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†ber den Schauspieler - Teil 4
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| "Schauspiel
und Interpretationshorizont" - EmotionalitŠt und BŸhne (29.01.2003)
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| †ber
Aussage und Geschichten |
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| "Ich
habe meine Uhr dort drŸben gekauft."
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"Und
Sie haben wirklich Ihre Frau umgebracht?"
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"Mach die TŸr zu, es zieht!"
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Und
alle male "perfekt" gespielt, und immer wird eine Geschichte
erzŠhlt. Beispiele wie die angefŸhrten lie§en sich beliebig wiederholen.
UnabhŠngig von dem hier wie immer bereits gegebenen Horizont durch
KostŸm und Umgebung. |
"Aber
ich liebe Dich doch!" |
Die Bedeutung einer Aussage, eines Spiels auf der BŸhne ist abhŠngig
vom Interpretationshorizont, der vorgegeben wird. Vielfach wird
heute eine Art von Schauspiel vom Akteur verlangt, die eine situationslose
Hervorbringung von "Emotion" verlangt. Das ist Unsinn,
denn die FŠhigkeit des Darstellers, solche Anforderungen zu erfŸllen,
wird von einer erkennbaren oder nicht-erkennbaren FŸlle von Deutungshorizonten
bestimmt. |
| "Ich
habe noch nie so gelacht, das kannst du mir glauben!"
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"...Haatschi!" |
"Gšrg
ist tot! Mein armer Gšrg!"
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Aufgegangen
ist mir die Bedeutung des Gesamthorizonts und der Handlung in ihrem
geschichtlichen Fortschritt fŸr eine schauspielerische Aussage anhand
von Plakaten einer Versicherung. Die dasselbe tat wie ich hier tue:
Ein Bild mit je einer anderen Unterschrift. Und siehe da: Es erzŠhlte
sich jedesmal eine andere Geschichte! |
Die
somit unsinnige PhŠnomenologisierung von Emotionen verbildet den
Schauspieler. Sie lehrt ihn Emotionen unabhŠngig von einem Insgesamt,
von der Person die es dazustellen gilt usw. "an sich"
darzustellen. Damit wird dem Spiel seine Lebendigkeit genommen,
der darzustellenden Figur die KomplexitŠt die jede Person hat, ja
die Figur selbst wird zu einem Zufallsprodukt. Emotion wird verflacht,
ihrer vielfachen Eingebettetheit in das Leben und seine VollzŸge
und Mšglichkeiten beraubt. |
Gespielt
war Gštz v. Berlechingen: "Es kommen die Zeiten des Betruges,
es ist ihm Freiheit gegeben!" |
Satt
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"Auf
der Flucht vor dem Hai." |
Mich
friert! |
"Ich
habe alle die Gro§en auf den BŸhnen gesehen. Da sah ich, da§ sie
nichts machten. Sie sprachen nur ihren Text." (H. RŸhmann) |
| Als
Ursache fŸr diese beobachtbare Entwicklung sehe ich zum einen eine
hŠufige SchwŠche der literarischen Vorgaben insbesonders der zeitgenšssischen
Literatur. Zum anderen mangelndes VerstŠndnis von Literatur (hŠufig
bei Klassikern zu beobachten, deren geistiger Hintergrund oft genug
nicht mehr verstanden wird) durch die Regisseure und Dramaturgen.
Also versucht man Inhaltsleere durch punktuelle Interessantheiten
zu fŸllen. HŠufig wird das Schauspiel zur Sache an sich, also eine
inhaltsleere Produktion von Nichts. Fast immer aber wird der Darstellung
ihr mšglicher Facettenreichtum genommen.
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| Ganz
offen formuliert aber sehe ich auch vielfach den Grund darin, da§
Schauspiel und Persšnlichkeit untrennbar sind. Mario Adorf hat einmal
in einem Interview gesagt: "Ich kann nur spielen, was ich gesehen
habe." Es ist aber noch mehr als das: "... was ich verinnerlicht
habe!" Der Darsteller kann nur darstellen, was in ihm als Figur
mšglich ist.
Das
macht ihn zum einen zum "Gott" (dem "Alles-Hervorbringer")
- in dem Sinne als der KŸnstler zur UniversalitŠt berufen ist. (Was
den Schauspieler noch immer nicht zum KŸnstler, aber zum Medium
fŸr Kunst macht. KŸnstlertum hat andere Bedingungen, die von der
TŠtigkeit unabhŠngig bzw. eine andere Kategorie sind.)
Mangelnde
Persšnlichkeitskraft aber - auch das ist heute zu beobachten als
Mangel an Selbststand. Das kann aber keine Ausbildung noch sonst
etwas ersetzen, das kann nur das Leben (und die Rolle im Handeln,
im Text etc.) ausformen. |
| Welche
Geschichte zu diesem Bild der Fische ist in Ihrem Kopf noch mšglich?
Gewi§ unzŠhlige ... Ist deshalb keine Aussage auf der BŸhne mehr
mšglich, weil in jedem Zuseher die Interpretation anders ist?
NEIN.
Das trŠfe nur dann zu, wenn es KEINE Gemeinsamkeiten und damit AllgemeingŸltigkeiten
unter den Menschen gŠbe. Und das trŠfe nur dann zu, wenn NICHT die
au§enliegende Gestalt, das Seiende als Teilhabendes am Sein, als
Objekt der Erkenntnis gesehen wŸrde. Und das trŠfe nur dann zu,
wenn sich ein Ding nicht aus sich selbst heraus definierte, also
IdentitŠt hŠtte, sondern nur "durch" das andere.
Aber
egal, wer eine Vase zu Boden wirft, und was sie fŸr den Einzelnen
auch sein mag, das Ergebnis ist in allen FŠllen grundsŠtzlich dasselbe.
Wenn auch der eine dafŸr gerŸgt, der andere bewundert wird. Egal
aber wie damit umgegangen wird: Bestimmte objektive Gegebenheiten
mŸssen alle Seiten berŸcksichtigen.
Schon
die nŠchsten Taten (oder Worte) der Fische oder ihrer Umgebung (das
Auftauchen eines Haies) werden nur noch bestimmte (und immer eingeschrŠnktere)
Interpretationen mšglich machen. |
| Das
Wesen des Schauspiels ist die Kraft, in Welten, Situationen mit
konkreten Dingen rund um sich abzutauchen, dort zu leben. Es ist
die Bewegung, die eine Emotion auslšst. Und es ist der Gedanke,
der Geist, der eine Bewegung motiviert. Da stimme ich mit Stanislavsky
Ÿberein. |