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Die
gro§en StŸcke scheinen ausgedient zu haben. Das
41. Berliner Theatertreffen stand im Zeichen eines
gro§en Umbruchs. Textcluster wie in Elfriede Jelineks
"Das Werk" (Akademietheater Wien) oder
impressionistisch geprŠgte Erinnerungswelten wie
Armin Petras' "We are camera" (Thalia
Theater, Hamburg) ersetzen die klassische dramatische
Literatur. Auch das soziologisch orientierte BegrŠbnis-Spektakel
"deadline" von Rimini Protokoll (Koproduktion
des Deutschen Schauspielhauses mit dem Schauspiel
Hannover, dem Hebbel am Ufer und dem Burgtheater
Wien) verzichtet weitgehend auf Figuren. Die Folge
dieser dramatischen AusdŸnnung ist meist ein spannungsloser
Ablauf der Inszenierung, in der sich RegieeinfŠlle
an RegieeinfŠlle reihen.
Mit
der Abkehr von den gro§en Dramen und Stoffen geht
eine Hinwendung zur kleinen Form einher. Bei diesen
Produktionen, die die Schauspieler-Profession nicht
sonderlich fordern, kann der Zuschauer seine Aufmerksamkeit
treiben lassen und an der einen oder anderen Passage
mehr Interesse finden. Hšchst selten sieht man eine
intensive Durcharbeitung des Konfliktes. Selbst
die BeschŠftigung mit den Riten und Regeln der Bestattung
in "deadline" lŠsst einen mit kalten Augen
auf die sich in ErklŠrungen ergehende Darbietung
blicken.
Auch Alain Platels Tanztheater-Produktion "Wolf"
(Ruhrtriennale, Les Ballets C. Gent, der OpŽra National
de Paris) ist eine bunte Mischung aus Gesang, Tanz,
Akrobatik, langsam einschleichender SentimentalitŠt
und jŠh sich entladender Gewalt. Der Strom treibt
trŠge dahin. Hin und wieder gibt es wundervolle
Arien und Akrobatik-Einlagen, Kšrper-Theater, das
sich aus den TŠnzen Lateinamerikas die Energien
holt.
Es
waren nur Koproduktionen mit gro§en Festivals und
Inszenierungen von Theatern aus den Metropolen zu
sehen. Die "Provinz" kommt nicht mehr
vor. Zu schwach, so die EinschŠtzung, seien dort
die Arbeiten. TatsŠchlich wurde bei HŠndl Klaus'
Petitesse "Wilde - der Mann mit den traurigen
Augen" (steirischer herbst, Schauspiel Hannover),
dem Alptraum einer Verirrung, zu Recht nach der
BegrŸndung der Einladung gefragt: Beim Theatertreffen
ist man ein anderes Niveau gewšhnt.
Bisweilen ging es so forciert komisch zu, dass unter
den Lachsalven alle anderen Emotionen begraben wurden.
In Barbara Freys "Onkel-Wanja"-Bearbeitung
(Bayerischen Staatsschauspiel) lachen die Schauspieler
andauernd Ÿber sich, und als Zuschauer bleibt einem
das Lachen im Halse stecken. Die Figuren sind derma§en
vereinzelt und vereinsamt, dass sie gar keinen Kontakt
mehr zur Umgebung mehr aufnehmen und sich erleichtert
und selbstvergnŸgt in solipsistischen Klamauk flŸchten.
Das 41. Theatertreffen hat auch gezeigt, welcher
Verlust, vielleicht sogar Verfall im schauspielerischen
Bereich stattfindet. Nur in wenigen Ausnahmen -
wie Robert Hunger-BŸhlers Danton in Christoph Marthalers
"Dantons Tod" (ZŸrcher Schauspielhaus)
- wurden Rollen von Anfang bis zum Ende gestaltet.
Oft findet ein Abdriften in ein burleskes Spiel
oder in einen absurden Einfall statt, bei dem als
Erstes die Figur verraten wird. Kurz: Wer am Theater
das Geheimnis von Figuren und das Unbewusste seelischer
VorgŠnge liebt, fŸr den war das Theatertreffen heuer
wenig aufregend. Wer auf Thesen und Themen aus ist,
der wurde reichlich versorgt.
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