| Bischof Mag. C. Werner im GesprŠch mit E. Wagner WOZU KMB*? (*KMB = Katholische MŠnnerbewegung, eine Laienvereinigung im Verband der Katholischen Aktion) Hinweis: Die Fragen wurden Bischof Werner bereits im Voraus gesandt. Er eršffnete das GesprŠch auch entsprechend: Das sei ja Šrger wie bei einer PrŸfung? Er habe manches sogar nachlesen mŸssen, und er habe sich aber vorbereitet. (Bischof Werner war der von der Bischofskonferenz mit der Agenda "MŠnner + KMB" beauftragte Seelsorger.) Das Interview wurde nach der Niederschrift (leider hatte mein Tonband versagt, sonst hŠtte ich sogar eine Audio-Aufzeichnung, ein Prinzip von mir) seinerzeit von mir an Bischof Werner gefaxt mit der Bitte um Durchsicht. Werner rief an und meinte, es entsprŠche so dem GesprŠch, auch wenn er nach meinem Eindruck etwas geŠngstigt wirkte, weil er offenbar etwas erschrocken Ÿber manche seiner Aussagen war. Aber zweimal wiederholte er: Ja, so sei es "o.k.", auch auf mein Nachfragen hin verlangte er keine €nderung. Als das Interview daraufhin dem Pressereferenten der Dišzese "vorgelegt" wurde, weigerte sich dieser, es so zu veršffentlichen. Nach einem Telephonat mit Bischof Werner verŠnderte es stark. Nicht nur wurden Aussagen "entschŠrft", sondern teilweise ins glatte - aber politisch erwŸnschte - Gegenteil umgewandelt. So wurde es dann auch veršffentlicht. Mag. PflŸgl - glatter Protestant, wie ich in manchen GesprŠchen klar feststellte, und so nebenher eine (wie man zu sagen pflegt) "linke KrŠtze" - ist bis zum heutigen Tag (2007) Pressereferent der Dišzese St. Pšlten. Und hat (er ist fŸr nahezu alle Publikationen im Rahmen der Dšzese verantwortlich, au§er fŸr die offizielle Kirchenzeitung "kirche bunt") sicher schon viel Segensreiches fŸr die Kirche bewirkt. Exzellenz: Wozu also KMB? Ein Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Katholische Soldaten (AKS), die der KMB entspricht, hat darauf geantwortet: "Um christliche Werte ins Leben hineinzutragen, um den Glauben zu verlebendigen, um sich mutig zu artikulieren, um mehr Leben in die Gemeinde hineinzutragen. Um nach dem Evangelium zu leben und fŸr die Kinder die Frohbotschaft erlebbar zu machen. Es gehšren auch Querverbindungen zu anderen Gliederungen dazu. Ich nehme die Verantwortung als Laie, aktiv an Kirche mitzugestalten, ernst und will mich einbringen. Dabei gehšrt es auch ganz einfach dazu, Freundschaft zu pflegen. Ich suche den Dialog mit Andersdenkenden und -glŠubigen." Und die tun das wirklich: Da waren GesprŠche mit Moslems, aber auch mit Dr. Haider. Stichwort KMB…: Eine katholische Organisation KANN nur dišzesanbezogen sein, weil ihr Prinzip - Hirt und Herde - wesentlich ist. Wie stehen Sie zu den sehr weit gediehenen Versuchen, die Organisationen der KA in šsterreichweiten Verbindungen zu vereinen? Die KA ist vielfach noch ein wunder Punkt. Man hat ihr frŸher immer vorgeworfen, "nur Papier" zu erzeugen. Heute wirft man ihr das Gegenteil vor - zuviel Eigendynamik. Aber es wird immerhin etwas getan. Im Vergleich zu anderen Bewegungen tut man der KMB… Unrecht. Da sind sehr