VATER SEIN DAGEGEN SEHR ... Die regelmЧige Kolumne eines ab und an schon mal genervten Familienoberhaupts VII "Schau mal, Papa, was wir da lernen mŸssen!" Mit diesen Worten zeigt mir meine Tochter ihr Geographieheft. Und da finde ich gleich auf der ersten Seite die "Weltentstehungstheorie nach WeizsŠcker", derzufolge die Erde und die Planeten aus Massekonzentrationen aus dem ursprŸnglichen Urnebel hervorgegangen sind. Ganz von selber. Dann hat sich irgendwie die AminosŠure gebildet, daraus dann die ersten Einzeller, dann die Mehrzeller und so fort bis zum Menschen. Ich gebe zu, ich war fŸr den ersten Augenblick Ÿberfordert. "Ja, ein Wahnsinn." Habe ich gesagt. Und dann - ich habe die zunehmende Verunsicherung meiner Tochter gespŸrt - scho§ ich noch nach: "Das sind irgendwelche Theorien, die keineswegs beweisbar sind, die praktisch Gegenmodelle zur Schšpfung sind (manche versuchen auch, das zu kombinieren, aber mit wenig wirklichem Erfolg), irgenwelche Theorien und Annahmen. Es ist verflixt, da§ in der Schule das als Wissensstoff vermittelt wird." "Ja, aber was soll ich tun, lernen mu§ ich es doch, sonst bekomme ich ja eine schlechte Note!" Nun habe ich den weiteren Bildungsweg meiner Tochter - sie besucht jetzt die vierte Hauptschule - tatsŠchlich davon abhŠngig gemacht, ob sie in diesem Jahr alle UnregelmЧigkeiten, die in der bisherigen Schullaufbahn aufgetaucht sind, ablegt und konstant beste Leistungen erbringt. Es ist ja auch dem Staat nicht zumutbar, Schulen zu belegen unter dem Motto: "HŸft's net, so schadt's net" Was also nun tun? Ich habe mir sofort eine mehrbŠndige EnzyclopŠdie Ÿber das Weltall zugelegt, in der Hoffnung, dann selbst beurteilen zu kšnnen, mit welchen Argumenten solche Theorien in Zukunft so zu entkrŠften oder relativieren sind, da§ es den Kindern wirklich plausibel erscheint. Denn noch immer nicht habe ich den Zweifel meiner Tochter ganz beseitigen kšnnen, und ich selbst bin gehšrig ins Wanken gekommen, denn ich habe mich mit dieser Frage einfach noch nicht befa§t. Man kann ja nicht alles wissen. €rgerlich finde ich es allerdings, da§ in den Schulen mit so vielen Theorien gearbeitet wird. Die Kinder kšnnen nicht unterscheiden, was ist gesichertes Wissen, und was sind ErklŠrungsmodelle. Tatsache aber ist, da§ solche ErklŠrungsmodelle stets mit scheinbaren Beweisen arbeiten, mit Experimenten, wo aus kleinen Ma§stŠben die gro§en Modelle erklŠrt werden. Anstatt es umgekehrt zu machen, denn die kleinen Dinge sind erst durch die Kenntnis des gro§en Rahmens, durch einen Standpunkt, Ÿberhaupt einordenbar und damit erklŠrbar! 4. Oktober 1995 |
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