sagt, sie sei ihm
nicht mehr bšse, ignoriert ihn aber dann. Bernhard versucht, noch mit
ihr ins GesprŠch zu kommen, bietet einen Ersatztermin an, aber Helena
weist auf ihre Arbeit hin und dankt hšflich aber bestimmt. Die Kollegen
feixen, freuen sich an BernhardÕs Niederlage, denn er ist ein Streber.
Warum sollte er erreichen, was sie alle nicht erreicht haben.
- BŸro Drumbish, Victor.
Sechzehn Uhr. Am Handy meldet sich der Bankangestellte, VictorÕs Vertrauensmann.
Er teilt ihm mit, da§ etwas schiefgegangen sei, das er nicht habe beeinflussen
kšnnen: Der Beta-Deal sei geplatzt, ob er nicht Zeitung lese, und deshalb
wŸrde der erste Teil der Transaktion leider ziemlich daneben gehen.
Victor ist empšrt, denn sein Traum vom schnellen Geld ist ernsthaft
gefŠhrdet, ja es kšnnte ihm nun sogar ein Verlust drohen. Der Vertrauensmann
bedauert, aber er kšnne nicht helfen. Victor droht, er solle sich etwas
einfallen lassen, beendet das GesprŠch. Er ist nun sehr wŸtend, nervšs,
kann sich auf die Arbeit nicht mehr konzentrieren. Die SekretŠrin kommt
und teilt ihm mit, da§ Sabine am Telefon sei, er weist sie brŸsk an,
da§ er nicht zu sprechen sei, und geht frŸher aus der Firma.
- Drumbish, Firmentor.
Victor geht wŸtend hinaus, bla§, kickt einen Stein weit weg, Der Portier
lŠuft ihm nach, denn er hat vergessen, seine Zeitkarte einzustecken.
Victor frŠgt zerstreut, wie es ihm gehe. Der Portier sagt, da§ das Victor
doch sicher besser wisse. Victor ist zufrieden, in seiner Wichtigkeit
bestŠtigt.
- Bar in BonviŽ, achtzehn
Uhr. Victor sitzt an der Theke und trinkt einen Whiskey, starrt konsterniert
vor sich hin.
- Wohnung Helena, 19
Uhr. Helena, im Bademantel, hat gerade geduscht und geht, die Haare
trocken reibend, zur KŸche, als es an der TŸre lŠutet: Es ist Victor.
Sie erzŠhlt lachend, da§ sie Jalousien montiert habe, wobei sie sich
am Zeigefinger verletzt habe. Victor sieht sie mit glasigen Augen an.
Er nimmt den Finger, nimmt ihn in den Mund, bei§t zu. Helena will erst
aufschreien, dann aber schlie§t sie wieder den Mund, sieht ihn an, er
umfa§t sie hart an den Handgelenken, rei§t ihr den Bademantel vom Leib,
und schlŠgt sie, wŠhrend er sie zur Couch zieht. Sie lЧt sich alles
gefallen.
- Wohnung Helena, Nacht.
Helena hšrt, am Boden hockend und ihn streichelnd, dem liegenden Victor
zu, der von seiner Kindheit erzŠhlt. Sein Vater habe ihn stets abgelehnt,
denn er sei zu weich. ErzŠhlt von seiner leiblichen Mutter, die bei
einem Motorbootunfall ums Leben gekommen sei, und die er abgšttisch
geliebt habe. Der Vater, ein harter Hund, der sein Vermšgen nach dem
Krieg aufgebaut hat und nun schon zum dritten mal geheiratet habe, habe
sie wie ihn geha§t, sie habe ihn stets in Schutz genommen. Er weint
in der Erinnerung an sie, sagt, da§ alles so hart sei im Leben, so unbarmherzig.
Helena schweigt, wŠhrend sie ihn liebkost. Er macht ihr den Vorschlag,
da§ man doch ein gemeinsames Haus suchen kšnnte, und zusammenziehen.
Ob es etwas mit der Stadtwohnung etwas wŸrde, wisse er nicht. Helena
antwortet nicht, ist aber sichtlich voller Freude. Er schlŠgt vor, da§
man sich doch unter der Woche auch ab und zu beim Essen in der Trattoria
"Giovanni" treffen kšnne, wo er hŠufig esse, und beschreibt
ihr, wo sich diese befindet.
- BŸro Kowalsky. Helena
kommt um neun Uhr, gr٤t kaum. Bernhard ist betroffen, sie ignoriert
ihn, antwortet nicht auf seine Blicke, sie er ihr sendet. Sie trŠgt
ein Kleid, das dem vom Samstag Abend sehr Šhnlich ist, flache, Šltere
Schuhe. Bernhard ist sehr niedergeschlagen.
- BŸro Drumbish, Victor.
Er telefoniert am Handy mit dem Bankmitarbeiter. Die Niederlage scheint
unabwendbar. Victor droht, da§ er dafŸr sorgen wird, da§ der Insiderhandel
auffliegt, der schon lange Zeit betrieben wŸrde. Der andere ignoriert
das, weist darauf hin, da§ dann auch Victor dran sei. Victor realisiert,
da§ er unter UmstŠnden Millionenschulden haben wird, als ihm der andere
sagt, was nun passieren wird. Der rŠt Victor in vertraulichem Ton, da§
er aber einen Tip hŠtte: Er solle Beta KAUFEN. Victor ist verwirrt,
lehnt aber ab, er will všllig aussteigen, er hat den Fehler nur einmal
gemacht. Er geht zum Essen, da lŠutet das Telefon, er ignoriert es aber.
Die SekretŠrin spricht mit Sabine und sagt ihr, da§ Victor nicht zu
sprechen sei.
