DIE FRAGE DER ZULASSUNG DER FRAU ZUM ALTARDIENST


8. Die Forderung nach einer "androgynen" Liturgie


a. Die Versuchung, Gott zu "feminisieren"


Wenn fŸr den Glauben die Bedeutung des schšpferischen gšttlichen Willens fŸr Mann und Frau darin liegt, da§ sie Symbole des Mysteriums der Kirche seien, so ist es nicht erstaunlich, da§ dieser ohne Unterla§ attackiert wird. Die Kritiken an der Schšpfung kommen zugleich von au§erhalb und von innerhalb der Kirche, wobei die letzteren, oft auf eine viel subtilere Weise, nicht weniger zersetzend wirken. Nennen wir zwei Beispiele:


Die Versuchung, Gott zu feminisieren, fŸhrt dazu, die fundamentale Unterscheidung zwischen mann und Frau zu unterdrŸcken, auch wenn dies nicht die Absicht des jeweiligen Autors ist. In einem Brief an Marise Choisy nennt Teilhard de Chardin(45) die Marienverehrung den unwiderstehlichen drang, einen schrecklich maskulinisierten Gott zu feminisieren. Soweit ich verstanden habe, will der Autor damit sagen, da§ es sich fŸr ihn um eine gesunde Reaktion auf einen gewissen "neolithischen Paternalismus" handelt, der zu oft als das Wesentliche des Evangeliums hingestellt wurde. Diese Versuchung, ein weibliches Prinzip in Gott einzufŸhren (und dies nicht blo§ als Metapher) ist nicht neu. Si ehat unvorhergesehene praktische Konsequenzen: Manche akzeptieren nicht mehr, da§ der KKK Gott weiterhin Vater nennt. Ohne Zweifel mu§ man daher wohl die Stellen der vier Evangelien korrigieren, wo Gott von Jesus Vater genannt wird?


Eine andere Art, den Plan Gottes fŸr den Platz der Frau in der christlichen Ehe und in der Kirche zurŸckzuweisen ist der heute hŠufig gebrauchte Vergleich der Heiligen TrinitŠt mit der TrinitŠt der Familie: Vater, Mutter, Kinder. Diese Meinung - sagt der Hl. Augustinus - ist so befremdlich und so falsch, da§ es extrem einfach ist, sie zu widerlegen. Und er Hl. Thomas sagt: Diese Theorie scheint vom ersten Blick an absurd.(46)


Einerseits fŸhrt man, wenn man einen kŸnstlichen Vergleich zieht zwischen dem Hl. Geist und der Mutter, wiederum ein weibliches Element in die TrinitŠt ein; und wer kšnnte andererseits ohne sich lŠcherlich zu machen behaupten, da§ die Mutter aus dem Vater und den Kindern hervorgeht? Die einzige Analogie, die in der Hl. Schrift zu finden ist, ist jene des Ehemannes und der Frau als Symbole Christi und der Kirche (Eph. 5, 32).(47)


Schlie§lich haben die drei gšttlichen Personen, weil sie konsubstanzial sind, auch nur einen einzigen Willen, daher gibt es in der Hl. Dreifaltigkeit keinen Gehorsam. Im Gegensatz dazu ist in der menschlichen Familie die Unterordnung (hupotassestai) der einzelnen Mitglieder (Eph. 5,21) gemŠ§ ihrem Rang, der Mann als Oberhaupt, die Frau als Gattin, die Kinder als Kinder, ein Charakteristikum der ehelichen und familiŠren Liebe. Es beweist uns, da§ wir alle eine Neuevangelisierung und eine Umkehr nštig haben, da§ in der Gesellschaft und viel zu oft auch in der Kirche der Gehorsam - besonders jener der Frau - als Verlust zurŸckgewiesen wird, obwohl er im Gegenteil im Reich der Erlšsung eine Befreiung bedeutet. Ist nicht Jesus selbst gekommen, um zu dienen (Mt. 20,28), und war er nicht er, der Meister, unter den Zwšlf wie einer, der dient (Lk. 22,27)? Hat er nicht durch sein ganzes Leben "ein Beispiel gegeben" (Joh. 13, 15), "gehorsam bis zum Tod am Kreuz" (Phil. 2,8)?


