Ein kontroversieller, in meiner †bersetzung bereits mehrmals veršffentlichter Essay, der die Situation um sogenannte "konservative Bischofsernennungen" realistisch und všllig anders darstellt, als die šffentliche Meinung sie sieht: Als Phantom, das nur Schein bleibt. Denn das Handeln jener, meist mit gro§em Mediengetšse eingesetzter Bischšfe, steht praktisch immer in Widerspruch zu ihrem lauthals verkŸndeten Anspruch. soda§ man von puren "Mediengestalten" sprechen mu§. Ein - selten anzutreffender, weil realistischer - Standpunkt, der nach den Ereignissen von 2004 in St. Pšlten absolute BestŠtigung fand.
 

Konservative Bischšfe - Liberale Resultate

†bersetzung eines Artikels der amerikanischen Zeitschrift "The Catholic World Report", May 1995, S. 21 - 27, Autor: James Hitchcock

    

LŠnger als ein Jahrzehnt haben Journalisten regelmŠ§ig berichtet, da§ Papst Johannes Paul II. eine offensichtliche Vorliebe dafŸr hat, mehr "konservative" Bischšfe in den Vereinigten Staaten zu ernennen. Trotz einer versprochenen "Gegen-Reformation", bleibt die liberale Entwicklung ungebrochen. Ein hervorragender Kenner der katholischen Kirche und Journalist untersucht das Paradox.

 

á Ein junger Mann beabsichtigt, die Priesterausbildung zu absolvieren, und wird von einem Kommitee befragt, dessen Vorsitzender (ein hochgestellter AmtstrŠger der Dišzese) sich nach seinen "GefŸhlen" hinsichtlich der Frauenordination erkundigt. Der Kandidat antwortet, da§ die Angelegenheit vom Heiligen Vater entschieden worden sei. Der Vorsitzende erwidert: "Wir haben nicht gefragt, wie der Heilige Vater darŸber denkt. Wie wollen wissen, wie IHR GefŸhl diesbezŸglich ist." Der junge Mann stellt einfach fest ,da§ er die Lehre der Kirche dazu akzeptiere. In der Folge wird er informiert, da§ das Kommitee ihn fŸr nicht geeignet fŸr das Priesteramt befindet. Eine indirekte Anfrage an den Dišzesanbischof bringt die Antwort, da§ alle Kandidaten von einem Sichtungskommitee empfohlen werden mŸssen.

 

á In einer anderen Dišzese entdeckt ein junger Mann, der am Priesterseminar immatrikuliert ist, da§ eine feministische Nonne viel Einflu§ darauf hat, ob Kandidaten zur Weihe zugelassen werden und da§ sie ihn als "unsensibel fŸr die BedŸrfnisse der Frauen" eingestuft hat. Neuerlich bringt eine indirekte Anfrage an den Bischof die Antwort, da§ er sich nicht in die Arbeit des Seminars "einmischen" wolle und da§ der Kandidat irgendwie versuchen mu§, die UnterstŸtzung der Nonne zu erhalten um fŸr die Weihe zugelassen zu werden.

 

á In zwei Dišzesen engagieren die Bischšfe Laien als Herausgeber fŸr ihre dišzesanen Zeitungen - MŠnner, bekannt als konservativ in kirchlichen Angelegenheiten. Aber als die neuen Herausgeber versuchen, ihre jeweiligen Zeitungen in Einklang mit der offiziellen kirchlichen Linie zu bringen, steigen die Proteste, und binnen kurzem werden beide von ihren Posten wieder entfernt.

 

á Zwei Dišzesen fŸhren Sexual-AufklŠrungs-Programme ein, die in wichtigen Punkten von der katholischen Lehre abweichen. Daraufhin protestieren Eltern. In beiden FŠllen befšrdern die neuen Bischšfe die Verantwortlichen fŸr die jeweiligen Programme in bedeutendere Positionen in der šrtlichen Hierarchie.

 

á Eine Frau - Laie - wird zur "Pastoralhelferin" in einer Gemeinde ernannt, wo kein Priester verfŸgbar ist. Bald beginnt sie, priesterliche Kleidung zu tragen wŠhrend sie die Kommunion spendet und verkŸndet šffentlich ihren Wunsch, zum Priester geweiht zu werden.

 

á Ein Bischof gibt einen Pastoralbrief heraus Ÿber die Stellung der Frau in der Kirche, wŠhrend er zugleich, nachdem er kurz und bŸndig die Frauenordination vom Tisch wischt, einen deutlichen feministischem Standpunkt einnimmt, der die Frau als systematisch sowohl von der Kirche als auch von der Gesellschaft unterdrŸckt bezeichnet.

 

á Ein Bischof ernennt als seinen Dišzesanverantwortlichen und Sprecher in "Frauenangelegenheiten" eine Frau, die fŸr ihre kritische Haltung zur katholischen Lehre nicht nur hinsichtlich der Frauenordination bekannt ist, sondern auch bezŸglich Zšlibat und verschiedene Bereiche der Sexualmoral. Sie spricht šffentlich darŸber, da§ sie šrtliche Priester in diesen Punkten bereits "heimgeleuchtet" habe. Beschwerden an den Bischof werden ignoriert.

 

Nur Meinungensunterschiede?

 

Viele schlimme VorzeigefŠlle kšnnten zusammengestellt werden um die prekŠre Lage des katholischen Glaubens in den Vereinigten Staaten zu illustrieren. Das, was diese FŠlle aber so besonders signifikant macht ist, da§ in jedem Fall diese Probleme unter Bischšfen aufgetaucht sind, die als "konservativ" bekannt sind und als Teil einer "Gegen-Reformation" oder "Restauration" des jetzigen Papstes Johannes Paul II. betrachtet werden.