- Trattoria Giovanni,
BonviŽ, Mittag. Helena betritt die Trattoria. Im hinteren Teil "thront"
Victor. Er ist sehr abweisend zu Helena, die sich vorsichtig zu ihm
setzt. Er bestellt fŸr sie, rŸgt sie fŸr ihre Unkenntnis der Weine,
korrigiert ihre Bestellung von "LÕAmbrusco" auf "Frascati",
demŸtigt sie mehrmals: Des Kleides, der alten Schuhe wegen, und au§erdem
habe sie sichtlich nicht geduscht. Helena ist verwirrt und kleinlaut,
als Victor geht. Sie bestellt noch Wein.
- ChefbŸro Drumbish.
Die alten Herren von Clarich sitzen auf gediegenen StŸhlen, ein Buffet
ist angerichtet. Victor uns seine Controller-Kollegen kommen nach und
nach, setzen sich in den Hintergrund, keiner (bis auf einen, der sich
aber verstellt) wei§ worum es geht. Der Vorstandsvorsitzende hŠlt eine
Rede und erklŠrt den erfolgreichen Deal, dann wird mit Sekt auf die
gemeinsame Zukunft angesto§en, Victor sitzt mit geschlossenen Augen
auf einem Stuhl an der Wand.
- ChefbŸro Drumbish.
Victor steht mit Kollegen am Buffet, sie sind neidisch auf den einzigen
von ihnen, der von dem Deal gewu§t hat. ViktorÕs Chef tritt hinzu, spricht
mit ihm Ÿber ein Seminar "Management by love", das nŠchste
Woche stattfinden solle, er habe ihn auch angemeldet, und wŸrde am Abend
dann einen ausgeben. Er habe doch nicht Geburtstag? Nein, aber er habe
so etwas wie "GlŸck im Spiel" gehabt, man kšnne ja durchaus
das Angenehme mit dem NŸtzlichen verbinden. Victor ist konsterniert:
Sein Chef hatte die besseren Informationen und hat deshalb am Deal gewonnen,
an dem Victor sich nun so hoch verschuldet hat. Man unterhŠlt sich Ÿber
das Buffet, scherzt Ÿber das Bio-Zeug, das so eigenartig schmeckt, aber
das sei eben: Bio; und gesund.
- BŸro Kowalsky. Nachmittag.
Bernhard beobachtet immer wieder Helena, die sehr nervšs wirkt und beim
LŠuten des Telefons immer sehr rasch abhebt, als erwarte sie einen Anruf.
Er macht sich um sie Sorgen.
- BŸro Drumbish. Victor.
Der Vertrauensmann auf der Bank ruft Victor an und drŠngt, da§ dieser
nun die Schulden zur Deckung bringen mŸsse, notfalls durch Kredit, aber
er brauche einen BŸrgen. Er habe Geduld; Victor solle doch seinen Vater
bitten. Victor verlangt, da§ sein Vater auf keinen Fall etwas erfahren
wŸrde, er werde das Geld schon auftreiben. Als das GesprŠch endet, meldet
die SekretŠrin, da§ Sabine am Telefon sei. Sie entschuldigt sich bei
ihm wegen des Samstag, er macht ihr noch VorwŸrfe. Dann frŠgt sie, was
er dazu sage, wenn sie das Haus der Eltern Ÿbernehme. Er ist plštzlich
hellwach und aufgerŠumt: Ob es lastenfrei sei. Ja, denn die Eltern hŠtten
ja alles in Eigenleistung gebaut. Er meint, da§ das ja nun einen Angelegenheit
von ihr und ihm sei, also Familiensache, und er sage, da§ sie natŸrlich
zustimmen solle. Sie lockt ihn mit erotischen Andeutungen, damit er
am Abend zu ihr komme. Er sagt fŸr den nŠchsten Abend zu.
- BonviŽ, Innenstadt,
Dienstag, 17.30 Uhr. Helena geht mit schweren Einkaufstaschen beladen
durch den Supermarkt, kauft Rasierzeug, MŠnner-Toiletten-Utensilien.
- Wohnung Helena. Badezimmer,
Abend. Helena richtet im Badezimmer fŸr Victor Platz auf der Ablage
vor dem Spiegel und stellt die gekauften Utensilien darauf.
- Elternhaus Helena.
Schlafzimmer der Surbeers. Ruth packt Koffer fŸr Paris: Adolf hšhnt,
da§ sie doch nur fŸr drei Tage auf dieser Verkaufsreise sei, Ruth weist
ihn zurecht. Sie hŠlt ihre besten Kleide vor ihren Leib und betrachtet
sich im Spiegel, packt einen Hut aus und setzt ihn auf den Kopf.
- Wohnung Helena, 22
Uhr. Helena sitzt mit einer gešffneten Flasche Frascati am Sofa und
betrinkt sich, alleine, sinkt um und in Schlaf. Der Fernseher lŠuft.
- Elternhaus Helena.
Mittwoch Morgen. Adolf und Sabine steigen ins Auto, Sabine wird von
ihm zur Arbeit gebracht.
- Auto-Inneres Adolf.
Adolf hŠlt, Sabine will aussteigen, er macht ihr den Vorschlag, da§
man doch einmal am heutigen Abend bei einem Essen unterhalten kšnne,
da man ja kaum miteinander rede. Sabine stimmt nicht besonders entzŸckt.
zu. Er schlŠgt ein altmodisches Restaurant vor, sie ist nicht gerade
begeistert.
- Autobus-Inneres,
auf der Fahrt nach Paris. Mitten unter sehr bŠuerlich-biederen Frauen
und wenigen alten MŠnnern sitzt sehr pikiert Ruth, betrachtet sich immer
wieder im Seitenfenster. Sie lacht nicht, wenn andere Witze machen,
die ihr zu primitiv sind. Blickt immer wieder zu dem jŸngeren Reiseleiter
(der Mann aus dem ersten Teil, den Helena im Bett hatte).
