| ãDie Kraft und die Herrlichkeit" Replik auf Dr. Rotraut. Perner's Artikel in der Presse vom 2. MŠrz 2002 Gro§ der Anspruch, den R. Perner in o.a. Artikel stellt, mutig ihr ãAufrŠumen" mit verschiedenen ãMythen," ja, dafŸr ist sie bekannt, das darf man an ihr durchaus schŠtzen - aber wird sie dem Anspruch gerecht? Mythen, das also, wo wir unwidersprochen GlaubenssŠtze zur Rechtfertigung bzw. ErklŠrung von Welt heranziehen - bastelt Fr. Perner aber nicht an neuen? Rechtfertigt der Anspruch, ãaus der Erfahrung" zu sprechen, Deutung? Oder braucht nicht Datum in jedem Fall ... Glaubenssatz? Anzunehmendes, auf das hin Datum interpretierbar wird? Wo auch also sind Fr. Perner's Mythen? Denn da ist so manches, dem man widersprechen mŸ§te, wo sie Ð der Seitenhieb sei erlaubt Ð mit sophistischem Trick erst ãMythenfreiheit" abzustreifen vorgibt, um, ja um neue Mythen zu schaffen. Bei aller Schwierigkeit, aus dem Artikel zu erkennen, worum es der Autorin Ÿberhaupt geht. Z.B. Jeder Mensch sei ãaus psychoanalytischer Sicht" bisexuell Interessant. Bedeutet also die Mšglichkeit zu etwas Faktischem, das zugleich auch als entelechiale (aus dem Sein seienden Leib bildende) Gestalt zu besitzen? Also ãjeder ist ein Mšrder" oder ãTriebtŠter" oder ãKaiser" ...? †bersieht sie nicht das Wesen von Selbst und IdentitŠt? Aus ãunserer katholischen" Sicht gibt es keine Liebe ohne NatŸrlichkeit und Erkennen, somit auch keine BisexualitŠt, sondern bestenfalls unausgereifte, nicht vollwertige, mangelhafte, nicht erwachsene Persšnlichkeit. Die nur noch Ð per naturam, wenn schon - eine klare Ausrichtung auf das andere Geschlecht kennt. Liebe ohne Wahrheit, ohne Gerechtigkeit ist undenkbar, denn es geht immer um ein ãwas liebe ich?" und um die Wahrheit darŸber. Unausgesprochen interpretiert Fr. Perner von einem Boden aus, der aus katholischer Sicht všllig anders aussieht , setzt ihn absolut. Halt, mŸ§te man da rufen, da bestehen grundlegend andere Sichtweisen in der Anthrophologie, Fr. Perner, die auch den Zšlibat všllig anders sehen als Sie ihn offensichtlich, und deshalb auch Fehlverhalten všllig anders interpretieren. Denn aus aristotelisch-thomistischer Sicht heraus, dem Boden des Katholischen, nach wie vor der treffsichersten Metaphysik des Positivismus, der Erkennbarkeit der Welt aus ihrer Gestalt auf dem Boden des Verstehens von Sein, allem Seienden also als am Sein Teilhabenden, ergibt sich ein všllig anderes Menschenbild. Das in dem Sinne keine isolierte SexualitŠt kennt, sondern eine solche bereits zu dem Zeitpunkt, wo sie Ð wie ein Ÿbertrainierter Muskel Ð aus dem Insgesamt der Person und Persšnlichkeit herausdrŠngt als (der Neurose absolut adŠquate) ungeordnete Neigung auftritt. Der Zšlibat ist nicht ein voluntaristisch-positivistisches Verzichten auf etwas, das anderen gestattet ist, sondern er ist gelebtes Zeugnis dessen, was der Mensch als geglŸckter bereits hier sein kšnnte. Wir sprechen hier von realer GeglŸcktheit, Frau Perner, nicht von utopistischem €sthetizismus. Wo der Mensch in einer geglŸckten IdentitŠt an einer Lebensaufgabe, in der Liebe, an einer ganzpersonalen Zustimmung zu einem SelbstŸberschreiten in der Selbstergreifung wie auf einer Spitze hŠngt. In welcher sich SexualitŠt nicht als Problem ergibt, im Falle der Ehe als Vollzug einer geistig-personal bereits vorhandenen Tatsache. Und insoferne ist die Liebe des Priesters zum Volk, zum Weib, zum Werk, das seinen Samen austrŠgt, von der des Ehemannes in nichts unterschieden. Die Priesterseminare sind deshalb auch nicht ãBrutstŠlle" mit dem Produkt