viele Projekte in Arbeit: Das Projekt "Mannsein" - da bricht schon etwas auf. Oder die Ostafrika-Entwicklungspolitik, der Aufbau eines Laienapostolates in Ost-Mitteleuropa nach der Kath. Soziallehre oder die Europaarbeit. Die Internationalisierung des Engagements bringt organisatorische Probleme und hat dringenden Koordinationsbedarf, weil ja niemand mehr wei§, was da noch passiert - Aber um das zu stoppen, dafŸr ist es schon zu spŠt! Das hŠtte man vor 10 Jahren tun mŸssen. Jahrelang hat man zugeschaut, und jetzt, wo was geschieht, versucht man aufzuhalten. NatŸrlich mu§ das aus der Tiefe des Glaubens geschehen! Aber grundsŠtzlich ist Apostolat Sendung! Und es wird wirklich etwas getan! Mehr Arbeit macht es auch notwendig, mehr zu koordinieren, und dafŸr braucht man auch bezahlte KrŠfte. Da§ sie nun wieder einen eigenen Referatsbischof (mich) haben, hat ihnen auch mehr Mut gemacht und ist eine Anerkennung der Arbeit. Wie sehen Sie die KMB in …sterreich? Die KMB ist in …sterreich sehr verschieden. Ich meine, da§ Fšderalismus auch gut ist, er stellt das Eigenleben dar wie es die MŠnner selber haben. Jede Dišzese hat ihre eigenen Schwerpunkte und Programme. Das schafft gesunde Konkurrenz, auch in šsterreichweiten Zentralstellen wie der KMB…. Gewisse Dinge sollten koordiniert werden, aber an und fŸr sich mu§ das Dišzesanprinzip gewahrt bleiben! Eine Zentralstelle soll Hilfe zur Entfaltung geben, aber gestandene Dinge belassen und nicht in die Dišzese eingreifen. Es sollte einfach eine gute Zusammenarbeit geben. Wenn ich z. B. die …sterreichwallfahrt in Klosterneuburg sehe mit zehntausenden MŠnnern aus ganz …sterreich, dann ist das schon ein Bekenntnis! Es sollte aber nicht zu einem Zentralismus werden! ZusŠtzlich tauchen - auch innerdišzesan - Kompetenzschwierigkeiten auf. Es ist leider in der Kirche hŠufig, da§ Aufgaben wenig beschrieben sind, man aber fŸr viel verantwortlich gemacht wird. Aber mein Eindruck von der KMB ist grundsŠtzlich sehr positiv! Geht das starke entwicklungspolitische Engagement nicht an der ursprŸnglichen Sendung der KMB vorbei? Das Problem der Altersstruktur bringt doch das Problem, wieweit die ursprŸnglichen Gedanken noch in der KMB berŸcksichtigt werden - das haben diese Leute doch unterschrieben, und das wurde ihnen versprochen?! Der Auftrag, sich fŸr Arme und Geknechtete einzusetzen ist legitim. Heute ist die Bewegung nicht mehr beschrŠnkbar auf Vertiefung des Glaubens. Der Glaube will gelebt werden. Die ursprŸngliche Idee mu§ natŸrlich bleiben. Aber die AusfŠcherung darf sich nach der Zeit richten. ZunŠchst mu§ es bei mir stimmen! †ber die persšnliche Heiligung entsteht der Apostolatsauftrag, auch Ÿber Grenzen hinaus!