- BŸro Kowalsky, Mittwoch,
Vormittag. Helena ist besonders aufreizend angezogen, sieht nervšs auf
die Uhr, Bernhard nervšs zu ihr.
- Trattoria "Giovanni",
BonviŽ. Helena betritt die Trattoria, erregt betrŠchtliches Aussehen,
wirkt au§ergewšhnlich erotisch. Geht langsam auf Victor zu, der sie
nicht unzufrieden empfŠngt, wie ein Kšnig die Huldigung entgegennimmt.
Er ist zunehmend erregt, seine Phantasie droht zu zerspringen, verlangt
von ihr halbšffentliche erotische Akte der Unterwerfung. Zum Abschlu§
soll Helena in die Garderobe gehen.
- Trattoria "Giovanni",
Garderobe. Victor befriedigt sich an Helena mit in sehr kurzer Zeit,
geht wortlos.
- Trattoria "Giovanni".
Helena sitzt alleine am Tisch, trinkt Wein. Erst jetzt sieht sie VictorÕs
Visitenkarte, mit der er sie fŸr 18 Uhr zum Squash-Center "Riga"
bestellt. Ein Gast bedrŠngt sie, sie weist ihn zurŸck.
- Auto-Inneres Adolf.
18 Uhr. Adolf fŠhrt mit Sabine zum Steak-Restaurant, man sieht aber,
da§ es geschlossen ist. Sabine ist nun hellwach, schlŠgt vor, da§ man
zum neuen Squash-Center "Riga" fahren solle, das ihr Victor
empfohlen habe, der dort stets spiele. Adolf stimmt resigniert zu.
- Sqash-Center Riga.
Terrasse. Adolf nimmt mit Sabine an einem der Tische Platz; Plastik-Designer-Sitzgarnituren.
Sabine blickt stŠndig herum, Adolf kommt mit ihr nicht ins GesprŠch.
Restaurant-GebŠude im Hintergrund, dunkle Scheiben.
- Sqash-Center Riga.
Spielkabine Inneres. Victor spielt mit einem Kollegen, sie hetzen sich.
Helena tritt von au§en an die Scheibe, klopft. Victor flucht, weil er
nun den Ball verloren hat, entschuldigt sich, und geht zur TŸre. In
der TŸre stehend schickt er Helena ins Restaurant, er komme gleich.
Helena geht. Der Kollege frŠgt Victor, ob er denn nicht mehr mit Sabine
liiert sei, und da§ ihm Helena gefalle. Victor zwinkert mit den Augen,
das verstehe der andere nicht, denn Helena sei an anderes Kaliber und
fŸr diesen eine Nummer zu gro§.
- Sqash-Center Riga.
Terrasse. Adolf versucht immer wieder erfolglos, wŠhrend des Essens
mit Sabine ins GesprŠch zu kommen. Sie langweilt sich sichtlich, spielt
lieber mit einem herumstreunenden Hund.
- Squash-Center Riga.
Restaurant-Inneres. Helena sitzt bei einem Glas Wein und Victor kommt.
Die Uhr zeigt zwanzig Uhr. Er entschuldigt sich und setzt sich, sichtlich
kšrperlich mŸde. Dann erst erregt er sich an ihr, fa§t sie schlie§lich
an den HŠnden, und zieht sie in den rŸckwŠrtigen Teil des Restaurants.
- Squash-Center Riga.
Die Garderobe ist sehr belebt, soda§ Victor Helena durch eine EisentŸr
ins Freie zieht, wo ein kleiner Nischen-Vorplatz ist.
- Sqash-Center Riga.
Nischen-Vorplatz. Victor befriedigt sich an Helena, die ihn gewŠhren
lЧt, im Stehen.
- Sqash-Center Riga.
Terrasse. Adolf, der aufs WC mu§, schŠmt sich dafŸr und sagt, da§ er
ins Restaurant-Innere gehen wolle, um zu zahlen. Er geht hinein. Sabine
ist sichtlich gelangweilt.
- Sqash-Center Riga.
Garderobe. Adolf sucht das WC, und šffnet versehentlich die eiserne
Au§entŸr, will hinaustreten, erschrickt, denn er sieht die schemenhaften
Gestalten von Victor und Helena, ohne sie gleich zu erkennen, und schlie§t
rasch die TŸre wieder. Da erst kommt ihm etwas bekannt vor. Er šffnet
vorsichtig die TŸre wieder und erkennt Helena, die mit geschlossenen
Augen den Ÿber ihr zusammengesunkenen Victor wie hŠlt. Rasch schlie§t
er wieder die TŸre, und lŠuft weg.
- Squash-Center Riga.
Adolf lŠuft zu Sabine, rei§t sie am Arm vom Sitz hoch, und zieht sie
unter ihrem lauten Protest zum Auto, setzt sie hinein. Sie schimpft
laut auf ihn, ob er verrŸckt sei, er fŠhrt mit quietschenden Reifen
weg.
- Paris, Hotel am Stadtrand,
23 Uhr, Empfangshalle. Die Reisegruppe wird auf die Zimmer aufgeteilt.
Ruth unterhŠlt sich mit HervŽ, der ihr ein wenig den Hof macht, mehr
aber sie ihm. Sie hšrt, da§ er sagt, da§ er noch in die Bar gehen wolle.
Sie steigt in den Lift mit den beiden gro§en Koffern.
- Paris, Hotel, Bar.
HervŽ sitzt an der Theke, Ruth tritt hinzu. Sie unterhalten sich, er
erzŠhlt ihr seine gro§en ZukunftsplŠne von SelbstŠndigkeit, sie ist
všllig fŸr den Mann mit Zukunft begeistert.
