ARS
ACTU Ð VEREIN ZUR F…RDERUNG DER K†NSTE |
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| 1.
teil - theater + theorie |
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THEATER IST KULT UND DAMIT CONDITIO HUMANAE |
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KULT ALS ORT DER REGENERATION DER LEBENSGRUNDLAGEN. |
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DIE SUCHE NACH REFORM IST AUCH EINE SUCHE NACH BESTEHENDEN
UND OFT NICHT GEN†GEND WIEDERENTDECKTEN WEIL TRANSFORMIERTEN
FORMEN DES KULTS. |
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ARS ACTU ARBEITET AN EINER GANZHEITLICHEN THEATERTHEORIE. |
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DIE FRAGE DER PUBLIKUMSREZEPTION IST AUCH EINE FRAGE DER
ZIELGRUPPENRELEVANZ
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| EINLEITUNG |
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Die
vorhandene Theaterstudie des Kulturreferats der Stadt Wien
erfasst hinreichend die meisten spezifischen PhŠnomene, die
NeuansŠtze mancher Theaterarbeit als notwendig erscheinen
lassen. ARS ACTU trifft sich in fast allen Aussagen Ÿber die
Situation des Theaters mit deren Ergebnissen. Der Bedeutungsverlust
des Theaters ist offensichtlich, und wŸrde man eine Umfrage
abhalten, was die Menschen (hierzulande) noch von Kunst und
Theater erwarten, wŠre das Ergebnis vermutlich noch ernŸchternder
als nackte Zahlen es belegen. Denn das Theater hochzuschŠtzen
ist als quasi konservativistischer Imperativ eines ãGesolltenÒ
vermutlich immer noch stŠrker als der Mut zum Realismus.
Nun kšnnte man die Frage stellen, ob Theater als Kunstform
Ÿberholt, mit den kulturellen VerŠnderungen obsolet geworden,
vielleicht vom Film (und der Rolle der Medien) einerseits,
vom Event (bzw. dem vordergrŸndig erlebniszentrierten Happening)
anderseits abgelšst ist. Oder ob seine Funktion in therapieŠhnlicher
Gestalt lŠge. |
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Dies
berŸhrt sehr grundsŠtzliche Fragen, die nur Ÿber eine Auseinandersetzung
mit der Anthropologie, der Metaphysik, der Philosophie zu
beantworten sind, will man nicht in trotzig-romantischem oder
gar tragischem ães kann nicht sein was nicht sein darfÒ verharren.
Kommt man dabei zu einer Antwort werden Teilgebiete wie Psychologie,
PŠdagogik, der Kunst- und Kulturgeschichte, ja der Theologie
- denn das Theater entstammt dem Kult bzw. ist diesem untrennbar
verwandt - bis hin zur Politik zu Kriteriendisziplinen, die
der Frage nach Prinzipien wie de Umsetzung dienen. |
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ARS
ACTU sieht das Theater als begrŸndbar nicht Ÿberholt, weil
(den Kult) im Wesen des Menschen verankert. Wenn es also zu
ãKrisenerscheinungenÒ kommt so muss das anderswo begrŸndet
liegen als im Theater grundsŠtzlich. Das es nicht neu zu erfinden,
sondern in seiner eigentlichen Grundlage wieder zu entdecken,
in seiner aktuellen Rolle und Gestalt zu finden gilt. Ohne
sich selbst zu verlieren. |
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So
ist das gedankliche Feld von ARS ACTU angerissen, was zu stŠndig
erweiterten Definitionen seiner AnsprŸche gefŸhrt hat bzw.