NatŸrlich aber auch hier: Die Wurzel mu§ stimmen. Da mu§ Umkehr ECHT da sein, die Hinkehr mu§ gefestigt werden. ERST DANN kann ich mein Engagement ausfalten. Ist diese Wurzel noch vorhanden?! Jedenfalls die Sehnsucht, die ist wirklich vorhanden! Das ist ganz verschieden feststellbar, und auch nicht Ÿberall gleich. Aber ich sehe immer wieder gute AnsŠtze. Nochmal: Eine echte Glaubensvertiefung ist das Wichtigste! Neuevangelisierung? Das klingt so nach "wieder katholisch machen", nach: "... wo der Bartl den Most herholt"! Was wir brauchen, ist die Vermittlung von Inhalten, soda§ klar wird, da§ der Glaube ein unverzichtbares Angebot fŸr die LebensbewŠltigung ist. Und das Evangelium ist die Quelle. Wir leben in einer total sŠkularisierten Welt, da mu§ man den MŠnnern viel Mut zu einem geistlichen Leben machen! Und pfarrlich geschieht oft wirklich viel! Die Leute haben ja Hunger! Aber man mu§ das so machen, da§ sie Gusto auf das kriegen, was eben fehlt. Warum gibt es so viel ungestillten Hunger? Wir haben es heute mit so einer Flut von EinflŸssen zu tun - wenn ich mich da an meine Kindheit noch erinnere ... Die Leute haben sich in OberflŠchlichkeit selbst verloren. Es hat die Ruhe gefehlt, und damit kommt man gar nicht mehr zu Gott. Man hatte keine Zeit mehr - und jetzt stellt man fest, da§ man ganz leer ist, da§ alles verschŸttet ist. Die heutigen Gštter sind so vielfŠltig. Man hat die Tiefe verloren. Und wenn man keine Zeit mehr zu fragen hat, hat man auch bald keine Fragen mehr. Aber ist nicht ein Erstarken der Sehnsucht festzustellen? Gott sei Dank - die Leute wollen wieder glauben! Und deshalb kommen die Sekten auf. Wir mŸssen die Methoden Šndern: Heute sind halt keine Massen mehr zu begeistern. Man mu§ in kleinen Zellen die Leute zu einer echten Entscheidung fŸr Christus hinfŸhren. Aber vor allem: Die Leute wollen gefordert werden!! Die wollen kein Wischiwaschi! Wir sind viel zu vorsichtig! Es braucht ein GESUNDES ELITEBEWUSSTSEIN! Man mu§ wieder stolz sein, Christ zu sein! Leider kommt heute oft das Zeugnis nicht mehr von innen heraus, man mu§ sehr mŸhsam die Wurzel zuleiten! Heute hšrt man das nicht gerne, aber der Mann ist eben das Haupt der Familie, das ist einmal so! Das Ende der Emanzipation?! Der Mann mu§ sich wieder aufrichten! Er geht auf im Organisieren, nur weil er das halt von Natur aus kann, und alles wird ihm angehŠngt. Zutiefst verunsichert wei§ er nicht mehr so recht - soll er mehr Geschirrwaschen oder KinderhŸten ... Er hat sich total in einen Aktionismus drŠngen lassen, der die Werte aber verschiebt! Das geht soweit, da§ nicht einmal mehr die Sonntagsmesse ganz abgewartet wird, weil da wartet schon das Pfarrkaffee, wo noch was zu tun ist usw. Das Wesentliche geht unter. Gerade heute braucht der Mann wieder eine feste IdentitŠt, aus der er zu einem gesunden Glaubensbewu§tsein kommt. Und der MŠnnerglaube ist einfach anders! Deshalb brauchen die MŠnner auch einen Bereich fŸr sich - so wie die Frauen. Freilich kann man auch mal Frauen einladen, vielleicht zu gemeinsamen Themen. Aber an sich ... Fundamentalismus? ... da gibt es so hЧliche Erscheinungen. Das ist wie eine Art Gegenbewegung gegen den SŠkularismus. Wir brauche VerkŸndiger, die sich wie GŠrtner um ihre Pflanzen kŸmmern, sie hegen, pflegen, gie§en, damit es in Ruhe wŠchst und gedeiht. Aber manche wollen einem den Weltkatechismus um die Ohren hauen. "So, jetzt zeigen wir euch, was ne Harke ist." Und in ehrgeizigen