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DIE FRAGE DER ZULASSUNG DER FRAU ZUM ALTARDIENST
P.
Michel Sinoir
"Es ist noch etwas anderes, was dieses unbestreitbare Recht
der kirchlichen Hierarchie bestŠtigt, nŠmlich der enge Zusammenhang
der heiligen Liturgie mit den Grundwahrheiten der Glaubenslehre,
die von der Kirche als HauptstŸcke der vollkommen gesicherten Wahrheit
hingestellt werden. Deshalb ist sie, die Liturgie, in Einklang zu
halten mit den katholischen Glaubensvorschriften, die das oberste
kirchliche Lehramt erlassen hat, um die Unversehrtheit der gšttlich
geoffenbarten Religion zu schŸtzen." (Pius XII., Enzyklika
Mediator Dei, 1948)
†ber die Jungfrau Maria, Urbild der Kirche, in der AusŸbung des
Gottesdienstes: "Die Beispielhaftigkeit der Hl. Jungfrau in
diesem Bereich geht daraus hervor, da§ sie als das beste Modell
der Kirche betrachtet wird in der Ordnung des Glaubens, der NŠchstenliebe
und der vollkommenen Vereinigung mit Christus, das hei§t jener inneren
Disposition, die die Kirche, die als geliebte Braut ganz ihrem Herrn
angehšrt, inspiriert, wenn sei diesen (ihren Herrn) anruft und durch
ihn den Gottesdienst darbringt, der dem Ewigen Vater gebŸhrt."
(Umschlagseite 2; Paul VI., Apostolisches Schreiben Marialis Cultis,
2. Februar 1974, Nr. 16-23)
VORWORT
Als Antwort auf die Zusendung meiner Arbeit Ÿber die ErbsŸnde schrieb
mit der PrŠfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger,
in einem Brief vom 3. Mai 1988: "Eine gute theologische Eršrterung
im Licht der traditionellen Lehre der Kirche kann dem Lehramt eine
wertvolle Hilfe sein, die GlŠubigen in den gro§en, heute diskutierten
Fragen zu leiten. Daher mšchte ich Sie zur Fortsetzung Ihrer Arbeiten
ermutigen." Es war dieses sehr wohlwollende Wort, das mich
antrieb, zur Frage der Zulassung der Frau zum Altardienst eine befriedigende
Antwort zu suchen. †berdies kam ich damit auch der Bitte eines befreundeten
Bischofs nach.
Es erschien mir klar, da§ man dabei nicht von Aspekten der Pastoral
im jenem engen Sinne ausgehen durfte, den man diesem Wort irrtŸmlicherweise
manchmal beimi§t, wenn man darunter alleine die praktische Organisation
der Liturgie versteht. Im Gegenteil: Man mu§ sich in dieser Frage
auf unwandelbare GrundsŠtze berufen, die auf dem Willen und Plan
Gottes fŸr seine Kirche beruhen.
Anders gesagt mu§ man - wie dies Johannes Paul II. so oft ans Herz
legt - die authentische und integrale Anthropologie als Ausgangspunkt
wŠhlen, das hei§t jene Sicht des Menschen, die fŸr Mann und Frau
in der gšttlichen Offenbarung grundgelegt ist. Wann das Handeln
dem Sein folgt (operatio sequitur esse), wie uns dies die christliche
Philosophie lehrt, "die gleichzeitig die Lehren des Glaubens
und die Bedeutung der Geisteswissenschaften respektiert" (Leo
XIII., Exzyklika Aeterni Patris, 1879), so darf man bei der Suche
nach einer Lšsung nicht von den rein funktionellen Aspekten des
MŠnnlichen und des Weiblichen ausgehen, sondern vielmehr vom inneren
Sein von Mann und Frau, das vom Schšpfer gewollt und geliebt ist.
Wir wollen hier nicht den Irrtum wiederholen, der in unserer Zeit
so hŠufig begangen wird, nŠmlich sich nur auf die Mission und die
Funktion des Priesters zu beziehen und sein tiefes priesterliches
Sein zu vergessen. Man mu§ das eine tun, ohne das andere zu vernachlŠssigen.
Es scheint mir aber, da§ durch den Antrieb des Heiligen Geistes
heute langsam eine Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen
diesen beiden Aspekten einsetzt.
