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ist ein weithin beobachbares PhŠnomen, da§ man (zumindest in unseren
Breiten) die Unterschiede zwischen Protestantismus und Katholizismus
fŸr marginal oder wenn Ÿberhaupt nur in traditionstŸmelnden, aber
dem aufgeklŠrten, modernen Menschen nicht vernŸnftig erscheinenden
Argumenten gegrŸndet sieht. Die KŠmpfe, die der Vatikan in den letzten
Jahren focht (anlЧlich der Diskussionen um die sogenannte "Rechtfertigungsvereinbarung"),
hŠngen aber mit sehr tiefgreifenden Auffassungsunterschiede zusammen.
Pressemeldungen um eine angebliche Einigung zwischen Protestanten
und Katholiken, die angeblich sogar den Standpunkt der Protestanten
recht gab, wovon natŸrlich keine Rede sein kann, sind aber etwas
verfrŸht. Im Gegenteil, wird sogar von protestantischer Seite durch
dort namhafte Theologen, die Unterschiedlichkeit noch deutlicher
betont als von katholischer. Und die auch durch mi§verstŠndliche
Konzilianz den GlaubensbrŸdern gegenŸber notwendig gewordenen Abgrenzungsversuche
in den katholischen Lehrschreiben "Dominus Iesus," "Ut
unum sint" samt den 2003 herausgegebenen Dokumenten zur Lehre
von der Hl. Messe wie "Ecclesia de Eucharistia" (allesamt
nur BekrŠftigungen lŠngst vorhandener Aufassungsstandpunkte) zeigen
solchen Abgrenzungsbedarf seitens der Katholischen Kirche.
Schon
in diesen letzten SŠtzen ist viel zur Geschichte von Kirche und
Reformation ausgesagt. Kard. Newman - vom Protestantismus zum Katholizismus
konvertiert - meint einmal, da§ er in so manchem Punkt hŠretisch
sei, und zuwenig glaube: Ÿberall dort, wo er sŸndige. Weil nun alle
SŸnder sind, findet sich also auch im Katholischen jede Menge HŠresie,
temporŠr ebenso wie prinzipiell. Das Protestantische war - und wer
die Geschichte der UnionsbemŸhrungen noch bei Leibniz kennt, wird
dies staunend bemerken - nicht anfŠnglich so prinzipiell nicht-katholisch
und unterschieden. Es gab nicht wenige, die es als eigentlich innerhalb
des katholischen Bogens befindliche "mehr oder weniger-"HŠresie
auffa§ten, deren es genaugenommen jede Menge gab und gibt. Leider
auch politisch-historische Entwicklungen brachten erst in der Auseinandersetzung
zwischen Kirche und Protestantismus (der sich ja nicht als Institution
‡ la Kirche auffa§t) zumnehmend die Auseinandesetzung zweier zunehmend
(!) unterschiedlicher explizierter Glaubensrichtungen. Vor allem
die Dogmatisierung der pŠpstlichen Primats, die Entwicklungen des
Idealismus der 2. HŠlfte des 19. Jhds., vor allem gesamteuropŠische
kulturelle Prozesse, fŸhrten zu einer immer prŠziseren Ausformung
eines "Protestantismus". Von dem im Alltag gilt, was von
jeder Religionsgemeinschaft zu sagen ist: die Anzahl jener, die
sie verstehen und gar "glauben" ... ist gering und einer
Kernschicht Ÿberlassen.
Was
die Unterschiede nicht weniger bedeutsam macht! Kein Mi§verstŠndnis:
es ist nicht unwichtig, was gedacht und geglaubt wird! Gerade Protestanten
werden dies so sehen. Es ist sogar heilsbedeutend! Aber Ÿber sie
zu diskutieren hei§t oft erst, sie zu schaffen. Wird aber darŸber
diskutiert, mu§ man sie prŠzisieren. So gut das geht.
Protestanten
und Katholiken eint wie trennen Auffassungsunterschiede, die sich
nŠmlich um den neuralgischen Punkt jeder Religion - einer fundamentalen
condition humanae - drehen: Den der Heiligung des Menschen, seiner
Gerettetheit, seiner Teilhabe am Heil - der Orthopraxie und Liturgie.
"Innerchristlich" fortgefŸhrt: Um die Frage nach dem Erlšsungswerk
Jesu. So ist es keineswegs von blo§ akademischem Wert, die Unterschiede
herauszuarbeiten und den Menschen deutlich vor Augen zu fŸhren.
Nicht zuletzt deshalb, weil "Christ" bestenfalls den kleinsten
gemeinsamen Nenner zwischen allen Getauften bedeutet, "Katholik"
aber das Umfassendere weil Allgemeinere, nichts ausschlie§ende ist.
(HŠresie bedeutet ja: Das AusgewŠhlte) Bestenfalls deshalb auch,
weil in der Folge der Unterschiede auch die Frage brennend wird,
wer Ÿberhaupt dieser Jesus ist und wodurch er die Welt erlšst hat.
Es geht also um die Frage aller Religionen: Die der Erlšsung und
der †berwindung von Schuld - der Mensch als Schuldner der Wirklichkeit
- und Tod.
Die
geistigen Wurzeln des Protestantismus sind keineswegs neu und wie
jeder Irrtum der Philosophiegeschichte, ja wie jede Philosophie
selbst in ihrer Zeit und Geschichte zu verstehen, wenn auch nicht
immer zu rechtfertigen. "Zu Bewu§tsein steigt, was fehlt"
Ð dieser Satz macht klar, da§ eine explizite Philosphie, die ja
nicht "Offenbarung" ist, das Zerfallsmoment, ja die Krankheit
einer Kultur beschreibt, bedeutet oder darauf reagiert.
Der
Zustand der Kirche im spŠten Mittelalter bzw. der beginnenden Neuzeit
- manche datieren diese feststellbare Linie mit der Mitte des 14.