- Elternhaus Helena.
KŸche. 23 Uhr. Adolf sitzt am KŸchentisch, vor sich eine Flasche Bier,
und hŠlt sich das Gesicht in den HŠnden. Sabine kommt kurz herein, in
aufreizendem Nachthemdchen, und schimpft auf ihn, holt etwas vom KŸhlschrank,
geht.wieder.
- Wohnung Helena. Nacht.
Sie sitzt, liegt halb auf der Couch, trinkt, trŠumt sichtlich, streicht
sich mit der Hand Ÿber den Unterbauch. Licht geht všllig ins Dunkel.
- Paris, Hotel. Zimmer
Ruth. Nacht. Ruth Šrgert sich sichtlich Ÿber die alte Frau, mit der
sie das Doppelbett teilen mu§, denn diese schnarcht und stšhnt beim
Umdrehen. Ihr ekelt vor deren Husten. Ruth trŠumt mit offenen Augen.
- Paris, Platz vor
Notre-Dames. Vormittag. Die Reisegruppe steht an der stark befahrenen
Kreuzung. Einige klagen Ÿber Hunger, das FrŸhstŸck war sehr mager, und
laufen Ÿber die Stra§e auf ein Bistro zu.
- Paris, Platz vor
Notre-Dames. Bistro. Unbeholfen, niemand spricht franzšsisch, versuchen
die Bauern, Croissants zu kaufen. Der Kellner ist verzweifelt. Ruth
prahlt mit dem einzigen Wort, das sie kennt: "Kroasso"
- Paris, Platz vor
Notre-Dames, Ruth eilt auf HervŽ zu, der mit fahlem Gesicht an der Steinmauer
zur Seine lehnt. Bietet ihm ein Croissant an, das er hinunterwŸrgt,
denn ihm ist sichtlich schlecht.
- Wohnung Helena, Vormittag
des Donnerstag. Sie erwacht, die Uhr zeigt zehn. Erst will sie aufspringen,
dann pfeift sie auf die Arbeit, hŠlt sich den Kopf.
- BŸro Kowalsky. Bernhard
sieht auf die Uhr: 10.30 Uhr. Er blickt auf den leeren Schreibtisch
von Helena.
- Trattoria "Giovanni".
Mittag. Helena sitzt alleine am Tisch des vorigen Tages, betrinkt sich.
Sie trŠgt sehr laszive Kleidung. Ein Mann bedrŠngt sie, sie wehrt sich,
er bietet ihr an, sie nach Hause zu fahren, sie steht auf, wankt, nimmt
dann an.
- Wohnhaus Helena,
Stra§e. Ein schwarzer Alfa hŠlt, der Mann aus der Trattoria steigt aus,
hilft Helena aus dem Auto, die sich zurŸckgelehnt hat und dšst. Sie
bemerkt, da§ sie mit sehr hochgeschobenem Rock dasitzt, der Mann gafft
grinsend, sie stš§t ihn wŸtend weg und geht unsicher die Treppe hinauf.
- Firma Adolf, BŸro.
FrŸher Nachmittag. Adolf entschuldigt sich, will heimgehen, ihm sei
nicht gut. Die SekretŠrin hat gro§es VerstŠndnis, er sieht schlecht
aus. Sie rŠt besorgt, er solle zum Wochenende zuhause bleiben und sich
auskurieren, er sei ohnehin nie krank.
- Drumbish, BŸro, Victor.
Nachmittag. Victor sitzt Ÿber eine handschriftliche Rechnung gebeugt,
aus der hervorgeht, da§ er unter dem Strich 3 Millionen verloren hat.
Verschiedene Rechnungen, gegenŸbergestellte Zahlen. Auf seinem Schreibtisch
liegt eine Aufstellung von Verkehrspreisen von Immobilien: EinfamilienhŠuser/Trobeau.
Als die SekretŠrin hereinkommt, schiebt er etwas darŸber.
- Paris, Porzellanfabrik.
In einer gro§en Halle die Reisegruppe, besichtigen die Manufaktur, es
stinkt entsetzlich. HervŽ zeigt Ruth pikante Statuetten, macht anzŸgliche
Anspielungen, Ruth kokettiert lŠcherlich mit.
- Wohnung Helena. 20
Uhr. Helena sitzt verzweifelt am E§tisch, sieht immer wieder auf die
Uhr, geht zum Fenster. Schlie§lich nimmt sie ihre Handtasche und verlЧt
die Wohnung.
- Wohnhaus Helena,
DŠmmerung. Bernhard fŠhrt vor und steigt aus.
- Wohnhaus Helena,
Stiegenhaus. Bernhard steht vor HelenaÕs WohnungstŸre und klopft und
lŠutet vergeblich. Nachbarn (ein nettes Ehepaar) kommen vorbei, erzŠhlen,
da§ man Helena kaum zu Gesicht bekomme, obwohl man schon so lange im
selben Haus wohne. Sie gehen zur TŸre der Nachbarwohnung und schlie§en
auf.
- Elternhaus Helena.
KŸche. Adolf sitzt mit mehreren Flaschen Bier am KŸchentisch und betrachtet
Kindheitsfotos, ErinnerungsstŸcke, Kinderbasteleien, von Helena.
- BonviŽ. Nachtbar.
Helena sitzt sichtlich betrunken alleine an der Theke und trinkt Pernod.
- Paris, Hotel, Bar.
