DIE FRAGE DER ZULASSUNG DER FRAU ZUM ALTARDIENST
Nachwort
Gerade als ich meine Arbeit zur Drucklegung
gab, las ich erneut die Deklaration Inter Insignores. Ich lade
den Leser ein, dasselbe zu tun. In dieser Deklaration wird das
Wesentliche zum Thema des Platzes der Frau in der Schšpfungsordnung
und im Plan Gottes gesagt. Ausgehend von der Anmerkung, die die
Qualifikation der "Pastoral" fŸr die Konstitution Gaudium
Et Spes erklŠrt, kam ich zu dem Schlu§, da§ die "doktrinŠren
Prinzipien", die die Disziplin regieren, vorrangig sind.
Der Platz der Frau in der Liturgie ist, wie ich glaube aufgezeigt
zu haben, verbunden mit unverŠnderlichen Elementen der Lehre der
Kirche Ÿber sie selbst, die Schšpfung und die Erlšsung. Diese
Prinzipien erlauben es, auf die Frage der Zulassung der Frau zum
Altardienst zu antworten; sie sind keine zufŠlligen Elemente.
Auch wenn das Akolytyt im Heiligtum weder den Charakter einer
Weihe noch einer Institution hat, so ist es doch, nach einem Wort
Pauls VI. an die Me§diener, in solch unmittelbarer NŠhe zjm Priestertum,
da§ es dem weiblichen Geschlecht nicht zukommt. Es handelt sich
hier vor allem um ein doktrinales Konzept der Liturgie und nicht
um eine emotionelle Sicht der Dinge, die nun den Anschein einer
Pastoral hŠtte.
Zum Abschlu§ hier eine wesentliche Passage dieser Deklaration:
Inter
Insigniores
"Sicherlich
ist Christus der Erstgeborene der gesamten Menschheit, der Frauen
ebenso wie der MŠnner: Die Einheit, die er errichtet hat, ist
solcherart, da§ es nicht mehr Jugen noch Griechen, weder Sklaven
noch Freie gibt; es gibt nicht mehr Mann und Frau, sondenr alle
sind eins in ihm (Gal 3,28) Trotzdem erfolgte die Inkarnation
des Wortes in mŠnnlichem Geschlecht: Dies ist ein Faktum, welches
aber weit davon entfernt ist, eine sogenannten natŸrliche †berlegenheit
des Mannes der Frau gegenŸber zu implizieren, sondern untrennbar
verbunden ist mit der …konomie des Heiles. Es steht in Harmonie
mit der Gesamtheit des Planes Gottes, den er selbst geoffenbart
hat und dessen Zentrum das Mysterium des Bundes ist.
Denn
das Heil, das Gott den Menschen anbietet, die Einheit mit ihm,
zu der sie berufen sind, mit einem Wort der Bund, hat schon im
alten Testament bei den Propheten die privilegierte Form eines
brŠutlichen Mysteriums. Das erwŠhlte Volk wird fŸr Gott zu einer
glŸhend geliebten Braut. Die jŸdische ebenso wie die christliche
Tradition hat durch die wiederholte LektŸre des Hoheliedes die
Tiefe dieser IntimitŠt der Liebe entdeckt. Der gšttliche BrŠutigam
bleibt selbst dann treu, wenn die Braut seine Liebe verrŠt, wenn
Israel dem Herrn untreu ist. (Vgl. Hosea 1-3, Jer 2) Als die "FŸlle
der Zeit" kam (Gal. 4,4) nahm das Wort, der Sohn Gottes,
Menschengestalt an, um den neuen und ewigen Bund zu schlie§en
und zu besiegeln mit seinem Blut, das fŸr alle vergossen wurde
zur Vergebung der SŸnden. Sein Tod sammelt die zerstreuten Sšhne
Gottes.