Jhds., andere mit dem Ende des 15. - war ja tatsŠchlich "bemerkenswert."
Weitgehender Sittenverfall im Klerus, dem der heutige kaum nachsteht,
€mterkauf und Nepotismus, und fast prinzipielles Mi§achten des Zšlibats
in Mitteleuropa. Im Zuge der Renaissance Ð des in der Scholastik
letztlich geistig grundgelegten Begreifens von Schšpfung und Gestalt
als Selbstaussage, als ErzŠhlung Gottes bzw. des Hervorbringers
und das Teilhaben des Menschen am Gut und der Wahrheit durch sinnliche
Aufnahme, womit die konkrete Gestalt zum TrŠger der Erkenntnis wurde,
was das "NatŸrliche" in ganz neuen Rang hob Ð wurde der
Inkarnationsgedanke auch insoferne schlagend, als bereits gefŠhrliche
Tendenzen zu einem auch seinsmЧigen Ineinsfallen von Natur und
†bernatur (was ja dem Sakrament auf eine Weise vorbehalten bleibt)
sich auch darin ausdrŸckten, als die PŠpste weltliche Herrschaft
und Prunk, ja subjektives Wohlleben stark in den Mittelpunkt rŸckten.
Ebenfalls in Zusammenhang mit solchen GrundansŠtzen stand ein guter
Teil des "Volksglaubens", der nicht immer verstand (und:
versteht), was Symbol, was sakramentales Zeichen, und was magischer
Brauch war - man denke an den ganzen Bereich katholischer Hilfsmittel:
der Sakramentalien (Devotionalien etc.)
Eine
Tendenz, die die Scholastik (die bis heute noch immer als tauglichste
Philosophie des Katholizismus gilt) trŠgt, wenn man sie nicht richtig
im Insgesamt kennt. Und die sich eigentlich heute am deutlichsten
durchgesetzt hat: Die Liturgiereform der 70er Jahre baut bereits
auf einem immanenten Verstehen eines solchen Seinszusammenfalls
des faktischen Menschen mit dem †bernatŸrlichen auf. Ganz so, als
wŠre der Zustand der Heiligkeit fŸr alle lŠngst errreicht, wŠren
alle Getauften und Gefirmten bereits heilig. .
Darum
spielt der Priester und "seine" Me§gestaltung eine so
gro§e Rolle, ist die Liturgie so uneinheitlich subjektivistisch
Ð auch in dem "Vermittelten" - und einfach verlorengegangen
bzw. abgeschafft. Parallel zu einer Entwicklung der Philosphie,
die ebenfalls der kulturell-historischen Entwicklung folgend den
Menschen immer mehr in den Mittelpunkt rŸckt Ð bis zum heute dominierenden
Konstruktivismus (der auf dem Evolutionismus aufbaut) Ð und ihn
letztlich schon zum Hervorbringer von Welt Ÿberhaupt macht: Die
Welt existiert nur in seiner Vorstellung, er "setzt" und
schafft sie somit ontologisch.
Rom
war aus dem "finsteren" Mittelalter heraus in einem katastrophalen
Zustand gewesen: Kaum hatte es, zu einem unbedeutenden Ort mit 20.000
Einwohnern heruntergekommen, an der Gotik teilhaben kšnnen (es gibt
kaum gotische Bauten in Rom) und bot ein erbŠrmliches Bild Ð im
Gegensatz zu den StŠdten im Norden Italiens. Die PŠpste wandten
sich konzentriert einer Wiederherstellung der einstigen Grš§e des
Zentrums der Erde als sichtbarem Ausdruck des Neuen Jerusalem zu.
Dazu brauchte es Geld, viel Geld. Denn da war ja auch noch der Kampf
gegen die TŸrken, den ebenfalls ma§geblich die PŠpste mitfinanzierten,
initiierten bzw. mittrugen. Neben einer immer Ÿppigeren, das Wohl
der Kirche manchmal recht vergessenden Hofhaltung schwacher PŠpste.
(Die ja fŸr siebzig Jahre Rom sogar verlassen hatten Ð um in Avignon
zu residieren.)
Dazu
nur ein Faktum: Von Gregor VII. +1073 bis zu Pius V. +1572 gab es
nur einen einzigen heiliggesprochenen Papst, Coelestin V. (+ 1296)
Mord (Papst Benedikt XI. wurde 1304 vergiftet), Intrigen, GegenpŠpste,
Unsittlichkeit auch Einflu§ von pŠpstlichen MŠtressen (zu Zeiten
sprach man sogar von "Pornokratie") waren hŠufig zu beobachten.
Der Klerus in Mitteleuropa war weitgehend ebenfalls gekennzeichnet
von Ungebildetheit, Ma§losigkeit, Hurerei, und UnfŠhigkeit war an
der Tagesordnung. Das VerstŠndnis des Papsttums als Ausgangspunkt
aller Macht erlebte jedoch eine bemerkenswerte StŠrkung, auch aus
den Konflikten mit der rein weltlichen Macht, die ja schon lange
versuchte nach der Kirche zu greifen: Wie im Investiturstreit gegen
Kaiser Heinrich V. Oder in den Auseinandersetzungen in Frankreich,
die bis ins 19. Jhd. gar andauerten, ja manche behaupten: Bis heute.
