|
†ber den
Schauspieler - Teil 1
|
Einige
der auf dieser Seite ausgestellten Texte sind einer mehrwšchigen
und intensiven Korrespondenz mit dem Regiesassistenten, Schriftsteller
und Schauspieler Albert FECHS, Wien, entnommen. |
2002
(A. Fechs) ... zum kŸnstlerischen prozess: es ist in unserer
gesellschaft immer problematisch, wenn man von jemanden mehr verlangt,
als nur blo§es funktionieren. und genau das ist auch ein problem
mit der engen definition des schauspiels. um mehr als eine reproduktion
der idee des schriftstellers zu sein, mu§ man auch mehr in der rolle
suchen als einem vorgegeben wird. natŸrlich wird umso eniger
rŸckhalt da ist die unsicherheit grš§er und damit auch die verunsicherung.
etwas, das fŸr einen schauspieler sehr, sehr anstrengend ist ...
(Aus der Antwort von E. Wagner:) ... Was sagst Du zu der Aussage
z.B. eines Balser, der meinte, alle Momente zusammengerechnet, wo
er in seinem Leben auf der BŸhne Kunst gemacht hŠtte, kŠme er auf
eine Viertelstunde? (Ich bin mir darŸber aber nicht gar so sicher,
treffe bei mir aber sicher auch auf andere Gegebenheiten, da ich
ja mehrfache AusŸbungen betreibe bzw. mir einbilde, dafŸr begabt
zu sein.)
Ich meine zwar, da§ recht eigentlich alle KŸnste auf eine Weise
gleich sind, alle KŸnstler auf eine
Weise dieselben (schematisch gedacht) Prozesse ausfŸhren bzw. an
solchen teilhaben, aber da§
es doch in den KŸnsten was die AusŸbung betrifft eine Unterscheidung
gibt. Selbst wenn
der Schauspieler z.B. die Rolle entwirft, so ist er in dem einen
Schriftsteller, in dem anderen Schauspieler. FŸr beides auch ist
die Technik, das Handwerkszeug unterschiedlich. Und zwar v.a.
ist die Quellkunst, die allumfassendste der TeilkŸnste, die Literatur,
vom Schauspiel eben hinsichtlich Weite unterschieden.
†brigens bin ich auch der Auffassung, da§ nicht jeder, der eine
Kunst ausŸbt (das trifft v.a. beim Schauspiel zu) auch KŸnstler
IST. Und da§ man das auch nicht wirklich lernen kann, sondern da§
es eine Begabung, eine Berufung ist. Der KŸnstler unterscheidet
sich vom Nicht-KŸnstler wesentlich. Auch da macht die Problematik
des Arbeitens mit Laien nicht geringer. Schauspiel im besonderen
hat nach meinem Verstehen mit Persšnlichkeitserweiterung zu tun,
ist rein €u§erlich vom gelebten Alltag nicht zu unterscheiden. Nicht
die TŠtigkeit unterscheidet den KŸnstler vom Laien, sondern die
Haltung, die wesensmЧige Stellung dazu ... |
2002
Probenbesprechung "Einer flog Ÿber das Kuckucksnest" (Regie:
K. Wozek)
... Konzeptlosigkeit mit GenialitŠt oder KreativitŠt zu verwechseln
ist ein Fehler, den sich Regisseure oft genug zunutze macht, weil
das Nicht-Verstandene an sich beim Betrachter AutoritŠt wie fordert.
|
1983
... wird die Bedeutung des Umgebenden (vom BŸhnenbild
bis zu winzigsten Requisiten) fŸr den Schauspieler heute bei weitem
unter- und das Verbale, Deskriptive weit ŸberschŠtzt. Denn auch
im Leben ist es so, da§ das, was ein Mensch ist, von dem ausgehend
beleuchtet wird, in welchem Rahmen (hier kann man das Wort "Behauptung"
verwenden) es zu sehen ist. Und der erschlie§t sich aus allem Konkreten
in der Umgebung. Das Theater ist eine Nachbildung der Welt, ganz
einfach, der Kosmos.
|
Soll
ein Schauspieler "an sich" Ÿberhaupt denken? Oder ...
wie ein Maler, eben nicht ...?
Spielen
kann man nur etwas, das mit der Idee des StŸcks direkt und im Handeln
zu tun hat. Von Leuten, die in die Handlung gar nicht eingebunden
sind, oder nur schlecht - wie Deine Rolle - gro§artiges Spiel zu
verlangen ist Zynismus und widerspricht der schauspielerischen Grundregel
der BŸhnenprŠsenz, der Wachheit. Der StŸckeschreiber mu§ seine Komposition
auf die Fabel hinorientieren, alle mŸssen damit zu tun haben, sonst
wird alles nur langweilig und zerdehnt, bestenfalls fŸr GutmŸtige
noch "interessant." |
Da
Vernunft Ausdruck des †bereinstehens mit der Wirklichkeit ist die
sich als hinter den Dingen stehend aufdrŠngt ist sie auch Gradmesser
des Bestands von etwas. Jeder Kunstgriff zu Manipulation und Verwirrung,
IrrationalitŠt ist somit nur begrenzt mšglich. €hnlich was die Betrachterseite
anbelangt: Man braucht u.U. lange, um Sinnlosigkeit zu erkennen,
denn erst mal ist sie ja AutoritŠt, die man einfach mal aufnimmt
oder interessant findet. Aber mit der Zeit erfa§t man die abstrakten,
dahinterstehenden, allgemeinen und damit je nachdem universal aussagenden
Strukturen doch, und dann kann man urteilen. |
...
sagen wir halt was Politisches, das klingt immer gut und so bedeutungsschwanger,
und macht den Inszenierenden so wichtig im Konzert der Szenemacher,
die alle ja dasselbe Problem haben. Und man steht dann da und sieht
sich plštzlich (als Schauspieler) aufs Gršbste mi§braucht. Ich spiel
doch nicht, weil ich gegen oder fŸr irgendwas protestiere!? Ich
spiel der Kunst wegen, aus, punktum. Wenn jemand aus der wahren
Darstellung erkennend was rausnimmt ist das sein Kaffee, politischer
kann man als Schauspieler nicht sein als mit der gestaltgewordenen
Wahrheit, der mu§ ich kein Schild mehr umhŠngen und alle zu einer
Aussage quasi zwingen, die ich zu entnehmen hŠtte. Wo ist da die
Demut vor dem Zuschauer, vor seiner eigenen Wahrnehmung? Jeder Mensch
mu§ doch das Recht, das grundlegende Recht auf eigene Ansichten
haben? |
|