Schlie§lich bezieht sich die in dieser Abhandlung diskutierte Frage
in erster Linie auf die Lehre von der Schšpfung und die Lehre von
der Erlšsung oder der neuen Schšpfung. Sie hat daher eine oft vergessene
innere Verbindung mit dem Glanz der Glaubenswahrheiten. Es handelt
sich hier nicht um meine persšnliche Sicht der Dinge, die einzig
und alleine in das Gebiet der freien Forschung gehšren wŸrde, sondern
im Gegenteil um eine von der Offenbarung ausgehende Betrachtung
der ŸbernatŸrlichen BeweggrŸnde, aufgrund deren die Kirche niemals
Frauen zum Priesteramt oder Akolytat zugelassen hat. Sie behŠlt
der Frau - deren innerem Wesen gemЧ - erhabene, aber unterschiedliche
Rollen vor in der Nachahmung Marias, der Mutter des Erlšsers.
Jene, die die Zulassung von MŠdchen zum Ministrantendienst fordern,
berufen sich dabei manchmal auf das apostolische Schreiben Christifideles
Laici von Johannes Paul II. (30. Dezember 1988). Die Abschnitte
49-52 dieses Textes wŸrden, so sagt man, die schon von der Synode
von 1987 ausgedrŸckte Absicht bestŠtigen, in diesem Bereich keinen
Unterschied mehr zwischen den Geschlechtern zu machen. Aber die
sorgfŠltige LektŸre des Schreibens zeigt, da§ es sich dabei um eine
unzulŠssige Schlu§folgerung handelt. In Wahrheit erinnern die Artikel
23 und 51 dieses Textes daran, da§ gemЧ der Tradition der Kirche
"die Frau das Sakrament der Weihe nicht empfangen und daher
auch die Funktion des Priesteramtes nicht erfŸllen kann" (Nr.
51). Andererseits (Nr. 23) bezieht sich die seit Paul VI. gegebene
Mšglichkeit, auch Laien mit einem Lektorat und Akolytat zu betrauen
und ihnen dabei ein gewisses Ma§ an Autonomie zu gewŠhren, nur auf
den Mann, wie es der Codes Iuris Canonici (Kanon 230, ¤ 1) festlegt.
In Bezug auf das Priesteramt bekrŠftigt der Text, da§ es sich hiebei
um eine VerfŸgung handelt, die die Kirche frei und souverŠn schon
immer als den Willen Jesu Christi erkannt hat, der nur MŠnner zu
seinen Aposteln berufen hat (ibidem Nr. 51). Noch einmal wird an
einer anderen Stelle dargelegt, was wahrscheinlich die essentielle
BegrŸndung darstellt: "Diese Bestimmung wird erhellt von der
Beziehung zwischen Christus dem BrŠutigam und seiner Braut, der
Kirche."
Wenn man zugesteht, da§ das Akolytat ein Amt ist, das eine engere
Verbindung zum Sakrament der Priesterweihe hat als zum Sakrament
der Taufe, so mu§ man daraus den logischen Schlu§ ziehen, da§ auch
dieses Amt dem Mann vorbehalten ist. Die Frau soll auf eine andere
Art und Weise in der Kirche ihren "typischen und unersetzbaren
Beitrag" (ibd. Nr. 51) zur Heiligung der Familien und der Evangelisierung
der Gesellschaft leisten. Johannes Paul II. warnt uns mit diskretem
Humor vor der Gefahr einer Klerikalisierung des Laienstandes, der
hie und da eine SŠkularisierung des Klerus folgt. Schon Paul VI.
sprach davon, da§ der Laizismus beginne, den Klerikalismus zu ersetzen.