Erst
im Wormser Konkordat (Bischofseinsetzungsrecht nur bei den PŠpsten)
geregelt, 1370 durch die HinzufŸgung der dritten Krone auf die pŠpstliche
Krone symbolisch dokumentiert (sagt eine Lesart - was die Tiara,
die 2009 aus dem Wappen von Papst Benedict XVI. verschwand, wirklich
ausdrŸckte, unterliegt verschiedenen Ansichten) kam es zu einer
Regelung. Wobei hinter diesem "Zentralismus" eben ein
wohl legitimer Denkansatz zur Schwierigkeit der Trennbarkeit von
weltlicher undgeistiger Macht stand, denn es gibt ja nicht zwei
Wirklichkeiten. Die im 13. Jhd. aufkommenden Prediger- und Bettlerorden
(Dominikaner und Franziskaner) sind somit verstehbare Aspektierungen,
die fŸr sich gesehen durchaus nicht ohne Problem sind. Dazu kam
eine BlŸte der Natur-Wissenschaft, aufbauend auf einer Neubewertung
des natŸrlichen Erkennens (s.u.a. Albertus Magnus), die allmŠhliche
Entdeckung und Eroberung der Welt durch Europa (Amerika 1492) und
eine einhergehende wirtschaftliche BlŸte. Der Mensch erkannte sich
als schier unbegrenzt, gerade in einer als intelligibel und beherrschbar
erfa§ten Welt. Ein DaseinsgefŸhl, das v.a. in der AufklŠrung (von
England bereits in der Renaissance ausgehend) Jahrhunderte spŠter
auch bei uns seine BlŸte fand.
Die
PŠpste brauchten Geld, wobei es auch hier zu einfach wŠre, dies
nur in subjektiver WillkŸr begrŸndet zu sehen: ein Organismus WAR
primŠr sein Kopf, und so wie er war, so formte sich auch der Leib.
Uns Heutigen mag solche Haltung nicht mehr oder nur als charakterliche
Verfehlung nachvollziehbar sein - aber sie lag als sehr reale Welt-,
Reichs- und Staatsauffassung dem gesamten MachtverstŠndnis von Monarchen
und FŸrsten bis ins 18. Jahrhundert zugrunde. Der Peterspfennig
(wegen der Errichtung der Peterskirche und deshalb bis heute so
genannt) wurde u.a. eingefŸhrt, Abgaben fŸr Rom festgelegt (bis
heute: Eine Monatskollekte der Pfarren pro Jahr geht an Rom.) Umgekehrt
kam es dadurch zu einer durch pŠpstliches MŠzenatentum gefšrderten
gro§artigen BlŸte der Kunst und Wissenschaft, nicht nur in Rom,
(Palaestrina; Michelangelo; Giotto ...) der aber Rom bis heute ma§geblich
sein Gesicht und seine Schšnheit verdankt. Doch stand freilich dahinter
auch eine geistige Haltung, eine Auffassung der immer weitergehenden,
ausgefŠcherten und durchaus legitimen Auslegung der Verwaltungsgewalt
des Heils durch Kirche und Papst im geschichtlichen Fleisch der
Kultur: Die Hl. JubilŠums-Jahre wurden eingefŸhrt, erst alle 100
(Papstl Bonifatius III., 1300), dann 50 (Clemens VI. 1350), dann
alle 25 Jahre (Paul II., um 1470), dazu die Hl. Pforte erstmals
institutionalisiert, sogar das KirchengelŠut um 12 Uhr mittags angeordnet
(Calixtus III. Um 1450), die Abla§praxis grundsŠtzlich verstŠrkt
... und die theoretisch an sich nicht einfach falsche Praxis "Geld
: Nachla§ von zeitlichen SŸndenstrafen" verselbstŠndigte sich.
Geld (das damals Ÿbrigens als Faktor der alltŠglichen Wirtschaft
bei weitem nicht die Rolle spielte wie heute, sondern sich diese
erst schuf) zu geben ist ja doch ein legitimes Opfer?
Deutschland
war fŸr eine Revolution - die wie alle Revolutionen als Reform beginnt
- ein idealer NŠhrboden. Auch durch die Entwicklung die Kaiserkrone
(Habsburgisch seit 1278) betreffend. Die reale Macht der Habsburger
war ihr Schwachpunkt, und damit spielten "Meta-Kriterien"
- Reich Gottes, Ršmisches Reich etc. - eine immer grš§ere Rolle,
die das Reich fast "sopranaturalistisch" vom Boden entfernten:
Von Anfang an fehlte es den Habsburger an Hausmacht, soda§ LoyalitŠt
mŸhsam zuzsammengekauft werden mu§te. Durch ZugestŠndnisse von Privilegien,
die wiederum eine Einheit von Nation und Staat - wie in Frankreich
- untergruben. Deutschland warin viele auch kleine und kleinste
FŸrstentŸmer zersplittert, geprŠgt von einem schwachen Klerus und
einem emanzipierten Erstarken des BŸrgertums (durch wirtschaftliche
Macht.)
Martin
Luther, katholischer Priester und Mšnch, sah (wie andere) die Mi§stŠnde,
und niemals hŠtte er ursprŸnglich daran gedacht, eine neue Kirche
zu grŸnden. Es ging ihm vielmehr darum, die alte zu reformieren,
sie viel Eifer zu reinigen. Einem Eifer, der nicht immer auf dem
festen Boden ausgewogener Philosophie und Theologie stand. Luther
war damti ja keinesfalls allein. Vielmehr war er aber Kristallisationspunkt,
den auf immer geheimnisvolle Weise die Geschichte manchmal und plštzlich
findet. In Charakter und Talenten fand die Zeit hier wieder einmal
den Richtigen.
So
naheliegend war Luther's Begehren, da§ es dem vielzitierten "Hausverstand"
der einfachen Menschen absolut entsprach. Wieder einer also - auf
den PŠpste und Bischšfe deshalb so gar nicht angemessen reagierten.
