|
Zu Schauspiel und Theater - Teil 2 |
| |
Begegnungen in Wien - Nachttour 1 im Juni 2002
Zur Persšnlichkeit:
Der Schauspieler vollzieht mit dem Anziehen der Rolle dasselbe
wie der Mensch im Leben. Aber er hat innerlich dazu Distanz, sonst
kann er nicht gestalten sondern wird gestaltet. Was fŸr den Menschen
drau§en pathologisch ist, ist seine Begabung. Sein Fleisch ist
Wachs, etwas in ihm steht wie eine Glasršhre, die beobachtet und
abstrahiert. So kann er zum KŸnstler werden.
|
"Es
kommt halt das GlŸck auf einmal oft dick ..." Lumpazivagabundus
"Arena" 2001, Melodien der Couplets von Eberhard Wagner
Ich halte das Theater fŸr noch mehr in der Krise als gemeiniglich
schon geglaubt wird. Und ich halte es fŸr eine Krise der Literatur.
Es bleibt mir heute dort, wo es noch in die Zeit hineinspricht,
zu sehr im Faktischen stecken. Als fŠnden die Schreiberlinge keinen
Ausweg mehr, sŠhen nicht mehr die Bewegungen unter den OberflŠchenschŠumen.
|
Der
KŸnstler hat aber kein Archetyp
Film:
Vom Erkennen zum Wissen braucht es den Sinnhorizont. Und den kann
der Film noch deutlicher herstellen, weil er universaler den Kosmos
nachbilden kann, weniger wortzentriert ist als das Theater. Das
gibt ihm mehr Macht, aber auch mehr AnfŠlligkeit fŸr Manipulation.
|
Eberhard
Wagner als Brighella
Goethe sagt einmal in Dichtung und Wahrheit: "Der entscheidende
Moment war, als ich erkannte, da§ der KŸnstler aus seiner Natur
heraus schafft."
|
Der
Nicht-Geliebte versucht sich selbst zu explizieren, ausdrŸcklich
zu machen, damit er - als Erkannter - geliebt werden kann. Der KŸnstler
mu§ sich lieben wie kein anderer. Die Rolle ist fŸr den Schauspieler
ein wirklicher Lebensersatz, wenn sie gut ist. Der Schauspieler
kann im Spiel wahrhaftige Reifung aufnehmen, indem er die Neurose,
die jede Rolle fŸr ihn ist, Ÿberwindet. Wie in jeder kŸnstlerischen
Entwicklung ist sein Ziel UniversalitŠt, er mu§ alles in scih aufnehmen
kšnnen und schlie§lich fleischlich gemacht haben. Wie aus einer
Bibliothek holt er dann die Figuren heraus, indem er sich vom Licht
anstrahlen lЧt Ð sie blitzen dann auf, wenn er von Text und Handlung
sich fŸhren lЧt. |
|