HervŽ sitzt an der Theke, der Barkeeper reicht ihm ein Glas Bier. Ruth
tritt von hinten an ihn heran, sie ist lŠcherlich aufgemotzt, und sticht
ihm in die Seite. Er erschrickt, verschŸttet das Bier Ÿber Hemd und
vor allem Hose. Sie ist untršstlich, der Keeper kommt mit Lappen und
Eimer, beginnt wegzuwischen. HervŽ ist verstimmt, Ruth betroffen. Sie
nimmt einen Lappen und beginnt ihm die Kleidung zu reinigen. Als sie
dienstbeflissen und mit roten Ohren auch seinen Scho§ reinigt, zuckt
er immer wieder zurŸck. Dann sehen sie sich an, und er nimmt sie bei
der Hand. Sie verlassen eng aneinandergeschmiegt die Bar in Richtung
Vorhalle.
- Wohnung Helena, Freitag,
10 Uhr. Helena sitzt mit vollem Aschenbecher und in UnterwŠsche beim
Tisch, trinkt Kaffee. Geht zum Fenster.
- BŸro Kowalsky. 10
Uhr. Der empšrte Chef frŠgt nach Helena, die schon wieder nicht zur
Arbeit erschienen ist und sich nicht abgemeldet hat, er werde sie entlassen.
Bernhard geht zu ihm und erklŠrt, da§ sie sich bei ihm schon frŸhmorgens
abgemeldet habe und eine schwere Sommergrippe habe: Man schwitze, komme
ins KŸhle der Firma, etc. Der Chef geht, Bernhard sieht besorgt zu ihrem
leeren Schreibtisch. Das Telefon lŠutet: Der Wertpapierberater gratuliert
Bernhard zu seiner goldenen Nase "wie ein SpŸrhund", da§ er
gegen allen Trend Beta gekauft habe: Sein Kapital habe sich schon verdoppelt,
und werde sich, wenn es so weiterginge, noch vervielfachen. Solche MŠnner
brauche man im Wertpapierclub der Bank. Bernhard will es sich Ÿberlegen,
nimmt nicht richtig Notiz von seinem Gewinn.
- Paris, Hotel, Saal.
Werbeveranstaltung. HervŽ und sein Kollege stellen lŠcherliche Waren
vor. Ruth unterstŸtzt HervŽ mit Feuereifer, Ÿberredet andere zu kaufen,
kauft selber vorbildlich. HervŽ grinst zufrieden, auch sein Kollege.
- Paris, Hotel, Saal.
Die Werbeveranstaltung ist zu Ende. Ruth drŠngt sich durch die aus dem
Saal gehenden Leute zu HervŽ, um sich zu einem Treffen im Zentrum der
"Stadt der Liebe" zu verabreden. HervŽ ist sehr abweisend,
weist darauf hin, da§ er nun mit seinem Kollegen die gewaltigen Bestellungen
noch aufzuarbeiten habe. Er sei um 17 Uhr fertig, dann kšnne sie ihn
abholen. Ruth geht enttŠuscht.
- BonviŽ, Innenstadt.
Helena kommt aus einer Herrenboutique. Sie geht zur Trattoria "Giovanni".
- Trattoria "Giovanni".
FrŸher Nachmittag. Helena sitzt alleine und mit traurigem Gesicht am
Tisch und trinkt nur mЧig.
- Paris, Hotel, Bar.
Ruth sitzt alleine an der Theke bei einem Kaffee und trŠumt vor sich
hin, sieht immer wieder auf die Uhr und zur TŸre. Als sie ihre Tasche
fŸr ein Taschentuch šffnet, rutscht ihr ein Foto von Adolf entgegen.
Sie zerknŸllt es und wirft es weg.
- BonviŽ, Telefonzelle.
Nachmittag. Helena telefoniert.
- Drumbish, BŸro. Die
SekretŠrin sagt, da§ Victor bereits zum Wochenende aus dem Haus gegangen
sei. Im Hintergrund bewegt sich Victor. Sie verspricht mit hochmŸtiger
Stimme, ihm auszurichten, da§ eine Helena angerufen habe. Er macht eine
abschŠtzige Handbewegung, geht. die SekretŠrin sieht ihm nach.
- Paris, Hotel, vor
dem Saal. Ruth geht langsam zur Saal-TŸre, sieht immer wieder auf die
Uhr. Vorsichtig lauscht sie, ob HervŽ schon fertig ist. Stimmen von
drinnen. HervŽ und sein Kollege unterhalten sich auf ordinŠre Weise
Ÿber Frauen auf solchen Werbereisen, HervŽ macht Ruth lŠcherlich und
entpuppt sich als schmieriger SchaumschlŠger. Ruth ist erst entsetzt,
bleibt aber dann ganz ruhig, BedŠchtig dreht sie sich um, und geht ganz
langsam zurŸck.
- Elternhaus Helena,
KŸche. Adolf steht an der KŸchenzeile und wŠscht Geschirr ab. Sabine
kommt herein, grŸ§t kurz, hinter ihr Victor. Adolf grŸ§t nicht zurŸck.
Sabine und Victor sehen sich an, Sabine weist mit dem Kinn nach Adolf
und deutet, da§ er einen Vogel habe.
- Elternhaus Helena,
Wohnzimmer. Adolf sitzt am Schreibtisch, hat die HŠnde vors Gesicht
geschlagen, als habe er gro§e Kopfschmerzen. Im Hintergrund kommen kreischende
GerŠusche von Sabine und Victor, die im Zimmer neckende Spielchen treiben.
Jeder Ton der beiden scheint Adolf den Kopf zum Zerplatzen zu bringen.
Er hat kein Bier vor sich stehen.
- Elternhaus Helena.
Zimmer Sabine. Victor und Sabine liegen im Bett, sprechen ruhig Ÿber
Adolf und Sabine schimpft auf ihn. Beide ziehen dann Ÿber Helena her,
finden nur noch Schlechtes an ihr. Sabine weist auf die Verbrauchtheit
von Helena hin, ist sichtlich zufrieden, da§ ihr Victor zustimmt. Sie
beginnen sich wieder zu necken.