Auch nicht, als Luther selbst vor dem Papst erschien und seine Thesen
verteidigen wollte, wozu er eingeladen worden war. ("Hier stehe
ich und kann nicht anders.") In die Enge getrieben, seine Fordderungen
dogmatisch untermauern mŸssend, fand er bald innerhalb der Kirche
keinen Raum mehr, und kam so zu der Lšsung, da§ dies nicht mehr
die Kirche Christi sein konnte. So schlug er 1517 seine Thesen an
der BurgtŸr von Wittenberg an (wo ihm der FŸrst Schutz bot) und
lšste damit eine Reformbewegung aus, die ma§geblich von den FŸrsten
und BŸrgern mitgetragen wurde, weil eben ihr Ansatzpunkt Ð die verfallende
Kirche Ð nicht grundsŠtzlich falsch war.
Und
weil die weltlichen MŠchte krŠftig profitierten (ihnen stand ja
nichts mehr im Wege, nach kirchlichem Besitz zu greifen) unterstŸtzten
sie diese "Reformen" natŸrlich nach KrŠften. Die Lutheranische
Lehre impliziert ja auch, da§ die staatliche Macht †BER der kirchlichen
zu stehen komme Ð welchem FŸrsten war das also nicht recht? Und
welchem profitgeilen BŸrger (man beachte die Bedeutung der Fugger,
ihre regionale Ausbreitung, und die spŠteren Kriege des protestantischen
Nordens mit dem katholischen SŸden 1618-48!) wŠre es nicht gelegen
gekommen auf die Schšpfung Ÿberhaupt keine RŸcksicht mehr nehmen
zu mŸssen, weil sie (durch die erbsŸndliche Gefallenheit dieser
Welt, die Luther dahingehend ausdeutete) letztlich bedeutungslos
war? Der eigentliche Kapitalismus entstand also alles andere als
zufŠllig im protestantischen Raum.
Die
FŸrsten konfiszierten die GŸter einer sich regional (durch freiwillige
Protestantisierung) selbst auflšsenden Kirche, und trugen aus diesem
realen Machzuwachs (endlich war ihnen der Papst nicht mehr Ÿbergeordnet)
enormen Nutzen - die Ausbreitung des Protestantismus ist ma§geblich
also dem Wohlwollen der Obrigkeit zuzuschreiben. Es kam zu PlŸnderungen
der katholischen GotteshŠuser durch den "Bildersturm",
wobei alles figŸrliche (und damit ... die Kunst) weitgehend entfernt
wurde. Die katholischen Sakramente wurden als Magie verkannt, Sakramentalien
(Weihwasser etc.) als Aberglaube abgetan, der Kirche ihre RechtmЧigkeit
abgesprochen und somit auch ihre Binde- und Lšsegewalt abgelehnt.
(Denn eine Sache konnte ja nun sie selbst sein, auch wenn sie nicht
mehr sei selbst war, und umgekehrt Ð ihr Wesen konnte von ihrem
Dasein getrennt werden, anders hŠtte Luther nie die Kirche ablehnen
kšnnen.) Die Liturgie wurde somit ebenfalls bereinigt. Der Mensch
wurde sich selbst letztlich zum Zentrum, das direkt Gott gegenŸberstand,
aber autonom war Ð eine Renaissanceauffassung. (Man beachte die
Schriften von Pico della Mirandola, der die Auffassung vertritt,
da§ der Mensch alles aus sich machen kšnnte, was er wollte.) Das
Wort, das Bewu§tsein des Menschen, sein bewu§ter Wille wurde zentral:
Sein subjektiver Glaube ist entscheidend ("Sola fidei!")
sowie sein eigenes Auffassen und Erkennen des Glaubens aus der Schrift,
der einzigen verbindlichen Schrift und Lehre ("Sola scriptura!")
Deshalb Ÿbersetzte Luther die Bibel in ein zeitgemЧes Deutsch,
um sie somit allen als einziges "Lehrbuch" zugŠnglich
zu machen.
Diese
Bedeutung des subjektiven Menschseins, einhergehend mit einer Rebellion
gegen die Kirche, war ja lŠngst z.B. in den HussitenaufstŠnden zum
Ausdruck gekommen, zuvor in den Katharer- und Waldenserbewegungen
der Wunsch nach Reinheit, zugleich mit einer Entwertung des konkreten
Daseins, das letztlich sogar zum Feind wird, weil es die in der
ErbsŸnde fŸr ewig gefallene Welt reprŠsentiert. (Ein Gedanke der
auch nicht neu ist: Im ManichŠismus kam er schon in den ersten Jhden.
Nach Christi Geburt zu gro§er BlŸte!) Auch nicht neu ist die Sicht
von Jesus, die Entwertung seines realen Menschseins zugunsten eines
"geistigen" Daseins, einer "moralischen" Leistung
Ð siehe Jansenismus und den Arianismus, der fŸr …sterreich nicht
unbedeutend ist, wenn man die Geschichte Athansius' kennt. Jesus
wird somit auf eine Art "Vorbild" reduziert. Die Gerettetheit
des Menschen unterliegt ausschlie§lich der Gnade Gottes, er selbst
kann nichts dazu beitragen Ð au§er das Heil in seinem Glauben und
seiner Moral anzunehmen. Der
Protestantismus breitete sich rasend schnell aus, wurde ja nicht
zufŠllig gefšrdert und entsprach auch dem damaligen "gesunden
Selbstempfinden," das ja wesentlich auf "vermeintlich
Gewu§tem" (per Ressentiment zum "VernŸnftigen" ErklŠrten)
beruht. Wie heute Ÿbrigens, auch wenn es nicht eine Frage des Ressentiments
grundsŠtzlich ist, sondern ob das Ressentimentetwas Wahres vorbereitet.
Luther
selbst heiratete eine Nonne und zeugte ein Schippel Kinder.