Aus seiner durchbohrten Seite entstand die Kirche, so wie Eva
aus der Rippe des Adam hervorging. So verwirklicht sich vollstŠndig
und definitiv das brŠutliche Geheimnis, das im alten Testament
angekŸndigt und besungen wird. Christus ist der BrŠutigam, die
Kirche ist seine Braut, die er liebt, weil er sie durch sein Blut
erworben hat und sie herrlicht, heilig und ohne Fehler gemacht
hat, und von der er unabtrennbar ist. Dieses brŠutliche Thema,
das von den Briefen des Hl. Paulus (vgl. 2 Kor 11,2, Eph 5,22-23)
bis zu den Schriften des Johannes (vgl. vor allem Joh. 3,29, Apg.
19,7 und 9) erkennbar ist, ist auch in den synoptischen Evangelien
prŠsent. Die HochzeitsgŠste kšnnen nicht fasten, solange der BrŠutigam
bei ihnen ist (vgl. Mk. 2,19) und mit dem Himmelreich ist es wie
mit einem Kšnig, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete (Mt.
22,1-14) Durch diese Sprache der Schrift, die ganz durchwoben
ist von Symbolen und die die tiefe IdentitŠt von Mann und Frau
ausdrŸckt und trifft, wird uns das Mysterium Gottes und das Mysterium
Christi enthŸllt, welches unergrŸndlich ist.
Deshalb kann man die Tasache, da§ Christus ein Mann ist, nicht
vernachlŠssigen. Wenn man die Wichtigkeit dieses Symbolismus fŸr
die Ordnung der Offenbarung nicht verkennt so mu§ man zugeben,
da§ in den handlungen, die den Charakter der Weihe erfordern und
wo Christus selbst reprŠsentiert wird, der Schšpfer des bundes,
der BrŠutigam und das haupt der Kirche, so wie dies in hšchstem
Ma§ bei der Eucharistie der Fall ist, seine Rolle (dies ist die
erste Bedeutung des Wortes "persona") von einem Mann
Ÿbernommen werden mu§. Dies bedeutet nicht, da§ dieser irgendeine
persšnliche †berlegenheit in der Ordnung der Werte hŠte, sondern
um einen anderen Stellenwert im Plan der Funktionen und des Dienstes.
Klappentext
der franzšsischen Originalausgabe
Nicht
selten sieht man heute sowohl Buben als auch MŠdchen in wei§er
Albe dem Priester bei der Hl. Messe assistieren. Dies bedeutet
eine gewaltige Neuerung!
FŸr die einen ist das Geschlecht der Altardiener nicht von gro§er
Bedeutung, andere hingegen sind schockiert von diesem Mangel an
Disziplin, ohne ihre GrŸnde hierfŸr klar definieren zu kšnnen.
Michel Sinoir, Priester der Dišzese von Paris, hat den Stand in
dieser Frage ermittelt. Ausgehend vom Kern der Offenbarung stŸtzt
er sich dabei auf die theologische und mystische Tradition der
Kirche.
Seine Abhandlung, die fŸr alle Christen guten Willens verstŠndlich
ist und sich am Lehramt der Kirche orientiert, ist klar und sehr
gut dokumentiert. Sie wurde von mehreren Bischšfen befŸrwortet.
Einer davon schrieb an den Autor: "Vielen Dank fŸr Ihr hervorragendes
Dossier, das sehr nŸtzlich und in der Beurteilung der Frage sehr
weitblickend ist. Im Tiefsten handelt es sich hier eigentlich
um eine Auflehnung gegen die Schšpfungsordnung. Wir sehen sehr
deutlich, wie sehr die Verneinung der Schšpfungsordnung auch auf
alle anderen Bereiche zurŸckwirkt.
In
den Vereinigten Staaten tritt dieser Konflikt offen zutage, und
die Folgen werden immer deutlicher sichtbar. Es ist daher notwendig,
da§ Sie Ihre Abhandlung verbreiten!
(23)
Siehe Rituel du baptz«me, †bers. Dennis Guillaume, Diaconie apostolique,
Rom, 1990, S. 40
Literaturhinweise
von Eberhard Wagner
# Manfred Hauke: "Die Problematik des Frauenpriestertums
vor dem Hintergrund der Schšpfungs- und Erlšsungsordnung",
Bonifatius-Verlag, Paderborn
# ders.: "Gott oder Gšttin? Feministische Theologie auf dem
PrŸfstand", MM-Verlag, Aachen