| Was wird jetzt? Neuschreibe oder nicht? Die FAZ kehrte 2000 wieder zur alten Rechtschreibung zurŸck, was auch in …sterreich zu einer neuerlichen Diskussion Ÿber die bereits per Dekret eingefŸhrte Reform fŸhrte. Wenn diese ganze Diskussion um die Rechtschreib-Reform ein Gutes hatte dann dies, da§ ich mich seither noch weniger um Duden oder Mackensen kŸmmere, sondern mich stattdessen noch mehr um das AuszudrŸckende bemŸhe, dem ich jene Schriftform gebe, die mir jenem gemЧ erscheint. Daran wird sich auch jetzt nichts mehr Šndern, wenn nun diese (meines Erachtens ohnehin) unsinnige weil von Unberufenen dekretierte Reform mšglicherweise wieder rŸckgŠngig gemacht wird. Sie hat ohnehin alle nur verwirrt und abgelenkt von dem, was Schriftsprache Ÿberhaupt ist Ð nŠmlich eben kein Nominalismus, kein Gesellschaftspakt. Aufgehorcht aber habe ich in Zusammenhang mit der Meldung, die FAZ sei zur alten Schreibe zurŸckgekehrt, als einzelne Medien davon berichteten, da§ ein genereller Widerruf auch seine guten Seiten hŠtte: Nun erlebten SchŸler Demokratie hautnah, wenn sie sich an die BŸcher setzten und eigenhŠndig korrigierten, was ihnen da vorgesetzt worden war. So erfŸhren sie hautnah, schrieb man, da§ nicht alles, was von oben kŠme auch selbstverstŠndlich sinnvoll sei. Aha. Und brŠchten sich hinkŸnftig auch die Mathematik selber bei? Rechneten, wie sie selbst es beurteilen kšnnten? NŠhmen Fakten aus Geographie, Geschichte, Biologie grundsŠtzlich nicht zur Kenntnis sondern sortierten selbst, was daran fŸr bare MŸnze zu nehmen sei und was nicht? Wird mit solchen Aussagen nicht etwas ganz ErbŠrmliches vorgefŸhrt: NŠmlich die UnfŠhigkeit der FŸhrungen, das, was sie tun, auch zu verantworten? Indem sie einerseits dem ãUnteren" wohl nicht zugestehen, sich gegen ihre BeschlŸsse und Gesetze aufzulehnen, ihn aber anderseits lehren wollen, da§ er nicht alles ernstzunehmen habe, was von oben komme? Mit Verlaub: Reden wir hier nicht von ... Kindern? Wie stellt man sich denn vor, da§ Ÿberhaupt gelernt wird? Wenn ich das, was ich aufzunehmen habe, grundsŠtzlich bereits als Edukand in Frage stelle, wie soll ich dann Ÿberhaupt etwas aufnehmen? Denn Lernen hei§t immer noch identificatio, der Mensch hat sich nicht geŠndert! Wenn der SchŸler verunsichert wird, ob denn das was ihm der Lehrer vortrŠgt Ÿberhaupt stichhaltig sei Ð was erwartet man sich hinkŸnftig? Folgt jetzt noch weitergehendere Abschaffung der Benotung, weil es ohnehin bald keine Kriterien mehr gibt, nach denen man Ÿberhaupt Schule fŸhrt und Leistung (worauf bezogen?) beurteilt? Was bleibt an der Schule noch an zu Lehrendem? Links(oder von mir aus: Rechts)-moralisierende VerhaltenspŠdagogik? Schafft sie sich nicht damit selbst ab? (Und ich wŠre gar nicht der letzte, der dies nicht befŸrwortete ...!) Wer bestimmt hinkŸnftig noch die AutoritŠten Ð denn lernen hei§t, Grš§eres aufzunehmen, weiter zu werden, hei§t auch Wagnis Ð AutoritŠtslosigkeit hei§t: Stillstand!? Oder lЧt man den SchŸlern, Kindern freie Wahl, was sie annehmen sollen oder nicht und von wem? Oder gibt es (endlich) weise politische Ma§nahmen, die ganz real (und nicht im Gequatsche) die AutoritŠt der Elternschaft wieder stŠrkten, der Staat endlich!!! Seine Finger wieder aus den Familien nŠhme? Der Schaden liegt gewaltig tief, das ist die Wahrheit. Jetzt diese Reform rŸckgŠngig zu machen fŸhrt zu einem weiteren folgenschweren Bruch im Vertrauen SchŸler Ð Lehrer, Mensch Ð Institution, Person - AutoritŠt. Hier liegen die wahren Wurzeln von IdentitŠtsproblemen, ja sogar ImmunschwŠchen, hier liegt der Persšnlichkeitsabbau in nuce: In der ZertrŸmmerung des Au§en. Der Wahn, diese Reform Ÿberhaupt einzufŸhren, war wohl lediglich symptomatisch fŸr die Art und Weise, mit der sich Inkompetenz umso mehr an VerŠnderungen zu schaffen macht, als sie sie selbst ist. Eine RŸckŠngigmachung als solche aber kann nicht stattfinden Ð da mŸssen sich die Lehrenden etwas anderes einfallen lassen. Still sterben lassen unter HinfŸhrung auf den wahren Zusammenhang Schrift Ð Sprache Ð Sein, so kšnnte ein Konzept lauten, das freilich keine technizistische UnterrichtsfŸhrung mehr erlaubte, wie sie heute flŠchendeckend anzutreffen ist. In jedem Fall aber mu§ man einen RŸcktritt der Verantwortlichen fordern Ð wer wei§, was morgen alles zu widerrufen ist. 09. August 2000 |
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