Daher ist es glaubhaft, da§ der Urheber dieser Forderungen nach dem Priestertum der Frau und nach weiblichen Ministranten die alte Schlange ist, die schon seit Urbeginn die ganze Welt verfŸhrt (Offb. 12,9). Noch einmal und nicht ohne Erfolg nimmt sie die Frau, die leichter zu beeindrucken und zu schwŠchen (1 Petr. 3,7) ist, als Vermittlerin, um die gšttliche Ordnung der Schšpfung zu zerstšren. Sie kann dabei auf eine gewisse Beihilfe der mŠnnlichen Feigheit zŠhlen, wie dies die SchwŠche der Argumente beweist, die hŠufig zur Verteidigung eines nicht traditionellen Verhaltens vorgebracht werden. (Z.B. der Mangel an mŠnnlichen Me§dienern, die Kirche darf nicht frauenfeindlich sein, Mann und Frau sind gleichwertig, es gibt das allgemeine Priestertum aller Getauften, und schlie§lich sind die KirchenvŠter und ihre Gesetze gut und schšn, aber wir an der Basis machen die Arbeit ... etc. etc.) Nach der Lehre der KirchenvŠter ist bekannterweise Eva eine Prophetie Marias, der neuen Eva, und eine rophetie der Kirche. Adam ist eine Prophetie des Neuen Adam, Christus.


In der Apokalypse werden die verirrte Religion und die pervertierte Zivilisation reprŠsentiert von einer Karikatur der Frau des Kapitels 12, der mit Sternen gekršnten Frau, die zugleich Maria und die Kirche ist. Diese Karikatur einer Frau, die "die gro§e Hure" (Offb. 17,1) genannt wird, ist in der Tat die einzige "Priesterin" des Neuen Testaments. Sie ist zugleich, nach ihrer Beschreibung in Offb. 17,4, das negative Abbild der Frau von Kapitel 12; das Symbol der hochmŸtigen weltlichen Macht, die die wahren JŸnger Jesu verfolgt, die ihren Versuchen, den Glauben und die Sitten zu verderben, widerstehen. Sie ist vor allem, wie mit scheint, der Ausdruck eines sakrilegischen Priestertums: Ihre Kleidung und ihr Schmuck erinnern sehr an jene des Hohepriesters (Ex. 28 und 39); und der Becher, den sie in der Hand hŠlt und der ganz mit abscheulichem Schmutz gefŸllt ist, lŠ§t vermuten, da§ sie ein blasphemisches Opfer darbringt, wahrscheinlich dem scharlachroten Tier, auf dem sie sitzt und das Satan selbst ist (vgl. Offb. 12,3), dem sie sich mit all ihren Lastern hingibt. Wie immer wenn man das religišse GefŸhl im Herzen der Menschen nicht unterdrŸcken kann, versucht man, es in eine falsche Richtung zu lenken. Einer der sehr guten Theologen und Philosophen unserer Zeit, der viel zu wenig bekannt ist, der Domherr D.J. Lallement, sieht in diesem "ma§losen Feminismus" (der Ausdruck stammt von Paul VI.)(48) eine der gro§en HŠresien unserer Zeit, weil sie im Herzen den gšttlichen Willen fŸr die Schšpfung und die Erlšsung oder Neue Schšpfung und das Geheimnis der Kirche auslšscht.


b. Andere Quellen dieses "unmŠ§igen Feminismus" (Paul VI.)