 

Das mangelnde Zutreffen der Begriffe "liberal" und "konservativ" fŸr kirchliche Angelegenheiten wurde schon oft bemerkt, aber diese Begriffe sind einfach so bequem, da§ - wenn man es richtig versteht - sie Šu§erst nŸtzlich sind um die Lagerbildung zu beschreiben, die derzeit die Kirche heimsucht. Obwohl die Akzeptanz dieser willkŸrlichen Einteilung der Parteiungen schockieren mŸ§te, zeigt der Umstand, da§ dies geschieht, da§ diese grundlegenden Fragen leichtfertig dem Rang von blo§en Privat-Meinungen Ÿberantwortet wurden, zu denen Katholiken legitimerweise unterschiedliche Positionen einnehmen dŸrften.

 

Mit sehr wenigen Ausnahmen gehen "konservative" Bischšfe nicht Ÿber das hinaus, wozu sie ausdrŸcklich von der Lehre der Kirche oder der Kirchenpolitik beauftragt wurden. Beinahe alle erlauben Ministrantinnen in ihren Dišzesen, und einige einige taten es schon, bevor Rom die Praxis nachtrŠglich sanktionierte. Beinahe keiner ist ein wirklicher AnhŠnger der Alten Messe.

 

Wenn wir bei den Begriffen "liberal" und "konservativ" bleiben, und dies auch in Bezug auf die Bischšfe, bedeutet im Endeffekt die Zustimmung zu Positionen, welche aktiv abweichen von der einen oder anderen offiziellen Lehre der Kirche, da§ diese zu Meinungen oder Fragen des Geschmacks verkŸrzt werden, oder auch zu Fragen des Temperaments - einige Menschen verŠndern sich schneller als andere und sind flexibler VerŠnderungen gegenŸber.

 

Wenn es auch noch nicht bemerkt wurde, so reichen die Wurzeln des Liberalismus unter den amerikanischen Bischšfen zurŸck in die Periode unmittelbar nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, als legendŠre "Bischofsgiganten" wie Kardinal Francis J. Spellman aus New York noch im Amt waren. Mit wenigen Ausnahmen zeigten solche PrŠlaten selbst Anzeichen postkonziliarer Verwirrung. Oft taten sie wenig um diese Verwirrung fŸr andere zu beseitigen, oder sie handelten in einer Weise, da§ es wirklichkeitsfremd und inkonsistent wirkte, wobei zwar bestimmte Abweichungen mit strengen Strafen belegt wurden, andere aber gutmŸtig toleriert wurden, die weit schlimmer waren.

 

Das Konzil und die Krise

 

Der gro§e Fehler der Šlteren Generation von Bischšfen war jener, die Kontrolle der nachkonziliaren Erziehungsprozesse fŸr sich zu beanspruchen. Quer Ÿber die Vereinigten Staaten tauchten Interpreten der "Erneuerung" auf, die die Aussagen des Konzils auf verschiedene Arten verbogen, ein Vorgang, der mit der Zeit immer schlimmer wurde. Es gab in der Tat nur wenige Bischšfe, welche sich bemŸhten - nur in ihren eigenen Dipšzesen, weit weniger national - ein authentisches Programm einzufŸhren, um zur "neuen Kirche" zu hinzufŸhren.

 

Das Ergebnis war, da§ wŠhrend der nŠchsten Jahrzehnte Verantwortliche in der Kirche aller Hierarchiestufen - vom Dišzesanbischof selbst bis hinunter zu den Kintergartentanten - systematisch in eine Euphorie der "Erneuerung" versetzt wurden, die in wachsendem Ausma§ von den offiziellen Lehren und den Worten des Konzils abwich. Ab 1975 - wenn nicht schon vorher - hatte die Kirche in den Vereinigten Staaten die Mehrheit ihres "mittleren Managements" an mehr oder weniger schwere Grade des Dissenses verloren, weil die meisten Bischšfe passiv und wenig korrigierend die VorgŠnge beobachteten.

 

Der Sturm von Dissens, der der Geburtenkontroll-Enzyklika humnae vitae im Jahre 1968 folgte, war ein Golgotha, dessen Chancen aber rasch verspielt waren. Offensichtlich trafen die amerikanischen Bischšfe die allgemein verbindliche Entscheidung, da§ sie gar nicht erst versuchen wŸrden, systematisch den Menschen die Lehren der Enzyklika auseinanderzusetzen, worauf abweichende Haltungen immens an GlaubwŸrdigkeit gewannen. (Die Sache war von bestimmten Theologen geschickt ausgenutzt worden, und zwar gerade weil es direkte Bedeutung fŸr die meisten Laien hatte.)

 

Der gesunde Menschenverstand wŸrde einem sagen - nachdem man mit massiver Abweichung von der offiziellen Lehre konfrontiert war - da§ die Bischšfe nun jede Anstrengung unternehmen hŠtten mŸssen, um den Kern der Katholiken - Priester und Laien - die diese Lehren annehmen konnten, enger an sich zu binden, indem man ihnen jede Ermutigung angedeihen lŠ§t, um diesen Kern dann als Basis dazu benŸtzen zu kšnnen, um die anderen wieder erreichen zu kšnnen. Anstatt dessen aber schienen die amerikanischen Bischšfe die kollektive Entscheidung getroffen zu haben, solche Leute zu ignorieren, welche bald všllig sich selbst Ÿberlassen wurden, und in der Praxis wurden alle pastoralen Anstrengungen jenen gegenŸber unternommen, die die Lehre ablehnten. Wie auch immer: Das Ziel dieser pastoralen Anstrengungen war aber nicht, die verlorenen Schafe zurŸckzubringen, sondern die †berprŸfung der Voraussetzungen, "verloren" zu sein, womit man die Mšglichkeit eršffnete, da§ die verlorenen Schafe tatsŠchlich die neuen FŸhrer der Herde werden konnten.