in einer weiteren Aufarbeitung auch im Experiment, das jede
AktivitŠt darstellt, fŸhrt. Und aus dieser theoretischen Arbeit
heraus sucht und findet ARS ACTU Wege, deren nŠchste, schwerpunktmЧig
gesetzte Zielrichtungen sich schlagwortartig beschreiben lassen: |
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| HERAUSL…SEN
AUS ERSTARRTHEIT |
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Wir
leben in einer Kultur der Zweitwirklichkeit. †berschwemmt
von Information fehlt der originŠre, aperzeptive Zugang zur
Welt, und speziell zu einer Aussage am Theater. Sei es im
experimentellen Bereich, sei es im ãkonventionellenÒ Theater
erstickt kŸnstlerische Aussage in den Vorstellungswelten der
Zuseher wie der KŸnstler. Der erlebensmЧige Zugang zum stets
gegenwŠrtigen Ereignis auf der BŸhne fehlt. Dieser Verlust
der AutoritŠt des ãanderenÒ, unter dem der (wie heute fast
jeder) Erkenntnisgegenstand leidet, und der auf dem Zerfall
klar definierter, mit dem eigenen Erleben verwurzelter Hierarchien
fu§t, ist nicht per Dekret wieder herstellbar. |
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IN
JEDEM FALL MUSS THEATER ABER IN DER ERLEBNISWELT DER ZUSCHAUER
ANSETZEN, eine Exposition der Identifikation ist unverzichtbar.
Und muss dabei geschickt mit jenen Konventionen arbeiten,
die heute vorausgesetzt werden kšnnen, was oft eine Frage
des StŸcks wie der Zielgruppen ist. Eine Definition des Theaters
als ãZelebration eines Attributs der BŸrgerlichkeitÒ ist klarerweise
nicht ausreichend. Die entscheidende Frage zeitgenšssischen
Theaters aber ist, WAS aktuelle Konventionen sind. Und hier
kommt ARS ACTU zu sehr eigenen SchlŸssen. |
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| ZIELGRUPPENGENAUIGKEIT |
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Jedes
TheaterstŸck, jede darstellerische Darbietung wendet sich
an ein bestimmtes Publikum und bestimmte Erwartungen. Das
kann zum einen bisherige, bekannte SpielstŠtten sinnvoll erscheinen
lassen. WESENTLICH ABER ERSCHEINT ARS ACTU DAS DEFINIEREN
NEUER SPIELR€UME. OHNE das Theater (als ãkultische VeranstaltungÒ,
als Fest) seiner selbst zu berauben. So kann nicht ãneuesÒ,
sondern ãeigentlich angesprochenesÒ Publikum aquiriert werden.
Aus dieser †berlegung heraus hat ARS ACTU z. B. begonnen,
Produktionen an Obdachlosenheime (in einem StŸck Ÿber Obdachlosigkeit),
Gemeindebauten (in einem StŸck Ÿber Arbeitswelt) anzubieten
und dort auch aufzufŸhren. Und die Reaktionen bestŠtigen alle
diese AnsŠtze. |
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| KUNST
WIRD NICHT ALS DAS VERSTANDEN, DAS MIT EINEM NICHTS ZU TUN HAT
Ð SONDERN ALS ABSTRAHIERUNG DESSEN, WAS MIT EINEM ZU TUN HAT.
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Der
Gedanke wird sukzessive ausgebaut. Auch dazu einige Schlagworte,
hinter denen sich ausgeprŠgte †berlegungen (s. u.: Theoretische
Arbeit) ãverbergenÒ: Inhaltlicher Ansatz im Lebensumfeld der
Menschen; Theater das nie direkt politisch (auch wenn jede
LebensŠu§erung immanent politisch ist) sondern das aller Politik
grundlegende Menschliche aufgreift und damit universell identifikabel
ist. |
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| UNTERHALTUNG |
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| ARS
ACTU LEHNT EINE UMFORMUNG DES THEATERS ZU EINEM ãEVENT DER BELIEBIGKEITÒ
AB. |
Umgekehrt bedeutet es fŸr den Menschen in der Arbeits- und
Medienwelt heute oft †berforderung, ihn abends intellektuell
zu Ÿberfrachten. THEATER, KUNST MUSS SPIEL BLEIBEN. Respekt
vor dem Publikum ist eine der Maxime der Arbeit von ARS ACTU.