Die UrsprŸnge dieses seltsamen Feminismus, der unsere Gesellschaft erobert und der versucht, sich auch in der Kirche Eingang zu verschaffen, sind sehr vielfŠltig. Man kšnnte hier den bekannten Mythos des Zwitters in Platons Festmahl zitieren, in dem die beiden getrennten HŠlften des primitiven zweigeschlechtlichen Wesens všllig eigenstŠndig werden, um sich dann nach Belieben auf hetero- oder homosexuelle Art zu vereinigen.(49)
Zwei andere, uns nŠher liegende Stršmungen vertreten im selben Sinne den absolut austauschbaren Charakter der Geschlechter. Die erste stammt von AverroZ«s (1128 - 1198), dem bekanntesten arabischen Philosophen, dessen bedauernswertester Irrtum es war, zu behaupten, der menschlichen Verstand gehšre einer Einheit an, was fŸr einfache Menschen die praktische Konsequenz hatte, da§ dieser Monopsychismus die ganze Menscheit vereinheitlicht: Die spezielle Berufung jeder Seele, die nach dem Bild Gottes geschaffen ist, verschwindet; alles ist "sozialisiert": Die guten Taten, die Ideen, und auch die Personen selbst. Dies fŸhrt einen einfachen Menschen dazu zu sagen: "Wenn die Seele des Hl. Petrus gererttet ist, so wird es auch meine sein. Da wir den gleichen Verstand haben, haben wir auch die gleiche Bestimmung ..."(50)
Diese Ansicht begŸnstigt natŸrlich die falsche Interpretation, da§ es "weder Mann noch Frau gibt." Am Muttertag Šu§erte sich einmal eine gute und fromme Person folgenderma§en: "Mutter oder Vater, das ist alles dasselbe ..." Diese Lehre der Averroisten gehšrt zu jenen, die der Hl. Thomas von Aquin am schŠrfsten zurŸckwies. In De Unitate Intellectus Contre Averroistos fŸhrt er eine sehr tiefgreifende Kritik dieser Ideen an. Auf folgende Weise beschreibt er eine der Konxsequenzen dieser These: Wenn man die Verschiedenheit des Verstandes zwischen den Menschen unterdrŸckt, so folgt daraus, da§ nach dem Tod nichts bleibt von den Seelen der Menschen als die Einheit des Intellekts. So verschwŠnde auch die Vergeltung durch Lohn oder Strafe und die Verschiedenheit des einen vom anderen. Er nennt die averroistische Irrlehre den "hŠ§lichsten aller IrrtŸmer". Eine andere Richtung, die aber dem Averroismus sehr nahe steht, wird reprŠsentiert von den extravaganten, gnostischen Thesen von Helena P. Blavatsky in ihrem zweiteiligen Werk Die Geheime Lehre (1888). Der Titel des ersten Bandes lautet Kosmogenese, jener des zweiten Anthropogenese; die Originalausgabe ist englisch.(51) Die Autorin zeigt auf den ersten Seiten des ersten Bandes auf, da§ eine ihrer grundlegenden Thesen die "fundamentale Einheit aller Seelen mit der Ÿbergeordneten universellen Seele" ist (engl. Ausgabe, S. 17), eine Konsequenz des absoluten Pantheismus, der eine andere ihrer Hauptthesen darstellt. In Band II (S. 124 ff) findet man den bizarren alten Mythos von einem androgynen Adam, einem ersten menschlichen Wesen, das zugleich Mann und Frau ist, eine offensichtlich irrige Behauptung, die geboren wurde in všlligem Gegensatz zum hebrŠischen Text der Genesis. Man kšnnte sich fragen, ob dahinter nicht der alte Traum einer androgynen Zivilisation(52) steckt, wo sich die Frauen als MŠnner kleiden und die MŠnner als Frauen(53) und die sich hemmungslos allen Lastern der mŠnnlichen und weiblichen HomosexualitŠt hingeben. Unter diesen Bedingungen hat es, wie in vielen Religionen der griechischen und ršmischen Antike, keinerlei Bedeutung mehr, ob der Priester ein Mann oder eine Frau ist. Das Entscheidende ist in den Augen der Perversen und im Bšsen Aktivisten die offene Revolte gegen die gšttliche Schšpfung. Diese These von Mann und Frau, die beliebig ausxtauschbar sid, entspricht genau jener des Buches von Elisabeth Badinter L'un Est L'Autre(54)(deutscher Titel: "Ich bin Du") wo die Seiten 268 Ð 288 (207 Ð 221 der deutschen Ausgabe) betitelt sind: L'avŽnement de l'androgyne; (Die Heraufkunft des Androgynen). Sie geht dabei so weit, die Mšglichkeit der Schwangerschaft fŸr MŠnner in Betracht zu ziehen! Man kann sich aber mit gutem Recht fragen, ob dieses Buch nicht fŸr Eingeweihte geheim verschlŸsselt ist. Die These vom total austauschbaren Charakter der Geschlechter kšnnte nur eine Fassade sein, ein Symbol einer noch viel verderblicheren Behauptung: Der eine, der wahre Gott, ist der andere, das hei§t Satan. Was die Liturgie betrifft, wŠre es daher das Ziel, durch die fortschreitende Substitution der Rollen ins Heiligtum Lektorinnen einzufŸhren, dann Ministrantinnen, vielleicht Diakonissinnen, Priesterinnen und Bischšfinnen, um den Tag der všlligen und endgŸltigen Zerstšrung der Liturgie vorzubereiten, wenn der Widersacher kommt, der sich Ÿber alles, was Gott oder Heiligtum hei§t, so sehr erhebt, da§ er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt. (2 Thess 2,4). Ist dies eine unbegrŸndete Hypothese? Schopn am 10 November 1793 wurde in Notre-Dame zu Paris der kurzlebige und groteske Kult der Gšttin Vernunft gefeiert, reprŠsentiert von einer Schauspielerin.