Der
geschichtliche Entstehungsproze§ - der hier nur sehr beschrŠnkt
dargestellt werden kann - zeigt sehr gut die reale Motivation des
Protestantismus, aus der sich seine geistige Grundlage leicht verstehen
lЧt: Luther mu§te aus recht persšnlichen GrŸnden Welt und Wirklichkeit
auseinanderrei§en. Ein Gedankenschritt, der ja keineswegs "neu"
war, und sich lŠngst im Nominalismus (als philosophischem Streit)
krŠftig zu Wort meldete. Weil die Kirche offensichtlich so unrein
war und er in ihr keinen Platz fand, mu§te es eine Kirche geben,
die von der konkreten Kirche abweichen konnte. Damit ist der Sprung
zu einer vom katholischen abweichenden Wirklichkeitsauffassung (Metaphysik
bzw. Metaphysiklosigkeit der Protestanten) nur noch sehr klein:
Ein Ding ist fŸr Luther generell unabhŠngig von seinem konkreten
Dasein, seine Form ohne Gestalt denkbar (ein eigentlich Platonischer
Gedanke, mit derselben Einseitigkeit!) bzw. Eine Gestalt kann auch
nicht mehr sie selbst sein selbst wenn sie noch da ist. (Ein Brot,
das sauer ist, kann Ð vereinfacht ausgedrŸckt Ð somit zu einem "Nicht-Brot"
werden, umgekehrt kann ein Brot auch nur im Geiste existieren, ja
das ist entscheidend.)
Da
bleibt kein Platz mehr fŸr eine Bedeutung einer Inkarnation Jesu,
also einer Fleischwerdung, die Ÿber seine moralische Haltung hinausgeht:
Seine Erlšsung wird nicht bedeutend, weil er sichtbar wurde und
ist Ð in der Hostie zum einen, in der Liturgie zum anderen, die
ja eine darstellende, erzŠhlende Wiederholung seines realen Daseins
ist! - sondern weil er eine Lehre der "Gutheit" verkŸndet
hat, an die zu glauben das entscheidende Kriterium ist um gerettet
zu werden. FŸr den Katholiken bedeutet das Heil, ihn gesehen zu
haben und den Menschen nicht nur als Ebenbild Gottes, sondern als
(im Erkennen bzw. Der Persšnlichkeitswerdung) TrŠger aller Form
zu begreifen, die im Tode sich ablšsende Seele ist nicht schlichtweg
abstrakt (pluripotent) sondern in ihrer fŸr das JŸngste Gericht
wesentlichen Form von unserem konkreten Leben mitgeprŠgt. Denn das
Heil ist fŸr den Protestanten vorherbestimmt, reine Gnade, nicht
verdienstlich in irgendeiner Weise.
(Freilich
kann sich auch der Katholik sein Heil nicht eigentlich "erleisten",
es bleibt letztlich Gnade, aber er kann und mu§ durch sein verdienstliches
Wirken sehr wohl dazu beitragen, ja u.U. dem Himmelreich "Gewalt
antun," das Ma§ seines Heils, ja seine Heilsannahme grundsŠtzlich
wird von ihm mitbestimmt.)
Das
fŸhrt bis hin zu ganz strengen Formen von Vorherbestimmungsglaube
(PrŠdestination) wie bei den Calvinern. Wonach also die Geretteten
von Anfang an vorherbestimmt sind. Ausgehend von der auch im Katholischen
bestehenden Sicht der Frage: Wie lange wird diese Welt so bestehen,
ehe eine neue Erde lt. Verhei§ung geschaffen wird? Bis Gott genŸgend
Menschen und Engel im Himmel bei sich "wieder" hat, die
nach dem SŸndenfall abgefallen sind. Was bis zu strengen Zahlen
geht ... wie bei den Zeugen Jehovas mit ihrer berŸhmten Zahl 144.000,
nicht mehr.
Damit
fŠllt das Papsttum, damit fŠllt das Lehramt der Kirche, ihre Unfehlbarkeit
in Lehrentscheidungen, ihr heilsentscheidender Rang, damit fŠllt
der eine Teil der katholischen Sakramentenauffassung, die zwei Wirkebenen
sieht: "Ex opere operantis Ð ex opere operato" Ð Aus dem
Handeln an sich sowie aus dem Handeln desjenigen der vollzieht bzw.
an dem vollzogen wird.) Die Protestanten kennen nur noch die
Bedeutung desjenigen, an dem Gehandelt wird bzw. Der handelt, und
zwar nur in dem jeweiligen Moment, ohne fleischliche Spur oder die
Mšglichkeit, geistigen Inhalt im Fleisch sichtbar zu machen. Das
Handeln an sich, das fleischliche Geschehen, wird bedeutungslos,
ja zur Magie.
Sie
verkennen die Bedeutung des Symbols, denn sie nehmen einen Seinszusammenfall
an (z.B.: Es gibt auf protestantischen Kruzifixen keine Korpora
Christi - AUSZER auf den Altarkreuzen: das zweite Sakrament!) weswegen
im Verehren des "hier-und-jetzt" (hšlzenen, oder sonstwie)
Korpus Christi, hier am Kreuz hŠngend, Gštzendienst gesehen
wird Ð der Korpus IST in ihren Augen fŸr den Verehrenden Gott -
natŸrlich ein Mi§verstŠndnis, wenn auch eine reale Gefahr im katholischen
Raum! (Der Katholik verehrt ja nicht "den Korpus an sich"
der vor ihm hŠngt, sondern in diesem Korpus das Dargestellte, Jesus,
das Dahinter also, das sich wiederum aber erst erschlie§t, wenn
es dargestellt wird, also nicht einfach nur "dazudenkbar"
ist.) So ergibt sich auch eine logischerweise andere Bewertung des
Ranges des Guten Willens bei der Bewertung einer Tat. Die Protestanten
lehnen folgerichtig JEDE figurale Darstellung des Heiligen ab, die
Ÿber "aberglaubenfreie Abstraktion" hinausgeht wie z.B.
das nackte Kreuz. Die Predigt hat bei ihnen auch noch zentralere
Bedeutung (wobei im katholischen die stŠrker betonte Homilie, was
sich teilweise im oft erst spŠt erfolgenden Einbau von SitzbŠnken
ausdrŸckte, als Reaktion auf die Protestanten in der uns heute
bekannten Form Platz griff) als bei den Katholiken.
