Kurzinhalt Leserreaktionen

Zum Buch - HELENA oder: Das Gute ist was bleibt

von Eberhard Wagner 

Roman von Eberhard WagnerAnhand der Titelfigur wird gezeigt, wie die geschichtliche schicksalshafte Einbindung in die Zeit in einer Entfremdung zur heutigen Gedankenwelt steht. Niemand beginnt bei Null, er wird mit einer Richtung (einem inkarnierten Willen) geboren, zu der er sich aber verhalten kann und mu§. Helena wird in der Kindheit mi§braucht, erlebt dem Leben hilflos und unzufrieden gegenŸberstehende Eltern, und versucht einen Lebensentwurf zu verwirklichen, in dem sie ihr "Ich" von ihrer fleischlichen PrŠsenz und Gebundenheit abkoppelt. So vermag sie sich unbewu§t der LebensmŸhe zu entledigen. Daraus ersteht ihre Interpretation von Freiheit, innerhalb deren nur partielle und "beherschbare" befriedigende LebensgefŸhle gesucht werden. Unangenehmes wird eliminiert, was zur všlligen Isolation fŸhrt. Doch der sich Recht verschaffende, im Fleisch Gestalt und Wille gewordene menschliche Grund meldet sich ...

Immer mehr drŠngt es sie nach Einbindung in ihre Umwelt. Instinktiv sucht sie Alternativen und wirft sich in die erstbeste Beziehung, die sich ihr anbietet. Im Verlobten ihrer Schwester, der - selber ein "verlorener" Mensch, der sich angstvoll an eine kŸnstliche IdentitŠt kettet - an ihr seine unbenennbaren Aggressionen und Frustrationen auslebt.

Die Beziehung, der sie sich wie zufŠllig ausliefert, weil sie alles lieber mšchte als in ihrem isolierten Zustand zu verharren, bringt fŸr sie jedoch den Absturz in tiefste DemŸtigung ... erst die brutale Zerschlagung aller DaseinsentwŸrfe weist sie auf den funkenhaften Ursprung ihrer Existenz zurŸck, auf dem sie neu aufbauen und zu einem ganzen Menschen werden kann.

Eine Šhnliche Entwicklung geht ihre Mutter durch. WŠhrend ihr Vater zwar das Problembewu§tsein lŠngst hatte, doch aus Furcht und SchwŠche und unbewŠltigter Schuld nie zum Handeln durchbrach. Er, als KŸnstler begabt, was sich aus den Bedingungen seines Heranwachsens aber nicht im Werk wirklichte, findet keine Antwort auf sein innerstes Erfassen der entgegentretenden Welt. Dadurch gelangt er in eine Situation, die sein ganzes ahnendes Wissen in Widerspruch zu den vorgefundenen Interpretationen der Fakten der Welt bringt. Durch Schuld und trŠge Gewohnheit gibt er diese Begabung zur Wahrheit und damit Freiheit preis, gelangt somit nie zu authentischem Handeln.

Ebenso, wenn auch intellektuell hoffnungsvoll gefa§t, der wahre Verehrer von Helena, Bernhard. Nur langsam erwacht er zu noch unbeholfenem Handeln, bleibt solange aber Spielball eines sich bahnbrechenden Schicksals, das als Tangente des "herrenlosen" Fleisches interpretiert wird. Und letztlich doch dem Leben Bahn bricht, wenn auch auf schmerzvolle Weise: Leid als Lebensmeister schlechthin.

Der phasenweise sehr realistische Text versucht eine Katharsis jener VorgŠnge, die die Kraft des Menschen zur Wahrnahme des Eros der Welt in ziellose, ungeordnete sexuelle Phantasie und Voluntarismus abdrŠngt. Dies aufgrund mangelnder authentischer Wirklichkeitsfundierung der Gedanken (Stichwort: Gesunder Menschenverstand), die den Menschen zu einer quasi-phantastischen LebensfŸhrung - wie heute - verdammen. Es fehlt ihm durch gesellschatliche Auflšsungsprozesse die Ausgewogenheit, die alleine ihn gewichten lŠ§t, er wird zum Opfer des jeweilig kurzfristig Entgegentretenden. Philosophisch ausformuliert: "Die Rolle des Sentiments in der Bildung des Moralen." Die Gegenwart des Wahrnehmens der Menschen stellt sich vielfach als gewaltsamer Rationalismus dar. Mit Hilfe von emotiven Bindungen an Imperative, die in "gewŸnschten Bildern von Zielen" eingeflochten sind, erfolgt ein entsprechendes Filtern der Wortwerdung der sinnlichen EindrŸcke. Im Menschen entstehen somit zwei Gedankenwelten, deren eine aber nur zum Wort kommt, er lebt in Spaltung.

Aus diesem Grunde finden sich in "Helena" vielfache Reflexionen, die das Denken des Lesers dahingehend befreien wollen, als die Bereitschaft zur RealitŠtsbegegnung hergestellt und damit der Weg zur Katharsis geebnet werden soll. Eine tragische Notwendigkeit dieser Zeit, in der die Menschen durch absichthafte Entfremdung gewaltsam herangetragener Ideologien die Wirklichkeit nicht mehr interpretieren kšnnen, weil sie es nicht mehr dŸrfen (ein Vorgang, den man auf anderer Ebene als "political correctness" bezeichnet.) In dieser Situation wird ihre bewu§e LebensfŸhrung zur AnhŠufung von TrivialitŠt, Geschichte zur vektoriellen Wirkung stummen Seins, der man sich ausgeliefert fŸhlt und die als blinder Zufall erlebt wird.

 

 
     
johannes
darstellung
ambrosius
sprache
EBERHARD
stimme
WAGNER
©
wort
   
 
Home  
   
 
         
         
Der Albatros ARS ACTU - Verein zur Fšrderung der KŸnste