(45) Briefzitat nach P. Ph. de la TrinitŽ, in Rome et Teilhard de Chardin, Paris, 1964, Se. 59
(46) Hier die Referenzen: Hl. Augustinus, La TrinitŽ, XII, 5,5, BibliothŽque augustinienne 16, S. 219, und im selben Band die ergŠnzende Notiz 34, S. 617-618: La pseudo-analogie de la trinitŽ familiale. Hl. Thomas, STh., I, q. 39, art. 6, ad 2.
(47) Die eine oder andere der hier sehr kurz behandelten Fragen ist in der bereits zitierten Nummer von Sedes Sapientiae 33 zu finden (Kann man von einer MŸtterlichkeit Gottes sprechen? S. 41-43)
(48) Siehe Paul VI., Angelus vom 30. JŠnner 1977
(49) Sieheh Platon, Le banquet, 189d-193d.
(50) Dictionnaire de thŽologie catholique (DTC), art. Averroisme, I, 2628-2638
(51) Vgl. H. P. Blavatsky, The Secret Doctrine, The Synthesis of Science, Religion and Philosophy (Die Geheime Lehre, Die Synthese von Wissenschaft, Religion und Philosophie), 2 BŠnde, London 1888. Neuauflage durch die Theosophical University Press, Pasadena 15, California, USA. Eine franzšsische †bersetzung erschien in Paris (3. Ausgabe 1918) bei den theosophischen Publikationen.
(52) Nach dem nŸtzlichen, aber sehr trŸgerischen Buch Hermaphrodites, Mythes Et Rites De La BisexualitŽ Dans L'AntiquitŽ Classique von Marie Delcourt, Paris, 2. Ausgabe 1992
(53) Daremberg et Saglio, Dictionnaire Des AntiquitŽs Grecques Et Romaines, Artikel Hermaphrodites (III, 135b-139a) und Hybristika (III, 310b-311a).
(54) P. Simon bietet in seinem Buch De La Vie Avant Toute Choses, Paris 1979, an, ein neues Schema der Familie zu formen (S. 96). Es handelt sich darum, ein neues menschliches (?) Wesen zu erschaffen, das eine Karrikatur des in Christus neu geschaffenen Menschen ist. ErgŠnzung: Elisabeth Badinter, Ich bin Du, dtv-Sachbuch Nr. 30397, MŸnchen/Nšrdlingen 1994

Fortsetzung - 11. Teil

 
     
johannes
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WAGNER
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