DER PARASIT oder: DIE KUNST SEIN GL†CK ZU MACHEN (F. Schiller)

 

Kritik der Inszenierung von Gerhard Werdeker, Theater Spielraum, im Oktober 2003

Der gehobene Schiller"Der Parasit oder: Die Kunst sein GlŸck zu machen" Ð Ein etwas vergessenes, aber gelungen aktualisiertes StŸck im Theater Spielraum

Noch bis 21. November ist das selten gespielte und kaum bekannte StŸck "Der Parasit oder: Die Kunst sein GlŸck zu machen" von Friedrich Schiller in einer Inszenierung von Gerhard Werdeker im Theater Spielraum zu sehen. In diesem hervorragend gebauten und von Werdeker zwar stark, aber mit Blick fŸr das Notwendige gehobenen StŸck, das der Autor zwei Jahre vor seinem Tod nach einer Vorlage von Picard aus dem Franzšsischen Ÿbertrug, entrollt sich vor dem Zuseher ein Lehrspiel der Intrige: Dem kŸhl berechnenden Karrieristen Selicour ist jedes Mittel recht, um beim neuen und im Gegensatz zum vorigen untadeligen Minister Narbonne Eindruck zu machen. RŸcksichtslos bedient er sich dabei nicht nur fremder Federn, sondern schlŠgt mit lucidem Intrigenspiel Konkurrenz wie Mitwisser aus dem Feld. Wobei er geschickt NaivitŠt und SchwŠchen der Narbonnes benutzt. Fast am Ziel Ð der Ernennung zum Gesandten Ð scheint ihm das Schicksal sogar den Minister in die Hand zu geben. Doch nun wird er erkannt und entlarvt sich durch die List des tŸchtigeren, von ihm aber všllig ausgespielten einstigen Freundes La Roche selbst.

 

Wenn auch als Anklage an die Politik deutbar wie meist gedeutet, so zeigt Schiller wie eng verwoben obrigkeitliches Handeln und Charakter sind. Keine Figur wird zur plumpen politischen Aussage, sondern die Leichen am Wegrand grŸnden in den WechselfŠllen einer Welt und des Menschen, die sind wie sie sind: Im Streit zwischen dem Guten, dem Wahren, und der selbstsŸchtigen Unmoral. Zwar geht auch der "Parasit" gut aus, doch bleibt zum Schlu§ die erwachsen-resignierte Aussage: "Das gibt es nur auf der BŸhne."

Die Inszenierung von Werdeker im Theater Spielraum hievt den Klassiker auf eine weitgehend abstrakte Ebene. Trotzdem gelingt es ihr selbst in der stilisierten †berzeichnung durch die Darsteller, die der Commedia Šhnlich Inhalte ausdrŸcklich machen, eindimensionales "Sagen" zu vermeiden. GlaubwŸrdig greift das Spiel auf bekannte Inhalte in den Kšpfen der Zuseher zu, soda§ eine dichte, spannende, in Phasen amŸsante AtmosphŠre entsteht, die Handlung sich flott entrollt und die Charaktere lebendig werden. Fast zum Komšdiantischen extrahiert, wird das vermeintlich Bekannte wieder aktuell. Auch wenn man es heute Mobbing nennt. Nur in den Anfangssequenzen erdrŸckt diese †berzeichnung den Schiller'schen Text, wird die †berfremdung theaterfremd rationalistisch. Mit Fortdauer des StŸcks spielt sich das Ensemble in eine runde, gefŠllige und berŸhrende Aussage, die vom Wesentlichen der Figuren kompakt getragen wird.

Die Schauspieler sind sŠmtlich sehenswert gut, nur mit der Pinzette lЧt sich Mangel finden. Aus den guten Leistungen stechen die beiden Hauptkontrahenten - verkšrpert von Michael Schefts und "…3-JŸrgen" Pfaffinger - noch eine Spur heraus, was aber auch an den Rollen liegt. Nahtlos schlie§en Gunter Matzka als Narbonne (leichte NervositŠtsstimme bei der Premiere), "Madame Belmont" Katharina Kutil (die die Gro§mutter vielleicht etwas "zu jung" spielt, da hŠtte man gleich die Ministersgattin draus machen kšnnen, wŸrde dem Spiel keinen Abbruch tun), Anna Morawetz als tadellose "Charlotte", Kurt Raubal als oft kšstlicher "Firmin" sowie Reinhold Kammerer als dessen Sohn "Karl" (phasenweise leichte sprachliche Unkonzentriertheiten) neben Nicole Metzger als "Robineau" (mu§ noch ein wenig den Ton zur Rolle finden) an.

Dennoch unbedingt zustimmendes Kurzurteil: Im "Theater Spielraum" wird Schiller's "Der Parasit" in einer sehenswerten und kurzweiligen Inszenierung (Regie: G. Werdeker) mit einem phasenweise gro§artigen Ensemble zu einer Parabel Ÿber die Intrige, in der der Zuseher trotz der schauspielerischen †berzeichnung in einem puristischen BŸhnenambiente Wiedererkennung haben darf. Was dieses etwas vergessene StŸck zu einer aktuellen und glaubwŸrdigen Aussage macht.

Der Parasit oder: Die Kunst sein GlŸck zu machen" (F. Schiller) im "Theater Spielraum" Kaiserstra§e 46, 1070 Wien, tŠglich vom 16. Oktober bis 21. November au§er So/Mo, 20.00 sowie am 9 Nov. 17.00 Uhr; Karten: 01 713 04 60 60, "http://www.theaterspielraum.at"

 

 
 
     
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