Neuevangelisierungskampagnen werden Millionen Katechismen unter die Leute zwangsweise gebracht, und es kann losgehen. Der Katechismus ist ein Nachschlagewerk, zu dessen Studium man auch die Konzilstexte und die VŠter kennen sollte! Wir sollten froh sein, ihn zu haben. Und mit ihm umgehen, wie wir uns an ein gro§es Werk heranmachen. Wir mŸssen aber diese Hilfe mit Fleisch fŸllen! Damit dosiert umgehen, keine bedrohlichen "ErklŠrungs- oder "Gegenwellen" starten. Trichter aufgesetzt, eingefŸllt, Punkt. Freilich haben die Bischšfe gro§e Sorgen! Das wird leider oft nicht verstanden und fŸhrt zu Erscheinungen ... sie verstehen? Wir Bischšfe sollten uns da nicht auseinanderdividieren lassen! Was ist falsch finde ist allerdings die Verunsicherung Ÿber das II. Vatikanum, die in letzter Zeit ausgelšst wurde. Viele Leute, die total engagiert waren, kommen jetzt mit gro§er Sorge! Haben wir tatsŠchlich Mi§brauch getrieben? Werden wir jetzt gebremst? Waren wir gar unglŠubig? Was ist jetzt richtig - Mund- oder Handkommunion. NatŸrlich braucht es die Ehrfurcht, und sie ist oft beklagenswerterweise viel zuwenig da! Es gibt Erscheinungen in der Me§gestaltung, die nicht erfreulich sind. Wir stellen stellen fest, da§ KommunionbŠnke voll, BeichtstŸhle leer sind. Aber ich finde so Gegenbewegungen falsch, die die alten Formen als Allheilmittel ansehen. Ist das Me§opfer ein Mysterium nur wegen Latein?! Wir sind doch keine Beschwšrer, die sich mystisch-bewegt Ÿber den Altar beugen und geheimnisvoll murmeln "HOC EST ENIM ..." Der Herr selbst handelt! NatŸrlich gibt es Extreme. UnlŠngst habe ich einige Studenten mit einem Priester - ganz salopp mit Jean und T-shirt - so eigenartig beisammen stehen sehen. Ich frage was sie da tun, da haben die eine Pizza gegessen, bis einem eingefallen ist, damit Messe zu feiern. Die habe ich schnell verjagt! Aber man soll nicht bei der Form anfangen. Man mu§ zuerst die FrŸchte des Geistes sensibilisieren. Wenn ich da an die Eucharistie denke - es fehlt an tief erfa§ten Zeugen!! An Priestern, an denen erlebbar ist, was Hingabe hei§t! Es fehlt an Vermittlern! Die Inhalte mŸssen zu Beziehungen werden! Wir brauchen Bezug zu den Geschehen! Wie sollte deshalb eine Jahresarbeit einer KMB aussehen? Das geschieht doch ganz ordentlich, wie ich aus ihren Unterlagen sehe. Nur sollte halt nicht ein Thema hingeschnalzt werden - Prack: Heuer machen wir Familie, und alle horuck. Aus der Thematik heraus sollte sich eine Glaubenserneuerung aufbauen. Keine sture soziologisch-psychologisch-theologische Aufarbeitung des Themas! Beim Katechismus z.B. ist bei der Vermittlung etwas in die Hose gegangen, da§ der Katechismus nicht als Hilfsmittel, als Orientierungshilfe angesehen wird. Aber verkommt Glaube nicht oft schon zu einem vordergrŸndigen GefŸhls-Erlebnis? Das darf natŸrlich nicht sein! Dabei geht die Tendenz z.B. in den Medien erschreckend da hin! Glaube mu§ sich immer zwischen den Polen "Inhalte" und "GefŸhl" bewegen. Ich komme gerade von einer Medientagung in Kšln (ich bin ja auch Medienbischof), und da wird nur noch von "Betroffenheit" geredet, alles nur noch danach gemessen, wie die Menschen betroffen gemacht werden kšnnen. Das kann nicht unser Weg sein, da§ sich die Leute nur noch ihr GefŸhl abholen. Wir mŸssen die Gesamtheit des Menschen ansprechen, ihn zu einer BeziehungsfŠhigkeit hingeleiten. Haben Sie dafŸr ein Konzept? Ich habe kein Konzept. Ich wei§ nur, da§ es "gestandene Leute" braucht, keine Softies! Die Gemeinde mu§ wie eine Familie da sein. In deren Mitte der Herr lebt, die fŸreinander da ist in Freud und Leid! Die einander Quelle und StŠrkung bedeutet! Das ist nicht vergleichbar mit diesem "High"-GefŸhl, wie es fŸr die Freikirchen so typisch ist! Das mu§ eine Freude sein, die vom Herrn getragen ist, und nicht ein GefŸhlsausbruch. Keine Happyness wie bei diesen Heilungsgottesdiensten, wo die Leute wie paralysiert herumlaufen und einander um den Hals fallen. Das bedeutet ein Leben aus der Kraft, geradlinig, stark, ein der Welt ins Angesicht schauen! Wie soll das erreicht werden? Nocheinmal: Ich habe kein Konzept. Abgesehen von der Notwendigkeit zur Vertiefung. Es mu§ uns gelingen, noch intensiver den geistlichen Menschen im Laien zu wecken. Durch Vertiefungs-Angebote, viel mehr Exerzitien, Einkehrtage. Der Mann mu§ wieder zurŸck zu einfachen Verhaltensweisen, die diese Innerlichkeit ausdrŸcken. Nicht gro§, in der Familie: Tischgebet, Kreuzweg, in alltŠglichen Dingen. Im Wirtshaus das Kreuzzeichen machen vor dem Essen. Ich bin da mit einem 16jŠhrigen vor ein paar Jahren bei einem Kreuz vorbeigefahren, plštzlich macht der ein Kreuzzeichen. Drei Jahre spŠter fahre ich wieder vorbei mit ihm - nichts mehr. Man soll nicht immer die gro§en Dinge sehen, sondern ganz bewu§t als Laie leben - jeder drŠngt so zu einem Amt, das finde ich einfach falsch! Der Laie nimmt Teil kraft SEINER Berufung! Jeder hat seinen Platz! Es fehlt halt einfach an der Grundhaltung: "Herr, was hast Du vor mit mir?" Schauen Sie, ich wollte ursprŸnglich gar nicht Priester werden! Einmal hat eine Frau zu mir gesagt: Schade, da§ sie Pfarrer geworden sind, sie hŠtten als normaler Mensch glaubwŸrdiger Christ leben kšnnen. Wenn das keine Aufwertung des Laien ist! Seid glŸcklich Ÿber Eure Stellung, drŠngt nicht nach einem Amt! Gott hat fŸr Euch andersartige Verwendung! Wo sind Vorbilder? Gerade Ihr Bischof (Dr. K. Krenn, Anm.) sagt es immer wieder: Ich setze auf die Priester! Man mu§ sich natŸrlich fragen: Wie geistlich sind unsere Geistlichen? Vielzuoft sind sie zu wenig selber in Gott verwurzelt. Da ist oft organisatorische †berlastung, profillose Anpassung oder geckenhafte Anbiederung. Die werden halt oft zu "Messelesern" degradiert. Sie mŸssen wieder zu Zentren ihrer Gemeinden, zum Mittelpunkt einer AtmosphŠre des Vertrauens werden ... sonst mu§ Frustration kommen. Dann wird es auch wieder genug geistliche Berufungen geben. Heute kann man einfach zuwenig den vom Geist erfŸllten Menschen im Priester erleben. Also mŸssen wir warten ...? Diese Innerlichkeit wird doch in keiner Position erlebt! Es gibt doch kaum noch christliches Engagement! Wer hat denn Mut zu christlichen