| Persšnlichkeitsdiffusion - Die Katastrophe der christ-katholischen Erneuerungsbewegungen In der folgenden, als Leserbrief verfa§ten Auseinandersetzung mit Ereignissen im Rahmen von "Gottesbegegnungen", setze ich den Redakteuren von "Vision 2000" auseinander, warum ich Ÿberzeugt bin, da§ die als "Erneuerungsbewegungen" titulierten "SpiritualitŠtsbewegungen" die Folge eines Aufbrechens der Persšnlichkeits-IntegritŠt zeitigen. Und daher der Intention - Heiligkeit, die es nur auf der Grundlage einer entfalteten Persšnlichkeit geben kann - všllig entgegenstehen, somit ein Trojanisches Pferd mit dramatischen Auswirkungen sind. Auch aus heutiger Sicht (2007) habe ich meine Meinung - da§ die Erneuerungsbewegungen (insbesondere mit "charismatischem" Touch) eine Katastrophe sind, die man sich selbst angezŸchtet hat - nicht geŠndert. Dabei steht mri ja scheinbar sogar offizielles Verhalten (seitens des Papstes Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hšchstpersšnlich) entgegen. Nun: Die Erneuerungsbeweger behaupten selbst und richtig, da§ sie die "Jugend haben." Das stimmt in der Tat. Wenn man HEUTE nicht mehr scharf gegen diese Bewegungen vorgehen kann so deshalb, weil man sŠmtliche Jugendarbeit praktisch diesen Bewegungen Ÿberlassen hat. WŠhrend die offizielle Jugendbewegung der Kirche všllig versagte. Damit ist es mittlerweile ein Gebot der Klugheit, in AbwŠgung des geringeren †bels, mit diesen Bewegungen nicht zu brechen, sondern sie mšglichst so zu integrieren, da§ noch grš§erer Schaden abgewendet wird. Es ist nicht der einzige Schaden, der durch HandlungsunfŠhigkeit in den letzten Jahrzehnten zugelassen wurde. Man beachte alleine die Vielzahl von Dokumenten, denen kurz darauf "Richtigstellungen" folgten, um die mšgliche falsche Interpretation zurŸckzudrŠngen. Die Zentralfrage ist nŠmlich nicht, ob viele Jugendliche DURCH die Erneuerungsbewegungen zum Glauben kommen - sondern wie ich behaupte: SOGAR WEGEN ... Weil es aber keine Bewegungen mehr gibt - schon zu meiner Dišzesanzeit 1993-95 sprach man nur noch von "Feldarbeit", eine geschlosene Jugendbewegung war defacto nicht mehr vorhanden - sind die Erneuerungsbewegungen die einzigen Auffangbecken fŸr eine hungrige Jugend. (2007) 16. Februar 1995 GrŸ§ Gott! Ich beziehe mich auf VISION 2000 vom JŠnner 1995, in der Sie von einem "Aufbruch der Jugend" berichten. Beim Lesen der Artikel jedoch mu§te ich mit gro§er Sorge feststellen, da§ Ihre Artikel keinen Aufbruch der Jugend sondern gefŠhrliche PhŠnomene schildern, die dabei sind, der Kirche eine ganze Generation aus den HŠnden zu rei§en. Im Kern ist diese "JugendreligiositŠt" eine Selbst-Fixiertheit, die Wahrheit (=Wirklichkeit) bei sich zu suchen und nicht mehr in selbstloser †bereinstimmung mit dem Objekt. Nicht mehr die entgegentretende Wirklichkeit gibt das Ma§ des Handelns, sondern das eigene Bild von ihr. Der Mensch sitzt selbstgefangen im Kino, er ersetzt die Wirklichkeit durch kŸnstlich erzeugte Bilder von der Wirklichkeit. Gottes Wirken, seine Gnade, ist ein Anteilhaben an einer ruhenden Wirklichkeit, die sich in dem Ma§ mir anhaftet, als ich in der Wahrheit lebe, das hei§t, die Wirklichkeit erkenne, den Blick von mir weggerichtet und offen fŸrs Entgegentretende. Jedesmal, wenn man sich wieder gefangen findet in der Abwendung - im Ehealltag z.B. von der Ehefrau - Šndert sich der Inhalt der Gedanken schlagartig, wenn man den