Nur
ZWEI Sakramente erkennen die Protestanten an: Die Taufe (auch sie
setzt einen character indelibilis Ð eine unzerstšrbaren SeinsprŠgung)
sowie das (von ihnen so bezeichnete) Abendmahl, wo es in ihren Augen
auch zu einer Realverwandlung kommt, die auch an die Wandlungsworte
gebunden ist, aber nur zu diesem Moment und nur dann, wenn dann
der Empfangende daran glaubt, und nur so lange. Es kommt also nie
zu dem, was fŸr den Katholizismus die "RealprŠsenz" ist.
(Daher die "Konfirmation" im Alter von 12, 13 Jahren,
wo die Katholiken bekanntlich firmen, wo also das erwachende Gesamtbewu§tsein
als Zugewinn der SouverŠnitŠt des Erwachsenen, des ganzen Menschen,
bedeutend wird.) Wobei fŸr den Katholiken noch der gravierende Unterschied
dazukommt, da§ durch die unterbrochene Sukzession die priesterliche
Konsekrationsgewalt fehlt, damit beim protestantischen Abendmahl
eigentlich Sakramentensimulation vorliegt. Immerhin aber sprechen
die Protestanten selbst nicht von "Priestern" - das Weihesakarament
ist ihnen ja unbekannt.
Somit
gibt es in protestantischen Kirchen natŸrlich keinen Tabernakel,
weil sie eine Ÿber die Wandlung und Abendmahlsfeier hinausgehende
RealprŠsenz Ð also wirkliche, reale Anwesenheit Gottes in der Hostie
- nicht kennen.
Jeder
Protestant ist sich quasi selbst Kirche, solange er an Jesus Christus
glaubt. Glaubt er nicht mehr ist er nicht mehr Kirche Ð ein aktualistischer
Begriff also. Daraus wird das Gute, das zu Tuende, zum Gebot, der
Protestantismus ist somit ein Moralismus, eine Verhaltenslehre,
das getane Gute wird ein aus dem Willen heraus Getanes, nur dann
ist es "wertvoll." (Diese EinschrŠnkung des Menschlichen
auf das Bewu§tsein, die Bewertung seines bewu§ten Wollens, ist Ÿbrigens
heute auch sehr weitverbreitete Ansicht, bis zur Gehirntoddefinition.)
Er steht DIREKT Gott gegenŸber, und nur ihm Ð damit fiel natŸrlich
auch die Beichte, wurde durch Bu§andachten ersetzt. Klarerweise
ist nun auch der Karfreitag der hšchste Feiertag: Denn das "Gedenken"
an Jesu Tod ist die hšchste Form der Teilhabe an ihm! (Genau so
wird ja auch die Wandlung verstanden, wobei hier bemerkenswerte
Unterschiede innerhalb der protestantischen Bewegungen bestehen,
siehe Calvinisten und Lutheraner Augsburger Bekenntnisses: Hier
kommt es wie bei den Katholiken genau auf jedes Wort an.) Keine
Kirche bedeutet natŸrlich auch: Keine Priesterweihe. Bedeutungslosigkeit
des konkreten Geschšpflichen Ð Metaphysiklosigkeit (also: Das Konkrete,
Gestalthafte sagt nichts Ÿber das Dahinter aus, somit wird es bedeutungslos
wenn ich es sehe) Ð bedeutet auch Frauenpriestertum, denn sie kennen
zudem auch keine "Sukzession" (also: Ununterbrochene Weitergabe
durch Handauflegung und †bertragung, wie sie fŸr die Katholiken
entscheidend ist.) Der Pastor (statt: Priester, denn eigentlich
kennen sie kein Priestertum) ist somit nur ein Vorsteher, Gleicher
unter Gleichen, handelt nicht mehr in persona Christi als jeder
GlŠubige.
Klar
wird dann auch, da§ der Mensch auf das rein Geistig-Bewu§te reduziert
auch keine Ehe als Sakrament kennt, sie bleibt irdisch, damit kennt
der Protestant auch eine Scheidung.
FŸr
den Katholiken ist hingegen klar, da§ ("agere sequitur esse")
das Handeln aus dem Sein erfolgt. Das Seiende selbst ist nur insoweit,
als es am Sein Anteil hat Ð und das Sein ist in "act"
und "potens" zu denken, also in ein Mšgliches, das nach
Leib drŠngt, und im Seienden "actu" (aktiv) ist. In der
Antwort des Menschen als Person auf das Begegnende wird in der Wahrheit
und daraus in der Liebe das Mšgliche ins Seiende angewegt Ð eine
Bewegung, in der er Gott am meisten Šhnelt. Es ist fŸr ihn also
entscheidend, da§ er Jesus Christus so und nicht anders sah und
sieht, denn ihn sehen hei§t ihm in der Antwort Šhnlich werden (kšnnen.)
Damit ist aber auch der Mensch selbst Ð in seinem Gut, am meisten
in seiner Vollkommenheit Ð bereits ein Vorgriff auf das Paradies,
auf die "Neuschšpfung" und ein KŸnder von Gott selbst.