 

Indem man sich entschlossen hatte, humanae vitae nicht mehr als hšchstens verbal zu unterstŸtzen, machten die amerikanischen Bischšfe jenen grundsŠtzlichen strategischen Fehler, der schon der Untergang des liberalen Protestantismus gewesen war. LŠnger als ein Jahrhundert hatten die liberalen Protestanten bestŠndig christliche Positionen aufgegeben, die man als unvereinbar mit einem jeweils aktuellen Zeitgeist angesehen hatte, um den Kern der Heilslehre besser bewahren zu kšnnen. Aber in jeder Generation waren solche Aufgaben gefordert worden, bis zuletzt nichts mehr Ÿbergeblieben war, und die Selbstaufgabe ist die hauptsŠchliche Perspektive, mit der sich die Liberalen abfinden mŸssen.

 

Nun aber, nachdem sie in der Frage der Geburtenkontrolle aufgegeben hatten, dachten die Bischšfe von 1968 vermutlich, ihre GlaubwŸrdigkeit in anderen Fragen behalten zu kšnnen. Aber unvermeidlich erfolgte eine bestŠndige Erosion jeder erklŠrten katholischen Moralposition. Zuletzt hatte eine Erhebung 1995 ergeben, da§ seine solide Mehrheit der Katholiken die kirchlichen Lehren Ÿber die RealprŠsenz in der Eucharistie nicht annehmen kann. Die Strategie, ausgewŠhlte Abweichungen zu tolerieren, kann nur solche Ergebnisse zeitigen, und das Feld der Abweichungen kann sich nur erweitern.

 

Das Phantom Erneuerung

 

In einer Episode, welche bis heute mysterišs bleibt, ernannte der Heilige Stuhl in den 70er Jahren in den Vereinigten Staaten Bischšfe, die dem Dissens gegenŸber zumindest tolerant gegenŸberstanden und in einigen FŠllen sogar persšnlich damit sympathisierten, ein Schema von Ernennungen, welches noch einige Jahre in das Pontifikat von Johannes Paul II. hinein andauerte.

 

Zu Anfang der 80er Jahre schien diese Vorgangsweise Ÿberdacht zu werden, soda§ das Wort in Umlauf kam, da§ die MŠnner, die zu Bischšfen gemacht werden sollten, orthodox seien, hartnŠckige, streitbare GemŸter, ausgesandt mit der Aufgabe, den authentischen Katholizismus vom Beinahe-Chaos der falschen "Erneuerung" zu retten. Konservative waren durch diesen neuen Geist fŸr den Gro§teil dieses Jahrzehnts ermutigt, und erst gegen dessen Ende begann es informierten Leuten zu dŠmmern, da§ irgendwie die versprochene Gegenreformation nicht stattgefunden hatte.

 

In Dišzesen, wo ein konservativer Bischof einem konservativen Bischof nachfolgte, gab es in der Regel nur wenige Probleme. Dennoch waren solche FŠlle selten, denn wŠhrend der 70er Jahre war es eindeutige Politik des Vatikan, konservative Bischšfe durch liberale zu ersetzen. Folglich sind die einzigen soliden konservativen Dišzesen jene, deren Ordinarii von Beginn der 70er Jahre bis in die 80er Jahre hinein im Amt gewesen waren.

 

In der grš§ten Anzahl der Dišzesen allerdings folgen konservative Bischšfe solchen nach, welche entweder selbst liberal gewesen waren oder sich dem Liberalismus gegenŸber tolerant verhalten hatten, und in einem Gro§teil dieser FŠlle hatte der konservative Bischof die Situation, welche er Ÿbernommen hatte, nicht tatsŠchlich und ernsthaft verŠndert.

 

Die Gefahren des vorsichtigen Vorgehens

 

Die Dynamik dieses Prozesses ist leicht zu durchschauen. Wie auch immer seine Absichten waren, entdeckt ein neuer Bischof sehr rasch, wie fest die Liberalen die Dišzesanmaschinerie in HŠnden haben: Das Schulamt, den Priesterrat, die Caritas, und andere €mter. Und er sieht, da§ es keine leichte und auch eine unangenehme Aufgabe sein wird, diese Leute zu entfernen.

 

So beschlie§t er, langsam vorzugehen, bis er die Situation besser durchschaut, sein Personal besser kennt, und entwickelt eine effektvolle Strategie. Sehr schnell wird er von Konservativen bestŸrmt, in der Mehrzahl Laien, Mi§brŠuche abzustellen, aber er lehnt es ab, zuzugeben, da§ dies Mi§brŠuche wŠren, schiebt es auf bis zu jenem Zeitpunkt, zu dem er einen Weg sieht, korrigierend einzugreifen.

 

Aber die Zeit vergeht sehr schnell. Bald erkennt der Bischof, da§ wŠhrend er seine BefŸrchtungen Ÿber Probleme, die er sehen wŸrde, mit den Tatsachen konfrontiert hatte, sein Vorgehen tatsŠchlich freundlich aufgenommen worden war. Zu gegebener Zeit kšnnte sein Kanzler so etwas Šhnliches sagen wie: "Ehrlich gesagt, Exzellenz, das gab es Leute, welche das Schlimmste erwarteten, als Sie ernannt wurden, aber jeder ist positiv Ÿberrascht. Sie haben ihre Kritiker Ÿberrascht."

 

Mit solcher BestŠrkung, mŸ§te es ein Šu§erst entschlossener Bischof sein, welcher bei der †berzeugung bleiben wŸrde, weitreichenden VerŠnderungen wŠren wirklich notwendig, um eine authentische Erneuerung zu erreichen. Menschliche Wesen sind dazu fŠhig, endlose AusflŸchte zu finden, unangenehme Aufgaben abzuschŸtteln, und der Bischof sagt sich selbst, da§ er die Freiheit haben mŸ§te, seinen Auftrag auf seine eigene Weise und in seiner selbstbestimmten Zeit zu erfŸllen.