Der feministische Laizismus, den Paul VI. einen "ma§losen Laizismus"
nennt, ist wohl dem Frieden in den Pfarrgemeinden, den geistlichen
Gemeinschaften und den Dišzesen nicht ganz zutrŠglich. (x)
Sicherlich kann man im weitesten Sinn sagen, da§ "die ganze
versammelte Gemeinde dem Priester bei der Messe dient". Aber
diese Versammlung ist ein Teil des Volkes Gottes, also der Kirche,
des mystischen Leibes Christi. Sie ist nicht eine formlose Masse,
in der jede Unterscheidung zwischen Mann und Frau, Priester und
Laien verloren ginge. Der gro§e mystische Theologe Dionysius Areopagita,
den der Hl. Thomas von Aquin so oft zitiert, erinnert uns in seinen
Schriften daran, da§ die Heilige Liturgie der Kirche durchdrungen
ist von dem zweifachen Mysterium der himmlischen Hierarchie, derer
der Engel, und der kirchlichen Hierarchie, jener der Menschen, und
da§ die zweite das Spiegelbild der ersten ist. Aber sowohl die eine
als auch die andere haben die Liebe zum Dienst an der Heiligung
der freien und vernunftbegabten Kreaturen zum Ziel. Daher kann jeder
Stand ebenso wie er in der gšttlichen und hierarchischen Harmonie
steht, Anteil haben an Ihm, der wahrhaft schšn, weise und gut ist.
(HiŽrarchie EcclŽsiale, Kap. 1, ¤ 2) Folglich beruht zwar die gleiche
WŸrde der Personen vor Gott und die allgemeine Berufung zur Heiligkeit
auf der "Nicht-Unterscheidung" zwischen Mann und Frau,
Priester und Laien. Doch beinhaltet dies keineswegs, da§ auch die
gleichen liturgischen Funktionen in gleicher Weise dem Mann und
der Frau, dem Priester und dem Laien anvertraut werden kšnnten.
Infolgedessen wird man besser verstehen, warum und wie sich eine
Aussage Papst Pius' XII. Ÿber die Beziehung zwischen Glaube und
Liturgie perfekt auf das hier behandelte Problem anwenden lЧt:
"Es ist noch etwas, was dieses unbestreitbare Recht der kirchlichen
Hierarchie bestŠtigt, nŠmlich der enge Zusammenhang der heiligen
Liturgie mit den Grundwahrheiten der Glaubenslehre, die von der
Kirche als HauptstŸcke der vollkommen gesicherten Wahrheit hingestellt
werden. Deshalb ist sie, die Liturgie, in Einklang zu halten mit
den katholischen Glaubensvorschriften, die das oberste kirchliche
Lehramt erlassen hat, um die Unversehrtheit der gšttlich geoffenbarten
Religion zu schŸtzen." (Enzyklika Mediator Dei, November 1947)
Ein befreundeter Professor schrieb mir nach der LektŸre meines Manuskripts:
"Das Problem der Frauen am Altar ist wirklich ein grundlegendes,
und Sie lšsen es so, wie es eigentlich immer geschenen sollte, nŠmlich
ausgehend von der Offenbarung. Was Sie sagen, das "fŸhlen"
im anderen Laien. Durch Ihre Darlegung ist es klar und verstŠndlich
geworden. Ihre Abhandlung kann jedem bemŸhten Christen nŸtzlich
sein. Sie verlangt keine vertiefte Ausbildung auf den Gebieten der
Theologie und der Exegese, sie ist einfach und deutlich."
Da es sich hier nicht um meine eigenen Ideen handelt, sondern um
den Plan Gottes fŸr Mann und Frau, die er beide "mit Weisheit
und Liebe nach seinem Bild geschaffen hat" (4. Hochgebet) wŠre
es unsinnig, die Komšdie einer falschen Bescheidenheit zu spielen.
Ich habe geschrieben, um zu Ÿberzeugen, und ich habe dabei besonders
an die vielen zum Priestertum Berufenen gedacht, die in ihrem gro§mŸtigen
Eifer, dem Priester Christus nachzufolgen, gebremst werden von "pastoralen"
Unbesonnenheiten und NaivitŠten und von einem gewissen pseudodoktrinŠren
Mangel an Logik.
Mšge
ich auf diese Weise durch die Betrachtung der Jungfrau Maria als
Vorbild der Kirche in der AusŸbung des Gottesdienstes allen jenen
einen Dienst erweisen, die in ihrem Herzen guten Willens sind!
Michel Sinoir
Priester der Dišzese Paris
am Fest der Darstellung des Herrn, 2. Februar 1994
(x) BezŸglich dessen, was man heute Ÿbereinstimmend die "feministische
Bibelexegese" nennt, siehe auch das Dokument der pŠpstlichen
Bibelkommission Ÿber die Interpretation der Bibel in der Kirche
vom 18. November 1993 (Doc. Cath. Nr. 2085, 2. JŠnner 1994, Seiten
25-26)
Fortsetzung
- 3. Teil |