- Paris, Hotel, Zimmer
Ruth. SpŠter Abend. Ruth hilft liebenswŸrdig der alten Frau beim Entkleiden,
macht ihr Handreichungen.
- Elternhaus Bernhard.
Zimmer Bernhard. Nacht. Bernhard geht nachdenklich auf und ab, schlŠgt
immer wieder mit der Faust der Rechten in die Linke.
- Paris, Hotel, Zimmer
Ruth. Nacht. Ruth liegt mit offenen Augen im Bett. In den Augenwinkeln
hat sie TrŠnen. Nimmt den Wecker und sieht nach, wie spŠt es ist. Die
Koffer stehen gepackt neben ihrem Bett.
- Autobus-Inneres.
Samstag Morgen. Ruth sitzt ruhig neben einer Šlteren Bauersfrau und
hšrt ihr zu. Sie ist ganz ruhig und weicht dem Blick von HervŽ aus.
FrŠgt die Nachbarin, wann man in BonviŽ ankommen werde. Sagt, da§ es
hoffentlich schneller gehe.
- BonviŽ, Innenstadt,
Boutique. Helena, všllig schwei§durchnЧt, kauft einen Herren-Bademantel.
- Elternhaus Helena.
Garten. Vormittag. Adolf arbeitet grimmig an seinem Biotop. Victor und
Sabine kommen vom Einkauf zurŸck, Adolf wŸrdigt sie keines Blickes.
- Wohnung Helena. Vormittag.
Helena šffnet ihren Kleiderschrank und legt sorgfŠltig den Bademantel
auf ein leeres Fach. Man sieht, da§ sie bereits zwei Hemden und diverse
MŠnnerkleiderstŸcke darin liegen hat, alles noch originalverpackt.
- Elternhaus Bernhard.
Wohnzimmer. Bernhard ist sehr schroff zu seinem Vater. Seine Mutter
mischt sich ein, weist ihn zurecht mit dem Argument, da§ das eine Frau
nicht wertsein kšnne, da§ man sich mit den Eltern zerkriege. Was mŸsse
das fŸr eine fragwŸrdige Person sein, die ihn so verwirre. Bernhard
reagiert sehr zornig und geht.
- BonviŽ, Telefonzelle.
Helena versucht Victor anzurufen, das Telefonbuch ist aufgeschlagen.
Eine unfreundliche MŠnnerstimme (der Vater) sagt, da§ er nicht zuhause
sei, sie versucht sehr freundlich zu sein und kŸndigt an, es spŠter
noch einmal zu versuchen.
- Elternhaus Helena.
Garten. Victor geht zu seinem Wagen. Adolf geht ihm nach und verlangt
in erst langsam sicher werdendem, dann aber sehr bestimmtem Ton, da§
er mit ihm zu reden habe. Victor fŠllt eingeschŸchtert in die "Sie-"Anrede
und vereinbart mit Adolf auf dessen DrŠngen hin, da§ sie sich in einem
Lokal in BonviŽ treffen kšnnten, im Anschlu§ an seinen Controller-Stammtisch,
den er besuchen mŸsse. Er beschreibt ihm den Weg. Adolf ist sehr grimmig
und entschlossen.
- Haus Dr. Estlect.
Bibliothek. Sechzehn Uhr. Es ist drŸckend schwŸl. Bernhard schŸttet
sein Herz aus. Sein Gro§vater zeigt ihm auf, da§ Bernhard einem Traumbild
nachjagte. Eine Ehe sei ein Lebenswerk, das einen ganzen Mann verlange.
Er mŸsse sich von seinen Eltern lšsen und persšnlichen Eigenstand entwickeln,
um eine Familie durchformen zu kšnnen. Das Leben sei Krieg, Hinausstellen
in den Wind, und Bereitschaft zum Kampf. Er nštigt Bernhard, von seinem
selbstgebrannten Heidelbeerschnaps zu trinken, denn es brauche ab und
zu die Auflšsung von in Angst vor der Wirklichkeit gegrŸndeten Erstarrungen
in der Person. Bernhard geht, entschlossen.
- BonviŽ, Telefonzelle.
Helena telefoniert. VictorÕs Stiefmutter meint mŸtterlich besorgt, da§
er um etwa achtzehn Uhr zurŸcksein mŸsse. "Kindchen, ruf doch noch
einmal an, dann ist er sicher da."
- BonviŽ, Lokal-Inneres.
Um einen langen Tisch sitzen sechzehn Controller, darunter Victor Sie
unterhalten sich angeregt Ÿber Frauengeschichten und wer wen flachgelegt
habe.
- BonviŽ, Lokal-Inneres.
Adolf tritt ein, sieht die gro§e Runde der Controller, ist sichtlich
verunsichert, und setzt sich an einen Tisch hinter einer SŠule, um auf
Victor zu warten. Er bestellt ein Bier, und horcht auf. Denn das GesprŠch
der Controller kommt auf Helena, und Victor prahlt, kommt auf Sabine,
seinen "geilen KŠfer", und verweist auf seine Macht Ÿber Frauen,
mit denen er alles anstellen kšnne, auch sie dressieren wie einen Hund,
siehe Helena, die er všllig in der Hand habe. Einige andere wollen ihn
entkrŠften und erzŠhlen, da§ die "lŠufig wie eine HŸndin"
sei, und mancher sie schon gehabt habe. Adolf verfŠllt sichtlich, verliert
jeden Mut, und steht dann auf und geht erschŸttert.
- Dash, Uferstelle
aus der Kindheit HelenaÕs. Bernhard geht nachdenklich spazieren, zieht
die Schuhe aus, watet durchs Wasser, wirft Steine auf den Flu§ hinaus.
Am Himmel brauen sich schwere, grŸngelbe Gewitterwolken zusammen, Wind
kommt auf.