politischen Akzenten?! Da mŸssen wir wieder anfangen! Aber im Kleinen, nicht bei den gro§en Dingen! Jeder mu§ sich fragen: Wo ist meine Umkehr, wo stehe ich. Je hšher die Stellung, desto šfter! Das ist ein Rat an Priester und Laien gleicherma§en. Schauen sie doch auf die vielen unauffŠlligen kleinen Laien, die einfach in der Pfarre da sind, da ist oft so viel Hingabe! Also mŸssen die Laien Aufgaben des Priesters Ÿbernehmen? Der Priester ist als Stellvertreter Christi unvertretbar! Der Laie nimmt am Amt teil, in seiner Art und Weise. Der Priester hat die Gnade und die Verantwortung, Christus wŸrdig vertreten zu dŸrfen und zu kšnnen. In der Heiligen Messe wird Christus vergegenwŠrtigt in seiner Hingabe, im Kreuz und in der Auferstehung. Wenn dann der Pfarrer hinausgeht, mu§ er das weiterleben! Das was er vermitteln darf, mu§ durch ihn erscheinen, er mu§ wie Jesus unter die Leute gehen. Heute sind die oft so mŸde, ausgebrannt, nicht mehr Quelle der Gemeinde! Der Laie mu§ sich um SEINE GEISTLICHKEIT bemŸhen. Nicht nur Vorbeter, Kommunionausteiler usw. Er braucht die gelebte Tiefe! Er braucht das GlaubensgesprŠch, in dem sich diese Tiefe ausdrŸckt. Ich war bei einer Pfarrgemeinderatssitzung. Nur Organisation. Erst ganz zum Schlu§ kommt die Rede zufŠllig aufs Bu§sakrament. Und da sagt dann einer "Sag, wie geht's Dir mit der Beichte?" Und es entwickelt sich ein GesprŠch, und die Herzen gehen auf - und eine tiefe Dankbarkeit erfŸllt alle. Wir brauchen die Tiefe, deshalb sollen wir zusammenkommen! Und DANN kommt das Konzept dazu. Ist die KMB noch wesentlich in diesem Sinne? Das ist sehr stark unterschiedlich, auch innerhalb einer Dišzese. An und fŸr sich gibt es in der KMB eine gute Substanz! NatŸrlich: Die Jugend fehlt! Oft ist da furchtbare Frustration, und das mach die KMB wenig attraktiv. Es braucht in der KMB wieder die SelbstverstŠndlichkeit des Glaubens, das einfache Vertrauen! Wir sind kein sozialer Verein - unser Tun kommt von Christus her! Man mu§ spŸren: WIR SIND ANDERS! KIRCHE IST MEHR! Da ist ein Offizier in der Hohen Wand abgestŸrzt. Die AKS hat rund um die Uhr die Hinterbliebenen betreut. Die haben miteinander gebetet, gelitten, Trost gespendet, waren einfach da - das ist Kirche. Gibt es sie noch - die Heiligung? Es ist der Anteil am gšttlichen Leben Christi durch heiligmЧiges Leben: In der Erziehung der Kinder, durch meine Arbeit, durch den Gottesdienst. Wenn ich das bei der Messe auf den Altar lege, heilige ich! Schauen Sie, ich erinnere mich, wie mein Vater beim Polizeiverein am Fest Kreuzeserhšhung erzŠhlt hat, was ihm das bedeutet. Das hat mich tief beeindruckt, wie er davon sprach, und es machte nichts, da§ die einen lachten. Dieses Zeugnis der Hingabe! Die anderen mŸssen spŸren da§ Du wei§t: Gott hat mir DIR was vor! Wie kann man dieses Ziel erreichen? Durch alles, was heiligt: Treue im Gebet, ein Gebetsleben, Zeugnis geben, auch Zweifel zugeben, sich durch Sakramente heiligen lassen, die Hauskirche intensivieren, durch den Besuch eines Glaubenskurses, durch Gewissensbildung. Den Glauben weiterbilden, keine