Und damit natŸrlich ist das auch die Funktion der Kunst. Wahrheit
im Erkennen ist somit an die sinnliche Wahrnehmung der konkreten
Gestalt gebunden, die die Offenbarung (als Sinnhorizont) bzw. die
Wahrheit (als Freiheit von Irrtum, dieser als Frucht menschlichen,
fehlgeleiteten Wollens verstanden) erkennbar macht. In ihrer hšchtsten
Form: Der unendlichen Freiheit als Offenheit zum Sein hin. Das Faktische
der Welt ist durch die ErbsŸnde tendentiell im Grad der Unvollkommenheit,
der Mangel hat kein Sein an sich sondern bedeutet Abwesenheit eines
Gutes, Fehlen von Seinsteilhabe. Ein Ding ist somit immer es selbst,
und sei es noch so mangelhaft, sonst fiele es ins Nichts. Damit
ist auch die Kirche (und die ihr gegebene Verhei§ung der letzthinnnigen
UnŸberwindbarkeit bis zur Wiederkehr Christi) immer nur als die
eine und einzige denkbar, so sehr ihre Gestalt auch durch menschlich
unzulŠngliche Verwaltung entstellt sein mag, und ihr ist auch die
Verwaltung der Heilsgaben fŸr den Einzelnen Ÿbertragen. Somit ist
Kirche letztlich nie vom Papsttum zu trennen sondern dort, wo der
Papst ist. (Dessen Unfehlbarkeit sich ja nur auf die eigentlichen
Glaubenslehren als Ausdeutung verstanden beschrŠnkt.) Im Sakrament
selbst nun wird "getan was bezeichnet" wird, nicht mehr
(wie fŸr den Protestanten) und nicht weniger, weil Gott in der Schšpfung
sein Handeln, sein Teilhaben-Lassen fŸr den Menschen an die Schšpfung
band. (Alles ist nach seiner Art tŠtig ...).
Eine
historisch gesehene Reaktion auf den Protestantismus kann erst spŠt,
sehr spŠt registriert werden, die PŠpste reagierten viel zu zšgerlich,
Bischšfe waren zu einem Ÿberwiegenden Teil hierzulande sowieso protestantisch
geworden, waren der Bewegung auch theoretisch nicht gewachsen: Im
Konzil von Trient (ca. 1560ff) unter Pius V. wurden grundlegende
Reformen sowie eine klare Festlegung der Liturgie, die EinfŸhrung
des Gregorianums fŸr die Ausbildung deutscher Priesterkandidaten
in Rom beschlossen bzw. †berhaupt eine grŸndliche Ausbildung der
Priesteramtskandidaten verpflichtend beschlossen, Sittenreformen
eingefŸhrt, AnstandsbŸcher verfa§t (s.u.a. F. v. Sales!) und das
Brevierbeten verpflichtend eingefŸhrt.
Zwischenzeitlich
war leider auch bereits die Abspaltung der englischen Kirche vollzogen.
(Man beachte die €hnlichkeit der BeweggrŸnde von Heinrich VIII.
- subjektiv motiviertes Wollen als Normsetzung, dem die Kirche widerstand,
was zu einer NeugrŸndung einer Kirche fŸhrte Ð sowie die Philosophie
im England vor und nach ihm, mit Locke und Hume, die den Boden fŸr
eine solcherart protestantisierte Kirche lŠngst vorbereitet hatten
bzw. Einen solchen vorfanden; wenn auch seine Nachfolgerin Mary
Tudor erst noch um WiedereinfŸhrung der Katholischen Religion bemŸht
war, aber scheiterte) Die Protestantischen Bewegungen zerfielen
sehr rasch, bald gab es Ÿberall in Europa QuŠker, Amish, Quietisten,
Calvinisten, etc. etc. Gerade der im 16. und 17. Jhd. Endlich durch
kaiserliche Macht Ð die Kaiser hatten die Kirche auf KlŠrung der
theologischen Fragen vehement gedrŠngt, denn sie sahen die Spaltung
des Volkes Ð erfolgte Gegenreformations-Schub hatte diese Bewegungen
dann in hohem Ausma§ aus Europa in die neuentdeckten Gebiete getrieben.
Heute spricht man von ca. 500 protestantischen Abspaltungen, Richtungen,
mit teilweisem Sektenstatus.
Ca.
1555 wurde die Inquisition (eingefŸhrt um 1235 von Gregor IX., der
u.a. Kaiser Friedrich II. exkommunizierte) mit dem Kampf gegen die
Protestanten (und Juden, das so nebenbei; beide Lehren haben Ÿbrigens
in vielem sehr Šhnliche GrundzŸge!) betraut, ma§geblich von den
Jesuiten mitgetragen, die ebenfalls zu der Zeit entstanden.
Nicht
zufŠllig Ÿbrigens noch weitere Details: Der "Hexenwahn"
stammt natŸrlich auch zu wesentlichen Teilen aus der o.a. Sicht
von Aberglaube! (FŸr den Protestanten ist ja das Katholische
bzw. seine Metaphysik sogar Magie, welche der Katholiken viel subtiler
zu unterscheiden sieht.) Bis heute ist zuwenig bekannt, da§ bis
ins 18. Jhd. †brigens (in England) der weit Ÿberwiegende Anteil
an den Hexenverbrennungen ... von den Protestanten ausging bzw.
in deren Raum stattfand!
Auch
interessant: Die Lehrunterschiede zwischen Katholiken und der Orthodoxie
Konstantinopels (Ru§land etc.) sind Šhnlichen Ursprungs wie die
Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten. Und BEIDE haben
historisch sehr Šhnliche Ursachen wie Auswirkungen wie Šhnliche
philosophisch-metaphysische WidersprŸche! Ebenfalls kann eine gar
nicht so kleine Parallele zwischen Islam und Protestantismus gesehen
werden, findet man viele €hnlichkeiten was z.B. die Rolle des Willens,
die Sicht der konkreten materiellen Welt (als weitgehend wertlos),
die Bedeutung des Wortes/der Schrift und die Ablehnung von Darstellungen
sowie deren moralistische Grundhaltung angeht. Sie alle haben den
sehr betonten Grundzug der Verhaltenszentriertheit auf der Grundlage
des Willens Ð nicht wie der Katholizismus die Konzentration auf
das Sein ("Agere sequitur esse" Ð Das Handeln folgt dem
Sein, das entelechial verstanden werden mu§, sich also "in
Leib" bringen will), das sich immer im Seienden darstellt und
an dem Ÿber die Sinne im Erkennen somit teilgenommen werden kann,
was somit die NŠhe zu Gott (der das Sein ist) in der Wahrheit (als
†bereinstimmung des subjektiven Denkens mit dem Wort Gottes in der
Welt) ausmacht. Der Protestantismus ist somit nur eine (mŠchtige)
Spielart ein und desselben Irrtums, ein und derselben "HŠresie."
