VATER SEIN DAGEGEN SEHR ...

Die regelmЧige Kolumne  eines ab und an schon mal genervten Familienoberhaupts

VIII

Da sitze ich am E§tisch und lese die Zeitung. Wenn ich am Abend nach Hause komme, dann habe ich wohl das Recht, etwas auszuspannen. Meist sieht das so aus, da§ ich dann jene Zeitungen lese, die ich abonniert habe, die ich also nicht aus beruflichen GrŸnden lŠngst lesen mu§te. "SchatzŠŠ?" tšnt es da aus der KŸche. "SchatzŠ". Wenn mich meine Frau so anredet, dann hat sie entweder einen gro§artigen Einfall, dem ich halt zustimme oder was ich gleich als objektiver Unsinn qualifizieren mu§, oder aber sie will mich wegen irgendetwas zur Rede stellen.

"Du wei§t eh, am Sonntag sind wir am Haberg eingeladen." Am Haberg ist das Synonym fŸr ihre Eltern, meine Schwiegereltern. Nun will ich nicht sagen, da§ ich "Besuchsverbot" verhŠngt habe Ÿber meine Familie, aber ich wehre mich seit Jahren konsequent dagegen, da§ meine Schwiegereltern sich ebenso konsequent immer die Rosinen aus dem Familienleben herauspicken. Das sind Mittagessen zu Feiertagen, wiederholte Weihnachtsfeiern am 26. Dezember oder Osternester am Ostermontag. Wir sind eine eigene Familie! Diesmal also wieder: Eine Einladung am Ostermontag. Dabei sehe ich Ÿberhaupt nicht mehr ein, da§ wir diesen Tag Jahr fŸr Jahr ihren Eltern widmen sollen, wŠhrend meine Mutter (mein Vater ist ja schon tot) hšchstens irgendwann zum Kaffee oder Abendessen bedacht wird. Meine Frau sieht das Ÿbrigens genauso. "Und du hast schon zugesagt?" frage ich schon gereizt. "Was sollte ich denn machen, sie hat gesagt, da§ sie den Truthahn schon eingekauft hat, und au§erdem waren wir schon zwei Monate nicht mehr dort, und wir sind doch jedes Jahr dort eingeladen!" Wir sind in der richtigen Streitstimmung. Gleich drohe ich wieder, auszuziehen. Und sie nennt mich "Fanatiker". Diesmal aber beherrsche ich mich, ziehe mich zur ZeitungslektŸre in die Bibliothek zurŸck. Jetzt abzusagen bedeutet einen wirklichen Bruch, ist kaum begrŸndbar, ist ein Akt, den ich so eigentlich auch nicht will: So definitiv, so hart.

Frauen mŸssen aber auch einmal lernen, das fŸr die Familie gemeinsam beschlossene einzuhalten, dazu zu stehen. Ich verlange Ÿberhaupt nicht, da§ sie selbst die Schlachten kŠmpfen. Sie kšnnen sich ruhig auf den Mann berufen. Meine Frau hŠtte ruhig sagen kšnnen: "Mein Mann will nicht." Das macht mir Ÿberhaupt nichts. Aber den "Elternwillen" einfach zu ignorieren, auch Dinge zuzulassen, die eindeutig gegen getroffenen "BeschlŸsse" sind, halte ich fŸr gemein. Genau da fŸhle ich mich zutiefst alleingelassen, da ist sie mir nicht Helferin. Jetzt mŸ§te ich eine "Nachbesserung" treffen, die schon gar nicht mehr der Familienwille wŠre. Ich will die Schwiegereltern ja nicht brŸskieren oder den Eindruck erwecken, ich wollte keinen Kontakt mehr mit ihnen. Abgesehen davon, da§ der Eindruck entstŸnde, meine Frau wollte zwar, wŸrde aber von mir "gezwungen" mitzuziehen. Ich also wieder einmal als der Haustyrann. He, ihr Frauen, steht zu euren MŠnnern. Es ist dann ja auch fŸr euch und die Familie viel leichter.

4. Oktober 1995

 
     
johannes
darstellung
ambrosius
sprache
EBERHARD
stimme
WAGNER
©
wort
   
 
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