Blick von sich weg auf den anderen hinwendet, soda§ man nicht mehr ein Bild von ihm sieht, sondern tatsŠchlich ihn. Man kreist nicht wie in den Aufbruchsbewegungen um sich selbst. Jene, die solche Bekehrungen erleben sind viel mehr solche, die Bilder, die im Beispiel ein nicht-liebender Ehemann vor seine inneren Augen hŠngt, durch prinzipiell gute ersetzen, aber damit noch nicht die Wirklichkeit sehen, und so unfŠhig sind zum Guten (trotz "guter Taten"). Genau diesen Eindruck vermitteln diese Menschen: Unwirklich, abgekoppelt von allem, was RealitŠt ist, nur diese Bilder von GŸte und Liebe vor ihren Augen, in aufgesetzter und falscher GlŸckseligkeit. Der Einstieg in diese Form der "SpiritualitŠt" bildet zumeist ein ausdrŸcklicher "Startschu§", den Seminare, EinfŸhrungskurse, Pilgerreisen o.Š. vermitteln. Hier passiert der "Durchbruch", wo die Liebe Gottes, FrŸchte des Heiligen Geistes, Eigenschaften der Liebe (Langmut, Geduld, GŸte etc.) - "Leben" - zu eigenen Zielen erhoben und im je aktuellen spirituellen Erleben emotional erzeugt werden. Zielgruppe sind immer Menschen, die in Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit gefangen sind. Die eigene Persšnlichkeit wird zugunsten einer Gemeinschaft aufgelšst (Kollektivismus). Nicht mehr die eigene Wirklichkeits-Wahrnehmung zŠhlt, sondern die der Gruppe. Da kann mitunter als "GlaubensbestŠrkung" auftreten, was nicht mehr ist als die wechselseitige Hilfe im Aufrechterhalten einer Illusion, getragen von einer je individuellen Angst vor Nicht-Entsprechung. Diese Menschen sind zutiefst von Gruppen oder Personen abhŠngig, das bestŠtigen viele Erfahrungen. Die Auflšsung der eigenen Person wird fŠlschlich als Selbsthingabe definiert. "In der Masse beruht die Gemeinsamkeit gerade nicht auf der Selbsthingabe, sondern auf der von au§en bewirkten †berrumpelung, Hingerissenheit und Auslšschung des Selbst." (J. Pieper). Einer Gemeinschaft im Glauben geht aber die objektive †bereinstimmung mit den Glaubensinhalten voran, u.zw. vor dem Erlebnis der Gemeinschaft. Hier geschieht die Hinwendung zum anderen um seiner selbst willen, Gemeinschaft wird zum Selbstzweck, wobei das Heilige ein Teil der Gruppe wird! Von einem "Aufbrechen durch den Hl. Geist" zu sprechen ist purer Unsinn - der Geist Gottes tut nichts, was jemand nicht will, er bricht nicht auf! Das machen bestenfalls gruppendynamische VorgŠnge ("Bei einer Katechese im Sportpalast brach etwas in mir zusammen ..." S.9), die Persšnlichkeitsgrenzen niedertreten und damit Hingabe der Person verunmšglichen. Die Folgen? "Ich habe einen am Boden zerstšrten, heilungsbedŸrftigen Menschen vorgefunden ..." (S.9) Die †berbetonung des je aktuellen Erlebens rŠumt solchen VorgŠngen entscheidenden Raum ein. Gott wird zu einem abrufbaren Faktor im dienst der spirituellen BeglŸckung des Menschen degradiert. "Christus mu§ erfahrbar werden. Ihm mu§ der Raum gegeben werden, zu wirken und zu handeln." (S.5) Deshalb wird jede Form instrumental relativiert, soferne sie beitrŠgt zum subjektiven Erleben von GlŸck, Friede etc. Spiritueller Inhalt wird aber erst durch eine bestimmte Form fa§bar (warum sonst hŠtten die JŸnger Jesus gebeten, sie beten zu lehren?), die dem Inhalt entsprechen mu§. Sie ist ein GefЧ, das die EhrwŸrdigkeit fassen mu§. Es ist Hochmut zu meinen, diese Form beliebig je selbst finden zu kšnnen, denn sie ist abhŠngig von ihrer Entsprechung zur