ãausgereifte Persšnlichkeiten," sondern sie haben zum Inhalt, jene Teile des konkreten Tuns zu integrieren, zu einer neuen, weiteren IdentitŠt zu gegenstŠndlichen die bereits als entelechial DrŠngendes im Archtetyp angelegt und identitifiziert waren, die rein mit dem Amtsinhalt des Priesters zu tun haben. Als ãsocietas perfectas" in Fleischesgestalt bietet die Kirche Angeld, Vorausschau ins Paradies, wenn man so will, das auf Erden in gewisser Weise bereits mšglich ist, kraft der Incarnatio Gottes in Jesus, der sich damit (sinnbildlich) in den Erkenntnisvorgang ãeingeschleust" hat, damit Gott realprŠsent geschichtswirksam wurde. Erkennen somit als ãFormŸbergang," als intransitierende Ablšsung der Eigenschaftlichkeit des Erkannten sozusagen, Ÿber das erinnerte PrŠsente. Fernab von blo§er KontingenzbewŠltigung und NutzbarkeitserwŠgung also ist der Priester, wenngleich nicht ohne Funktion. Heilsbringer durch Darstellung, nicht durch Psychoanalyse. Hier geht es um Erkenntnisprinzipien, ums ErzŠhlen aus Aussage der Wirklichkeit in Form von Gestalt, unterscheidbar in Faktisches und am Sein Teilhabendes, abstrahiert Wahres, nicht um faktische Fragen. Die Gesellschaft ãhŠlt" sich also nicht Priester, hšchstens indirekt, seine Berechtigung und Aufgabe kommt von woanders. Jede konkrete Staatsform (eine Gestalt von ãGesellschaft", die es ja je nur konkret ãals" gibt) bezieht zum Gegenteil ihre innere Kraft ... vom Priester, von der Religion, als Prinzip, nicht als nachfolgende Illusionsmaschinerie! Ohne Religion Ð seien wir da mal oikumenisch - gibt es rein gar nichts. Perner's quasi Gleichsetzung von Priester und Psychologen kann man nur als kecke Usurpation deuten. Denn der Unterschied ist evident und grundsŠtzlich: Seelenheil ist nicht mit seelischer Gesundheit im psychoanalytischen Sinne gleichzusetzen. WŠhrend der Priester phŠnomenzentriert arbeiten MUSS setzt der Psychologe an der Zerlegung des PhŠnomens an. Das ist nicht Aufgabe des Priesters, und mit Bedauern mu§ man hinnehmen, da§ dies oftmals heute anders gesehen wird. Zumal ob der mechanistisch-evolutionistischen AnsŠtze der Psychoanalyse, die mit dem Katholischen unvereinbar sind. Ist es ãfaktische Aussage", da§ nur ãAutosuggestion" oder ãMantras" den Zšlibat mšglich machen? Oder eben bedeutet nicht priesterliche IdentitŠt einen anderen Persšnlichkeitsschwerpunkt, den es in der IdentitŠt gestalthaft zu machen wie zu werden gilt, weil einem IdentitŠt zum einen immer voraus ist? Auch gibt es das ãReich der Kraft und Herrlichkeit" nicht ãin" einem Ð auch wenn Fr. Perner sich das offensichtlich nicht anders vorzustellen vermag. Persšnlichkeit ist eine Frage der SelbstŸberschreitung, des Mutes zur Insecuritas, im Vertrauen auf die gšttliche Herkunft allen Seins (nicht des Faktischen) und im spannungsaufnehmenden Tragen von je ãweiteren" Wesenheiten. ãTechnik" mag zuweilen in der SchwŠche als geringeres †bel helfen, als Prinzip aber wŠre sie nie ausreichend. Man mag die Selektion der Kandidaten, die Menschenkenntnis von Verantwortlichen kritisieren, ja, mag kritisieren, da§ heute, gerade heute neue gefŠhrliche Tendenzen des Spiritualismus beobachtbar sind, gerade im Dunstkreis von Erneuerungsbewegungen, die noch manch Schlimmes erwarten lassen. Man mšge die Ausbildung kritisieren, in der dasjenige, das eben gerade eine IdentitŠt bildet, festigt, als vermeintlich (unter dem Einflu§ eines Persšnlichkeitsbegriffes, den die Psychologie eben geliefert hat: Aus dem Reiche abstrakter Ideen, der Mšglichkeit eines Personseins ohne konkrete Persšnlichkeit