Ein
ausgezeichnetes Jugendbuch, das die Frage behandelt, wieweit gesellschaftlich
"zeitgemЧe" Vorstellungen von Schuld und Menschsein die
eigentliche Naur eines Menschen treffen. Die bei einem Jugendlichen
noch deutlich weniger verbildet sein kann als beim Erwachsenen.
Damit ist auch der Titel zweideutig. Das Buch ist leicht geschrieben
und spannend, gerade durch den unverbogenen Blick, den Clive hat.
Wobei sich manchmal lapidare, nŸchterne NebensŠtzchen als tiefsinnige
Kulturkritik entpuppen. |
| Der
17jŠhrige Clive langweilt sich zu Tode. Die Schulzeit schien schon
so lange zurŸckzuliegen, da§ er sich nicht einmal mehr daran erinnen
konnte. Und jetzt hatte er keinen Job und nur noch das bi§chen Arbeitslosengeld,
das ihm kaum finanziellen Spielraum gab. Wenn ihn nicht gerade der
Stiefvater zur Rede stellte, weil er keinen Beitrag zum Haushaltsbudget
geleistet hatte, dann mŠkelte seine Mutter an ihm herum - da§ er
sowieso nicht alle Tassen im Schrank hŠtte, oder irgendein lŠstiger
Polizist schlich ihm nach und wollte irgend etwas von ihm wissen.
Dabei wu§te Clive, da§ er keineswegs dumm war, aber das Leben schien
so ohne Reiz zu sein Ð und es gab keine Hoffnung, da§ sich das je
Šndern wŸrde.
Eines
Tages sa§ Clive mit seinem Kumpel Terry sowie ihren Freundinnen
Marilyn und Paula im Indischen Restaurant in ihrem Viertel. Da kam
ihm die Idee ins ButterfieldÕs-Kaufhaus einzubrechen. Das schien
ein Weg zu sein, wie man dieser furchtbaren Langeweile entkommen
konnte Ð und vermied, Ÿber sein Leben und seine Zukunft nachdenken
zu mŸssen.
Als
Ergebnis ihres Einbruchs findet sich Clive in einer všllig unerwarteten
Lage Ð er wei§ nŠmlich nicht mehr, ob er Opfer oder TŠter ist! Seine
Straftat hatte schlimme Folgen, doch weil es sein erstes derartiges
Vergehen ist stš§t er Ÿberall Ð oder sagen wir: Fast Ÿberall - nur
auf Nachsicht und scheinbares VerstŠndnis. Das verwirrt ihn, denn
er fŸhlt sich eigentlich schuldig und so gar nicht erleichtert,
und er hat das GefŸhl, da§ er doch Strafe verdient hŠtte.
Eine
kontroversielle und provokante Novelle, die die heutige Einstellung
zu Verbrechen und Strafe behandelt, dargestellt von einem der herausragendsten
Schriftsteller unserer Tage.
Sir
Kingsley Amis wurde im Jahre 1922 in London geboren und besuchte
die City-of-London-Schule sowie das St. JohnÕs-College in Oxford,
dem er heute noch als Honoratior eng verbunden ist. Er lehrte an
den Hochschulen von Swansea, Princeton und Peterhouse sowie in Cambridge.
Zwischen 1949 und 1960 begann er seine Schriftsteller-Karriere als
Dichter, wobei er diesem Metier stets treu geblieben ist. Seine
gro§en Erfolge aber erzielte er als Romancier, im besonderen fŸr
Lucky Jim, Take a Girl Like You und The Old Devils,
fŸr das er 1986 auch den Booker-Preis erhielt. Er wurde 1981 in
den Britischen Ritterorden CBE aufgenommen und 1990 auch zum Ritter
geschlagen. Wir sind alle schuldig ist die erste ErzŠhlung
fŸr Jugendliche, die Amis geschrieben hat.
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