Ohne die Wahrhaftigkeit zu verletzen. Aber ARS ACTU sieht
sich nicht als moralischer Zeigefinger, der den Menschen zu
zeigen hŠtte, wie schlecht sie sind. Deshalb finden sich in
allen Arbeiten von ARS ACTU die Mšglichkeiten, die Produktionen
auch als Unterhaltung zu betrachten. Der Humor spielt deshalb
eine gro§e Rolle. Nie soll die Freiheit des Zuschauers angetastet
werden, er soll sich jederzeit auch distanzieren kšnnen. Umgekehrt
nimmt sich ARS ACTU nicht ãtierisch ernst.Ò Deshalb finden
sich auch in allen Produktionen mindestens zwei Deutungsebenen,
die aber ihre Grundlage in der narrativen Form haben. |
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| ZEITGEM€§HEIT |
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ARS ACTU sieht den Sinn des Theaters selbstverstŠndlich in
ZeitgemЧheit. Es produziert deshalb (derzeit) NUR URAUFF†HRUNGEN
ZEITGEN…SSISCHER AUTOREN. Damit wird die AktualitŠt der Themenstellungen
gewahrt. Dies ist nicht auf die Vereinsproponenten beschrŠnkt,
auch wenn es derzeit aus rein faktischem Gemengelage (noch)
so ist.
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| PROFESSIONALIT€T |
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| Auch
wenn sich ARS ACTU als Off-Theater versteht, so lehnt es die
Vermengung dieses Begriffs mit ãAmateurhaftigkeitÒ ab. Leider
musste bisher aus finanziellen GrŸnden mancher Kompromiss eingegangen
werden, was insofern akzeptiert wurde, als manche Form noch
selbst ausgetestet werden sollte, wieweit sie ihrem Selbstanspruch
gerecht wird. Diese Phase wurde mit der VereinsgrŸndung abgeschlossen.
IN ORGANISATION, MARKETING, REGIE, DRAMATURGIE, TECHNISCHER
KOMPETENZ ETC. ETC. VERF†GT ARS ACTU IN SEINEN DERZEITIGEN PROPONENTEN
(SIEHE KURZVITEN) †BER BEACHTLICHE KAPAZIT€T AUF ALLEN EBENEN.
Dem widerspricht NICHT, dass zumindest mittelfristig ARS ACTU
das Ziel hat, den Besuch einer seiner Veranstaltungen KOSTENLOS
fŸr den Zuschauer zu gestalten. Die Kosten, die auch eine ausreichende
LebensfŸhrung der Proponenten gewŠhrleisten mŸssen, soll nur
ein Veranstalter tragen. Das hat weniger soziale (wenn es auch
im Fall Obdachlosenheim logisch ist) als theoretische †berlegungen
zur Grundlage: |
KUNST IST KEINE ãKONSUMWAREÒ, AN DIE ICH ALS K€UFER VERRECHTETE
BEFRIEDIGUNGSANSPR†CHE STELLEN KANN.THEATER ALS GESAMTKUNSTWERK |
Im Theater bŸndeln sich sŠmtliche TeilkŸnste, die in einem
unauflšslichen, aber so ganzheitlich-hierarchischen VerhŠltnis
zueinander stehen, dass es ãReduktionismus an sichÒ Ÿberhaupt
nicht gibt: Jedes Element hat seine Aussage, man muss also
damit umgehen. So sehr alle KŸnste sich aus einer Quelle speisen,
ist ihre Aussage spezifisch. Von der Literatur Ÿber Schauspiel,
Gesang und Musik, Architektur (BŸhnenbild und Licht), Regie
als Hebamme einer Gesamtgestalt (und somit der Regisseur als
Bildhauer einer Aussage, nur insofern als deren Hervorbringer,
eine Absage also an das Regietheater), Raum an sich (mit der
Grundaussage: Es gibt keinen ãleerenÒ Raum, jeder Raum hat
einen Aussagewillen weil er von einer Gestaltwerdung nie getrennt
werden kann Ð ein Ansatz der in der SpielstŠttenfrage bedeutend
wird).
