DIE FRAGE DER ZULASSUNG DER FRAU ZUM ALTARDIENST



2. Die Heilige Schrift und der Platz der Frau im Gottesdienst


Bevor wir den Kern des Problems, nŠmlich den Plan Gottes fŸr das Priesteramt in der Kirche, eršrtern, wird es nŸtzlich sein, einen kurzen Blick auf die Geschichte des šffentlichen Gottesdienstes im Alten und im Neuen Testament zu werfen. Wir betrachten dabei zuerst die in den biblischen Texten Ÿberlieferten Fakten, bevor wir deren Bedeutung erforschen.


a. Altes Testament


Schon eine kurze Betrachtung der Geschichte und der BauplŠne der verschiedenen Tempel von Jerusalem lŠ§t zwei unwandelbare Elemente des Gottesdienstes der HebrŠer erkennen: Einerseits existiert immer ein geheiligter Ort, was schon eine Abstufung im Zutritt zum Heiligtum mit sich bringt, andererseits besteht von Anfang an eine fundamentale Unterscheidung zwischen dem Heiligen und dem Profanen, die begleitet ist von einer anderen und ebenso wichtigen Unterscheidung, nŠmlich der zwischen einem geweihten Klerus, der die Opfer darbringt, und dem Volk, das wohl heilig, aber nicht zum Opferdienst auserwŠhlt ist. Sicherlich gehšren alle zum Volk Gottes, zu einem priesterlichen Volk und einem kšniglichen Geschlecht, aber Gott selbst hat hier eine Hierarchie der Funktionen eingesetzt. (8)


Daher betreten den heiligsten Ort des Tempels von Jerusalem nur jene, die aus dem Stamm Levi stammen, die zum gšttlichen Dienst auserwŠhlten und geweihten Priester. Das Volk hat hier keinen Zutritt, auch die MŠnner nicht. Dies ist nachweibar fŸr das erste Heiligtum (Mikedosch, Ex 25-28), sowie fŸr die Tempel des Salomo (1 R 6-7), des Zorobabel oder des zweiten Tempels (Esdras, passim) und den Tempel Herodes' des Gro§en (vgl. Flavius Josephus, Ant. Jud., 15, 380 - 426; JŸdischer Krieg, 5, 184 - 237). Man kšnnte auch den idealen "mystischen" Tempel des Ezechiel in der berŸhmten Thorah des Ezechiel (Ez, 40-48) studieren. Hier ist vor allem das Bestreben deutlich, durch die Architekten die Transzendenz und die Heiligkeit Gottes, die einzige Quelle der Heiligkeit des auserwŠhlten Volkes, aufzuzeigen. Die katholische Liturgie der Kirche des Orients hat durch die Ikonostase, die den gesamten Altar und grš§tenteils den Vollzug des Hl. Opfers verhŸllt, diesen Akzent auf dem Mysterium Gottes erhalten, das hier auf Erden nur durch den Glauben zugŠnglich wird, wŠhrend der Okzident zu oft so sehr die NŠhe Gottes betonte, da§ der Gottesdienst gro§teils entsakralisiert wurde.


Andererseits hatte die Frau keinen Zugang zum šffentlichen Gottesdienst. Sicherlich spielte sie eine gro§e Rolle z.B. bei den hŠuslichen Vorbereitungen auf das Paschafest, wie dies J. Bonsirven (Rabbinische Texte) und Robert Aron (Die verborgenen Jahre Jesu)(9) bezeugen, und bei manchen hŠuslichen Opfern (Jg. 13,23), aber sie durfte im Tempel den Hof der MŠnner nicht betreten. Die Frauen hielten sich im Vorhof der Frauen auf, den wiederum die MŠnner nicht betraten, wenn sie im Zustand ritueller Reinheit waren. Die Frauen hatten also ihren eigenen Aufenthaltsort, den Josephus Flavius gunaik™nitis nennt, den Hof der Frauen, wo sie ihre Andachten verrichten konnten (o ch™ros pros threskeian; vgl. Ant. Jud. 15, 11,5). Der bekannte Artikel "Frau" des Lexikons von Kittel schlie§t daraus, da§ die geweihten €mter der Frau nicht Ÿbertragen wurden.


b. Neues Testament


Der Tempel, den Christus, die Apostel, Maria, Joseph, Zacharias und andere Personen des NT besuchten, war derjenige des Herodes des Gro§en. Er kann mit zwei Worten beschrieben werden:

hieron, das Ensemble der GebŠude und Hšfe im heiligen Bezirk (nach Lagrange, Ÿber Lk. 2,27; Trench, Synonyms, S. 10 ff). Eine Balustrade, die die Heiden oder Nicht-Juden nicht Ÿberschreiten durften, beschrŠnkte den Zugang zum Tempel (was den Aufruhr in Apg. 21, 27-29 erklŠrt).(11)


naos, das eigentliche Heiligtum, welches aus drei Teilen besteht: Dem Vorhof (ulCÿm), dem Heiligtum (hŽkal), und dem Allerheiligsten (debEør). Weder Frauen noch MŠnner hatten Zugang zum naos.


