VATER SEIN DAGEGEN SEHR ... Die regelmЧige Kolumne eines ab und an schon mal genervten Familienoberhaupts IX Sebastian, mein siebenjŠhriger Sohn, hatte seit dem dritten Lebensjahr spŠtestens Neurodermitis. Am Anfang war das ein gro§es Problem, er kratzte sich beinahe jede Nacht blutig, manchmal war es schauderhaft. Jedenfalls aber wachte er beinahe jede Nacht auf, weinte, ja schrie wegen seiner Schmerzen oder seines Juckreizes. Seither beziehen wir auch die erhšhte Familienbeihilfe. Nun mu§ man in regelmЧigen AbstŠnden zum Amtsarzt, um dem Finanzamt zu bestŠtigen, da§ der Bezug der erhšhten Beihilfe noch immer gerechtfertigt ist. "Aber," meint meine Frau: "Es ist ja mittlerweile schon sehr schšn geworden!" "Das soll der Amtsarzt entscheiden." Neurodermitis ist eine rŠtselhafte Erkrankung, die angeblich mittlerweile 10 % der šsterreichischen Kinder erfa§t hat. Auch wir kennen aus dem eigenen Verwandten- und Bekanntenkreis furchtbare FŠlle. Aus den Beobachtungen beim eigenen Sohn, die VerŠnderungen des Krankheitsbildes in Zusammenhang mit VerŠnderungen im Umgang mit ihm, habe ich so meine RŸckschlŸsse gezogen, die ich ihnen nicht vorenthalten will: Neurodermitis ist eine Krankheit, die wesentlich mit dem Immunsystem zusammenhŠngt. Das Immunsystem selbst aber hŠngt stark zusammen mit dem seelischen Zustand des Menschen, mehr noch: Mit seiner PersšnlichkeitsstŠrke. Was ist nun PersšnlichkeitsstŠrke? Es ist die Kraft, mit der sich ein Mensch als er selbst aufrechterhŠlt, mit der er wesenhaft er selbst ist. Das ist etwas grundlegend anderes als suggestiv erworbenes "SelbstwertgefŸhl", in dem sie sich stŠndig vorsagen, sie seien irgendetwas. Es ist die Bereitschaft, die Welt zu sehen, auf sie zuzugehen, und an ihr zu handeln; es ist die Bereitschaft, nicht auf sich zu schauen, sich auch nicht seinen eigenen GefŸhlen etc. zu widmen. Diese Offenheit kann durch Krankheit, starken oder permanenten Schmerz, †berlastung, Schock etc. gebrochen sein. In jedem Fall aber ist es notwendig, da§ der Mensch sich mit Interesse der Welt zuwendet, mit klarem Blick bereit ist fŸr die entgegentretende Wirklichkeit, und sich nicht mit sich selbst beschŠftigt, nicht in sich gefangen wird. Ich habe beobachtet, da§ diese "Weltorientierung" ma§geblich damit zusammenhŠngt, die Begabung des Kindes zu erkennen und ihm zu seiner Begabung gemЧen TŠtigkeit zu helfen, ja ihn darauf zu sto§en. Neurodermitiker sind meist das, was man mit "sensibel" beschreibt. Auch das trifft zu, begŸnstigt doch starke SensibilitŠt - so gut sie andererseits ist - die Ÿberstarke BeschŠftigung mit sich selbst. Die Widerstandskraft wird auch dadurch gestŠrkt, da§ man das Kind "abhŠrtet". Oh Gott, hšre ich sie sagen. Ich habe z.B. im Hallenbad zwischen den Kindern einen Preis ausgeschrieben, wer es am lŠngsten unter der kalten Dusche aushŠlt. Eine †bung, von sich weg zu sehen, seine Empfindungen nicht Ÿber die Vernunft zu stellen. Entscheidend bei Neurodermitikern erscheint mir aber der Vater! Er ist es nŠmlich, der fŸr das Kind die "kalte Dusche" der Welt bedeutet. Ich habe ebenfalls festgestellt, da§ wenn in der Familie ein neurodermitisches, allergetisches oder sogar asthmatisches Kind ist, es regelmЧig die Frau ist, die sich in der Familie mit ihrer gefŸhlsmЧigen Wechselhaftigkeit, Bestimmtheit, durchsetzt, der Mann "zu weich" ist. Die Frau dominiert, was meist hei§t, da§ sie sich mit dem Kind zu stark identifiziert, sich eigentlich nicht von ihm loslšst, es u.U. gar vor dem Mann "schŸtzen" will. Da§ also zuwenig mŠnnliche "Stšrkraft" auf das Kind gewirkt hat, dieses sich zuwenig mit dem Mann identifizieren konnte, . Neurodermitische Kinder brauchen die Zuwendung des Vaters, aber keine GefŸhlsduselei, die sich mit sich selbst beschŠftigt, sondern seine Klarheit, seine BeschŠftigung mit der Welt, die ihm zeigt, wie man mit der Welt fertig wird. Es fehlt der Welt an MŠnnlichkeit. 4. Oktober 1995 |
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