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KEIN TEIL DARF SICH DESHALB ZUUNGUNSTEN DER GESAMTAUSSAGE
IN DEN VORDERGRUND SPIELEN, EBENSO KEIN TEIL ALS REPARATUR
EINER SCHW€CHE EINER DRAMATURGIE (DIE DEN DIREKTESTEN BEZUG
ZU AUSSAGE UND MENSCH DARSTELLT) MISSBRAUCHT WERDEN. |
| Dies
betrifft auch und vor allem die Arbeit mit dem Schauspieler. |
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| DIE
FRAGE DER SPIELST€TTE |
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Aus
den bisherigen Erfahrungen heraus wurde diese Frage neu durchdacht
und bewertet. HinkŸnftig wŠhlt, bestimmt und Ÿbernimmt ARS
ACTU eine SpielstŠtte im Rahmen der Gesamtaussage seiner Produktionen
bewusster als bisher bzw. hat diese Frage im Zusammenhang
mit den Ÿbrigen Fragenstellungen neu begriffen. ARS ACTU ãlehntÒ
keine der derzeitigen SpielstŠtten Wiens ab, sondern wird
sie je nach Produktion einbinden. Zugleich geht ARS ACTU zunehmend
davon ab, SpielstŠtten in einem Rahmen zu definieren, der
vom Etikett ãTheateranstaltÒ auf eine Weise geprŠgt ist, die
aperzeptiven Umgang mit Kunst beeintrŠchtigen. Das hei§t:
In ersten und bereits erprobten Teilkonzepten sucht ARS ACTU
SPIELST€TTEN IM LEBENSUMFELD DER MENSCHEN (Obdachlosenheim,
Gemeindebau als erste Beispiele), die es dann in ãTheaterÒ
unter BerŸcksichtigung wie Einbingung der vorhandenen Raumsprache
und Ðfunktion umdeutend einbindet. Theater soll aber nicht
ãprofaniertÒ werden, sondern seine aktualistische Aussagekraft
neue (alte) Zugangswege in die Lebenskultur der Menschen finden.
Es geht also nie um eine Beseitigung der Schwelle des Selbstseins,
die das Theater an sich braucht, sondern um ein AUFGREIFEN
BEREITS INSZENIERTER AUTORIT€TSSTRUKTUREN. Denn der Kult hat
sich seit Jahrhunderten lŠngst andere inszenatorische Wege
gesucht als den der rein religionsgeschichtlich definierten
ãKathedrale.Ò |
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†brigens
mit einer Besonderheit: Es KANN im Einzelfall sein, dass diese
Zielgruppe ãunter sichÒ bleiben soll. Das hat sich z. B. im
Fall der Obdachlosenheime (mit KEINER H…RT AUF HARVEY) als
richtig erwiesen, um jede Form von ãVoyeurismusÒ und neuerliche
Zweitwirklichkeiten, wo der Zuseher sich nicht auf das StŸck,
sondern auf die umgebene Situation reagierend verhŠlt, auszuschlie§en.
Wo immerhin die Heimleitung selbst dem StŸck ENORME WIRKUNG
UND SPRENGKRAFT konzediert hat, das Strukturen aufbrach bzw.
aufbricht Ð aus der reinen wahrhaftigen, sehr differenzierten
Darstellung heraus. Kunst also, die ãunbeabsichtigtÒ wirktÒ.
Mit der Folge, dass Ÿber die Heime hinausgehende Werbema§nahmen
und Ðeffekte fŸr ARS ACTU ausgeschlossen bleiben mussten. |
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| INTERNATIONALIT€T |
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Als
besonderer Schwerpunkt fŸr die Arbeit der nŠchsten Jahre wird
die internationale Theaterlandschaft analysiert und gegebenenfalls
eingebunden. Auch wenn der Ausweis der InternationalitŠt an
sich kein Kriterium darstellt, Theaterarbeit nicht automatisch
besser wird. Doch zumindest als Vorsichtsma§nahme, um manchem
eigenem Tellerrandblick vorzubeugen bzw. eventuelle Enge aufzuweichen,
wollen die Proponenten von ARS ACTU 2007/2008 verstŠrkt Auslandsreisen
unternehmen. |
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