 

In der Zwischenzeit wŠchst die Ungeduld bei den Konservativen in der Dišzese, welche natŸrlich immer unrealistisch in ihren Erwartungen gewesen waren. Gezwungen durch seinen Unwillen zu Handeln, sieht sich der Bischof Dinge verteidigen, von denen er wei§, da§ sie nicht zu verteidigen sind, und er sieht sich selbst gestšrt von jenen Leuten, welche seine Probleme nicht zu verstehen scheinen und die von ihm unverzŸgliches Handeln verlangen. An einem gewissen Punkt kšnnte sein Kanzler gezwungen lŠcheln und sagen: "Nun, Exzellenz, sehen sie, was wir mit diesen Leuten all die Jahre fŸr eine Plage hatten."

 

Stufe fŸr Stufe, durch einen Vorgang, welcher grš§tenteils unerkannt bleibt, bis er abgeschlossen ist, wird der Bischof zu einem VerbŸndeten all jener Leute, deren Handeln er angetreten war zu korrigieren. Au§er er wŠre zynisch, kann er nicht lŠnger Dinge verteidigen, von denen er wei§, da§ sie falsch sind, folglich kommt er eventuell zu der Auffassung, da§ behauptete Mi§brŠuche Ÿberhaupt keine Mi§brŠuche seien, und da§ die Probleme in der Dišzese von jenen verursacht wŸrden, die "sich weigern, die Reformen des 2. Vatikanums anzunehmen." Das drŸckende Gewissen, das der Bischof aufgrund seiner mangelhaften Handlungsbereitschaft hat, projeziert er nun auf seine konservativen Kritiker.

 

Die Strategie, einen gewissen Zeitraum abzuwarten bevor man handelt, hat etwas fŸr sich. Aber sie ist wertlos, vergleicht man es mit der gŠngigen Management-Praxis in Regierungen oder der Industrie, wo jeder neue Chef seine "hundert Tage" oder seine "Flitterwochen" zur VerfŸgung hat, wŠhrend deren er umwŠlzende VerŠnderungen im Personal vornimmt mit der Absicht, Leute zu installieren, die seine eigenen Ziele vertreten. Ein FunktionstrŠger, der in seinem Amt verbleibt, und der im Verdacht steht, mit den Zielen nicht Ÿbereinzustimmen, wird selten Dankbarkeit erweisen. Stattdessen wird seine UntŠtigkeit richtigerweise als SchwŠche ausgelegt, und seine Untergebenen beginnen entsprechend zu handeln.

 

Die liberalen Bischšfe, die wŠhrend der 70er Jahr ernannt worden waren, folgten im wesentlichen dieser Praxis, indem sie Konservative in den Kanzleien durch ihre eigenen Leute ersetzten. Aber viele konservative Bischšfe scheinen nicht energisch genug zu sein, um hier wieder gegenzusteuern, vermutlich in der Annahme, da§ KontinuitŠt in der Verwaltung den Frieden in der Dišzese sichert. So werden alte Ma§nahmen unverŠndert auch unter der neuen FŸhrung weiter betrieben. (In einer Dišzese behielt ein konservativer Bischof den Generalvikar seines VorgŠngers im Amt, und ein ortsansŠssiger Priester beobachtet: "Jeder wei§, da§ es weit gefŠhrlicher ist, sich mit dem Generalvikar anzulegen als mit dem Bischof.")

 

Klerikalismus im Aufstieg

 

Nichts davon ist verstehbar ohne ein Faktum zu berŸcksichtigen, da§ systematisch in den letzten drei Jahrzehnten zu beobachten war: Die nachkonziliare Kirche ist mehr klerikal als sie es vorher war, nicht weniger.

 

In vieler Hinsicht war der Klerikalismus der vorkonziliaren Kirche bestimmt durch einen sturen Legalismus, der von den Liberalen denunziert wurde: Priester und Bischšfe hatten AutoritŠt, die sorgfŠltig umschrieben war vom Kirchenrecht, und sie hatten grš§tenteils keine Mšglichkeit, unberechenbar zu handeln. In der "offenen", anti-legalistischen Kirche, ist jedenfalls der Klerus oft frei, seine eigenen Theologien zu verkŸnden, sich seine eigene Liturgie zuzuschneidern, und sein eigene Moral, seine eigene Sicht von der Kirche den wehrlosen Gemeinden aufzudrŠngen, weil es weder eine effektive Mšglichkeit gibt, die AuthentizitŠt der Erneuerung zu beurteilen, noch eine wirkliche Mšglichkeit, durch welche Priester gezwungen werden kšnnten, dem Kirchengesetz zu gehorchen. Die Kirche ist auch deshalb klerikaler, weil im Endeffekt eine gro§e Anzahl von Laien in klerikale €mter gehoben wurden, als Dišzesan- oder PfarrbŸrokraten.

 

Einer der gro§en Fehler den die "alten" Bischšfe der Konzilsperiode gemacht hatten war, ohne Widerrede den Wunsch nach Professionalismus zu akzeptieren. Dadurch kšnnen Bischšfe gewšhnlich eingeschŸchtert und zum Schweigen gebracht werden, indem man sie daran erinnert, da§ ihnen professionelle BefŠhigungsnachweise fehlen, um die Arbeit der PŠdagogen, Kirchenrechtler oder Liturgieexperten zu beurteilen. Diese Professionalisten organisierten sich bald nach dem Konzil in nationale Kšrperschaften, die in Wirklichkeit die Bedingungen der Diskussionen kontrollieren. In vielen Dišzesen findet eine endlose Parade von Ansprachen und Workshops statt, zu denen ausgewiesene "Experten" eingeladen werden, um mit den ansŠssigen Leuten zu reden. Normalerweise macht der Bischof - auch wenn er konservativ ist - zu guter Letzt einen Scheinbesuch bei solchen Versammlungen und gibt ihnen seinen formalen Segen. Selten versucht er sie aufzuhalten oder sie ernsthaft zu lenken.