objektiven Wahrheit. Daher auch die "unkomplizierte" Haltung zur …kumene: Aber ein …kumenismus ‡ la TaizŽ bedeutet den Versuch der Reduktion des Glaubens auf eine gemeinschaftliche, lebendige Erfahrung mit Erlebniswert, ohne da§ Wahrheit vorauszugehen habe! Wenn P. Hartmann schreibt: "Alles oder nichts. Sinnfindung ... beschŠftigen die Jugendlichen mehr als klerikale ... Strukturen gleich welcher Art" (S.4), hšrt sich das an, als gŠbe es einen wiederentdeckten "direkten und inneren Draht" zu Gott, der eben nichts mit sichtbaren Gegebenheiten des Glaubens und der Kirche zu tun haben mu§. Oder: "Wir glauben, da§ Gott seine Kirche erneuern mšchte und wieder zum Leben der ersten urkirchlichen Gemeinschaften zurŸckfŸhren mšchte." (S.5) Der Anspruch: Die Kirche ist nicht an die gewachsene Gestalt und Form gebunden, sondern platonisch vorhanden, man kšnne ihr auch eine andere Form geben. Und weiter: "... schaffen nie diesen Sprung in das Innere, in das Mysterium ... von €u§erlichkeiten abhalten lassen." (S.5) Dieser archŠologistische RŸckgang zur Urkirche ist stets verurteilt worden. Man kann die Kirche nicht auf einen Ausgangspunkt zurŸckdrehen, sie ist heute nicht weniger sie selbst wie damals. Der gleiche Hochmut hinter Aussagen wie "Gott schenkt heute Gnaden, wie sie noch nie dagewesen sind - es liegt an uns, diese Gnaden auszunŸtzen." (S.5) Ein glatter Irrtum, denn Gott hat die Gnade je gleich an die Kirche gebunden, an die Sakramente. Allerdings ist das Ma§ ihres Wirksamwerdens, ihre Fruchtbarwerdung, abhŠngig von der persšnlichen Aufnahme. "Das wšchentliche Treffen wurde mir zur Lebensform ..."(S.6) Je nach Persšnlichkeit, Methode und Umfeld wird die je spezifische Sicht der Wirklichkeit erneuert - in "WeiterfŸhrungsseminaren", Zeitschriften etc. Beispielhaft ist die "Medjugorje-SpiritualitŠt": Jemand schreibt, er "wolle Antwort geben auf die Bitten Marias in Medjugorje, Gebetsgruppen zu bilden" (S.5). Wer sagt, da§ die Erscheinungen dort echt sind? Vieles spricht dafŸr, da§ sie es nicht (mehr) sind! Der Ablauf: Jemand fŠhrt nach Medjugorje. Dort "wŠchst die Sehnsucht, das Erlebte nach Hause mitzunehmen, und so war die Idee eines Gebetskreises geboren. (S.5)" Und dann: "Die ersten ... setzten eine bewu§te Entscheidung fŸr Jesus UND EMPFINGEN DIE GABEN DES HEILIGEN GEISTES (?)(S.5)." Eine ErlebnisqualitŠt wird aufgebaut, in der Erinnerung konserviert, heimtransportiert, und reproduziert. Glaubensleben wird zum Hervorholen der alten Erlebnisse. "Mehrmals jŠhrlich fuhren Leute nach Medjugorje" (S.5) - Wiederauffrischung. In diesem Licht wirken auch viele Botschaften wie Aufforderungen, kŸnstlich eine emotionale QualitŠt aufrechtzuerhalten. Bei diesen Jugendbewegungen handelt es sich nicht um die spontane ŸberschŠumende Begeisterung vitaler Jugend. Sie sind Bewegungen, wo die Jugendlichen die eigene Persšnlichkeit aufgeben unter Fehlinterpretation des Hingabe-Gedankens. Dahinter steht tiefe Hoffnungslosigkeit ("... dem Mangel an Geborgenheit ... konfrontiert sind ... halten Ausschau nach Zeichen der Hoffnung ...") (S.10) - aber noch tiefer: Die Acedia, das "nicht sein wollen, wozu man erschaffen ist". Diese Bewegungen verfŸhren, weil sie diese Arbeit "abnehmen" ("Er hat mich ... berŸhrt .. ich war aufgebrochen ...")(S.9), indem sie die Person auslšschen und insoferne zum Nichts "erlšsen" ...
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