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Der
gehobene Schiller"Der Parasit oder: Die Kunst sein GlŸck
zu machen" Ð Ein etwas vergessenes, aber gelungen aktualisiertes
StŸck im Theater Spielraum
Noch
bis 21. November ist das selten gespielte und kaum bekannte
StŸck "Der Parasit oder: Die Kunst sein GlŸck zu machen"
von Friedrich Schiller in einer Inszenierung von Gerhard Werdeker
im Theater Spielraum zu sehen. In diesem hervorragend gebauten
und von Werdeker zwar stark, aber mit Blick fŸr das Notwendige
gehobenen StŸck, das der Autor zwei Jahre vor seinem Tod nach
einer Vorlage von Picard aus dem Franzšsischen Ÿbertrug, entrollt
sich vor dem Zuseher ein Lehrspiel der Intrige: Dem kŸhl berechnenden
Karrieristen Selicour ist jedes Mittel recht, um beim neuen
und im Gegensatz zum vorigen untadeligen Minister Narbonne Eindruck
zu machen. RŸcksichtslos bedient er sich dabei nicht nur fremder
Federn, sondern schlŠgt mit lucidem Intrigenspiel Konkurrenz
wie Mitwisser aus dem Feld. Wobei er geschickt NaivitŠt und
SchwŠchen der Narbonnes benutzt. Fast am Ziel Ð der Ernennung
zum Gesandten Ð scheint ihm das Schicksal sogar den Minister
in die Hand zu geben. Doch nun wird er erkannt und entlarvt
sich durch die List des tŸchtigeren, von ihm aber všllig ausgespielten
einstigen Freundes La Roche selbst.
Wenn
auch als Anklage an die Politik deutbar wie meist gedeutet,
so zeigt Schiller wie eng verwoben obrigkeitliches Handeln und
Charakter sind. Keine Figur wird zur plumpen politischen Aussage,
sondern die Leichen am Wegrand grŸnden in den WechselfŠllen
einer Welt und des Menschen, die sind wie sie sind: Im Streit
zwischen dem Guten, dem Wahren, und der selbstsŸchtigen Unmoral.
Zwar geht auch der "Parasit" gut aus, doch bleibt
zum Schlu§ die erwachsen-resignierte Aussage: "Das gibt
es nur auf der BŸhne."
Die
Inszenierung von Werdeker im Theater Spielraum hievt den Klassiker
auf eine weitgehend abstrakte Ebene. Trotzdem gelingt es ihr
selbst in der stilisierten †berzeichnung durch die Darsteller,
die der Commedia Šhnlich Inhalte ausdrŸcklich machen, eindimensionales
"Sagen" zu vermeiden. GlaubwŸrdig greift das Spiel
auf bekannte Inhalte in den Kšpfen der Zuseher zu, soda§ eine
dichte, spannende, in Phasen amŸsante AtmosphŠre entsteht, die
Handlung sich flott entrollt und die Charaktere lebendig werden.
Fast zum Komšdiantischen extrahiert, wird das vermeintlich Bekannte
wieder aktuell. Auch wenn man es heute Mobbing nennt. Nur in
den Anfangssequenzen erdrŸckt diese †berzeichnung den Schiller'schen
Text, wird die †berfremdung theaterfremd rationalistisch. Mit
Fortdauer des StŸcks spielt sich das Ensemble in eine runde,
gefŠllige und berŸhrende Aussage, die vom Wesentlichen der Figuren
kompakt getragen wird.
Die
Schauspieler sind sŠmtlich sehenswert gut, nur mit der Pinzette
lЧt sich Mangel finden. Aus den guten Leistungen stechen die
beiden Hauptkontrahenten - verkšrpert von Michael Schefts und
"…3-JŸrgen" Pfaffinger - noch eine Spur heraus, was
aber auch an den Rollen liegt. Nahtlos schlie§en Gunter Matzka
als Narbonne (leichte NervositŠtsstimme bei der Premiere), "Madame
Belmont" Katharina Kutil (die die Gro§mutter vielleicht
etwas "zu jung" spielt, da hŠtte man gleich die Ministersgattin
draus machen kšnnen, wŸrde dem Spiel keinen Abbruch tun), Anna
Morawetz als tadellose "Charlotte", Kurt Raubal als
oft kšstlicher "Firmin" sowie Reinhold Kammerer als
dessen Sohn "Karl" (phasenweise leichte sprachliche
Unkonzentriertheiten) neben Nicole Metzger als "Robineau"
(mu§ noch ein wenig den Ton zur Rolle finden) an.
Dennoch
unbedingt zustimmendes Kurzurteil: Im "Theater Spielraum"
wird Schiller's "Der Parasit" in einer sehenswerten
und kurzweiligen Inszenierung (Regie: G. Werdeker) mit einem
phasenweise gro§artigen Ensemble zu einer Parabel Ÿber die Intrige,
in der der Zuseher trotz der schauspielerischen †berzeichnung
in einem puristischen BŸhnenambiente Wiedererkennung haben darf.
Was dieses etwas vergessene StŸck zu einer aktuellen und glaubwŸrdigen
Aussage macht.
Der
Parasit oder: Die Kunst sein GlŸck zu machen" (F. Schiller)
im "Theater Spielraum" Kaiserstra§e 46, 1070 Wien,
tŠglich vom 16. Oktober bis 21. November au§er So/Mo, 20.00
sowie am 9 Nov. 17.00 Uhr; Karten: 01 713 04 60 60, "http://www.theaterspielraum.at"
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