 

Wenn sie die offensichtliche Tatsache zugeben, da§ die Katholiken einen gro§en Teil der offiziellen Lehre ablehnen, verweisen die Bischšfe normalerweise auf die sŠkularisierte Kultur als die Ursache (fŸr den Abbau von religišsen Feiertagen zum Beispiel). Und selten scheinen sie zu verstehen, da§ offizielle kirchliche Organe - die Schulen, die katholische Presse, offiziell unterstŸtzte Konferenzen, sogar der Klerus - selbst die effektivsten KanŠle fŸr die Verbreitung der Abweichungen gewesen sind. Seit dem Konzil sind die Katholiken in einem gewissen Sinne deprogrammiert worden zu einer neuen Art von Glaube, und gegen dieses neue Programm richten formale Wiederholungen offizieller Lehren wenig aus.

 

Bischšfe sehen, da§ ihre disziplinŠre Macht nicht immer umwŠlzend benutzt werden kann, denn da gibt es auch Bereiche, Ÿber die sie wenig Kontrolle haben, so wie die katholischen Privatschulen. Aber - neben einer kurzfristigen Saktionierung von Abweichlern - kšnnen Bischšfe ihnen zumindest šffentlich widersprechen, was sie auch sehr selten tun. Sogar, wenn die lokale Hochschule ein Zentrum organisierten Dissenses ist, wohnt der Bischof fast immer ihren wichtigsten šffentlichen Zeremonien bei, wo er er unzweifelhaft Dankbarkeit ausdrŸckt, da§ die Dišzese so ein pulsierendes Zentrum der katholischen Lehre genie§en darf. Katholiken, die sich wundern, da§ das, was sie von solchen KanŠlen hšren, selten die authentische katholische Lehre ist, werden selten von ihrem Bischof aufgeklŠrt. Zu allen AnlŠssen bekennen sich der Bischof und die šrtlichen Abweichler zum gleichen Glauben.

 

Im Gegensatz dazu gibt es so etwas wie "Laien-Opposition" nicht, weil sich die Laien in dutzende verschiedene Wege zersplittert haben. Selbst, wenn es sie gŠbe, gibt es kein etabliertes Organ, durch welches sich die Meinung der Laien artikulieren kšnnte.

 

Deshalb ist es auch so, da§ wenn ein Bischof eine Dišzese Ÿbernimmt er schon im Vorhinein wei§, da§ er den benachteiligten Laien keine Aufmerksamkeit zuwenden mu§, wŠhrend er sich seinem Priesterrat oder den religišsen Gemeinschaften in der Dišzese sehr wohl beugen mu§. FŸr sŠmtliche praktischen Zwecke - wenn es zur bischšflichen ErklŠrung seiner Regierungsabsichten kommt - SIND solche Gruppen allerdings die Kirche. Nimmt man die andere Mšglichkeit, waren autoritŠre vorkonziliare Bischšfe frei, Empfindlichkeiten des Klerus oder religišse GefŸhle zu berŸcksichtigen, wenn sie es wŸnschten, wŠhrend heutigen Bischšfe dies nicht mehr kšnnen. In keinem Fall hat die Laienschaft eine effektive Stimme, genausowenig wie es ein Priester oder ein GlŠubiger hat, der au§erhalb des "Mainstream" der šrtlichen kirchlichen Organisationen steht.

 

Der unausgesprochene Kompromi§

 

Was genau Bischšfe befŸrchten, wei§ man eigentlich nicht. Zum einen fŸhlen sie sich genštigt durch den Personalmangel; Priester und geistliche Berufungen sind Mangelware, und der Bischof kann es sich nicht leisten, sich mit den paar, die er hat, schlecht zu stellen. Aber das ist ein selbst-perpetuierendes Problem, weil konservative junge MŠnner - siehe obiges Beispiel - teilweise entmutigt oder sogar direkt abgehalten werden, Priester zu werden, und zwar durch die existierenden DišzesanŠmter.

 

In gewisser Weise ist es fŸr die liberale Sache gŸnstiger, wenn eine liberale Dišzese von einem als konservativ bekannten Bischof regiert wird als von einem liberalen, weil der konservative Bischof einen Mantel des Respekts auch der liberalen Politik verleiht. Laien, die sich beschweren, kšnnen wesentlich leichter entlassen werden, da es damit begrŸndbar ist, da§ "sogar unser konservativer Bischof sie zufriedenstellen kann." Oft besteht ein unausgesprochener Kompromi§: Der Bischof sagt zu šffentlichen AnlŠssen begeisternde orthodoxe Dinge, wŠhrend die Dišzesanpraxis in všllig andere Richtungen geht.

 

Konservative Laien finden es in der Praxis unmšglich, der Othodoxie einen glaubwŸrdigen Stand in der Dišzese zu verschaffen, und zwar weil ihre Meinungen exakt als das definiert werden: Meinungen. Obwohl sowohl der Papst als auch der Bischof authentische Lehren verkŸnden und bekrŠftigen, erlaubt sich der Dišzesanbischof in bestimmten Situationen selbst, Abweichungen von dieser authentischen Lehre zu akzeptieren. Deshalb auch werden Laien, die gegen dišzesane VorgŠnge protestieren, als Querulanten hinbgestellt, nachdem der Bischof selbst die Mi§brŠcueh nicht erkennt, die sie sehen.

 

VerbŸndete in den Medien

 

Trotz all ihres Geredes von "Pluralismus" begreifen Liberale sehr genau, da§ eine Kirche nicht Bestand hat, die in sich selbst gespalten ist, und deshalb schieben sie Konservative unbarmherzig an den Rand ihrer Gemeinden, wo immer sie an die Macht kommen - eine Abschiebung, mit der konservative Bischšfe teilweise einverstanden sind.

