Zu Schauspiel und Theater - Teil 2
 

Begegnungen in Wien - Nachttour 1 im  Juni 2002

Zur Persšnlichkeit: Der Schauspieler vollzieht mit dem Anziehen der Rolle dasselbe wie der Mensch im Leben. Aber er hat innerlich dazu Distanz, sonst kann er nicht gestalten sondern wird gestaltet. Was fŸr den Menschen drau§en pathologisch ist, ist seine Begabung. Sein Fleisch ist Wachs, etwas in ihm steht wie eine Glasršhre, die beobachtet und abstrahiert. So kann er zum KŸnstler werden.

Eberhard Wagner als "Leim" in Lumpazivagabundus (Nestroy), Arena, Wien, Dez. 2001, Szene mit Gunter Matzka und Christian Korcijan"Es kommt halt das GlŸck auf einmal oft dick ..." Lumpazivagabundus "Arena" 2001, Melodien der Couplets von Eberhard Wagner


Ich halte das Theater fŸr noch mehr in der Krise als gemeiniglich schon geglaubt wird. Und ich halte es fŸr eine Krise der Literatur. Es bleibt mir heute dort, wo es noch in die Zeit hineinspricht, zu sehr im Faktischen stecken. Als fŠnden die Schreiberlinge keinen Ausweg mehr, sŠhen nicht mehr die Bewegungen unter den OberflŠchenschŠumen.
 

Nachttour_Wien_2002_(Foto:_Alex_…hlinger)Der KŸnstler hat aber kein Archetyp

Film: Vom Erkennen zum Wissen braucht es den Sinnhorizont. Und den kann der Film noch deutlicher herstellen, weil er universaler den Kosmos nachbilden kann, weniger wortzentriert ist als das Theater. Das gibt ihm mehr Macht, aber auch mehr AnfŠlligkeit fŸr Manipulation.

Der_Luegner_Floridsdorf_2002Eberhard Wagner als Brighella


Goethe sagt einmal in Dichtung und Wahrheit: "Der entscheidende Moment war, als ich erkannte, da§ der KŸnstler aus seiner Natur heraus schafft." 

Robert Ritter als Der Nicht-Geliebte versucht sich selbst zu explizieren, ausdrŸcklich zu machen, damit er - als Erkannter - geliebt werden kann. Der KŸnstler mu§ sich lieben wie kein anderer. Die Rolle ist fŸr den Schauspieler ein wirklicher Lebensersatz, wenn sie gut ist. Der Schauspieler kann im Spiel wahrhaftige Reifung aufnehmen, indem er die Neurose, die jede Rolle fŸr ihn ist, Ÿberwindet. Wie in jeder kŸnstlerischen Entwicklung ist sein Ziel UniversalitŠt, er mu§ alles in scih aufnehmen kšnnen und schlie§lich fleischlich gemacht haben. Wie aus einer Bibliothek holt er dann die Figuren heraus, indem er sich vom Licht anstrahlen lЧt Ð sie blitzen dann auf, wenn er von Text und Handlung sich fŸhren lЧt. 
 
 
     
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