- BonviŽ, Wohnhaus
Helena, achtzehn Uhr. Bernhard steigt aus seinem Auto und geht ins Wohnhaus
HelenaÕs.
- Wohnhaus Helena,
Stiegenhaus. Bernhard steht vor der WohnungstŸre HelenaÕs und klopft
und lŠutet. Niemand šffnet. Er nimmt aus seiner Brieftasche ein zusammengefaltetes,
gebrauchtes Kuvert und schreibt darauf: Ein selbstironisierender Heiratsantrag.
Man sieht an der Armbanduhr, da§ es ein Viertel nach sechs ist. Dann
schiebt er den Briefumschlag unter der TŸre durch.
- Wohnhaus Dšrrich,
Speisezimmer. Victor speist mit seinen Eltern. Der Westminster-Gong
der Standuhr schlŠgt auf halb sieben. Der Vater verlangt von Victor
klare VerhŠltnisse, heute habe stŠndig ein MŠdel angerufen und nach
ihm verlangt, was nun mit dieser Sabine sei, er solle gefŠlligst seine
VerhŠltnisse klŠren. Er habe nur mit serišsem, langsamem Aufbau geschaffen,
was er sei und habe, und stets auf eine solide Familie Wert gelegt als
Fundament. Victor beschwichtigt ihn und Ÿberrascht sich selbst, als
er davon spricht, da§ er Sabine heiraten werde, und gibt die Verlobung
bekannt. Der Vater ist sehr zufrieden. Plštzlich schlŠgt der schwere
Gong der Glocke an der HaustŸre.
- Wohnhaus Dšrrich.
Vorhaus, mit Aufgang zum Obergescho§, sehr gediegen. Schwere doppelflŸgelige
HaustŸre. Victor šffnet, der Vater ist dicht hinter ihm, und fŠhrt zusammen:
Vor ihm steht Helena. Der Vater verlangt zornig AufklŠrung, Victor schiebt
Helena vor sich her auf den Weg des Vorgartens und schlie§t die HaustŸre.
- Wohnhaus Dšrrich,
Vorgarten. Helena erklŠrt Victor, da§ sie ohne ihn nicht mehr leben
kšnne. Victor verhšhnt sie, beschimpft sie als Hure, die er nie heiraten
wŸrde, und als sie ihm - fassungslos - kšrperlich nahe kommen will,
stš§t er sie brutal von sich und verscheucht sie wie einen Hund. Helena
lŠuft entsetzt weg.
- Elternhaus Helena,
KŸche. Einundzwanzig Uhr drei§ig. Der Vater sitzt mit leeren Flaschen
Bier vor sich am KŸchentisch und sinniert. Plštzlich steht er auf, geht
zum KŸchenschrank, und entnimmt ihm ein VerlŠngerungskabel. Damit geht
er hinaus.
- BonviŽ, abschŸssige
Stra§e zur Dashpromenade. Helena irrt mit wirrem Haar durch die Stra§en,
verzweifelt. Entgegenkommende Passanten bleiben stehen, sie wird aufmerksam
darauf, da§ ihr die Bluse aus dem Roch hŠngt, ordnet ihr Aussehen ein
wenig. Sie geht ruhig weiter, kommt zur Dash.
- Elternhaus Helena,
Garten. Adolf geht grimmig zum Schuppen, schlŠgt die TŸre auf. Man sieht,
wie er in raschem Tempo eine Leiter an die Firstpfette lehnt, hinaufsteigt,
das Kabel anbindet, und sich eine Schlinge um den Hals legt. Sofort
danach stš§t er mit den Beinen die Leiter weg. In diesem Moment entlŠdt
sich mit ungeheurem Krachen das Gewitter, und eine Sturmbše schlŠgt
die TŸre zu, da§ das Glas splittert.
- Dash-Promenade vor
HelenaÕs Wohnhaus. Langsam geht sie weiter, bleibt stehen, sieht zum
Wohnhaus, dann zum Flu§, immer wieder zum Flu§, und geht die steinerne
BrŸstungsmauer entlang, bis sie zum Abgang, der zum Flu§ fŸhrt, gelangt.
Zwei Stadtstreicher weichen ihr aus, die mit leeren Flaschen an der
BrŸstungsmauer lehnen und sie anstarren. Langsam geht Helena die Treppen
hinab. Die beiden Stadtstreicher sehen sich an, der eine nickt, dann
der andere, und sie folgen ihr.
- Ufer Dash. Helena
geht im všlligen Dunkel das Ufer entlang. Man hšrt Schritte, die immer
schneller werden. Sie will sich umdrehen, wird aber im selben Moment
von hinten gepackt: Die WollmŸtze des einen wird ihr brutal in den Mund
gesteckt, und sie wird nach hinten gerissen. Die Kamera schwenkt nach
oben, durchs Dunkel, zu den Laternen an der Stra§e. Man hšrt ihre Vergewaltigung.
- Dash-Promenade vor
HelenaÕs Haus. Man sieht die beiden MŠnner herauflaufen. Sie sehen sich
um und laufen davon. Die Kamera geht langsam zum Abgang. Man hšrt Wimmern.
Schlagartig entlŠdt sich das Gewitter.
- Ufer Dash. Helena
liegt mit schlimm zugerichteter Bekleidung am Boden, wimmert. Jetzt
erst speit sie den Knebel aus und wirft ihn in den Flu§. Sie krŸmmt
sich langsam, richtet sich sitzend auf. Man sieht, da§ sie auf einem
Steinhaufen gelegen ist. Sie ist všllig zerstšrt, und langsam weint
sie. Langsam fallen in ihre TrŠnen die Regentropfen, immer dichter,
bis es zu einem wirklichen dichten Regen wird. Im selben Ma§ weint sie
všllig hemmungslos, als lšste sie sich auf.