 

Unverzichtbar fŸr den Erfolg der liberalen Strategie sind die Medien gewesen. Noch bevor das Konzil vorŸber war, nutzen die Liberalen den unersŠttlichen Hunger der Medien nach Glaubenskontroversen, nach ihren einheitlich liberalen Standpunkten, ihren Eifer kircheninterne Konflikte an die …ffentlichkeit in einer Weise zu tragen, die einem Bischof die HŠnde binden. Die Strategie wurde unvermindert beibehalten wŠhrend dreiziig Jahren bis zu dem Punkt, wo die Drohung feindseliger Medien hŠufig nicht mehr ausgesprochen werden mu§ - jedermann ist sich dessen zu jeder Zeit bewu§t.

 

Bisschšfe, die bekannt waren fŸr ihre Strenge und AutoritŠt waren bald nach dem Konzil zum Schweigen gezwunden durch die ungewohnte Erfahrung, in den Medien an den Pranger gestellt zu werden. Es war eine Lektion, die die nŠchste Generation von Bischšfen allzu rasch lernte, und nunmehr scheint ein Bischof hŠufig in erster Linie durch die Angst vor wenig vorteilhafter Presse gelenkt zu werden, wenn er - z.B. - eine dišzesane SchlŸsselstelle umbesetzen mšchte.

 

Konsevative weltliche Journalisten haben ironischerweise einen "Ganz-sonderbarer-neuer-Respekt-Preis" gestiftet, den die Medien an konservative Persšnlichkeiten des šffentlichen Lebens verleihen, die dabei sind, ihre Prinzipien zu verraten. Jeder Bischof - ob er sich den Preis wŸnscht oder nicht - wei§, da§ es das gibt. (So gibt es eine Dišzese, die von einem Bischof regiert wird, der landesweit konservative Reputation hatte, bevor er ernannt wurde, und die nun regelmŠ§ig wirtschaftliche Zuwendungen von den lokalen Medien erhŠlt, seit dieser Bischof hšchstselbst dabei mitmacht, konservative Katholiken als labile Fanatiker darzustellen.)

 

Es gibt Elemente in der Amerikanischen Kultur, die die bemerkenswerte Erwartung haben, da§ Bischšfe und andere "šffentliche FŸhrerpersšnlichkeiten" leutselige MŠnner sein mŸssen, die in die šrtliche Szene "hineinpassen", und welche die natŸrliche Neigung des Menschen erhšhen, harte Entscheidungen zu vermeiden. Spezielle Bedingungen in einer bestehenden Dišzese tun dies ebenfalls. Zweifellos war der Heilige Stuhl einige Male enttŠuscht Ÿber die UntŠtigkeit der MŠnner, die er ernannt hatte. Es ist allerdings unmšglich, das PhŠnomen eines solchen untŠtigen Bischofs zu verstehen ohne zu sehen, da§ dem Vatikan ebenso sein Ma§ an Mitschuld fŸr diese Situation zukommt.

 

Die Rolle des Vatikan

 

Von den Italienern wird immer gesagt, da§ sie die Diplomatie erfunden haben. Es war eine Kunst, die in Italien wŠhrend der Renaissance zur BlŸte kam, und niemand praktizierte sie perfekter als das Papsttum selbst. Diese respektable Tradition hielt bis in die Gegenwart hinein an, und ungeachtet der Tatsache, da§ sie teilweise durch die Liberalen als Form der zentralistischen Kontrolle denunziert wird, dient sie oft liberalen Interessen in der Kirche.

 

Die Kunst der Diplomatie kann einfach als Versucht definiert werden, seine Ziele dadurch zu erreichen, indem man seine Gegner geschickt durch Strategien manipuliert, die diese Gegner oft nicht erkennen bis das Ziel erreicht ist. Aber wenn Krieg die FortfŸhrung der Diplomatie mit anderen Mitteln ist, dann zeigt die HŠufigkeit der Kriege in der Menschheitsgeschichte, wie oft die Diplomatie versagt.

 

Diplomatie neigt zu besonderer IneffektivitŠt in Situationen, wo Ideologien herrschen, wo streitende Parteien Auffassungen haben, die sie als grundlegend ansehen und von denen sie leidenschaftlich Ÿberzeugt sind, und worin sie nichts weniger sehen als da§ das Gesamtwohl der Welt auf dem Spiel steht. Das ist die Situation der Kirche heute, und es sind gegnerische Gruppen darin verwickelt, die všllig auseinanderklaffen in ihren Auffassungen Ÿber Moral, der Lehre der Kirche, und die Natur der Kirche selbst.

 

WŠhrend all der Jahrhunderte mu§te der Heilige Stuhl oft zur Diplomatie flŸchten, weil er keine militŠrische und politische Macht hatte. ("Wieviele Divisionen hat der Papst?") Solche Diplomatie sollte eben dort in internen kirchlichen Angelegenheiten eingesetzt werden, wo zum Beispiel weltliche Regierungen einen starken Einflu§ auf die Ernennung von Bischšfen ausŸben.

 

Es ist deshalb eine Ironie und entmutigend, da§ im Bereich moderner Demokratien, wo die Kirche den Segensreichtum všlliger UnabhŠngigkeit von politischer Kontrolle genie§t, solche Diplomatie Ÿberhaupt notwendig erscheint, nunmehr aber oft konzentriert auf interne kirchliche Angelegenheiten. Es kommt z.B. vor, da§ der Papst nicht einfach frei Bischšfe ernennen kann, die er fŸr geeignet hŠlt, sondern einen ausgetŸftelten Auswahlproze§ zulassen mu§, nach dem erfolgreiche Kandidaten hŠufig nur noch Personen sind, die keine hochgestellten Feinde haben.