Zufallstreffer: Man kann nur lieben, was man kennt! In der Verliebtheit hŠngenzubleiben ist pubertŠr. Der Christ hat die Pflicht, alles zu tun um Gott kennenzulernen. Glaube ist keine Laune! Gibt es eine absolute Wahrheit und kšnnen wir sie erkennen? Schauen Sie doch - jeder Mensch sucht nach Wahrheit, dieses Streben hat er in sich. Wir kšnnen nie die volle Wahrheit erkennen, wir kšnnen nur Suchende sein. Ich beziehe mich da einfach auf die Bibel: Sein Wort ist Wahrheit. Wenn ich auf die Welt schaue, dann erkenne ich den Christen an den FrŸchten! Wer sonst - auch in den anderen Religionen und Ideologien - hat ALLE Wahrheit aufgezeigt? Was hat Marx herausgebracht? Stichwort: Heiliger Geist? Unsere Sprache erzŠhlt so viel Ÿber Geist: geistreich, Schšngeist, sogar Weingeist, hochgeistig ... Das ist uns also nichts Fremdes. Er ist Intelligenz, Freude, KreativitŠt, Suche, Vernunft. Wenn sich der Mensch zum Ma§ macht, geht es schief. Geist kommt von wo. Was bedeutet nur Geist der Liebe in der zwischenmenschlichen Beziehung! Liebe mšchte teilhaben lassen. Gott ist die Liebe, die in der Schšpfung teilhaben lЧt. Der Hl. Geist schafft, waltet, lenkt. Der Geist der Liebe ist in Christus greifbar. Er dauert nach dem Tode fort und gibt Kraft. Er ist ein Einfall Gottes, seine Kraft angreifbar zu machen durch den Geist, der fortwirkt. Alle, die sich šffnen, werden geisterfŸllt! Ob das ein Delp war oder Mutter Theresa ist. Es ist der Geist der Liebe. Der Geist wirkt in der Schšpfung, durch den Geist kann ich Gott erkennen. Denn ohne ihn kŠme mir der Gedanke gar nicht. Sonst wŸrden wir in uns irgendwie ruhen. Die FrŸchte werden sichtbar, wenn ich von ihm getroffen bin, wenn ich mich gešffnet habe. Der Mensch braucht diesen Geist der Liebe, um seine Gaben zu entfalten! Und die ERSTE Gabe ist die Vergebende Gabe! Ein geisterfŸllter Mensch wird barmherzig sein. Wenn er selber bekommen hat, kann er auch geben. Wenn ich mich šffnen kann - wie kann ich den Hl. Geist behindern? Es gibt die SŸnde aus VerhŠrtung! Das wirkliche Problem ist ja gar nicht so sehr die SŸnde, die ich erkenne und bewu§t begehe, sondern diejenige, die aus Bereichen kommt, die ich nicht erkenne! Denn dann ist Vergebung nicht mšglich, und ich kann auch selber nicht vergeben! Das Bewu§tsein der Schuld ist der erste Schritt zur Versšhnung. Das kann man nur auf dem Hintergrund des Lichtes sehen! Wenn man sich mit Gott verglichen hat, wei§ man, wie weit weg man ist. Personalien: 1943 in Oberschlesien geboren, in Wien aufgewachsen, MilitŠrakademie, 1967 Leutnant, wŠhrend Bundesheer - PŠdag, Phil.-Theol. - Karenz - Theol. St. Pšlten. Gebet vieler im letzten Jahr des Studiums 1977. 3 1/2 Jahre Kurator bei Exz. Weihbischof F.Kuntner, 4 Jahre MilitŠrseelsorge St. Pšlten, Seelsorger MilAK, 2.2.1992 Bischofsweihe in St. Georgen/Wr. Neustadt, Bischofkoadjutor - Generalvikar MilitŠrdišzese 2 mit Sitz in Wien, Eltern leben noch in Ottakring. Schwester, 1941 geb., Waltraud, Bruder, 1949 geb. Peter, verh. 4. Oktober 1993 |
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