zu sein ...) všllig Ÿber Bord geworfen wird: Ich spreche hier von Kleidung, Erkennbarkeit etc. Zum Priester berufen aber bedeutet auch, da§ derjenige IN DER LAGE IST (nicht prinzipiell WIRD) zšlibatŠr zu leben, schon beim Eintritt ins Seminar eine Persšnlichkeit aufweist, die lebensaufgabenzentriert andere Zielsetzungen hat als FamiliengrŸndung. Insofern ist Zšlibat auch nicht eine Kunst, sondern letztlich jedem Menschen gleicherma§en mšglich wie nštig. Der Verehelichte selbst unterscheidet sich nur in der konkreten Lebenswirklichung vom ZšlibatŠren, nicht anthropologisch wesentlich. Auch ãIdealisierung ... gšttlichen Kindes" bzw. ãMadonna" hat somit eine všllig anderen Hintergrund: Hier geht es um das Sichtbare von Menschen, wie sie als Vollkommene sich darbieten. Vollkommenheit JEDES Menschen, wohlgemerkt. Und dies nicht aus Moralismus, sondern aus der Anthropologie heraus. Und was soll der Hinweis auf ãsexuelle AbhŠngigkeit von MŠnnern?" Unterstellte Erziehung zur HomosexualitŠt? Oder quasi ãFlucht" aus ãAngst" vor einem Ausbruch Ÿber definierte WeidezŠune? Gibt es das Recht nicht mehr, vor dem, das mich evtl. ŸberwŠltigen, zum nicht GemЧen ziehen kšnnte, Vorsicht zu wahren? Aus der Praxis ist bekannt, da§ viele FŠlle von Zšlibatsbruch aus VerfŸhrungsversuchen von Frauen kommen, warum auch immer. Denen es gelingt, das sicher nicht immer leichte ãAufgehŠngtsein an der Spitze der Lebensaufgabe" durch StŠrkung eines untergeordneten faktisch Mšglichen aus dem Lot zu bringen. Kommen wir zur vielleicht derivierbaren Aussage von Fr. Perner: Die Kirche sollte ãmilder" mit den bewu§ten SŸndenschŠflein umgehen. NatŸrlich, Fr. Perner, aber besteht nicht ein Unterschied zwischen dem, was die Kirche nach au§en, als erkennbare Gestalt, zu prŠsentieren hat und dem, wie sie mit jenen verfahren mu§, die dem nicht gerecht werden? Welches Unternehmen wŸrde einen VerkŠufer weiter beschŠftigen, der statt der produzierten Autos fremdgelieferte Flugzeuge verkauft? Milde, ja, aber mu§ nicht gelten, da§ die Menschen ein Anrecht auf VertrauenswŸrdigkeit der Kirche besitzen? Sollen Eltern riskieren, da§ ihr Kind mi§braucht wird, um des ãNachreifungsprozesses" des Seelsorgers willen? Die heute mšglicherweise wirklich gehŠufteren FŠlle von Kindesmi§brauch durch Kleriker mŸ§ten zum einen in einen brauchbaren Rahmen des Kindesmi§brauches generell eingeordnet und damit relativiert werden, was faktisch unmšglich ist. Ferner sind seine Ursachen in allen FŠllen in einem Zerfall des kulturellen Gestalten zu sehen, die IdentitŠt prŠgen, DER Quelle von IdentitŠtsproblemem heute Ÿberhaupt. Und in der Kirche im Verschwinden ihrer realen Aufgabe fŸr die Gesellschaft. Wozu nicht zuletzt m.E. dieser unselige Mythos einer notwendigen Trennung von Kirche und Staat beigetragen hat, der die Kirche zunehmend všllig auf sich selbst zurŸckwarf (und dessen Wurzeln bereits ins 11. Jhd. ZurŸckreichen) bzw. die Kleriker darin gewisserma§en ãgestaltlos" machte. Das halte ich ganz real fŸr viele Priester nicht lebbar Ð und damit bricht auch oft der Zšlibat. Auf einen primitiven Nenner gebracht: Den Herren ist ãfad" Kindesmi§brauch ist im wesentlichen ein Problem der IdentitŠt bzw. der Persšnlichkeit. Da§ aber darŸber, was diese Begriffe bedeuten, zwischen Frau Perner und der Katholischen Kirche gravierende Unterschiede bestehen, das zeigt der Artikel trotz aller geringen Greifbarkeit. Und insoferne ist er keine relevante Analyse, sondern fŠllt unter die Kategorie ãcuriosita"
4. MŠrz 2002 |
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||