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Zum
StŸck |
Auch
dieses StŸck meine ich - wie "Der Poppenspeeler", "Der
Visitator" und "Der Sohn des Fischers" - erst in
eine endgŸltige Fassung bringen zu sollen, nachdem seine Umsetzung
konkret geworden ist, um es in Abstimmung mit der Umsetzung adaptieren
zu kšnnen. Denn es verlangt viel an Aussstattung und Mšglichkeiten.
Ich verwende
in ihm nicht zum ersten mal eine formale Situation
- hier: Das historisierende Element, woanders sind es Orte, LŠnder
etc. - die scheinbar zu den Geschehnissen nicht pa§t:
Alles €u§ere spielt sich scheinbar im ausgehenden 19. Jhd. ab,
die VorgŠnge selbst aber sind aus der Jetztzeit. Warum ich das
genau mache kann ich gar nicht in allen Punkten sagen (hšchstens
nachtrŠglich ausdeuten), es geht aber bei den AuffŸhrungen auf,
wie ich schon mehrfach festgestellt habe. Man Ÿberlege dazu aber
nur, wie sehr sich heute die kulturspezifischen EinflŸsse, die
unseren Alltag bestimmen, internationalisiert haben! Problemlos
nennt man sich "Charley" und "Johnny" und
"Jaqueline" - warum also nicht wie in "Keiner hšrt
auf Harvey!" die Figuren "Bob", "Harvey"
und "Rodgers" nennen? Oder wie hier:in einem Umfeld
einer andren Zeit. Der Mensch ist sowieso immer derselbe geblieben.
Das StŸck wirkt
auf den ersten Blick ja wie ein lŠppisches BoulevardstŸck, mit
einer ganz klaren, einfachen, durchschaubaren, ja vielfach und
aus unzŠhligen Hollywood-Filmen schon bekannten Dramaturgie, einem
scheinbar simplen Handlungsplot.
Die erste Niederschrift
nannte ich schlicht und technisch "Ein simples Drama".
Aber schon in Paradas - im zweiten Teil - habe
ich mit diesem dramaturgischen Mittel experimentiert.
Das leicht mi§verstanden wird. Weil das Mi§verstŠndnis ... dramaturgisches
Mittel ist ... (siehe dazu die AusfŸhrungen zur Karabetttragšdie,
die bereits auf diesen †berlegungen aufgebaut hat. Deren Grenzen
ich mit diesem StŸck noch weiter hoffe erforschen zu kšnnen. Mit
einem Satz angedeutet: "Es ist nicht so, wie Du mit all Deinen
Gedanken meinst, da§ es ist, und wie die Vorbilder sind, mit denen
das Gesehene vergleichbar ist, sondern es ist so wie Du es - unbewu§t
- wahrnimmst."
Die Thematik
ist einfach erklŠrt: Jemand wird seiner IdentitŠt beraubt. Wie
das geht? Viel einfacher, als es ausieht, und es kommt auch viel
hŠufiger vor, als man meint. Aufbauend auf der heute selten gewordenen
Discetio des anderen, gibt es auch heute gar nicht wenige Menschen,
die sich - selbst schwache, "flexible" Persšnlichkeiten,
die mit allen Mitteln und zuvorderst der "Freundlichkeit"
um einen Platz im Leben kŠmpfen, der ihnen endlich Liebe und Anerkennung
bringen soll, deren IdentitŠt sich damit je nach Umfeld wandelt
- schamlos mit VersatzstŸcken anderer, die ihnen selbst das Erreichen
ihrer Ziele versprechen, den Hut zieren. Sich so regelrecht, ja
manchmal Ÿberraschend weitgehende neue IdentitŠten konstruieren.
Die auch scheinbar zu funktionieren scheinen. Zumal das bisherige
Umfeld, das sie oft sehr wohl richtig einzuschŠtzen wu§te, und
mit dem sie immer weitgehender dann brechen (mŸssen), tatsŠchlich
Ÿberrascht ist.
Die StŸckthematik
selber zieht sich durch mehrere bisherige StŸcke, so wie jŸngst
im Musical "Der Bund", wo sie aber aus dramaturgischen,
stŸcktechnischen GrŸnden immer wieder abgeschwŠcht und gewandelt
wurde. Hier nun wird sie ein gro§es StŸck mehr ausgelotet.
Warum der Titel?
Es ist nur ein Arbeitstitel, der aber von dem Satz ausgeht: "Jeder
Kšnig braucht sein Reich!" Was die StŸckidee deckt. Jemand,
seiner Umgebung beraubt, mu§ nun in einer neuen Umgebung feststellen,
da§ ihn niemand versteht. (Der Erfinder und Immigrant spricht
die Sprache seines Gastlandes nicht.) Also ein "StŸck mit
Migrationshintergrund" - wie manche Narren meinen, da§ das
das zeitgemЧe Theater befruchten wŸrde, ebenso wie "Genderproblematik"
etc. etc.?
Das ist nicht
Polemik - sondern wir sind mitten im StŸck. Wenn das eigene WertegefŸge
mit dem der neuen Umgebung nicht zusammenstimmt, so fŸhlt man
sich um zu Ÿberleben angehalten, sehr an sich mit €u§erungen zu
halten. War man auch zuvor - in der Heimat - stark, so erlebt
man sich nun fast rechtlos und in jeder Situation verwundbar.
Es fehlt das, was einem die Heimat automatisch mitgibt: Jene AutoritŠt,
die sich aus dem zugewiesenen, aus und mit der eigenen Lebensgeschichte
gewachsenen Platz in diesem sozialen Umfeld ergibt. Man ist jemand
"als" ...
Das Šndert sich
schlagartig, wenn man die Heimat verlЧt oder wie hier verlassen
mu§ und in ein Umfeld kommt, das všllig fremd und anders ist.
Anders als manch Dummheit von heute meint ist es nŠmlich nicht
eine abstrakte "FŠhigkeit" etc., die einem sofort wieder
diesen Platz zuweist. Entscheidend fŸr den Platz, den man in einem
Umfeld einnimmt, ist die zugewiesene AutoritŠt, nicht irgendeine
Fertigkeit etc. Das hat nur fŸr den Betroffenen Bedeutung, ja
dann es es sogar sinnstiftend,der letzte Anker zum eigenen Lebensziel.
In der Figur
des Beamten aber begegnet dem Zuschauer ein Charakter, der solche
Situationen nicht nur benŸtzt, sondern sucht. Selber schwach,
aber von Ehrgeiz getrieben, baute sich hier eine Persšnlichkeitsstruktur
auf, die mangels Hingabe nie erfuhr, wo der eigene Platz im sozialen
GefŸge wirklich ist, was die eigene IdentitŠt Ÿberhaupt ausmacht
- ein an sich dem Lebensvollzug immanentes Geschehen. So erscheint
dieser Figur die IdentitŠt des Anderen, nun Schwachen, als interessant,
ja verlockend. Und er benŸtzt schamlos die VersatzstŸcke aus dessen
Vergangenheit (die Erfindung) sowie dessen FŠhigkeiten, um sich
selbst AutoritŠt zu erschleichen. Ja ihm skrupellos - mit den
fremden Federn am Hut - sogar die Zukunft seines Opfers - in der
aufkeimenden Liebe zu einer Frau - zu rauben. Er scheitert aber
genau daran: An der Zuerkennung von AutoritŠt, die zutiefst ein
personaler Vorgang ist, der letztlich Ÿber jeden Formalismus,
mit dem man auch heute meint, Hierarchien "objektivieren"
zu kšnnen, obsiegt.
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