Umgekehrt
zeigt sich im Katholizismus historisch die gegenlŠufige Bewegung
einer immer stŠrkeren Hinwendung zum Gestalthaften, das in der Vollkommenheit
darzustellen der katholische Mensch immer mehr wagte, nachdem ihm
die Scholastik (13. Jhd.) den geistigen Weg dazu endgŸltig bereitet
hatte. Da kam es erst zu einem AufblŸhen des Gestalthaften in der
Gotik, (mit der heidnischen †berbetonung in der Renaissance als
Wiedergeburt der rein weltlichen Ideen der griechischen Antike,
einer Art Appendix also) bis zum Barock, wo sogar noch das Naturhafte
der Gotik (Man beachte die Rolle des Lichts) Ÿberwunden und das
Licht als Beinhalter, TrŠger aller Gestalt (man beachte die heutige
Physik!) und deshalb Symbol fŸr Gott ("Lumen Christi"
singen wir in der Osternacht) quasi expliziert und auch die geistige
Welt in Gestalten, Figuren (s. Engelsdarstellungen, Ornamente) gegossen
wurde. Damit wurden die AltŠre zu Kosmen von Gestalten (der "Lettner"
Ð in der Orthodoxie noch als Ikonostase erhalten und bei uns im
Speisegitter noch rudimentŠr erinnert Ð "rutschte" zum
Altar, somit der Altar "zum via Sinne Beiwohnenden" (...
womit der heutige Volksaltar zu einer nicht unlogischen Entwicklung
wird, weil man genau der Gefahr erlag, die Luther Ÿbrigens richtig
ahnte und zu umschiffen suchte, und die sich in der "nouvelle
theology" im 20. Jhd. Zeigt), die zu betrachten den GlŠubigen,
den Betrachter an der Wahrheit bereits selbst teilhaben lie§, weitgehend
unabhŠngig von seinem Bewu§tseinsstand oder gar seiner Bildung.
(Denn die Frage der Freiheit ist nicht primŠr eine Frage der Bewu§theit
sondern der Tugend, also der natŸrlichen Anhalte das Sein ins Gestalthafte
zu fŸhren.)
Schlu§
Der
Protestantismus ist nicht eine isolierte Idee, sondern baut auf
Gedanken auf, die sich in der philosophischen Auseinandersetzung
schon der Antike, ja in den religišsen Auseinandersetzungen der
€gypter finden und ausreichend rezipiert wurden. Auf der Grundlage
einer auseinanderbrechenden abendlŠndischen Kultur (und als solche
mu§ man ab dem Mittelalter von Europa sprechen) fand er nahrhaften,
politisch-kulturellen Boden, wurde aus sehr naheliegenden GrŸnden
von lokalen Herrschaftssystemen ma§geblich mitgetragen und gestŸtzt,
verbŸndete sich mit aufbrechenden philosophischen Stršmungen (Descartes!)
die sich in politischen Bewegungen wiederfanden ... soda§ man heute
von einem weitgehenden "Sieg" des Protestantismus weltweit
sprechen mu§, auch wenn man die Stellung der Natur-Wissenschaften
betrachtet. LŠngst hat er Ÿber die Dominanz einer isoliert betrachteten
"Wissenschaft" (Ÿber seine Gewichtung des Bewu§ten in
der menschlichen Definition) auch genuin katholische Schichten mehr
als durchdrungen. Und wŠhrend die "evangelischen" Kirchen
sich wie auflšsen, verprotestantisieren die katholischen Schichten
als erstem Schritt zu ebensolcher Auflšsung.
Das
aber wŠre nicht das Problem fŸr den Realisten, gerade fŸr den nŸchternen
Katholiken. Das Problem ist, da§ der Protestantismus auf IrrtŸmern
Ÿber die Wirklichkeit beruht, und da§ diese IrrtŸmer nachweisbar
und aufzeigbar sind. Dieses Selbstbewu§tsein darf der Katholik mit
Recht haben. Wie jeder Irrtum Ð sonst gŠbe es ihn nicht Ð beruht
er auf einer †berbetonung eines Aspekts (der Rolle des subjektiven
Willens) Ð der umgekehrt von den Katholiken auch zuweilen gerne
vernachlŠssigt wurde, die gerne dazu neigen und neigten, das Heil
als etwas zu konsumabel zu betrachten. Denn wenn die Gnade eben
der Natur folgt, ja sie voraussetzt, so gehšrt es auch zur Natur
des Menschen als Person, Wille zu haben und Ÿber ihn zu verfŸgen.
Insofern ist eben der katholische Sakramentsbegriff nicht schlichtweg
"magisch," sondern an den grundsŠtzlichen Willen des Operateurs
gebunden zu tun wie zu empfangen, was die Kirche tut. Umgekehrt,
provoziert der Protestantismus den Voluntarismus, der die Welt zu
setzen hat, und insofern die Verantwortung fŸr sein geschichtliches
Werden menschlicher WillkŸr anheimstellt, und damit gerade heute
den Menschen mit viel zu gro§er Verantwortung Ÿberfrachtet und ihn
damit Formen der Verzweiflung in die Arme wirft.
Wien,
am 31. Juli 2003
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