- BonviŽ, Bahnhof.
Ruth ist aus dem Bus gestiegen und geht zur Bahnhofshalle. Sie erfŠhrt,
da§ der nŠchste Zug nach Trobeau erst am Sonntagmorgen geht. Sie sieht
sich um, und geht mit den beiden Koffern zu einer Bank vor dem Bahnhof.
Es hat vor kurzen noch geregnet, der ganze Platz ist na§. Mit einem
Taschentuch wischt sie die Bank trocken, und streckt sich darauf aus.
Ein fremder Hund kommt zu ihr hin, stupst sie mit der Nase an, legt
sich dann vor ihre Bank hin, um dort zu schlafen.
- Dash-Promenade. Helena
kommt mit zerrissener Kleidung, všllig durchnЧt vom Regen und schmutzig
die Treppe heraus, geht langsam Ÿber die Stra§e. Ihr Gesicht wirkt ruhig
und gefa§t. Sie geht die Treppe zu ihrem Wohnhaus hinauf.
- BonviŽ, au§erhalb,
Pension, Foyer. Bernhard bucht ein Zimmer fŸr eine Nacht. Er erzŠhlt,
da§ er sich noch ein wenig Bettschwere in einem Gasthof geholt habe.
Man mu§ auch einmal alleine sein, sagt er dann. Weil alles, was lebt,
sich in den Wind stellt, als einzelnes, als Einheit.
- Wohnhaus Helena.
Stiegenhaus. Kein Licht. Helena schlie§t ruhig ihre WohnungstŸre auf
und geht hinein. (Den Brief sieht sie nicht.)
- Wohnung Helena. Dusche.
Sie duscht ausgiebig.Wohnung Helena. Sie kommt im Bademantel aus dem
Bad, frottiert ihre Haare, und sieht erst jetzt den Briefumschlag am
Boden. Sie hebt ihn auf und liest. Dann lacht sie und stellt ihn auf
das Bord, das ober dem Kissen angebracht ist, das auf ihrer Couch liegt.
Sie geht zum KŸhlschrank, holt Fleisch und die Ÿbrigen Zutaten, stellt
eine Pfanne auf und beginnt, das Fleisch zu braten.
- Wohnung Helena. Sie
sitzt am Tisch, RŸcken zum Fenster, und i§t Spaghetti mit Pasta-a-sciutta.
Sie blickt zum Briefumschlag hin, der am Bord steht.
- Trobeau, Bahnhof.
Sonntag frŸh. Kirchenglocken sind hšrbar. Ruth geht aus dem BahnhofsgebŠude
und macht sich mit den beiden Koffern auf, um nach Hause zu gehen. Sie
zieht ihre Schuhe aus, mit denen es unbequem ist, am Bankett zu gehen.
Ein roter Kleinwagen hŠlt, es ist Bernhard, und frŠgt, ob er sie mitnehmen
solle. Ruth steigt mit den beiden Koffern ein.
- Auto-Inneres. Bernhard
erzŠhlt Ruth von seinem Leben, und da§ er entdeckt hat, da§ man dem
Leben nur zusehe, sich in Schauspielen bewege, ohne wirklich mit dem
Leben verankert zu sein. Und da§ er es jetzt aber in die Hand nehme.
Es kšnne manches zwar zu spŠt sein, aber es ginge dennoch weiter, dann
wŸrde eben die GebŠudeform anders werden. Ruth kann ihm nicht mehr folgen,
ist auch schon zu nervšs. Sie bedeutet ihm an der Abzweigung vor Trobeau
"Urlaub am Bauernhof" einzubiegen, die er meint, schon zu
kennen. Dann bringt er sie, wobei er unentwegt redet, und Ruth nicht
zuhšrt, zu HelenaÕs Elternhaus. Sie zieht ihre Schuhe an, steigt rasch
aus, dankt.
- Wohnhaus Helena,
vor dem Gartenzaun. Bernhard fŠhrt weg. Ruth geht freudig rasch durch
den Vorgarten zur HaustŸre, sieht nicht zur Seite.
- Wohnhaus Helena,
Wintergarten. Ruth geht vom Wohnzimmer in den Wintergarten, und bleibt
erstarrt stehen.
- Wohnhaus Helena.
Garten. Adolf steht inmitten eines Bretter- und Lattengewirrs und zieht
Latten heraus, die er seitlich aufschlichtet. Immer wieder reibt er
sich den Nacken, der deutlich gerštet ist. Ruth kommt vom Wintergarten
zu ihm hin und frŠgt bestŸrzt, was denn vorgefallen sei. Adolf erzŠhlt
ihr, da§ der Sturm letzte Nacht den Schuppen umgerissen habe. "Und
was soll das Seil," frŠgt Ruth, die sogleich mithilft, so wie sie
ist, und Latten herauszieht. "Damit habe ich versucht, noch zu
sichern, aber ohne Erfolg." Ruth bringt ihm zwei Latten, steigt
wieder in das Gewirr. Sie deutet an, da§ sie zu dem Schlu§ gekommen
sei, die Frage der HausŸberschreibung doch noch ein wenig hintanzustellen,
sie seien ja noch selbst recht jung. Dann frŠgt sie Adolf, ob er etwas
zu trinken wolle, und sie habe auch aus Paris Camembert mitgebracht.
Sie steigt heraus, verliert einen Schuh, stakst humpelnd zum Wintergarten.
Derweil arbeitet Adolf ruhig weiter. Vor dem Wintergarten bleibt Ruth
stehen, dreht sich um, und sieht Adolf zu. Sie hat TrŠnen in den Augen.
- Elternhaus Helena.
Garten. Blick vom Garten zum Wald, von dort in die Felder, in die Ferne.
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