 

Der Heilige Stuhl befa§t nun die nationalen Bischofskonferenzen damit, ebenso wie die zahlreichen religišsen Orden, beinahe so wie fremde MŠchte. Skrupulšse Korrektheit wird die ganze Zeit Ÿber gewahrt, formale WorthŸlsen verdecken kaum Spannungen, und alle mšglichen "VorfŠlle" werden vermieden. Konservative Katholiken kšnnen nicht ermutigt, fŸr die Orthodoxie vor Ort aufzutreten, so wie eine Regierung seinen BŸrgern nicht erlauben kann, in fremden LŠndern zu leben unter Umgehung der dortigen Gesetze. (So haben sich Liberalel zehn Jahre lang bitter beschwert Ÿber den Heiligen Stuhl, da§ dieser den Beschwerden konservativer amerikanischer Katholiken Gehšr geschenkt hat - woraufhin der Heilge Stuhl aufgehšrt hat, solche Beschwerden zur Kenntnis zu nehmen.)

 

Diese hausgemachte Art der Diplomatie innerhalb der Kirche hat schwache Resultate erzielt. Mi§brŠuche wurden toleriert nicht um der Einheit willen, sondern um den Schein der Einheit zu wahren, der von selbst zu einer Ÿberholten Angelegenheit wird.

 

Schein vor der Substanz

 

Als der Vatikan nach 1980 damit begann, tendenziell eher konservative Bischšfe zu ernennen, scheint sich auch ein Profil eines Ideal-Bischofs abzuzeichnen, das auf die Mehrheit der von Johannes Paul II. Ernennungen zutrifft: Persšnlich orthodox und fromm, aber zaghaft, vorsichtig und "unkontroversiell". Als Schlu§folgerung lŠ§t sich die Strategie des Vatikan um die Dišzesen zu reformieren so bezeichnen, da§ Bischšfe ernannt werden, welche mit einer derartigen Vorsicht und EinfŸhlungsvermšgen agieren, da§ mit der Zeit der Wechsel von selbst kommt - ohne, da§ es die Leute Ÿberhaupt so richtig mitbekommen haben. Eingefleischte liberale Elemente wŸrden keinen Widerstand leisten, noch wŸrden die Medien Wind davon bekommen, weil sie nicht verstehen, was da vor sich geht.

 

Aber in einer Umgebung, die von Ideologien regiert wird, kann sich diese Szenerie nicht entfalten. Liberale sind sehr schnell im Erkennen schon kleinster "RŸckwŠrtsschritte" durch ihren Bischof, und sie testen ihn indem sie unbarmherzig ihre Angelegenheiten vorantreiben, soda§ er sie entweder zur Rede stellen mu§ oder aber aufgibt. Auch wenn dies nicht der Fall wŠre, wŠre die Strategie einer schmerzlosen, unkontroversiellen, beinahe unbemerkten Reform eine, mit der auch der brillianteste Diplomat €rger erhalten wŸrde.

 

Deshalb sind konservative Bischšfe, welche in ihren Dišzesen als EnttŠuschung erlebt werden, hŠufig so, weil sie wegen pestimmter persšnlicher QualitŠten ausgewŠhlt wurden, welche dazu geeignet erschienen waren, solche Ergebnisse zu erzielen. Die uralte Maxime "suaviter in modo, fortiter in re" ("Weich im Vorgehen, hart in der Sache") verkommt leicht zu einer Befangenheit, wo "modus" mit "res" vertauscht wird.

 

Einmal ernannt, findet ein konservativer Bischof andere Hindernisse als nur die in seiner Dišzese. Trotz fŸnfzehn Jahren Bischofsernennungen durch Johannes Paul II. sind die nationalen Bischofskonferenzen noch immer im wesentlichen liberal dominiert, wo deklarierte Konservative schon Schwierigkeiten haben, wenigstens schwerwiegende Fehler zu vermeiden, geschweige denn substantielle Siege zu erringen. Neuerlich wŸrde es eine bestimmte Sorte von resoluten MŠnnern brauchen, die mit dem Status einer erklŠrten Minderheit fertigwerden innerhalb einer Kšrperschaft, die grš§tes Gewicht auf den Geist der Einheit legt. Falls nicht anders, entdeckt ein neuer Bischof schnell, da§ der konstant auf der Verliererseite steht, bis er seine Positionen substantiell abschwŠcht.

 

Die †berlegungen, die eine solche AbschwŠchung diktieren, sind kennzeichnend, weshalb selbst der Heilige Stuhl sie hoch bewertet. Schlechte PublizitŠt hilft der Kirche niemals, noch dazu wenn sie bittere innere Konflikte beleuchtet. Idealerweise sollte der Bischof den Respekt und die LoyalitŠt der gesamten Dišzese genie§en und nicht ein Brennpunkt der Kontroversen sein. Der Geist der KollegialitŠt bestimmt, da§ die Nationale Bischofskonferenz nicht einfach Ÿbergangen werden kann.

 

Aber ein unvoreingenommener weltlicher Student der katholischen Theologie mu§ darauf den Schlu§ ziehen, da§ nur wenige Religionen in der Geschichte der Welt mehr Bedeutung doktrinŠrer Reinheit, liturgischer Korrektheit, und moralischer AuthentizitŠt beigemessen haben als die Katholische Kirche. Wie jemand aufgezeigt hat, ist es die Anglikanische Tradition gewesen, die beinahe zahllose Mšglichkeiten liturgischer und lehramtlicher Spielarten toleriert hat, eben mit dem Auftrag, ein Schisma zu verhindern, wŠhrend die katholische Tradition immer das Gegenteil darstellte.