Andererseits treffen wir im Hof der Frauen die arme Witwe, die von Jesus gerŸhmt wird (Mk. 12, 41-43, Lk. 21,1). Jesus lehrt auch dort (Joh. 8,20). Durch diesen Hof hatte man Zugang zu den Opferstšcken, in die die Spenden fŸr den Tempelschatz kamen. Die Prophetin Hanna hŠlt sich im Hof der Frauen auf, und sie dient dort Tag und Nacht mit Fasten und Gebet (Lk 2,37). Sie bringt nicht am Altar Opfer dar wie die Priester, sondern sie opfert, wie man erraten kann, im Stillen sich selbst auf. Zacharias hingegen (Lk. 1,9; 1,21-22) hŠlt sich als Priester im Heiligtum (hŽkal) auf, um seine priesterlichen Funktionen auszuŸben (hierateuein), im besonderen um Weihrauch zu opfern (thumiasai, Lk. 1,9). Die Volksmenge hielt sich au§erhalb (ex™, Lk. 1,10) im Hof Israels oder im Hof der MŠnner bzw. im Hof der Frauen auf, von wo man den Hof der Priester und den Eingang des Tempels sehen konnte.


c. Die Frage der Diakoninnen


Die Frage stellt sich vor allem im Hinblick auf Ršm. 16,1, wo von einer gewissen Phšbe gesprochen wird, die auch Diakonissin der Gemeinde von Kenchrea ist. (Das verwendete Wort ist das maskuline diakonos, aber in einem Kontext, in dem allen anderen Worte weiblich sind.) Sie ist Ÿberdies eine WohltŠterin (prostatis), besonders von Paulus selbst (Ršm. 16,2), in der Art der heiligen Frauen von Lk. 8,3, die Jesus und den Zwšlf dienten (diZ«konoun). Die Diakonissen haben keinen priesterliche Funktion. Osty resŸmiert in loco sehr gut die schon immer allgemein anerkannte Meinung in einer Notiz, in der er Huby zitiert: "Im Christentum gab es zur rechten Zeit die Institution der Diakonissen, die den Dienst an den Armen und Kranken zum Ziel hatte, viellaucht duch die UnterstŸtzung der Frauen bei der Spendung der Taufe.(12) Dies war aus GrŸnden der Schicklichkeit notwendig, da der Kšrper gesalbt wurde. Dies war auch schon die Auslegung der Apostolischen Konstitution (ca. IV. Jhd.)(13) Was die Frauen von 1 Tim 3,11 angeht, die entweder die Ehefrauen der Diakone oder wahrscheinlich Diakonissen wie Phšbe sein kšnnen, so ist in keiner Weise erwŠhnt, da§ sie ein liturgisches Amt innehŠtten. Y. Congar schreibt in Catholicisme, da§ der Dienst der Diakonissen kein Dienst am Altar gewesen sei.


(8) Bekanntlich wurde die katholische Lehre vom "unauslšschlichen Merkmal" des Priestertums, deren AnsŠtze schon im Alten Testament zu finden sind, von Luther scharf zurŸckgewiesen. Den Unterschied zwischen dem allgemeinen Priestertum der Getauften und dem Priesteramt leugnend, schrieb er: "Wir sind alle gleicherma§en Priester" (vgl. Luther, Les grands Žcrits reformateurs, A la noblesse chrŽtienne de la nation allemande, franzšsische Ausgabe, Paris 1955, S. 87) Auch heute wird der Unterschied zwiswchen den Geschlechtern von manchen geleugnet, um das Priestertum der Frau zu fordern.
(9) Joseph Bonsirven, Textes rabbiniques des deux premiers siZ«cles chrŽtiens, pour servir aþ l'intelligence du Nouveau Testament, Rome, 1955, Nr. 821, Se. 203; R. Aron, Les annŽes obscures de JŽsus, Paris, 1960, S. 99-100.


(10) "Der Kittel", nach seinem Hauptautor benannt, ist das Theologische Wšrterbuch zum Neuen Testament (Dictionnaire thŽologique du Nouveau Testament; "TWNT"), bestehend aus 9 BŠnden und einem zusŠtzlichen Band, der Tabellen enthŠlt. Die Referenz stammt aus dem Artikel "Frau", Band 1, S. 789.
(11) †ber die Organisation im Tempel von Jerusalem zur Zeit Jesu vgl. das oben zitierte Buch von R. Aron, S. 129-140. †ber den Begrenzungszaun vgl. A. Parrot, Le MusŽe du Louvre et la Bible, Neuchatel-Paris 1957, S. 143-145. Zwei weitere Referenzen sind: J. Lagrange, ƒvangile selon saint Luc, 8. Auflage, Paris 1948, zu Lk. 2, 27; Trench' Synonyms of the New Testament, rŽimpression 1969, Grand Rapids, Michigan, heron, naos, S. 10-12.
(12) Osty, Bible en un volume, Fu§note zu Ršm. 16,1; vgl. Diaconesses, Catholicisme III, 719-721
(13) Vgl. Apostolische Konstitution, III, 16, 1.2: "Oh Bischof, wŠhle auch eine treue und heilige Diakonissin fŸr den Dienst unter den Frauen" (Sources chrŽtiennes 329, S. 155-157); ibid. VIII, 28, 6 (Sources chrŽtiennes 336, S. 231): "Die Diakonissin soll nicht segnen und nicht ausfŸhren, was die Presbyter und die Diakone tun."

Fortsetzung - 5. Teil

 
     
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