VATER SEIN DAGEGEN SEHR ...

Die regelmЧige Kolumne  eines ab und an schon mal genervten Familienoberhaupts

I

Meine Frau und ich haben jetzt Ÿberlegt, doch einen Chaffeur einzustellen. Immerhin ist meine Frau vier Nachmittage in der Woche schon unterwegs, um die Kinder entweder irgendwohin zu bringen oder von irgendwo zu holen. Am Donnerstag ist ihr Programm so dichtgedrŠngt, da§ sich die einzelnen Termine Ÿberschneiden, und sie anhand eines richtigen Zeitplanes ein System entwerfen mu§te, wie sie die jeweiligen Touren verknŸpft: Wenn die Kinder aus der Klosterschule gekommen sind, ist das erste zum Fu§balltraining zu fahren. Von dort mu§ sie gleich Benedict vom Gymnasium holen. Den noch im Bus, sind die MŠdchen zur Jungscharstunde fertig. Schnell die Kleinen eingepackt und mitgenommen, denn nun ist niemand mehr zu Hause, der auf sie aufpassen kann.

Nun bleiben meiner Frau ganze vierzig Minuten, die sie entweder in der Kirche verbringt, was der Pfarrer mit gro§er Begeisterung quittiert, oder fŸr ein paar Besorgungen in der Stadt nutzen kann. Nach Hause zu fahren zahlt sich nicht mehr aus. Mit den wieder eingeladenen MŠdchen mu§ Sebastian vom Fu§balltraining geholt werden, mšglichst rasch, denn nun beginnen die Flštenstunden fŸr ihn. WŠhrenddessen ist bereits der Klavierlehrer ins Haus gekommen und Benedict hatte schon seinen nŠchsten Kulturschub. Nun beginnt der Unterricht fŸr Julia und Angelika, wŠhrend nun das Fu§balltraining fŸr Benedict beginnt, wohin ihn auch meine Frau bringen mu§.

Am Abend komme ich dann nach Hause, wenn noch der Klaiverlehrer mit seiner Frau seinen Kaffee trinkt, meine Frau sitzt nur halb am Sessel, immer wieder aufgerufen, die kleinen Katastrophen entweder zu verhindern oder zu beseitigen. Es ist grЧlich, in einem unaufgerŠumten Haus zu wohnen, das sage ich ihnen. Aber trotzdem habe ich die drei €lteren jetzt auch zum Zeichenkurs an der Volkshochschule angemeldet, denn ich glaube, da§ sie Talent haben. Und Zeichnen ist gut, um zu lernen, von sich wegzusehen, zu beobachten, zu erkennen. Da wird man dann spŠter nicht so egoistisch.

4. Oktober 1995 

 
     
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