 

Zu beinahe allen Zeiten in der Geschichte der Kirche, wo ein Belang der Orthodoxie im Vordergrund stand, hat die jeweilige Kirche ein gespenstisches GefŸhl dafŸr, und zwar genau wegen der Abwesenheit dieses Bezugs. Auf dišzesanem und nationalem Level ist es mšglich, Fragen pastoraler Strategien, administrativer Kompetenzen, wirtschaftlicher Mšglichkeiten, menschlichem EinfŸhlungsvermšgen, sozialen Ungerechtigkeiten, und eine Reihe von anderen Dinge, zu eršrten, aber niemals Ÿber dogmatische Fragen. Das dafŸr zutreffende Wort, und sein Gegenteil - "HŠresie" - wird selten angewandt, un dosgar konservative Bischšfe vermitteln den Eindruck, da§ sie sich genieren, in solchen gedanklichen Kategorien denken zu mŸssen. (Und das, obwohl heterodoxe Personen manchmal von Positionen entfernt werden mŸ§ten, weil sie GrŸnde liefern, von denen jeder wei§, da§ sie falsch sind, und das verursacht umgekehrt noch grš§ere Schuld.)

 

HŠufig wird bischšfliche UntŠtigkeit angesichts offensichtlicher Mi§brŠuche erklŠrt durch das Prinzip der KollegialitŠt: Obwohl der Bischof gerne so handeln wŸrde, kann er nicht im Alleingang handeln, sondern nur durch einen Konsens. Aber die InadŠquatheit dieser ErklŠrung kann aufgezeigt werden anhand der Handhabung beim Klu Klux Klan-Test: Wenn ein Priesterrat z.B. von offenkundigen Rassisten kontrolliert wŸrde, wŸrde der Bischof unverzŸglich und grŸndlich handeln, ohne vorher das Protokoll zu befragen. Wenn er nicht so handelt dann deshalb, weil er nicht glaubt, da§ die Angelegenheiten (Glaubensreinheit, Einhaltung der liturgischen Vorschriften, Gehorsam dem Heiligen Stuhl gegenŸber) hinreichend bedeutend sind.

 

Heroische Geduld?

 

Die hauptsŠchliche Tugend im Amerikanischen Episkopat der Gegenwart scheint die Geduld zu sein, welche eine legitime Eigenschaft ist, aber es sollte festgehalten werden, da§ Geduld nur dort vorhanden ist, wo sie in Beziehung zu den anderen Tugenden steht. (So, wie der Dichter Roy Campbell Ÿber den Neo-Klassizismus in der Literatur schrieb: "Ich sehe die Kandarre und das Zaumzeug sehr wohl, aber wo ist das blutende Pferd?") Geduld versucht auf eine Weise Ziele zu erreichen, der andere Tugenden nicht verletzt. Es ist nicht einfach ein anderes Wort fŸr Vorsicht.

 

In der gesamten Kirchengeschichte war auch nicht ein einziger Heiliger kanonisiert worden fŸr die hervorragende Tugend der Geduld, und viele waren (von einem weltlichen Standpunkt aus) richtiggehend ungeduldig. Das gleiche gilt fŸr kanonisierte Bischšfe, viele von ihnen waren MŠrtyrer und beinahe alle waren in eine Reihe verschiedenster Konflikte verwickelt. (Als der Hl. Karl BorromŠus begann, seine MailŠnder Dišzese zu reformieren, heuerten die Bewohner eines bestimmten Klosters einen Mšrder, welcher auf den Bischof wŠhrend der Vesper scho§.)

 

Dem VerstŠndnis der Geduld gemŠ§, wie sie heute verstanden wird, wŸrde die Kirche einen John Fisher - dem einzigen Bischof, der Heinrich VIII. widerstanden hatte - nicht kanonisiert haben, aber dafŸr Stephen Gardiner und Cuthbert Tunstall - MŠnner, die, obwohl sie durchaus nicht prinzipienlos waren, es immerhin zuwegebrachten, die VerŠnderungen in der Kirche durch immerhin drei Regenten zu Ÿberstehen. (Obwohl die Tatsache wohl bekannt ist, da§ alle au§er einem Englischen Bischof Heinrich VIII. 1534 zustimmten, ist es weit weniger bekannt, da§ 1559 nicht ein Englischer Bischof Elisabeth I. zustimmte, woraufhin alle aus dem Amt entfernt wurden, einschlie§lich Tunstall. Eine Tatsache auch, die die Mšglichkeit einer grŸndlichen Reform einer nationalen Hierarchie beweist.)

 

Heutige Bischšfe mšgen sich verstŠndlicherweise entmutigt fŸhlen unter dem Auftrag, UmstŠnde zu korrigieren, die sich nun Ÿber drei Jahrzehnte unkontrolliert entfalten konnten, und deren Wurzeln oft zurŸckzuverfolgen sind zu genau jener Generation von angeblich mŠchtigen PrŠlaten zur Zeit des Konzils. Aber das veranschaulicht ein Prinzip der Bequemlichkeit: Jedes Problem, vom moralischen Fehler bis zum undichten Kamin, wird schlimmer, wenn es nicht erkannt und bekŠmpft wird. Engegen dem Anspruch, ein gestrenger Papst der Gegenreformation zu sein, sind all diese Probleme heute schwerer zu beseitigen als zur Zeit, als Johannes Paul II. den Papstthron bestieg, und sie werden noch schwieriger werden, wenn sie nicht angegangen werden.

 

Von einem amerikanischen Bischof schrieb eine Zeitung, da§ er wŠhrend seines ersten Amtsjahres mehr Kontroversen provozierte als seine VorgŠnger in zwanzig Jahren taten. WŠhrend niemand Kontroversen um ihrer selbst willen begrŸ§en sollte, diktieren die nackten Fakten der Situation, da§ Šhnliche Dinge von jedem Bischof gesagt werden mŸ§ten, der getreulich versucht, seinen gšttlichen Auftrag zu erfŸllen.

 

(James Hitchcock, einer der BegrŸnder der 'Felowship of Catholic Scholars', schreibt eine Kolumne fŸr einen amerikanischen Kirchenzeitungs-Verband.)

 

 
     
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