JOSEF WAGNER

19. Juli 1919 - 1. September 1973

1919 geboren in Frieberstetten/Neuhofen a.d. Ybbs als 8. Kind der Bauernfamilie (seit ca. 1854 am Hof ansŠssig, der bis heute in Besitz der Familie steht) Wagner (Mutter: Johanna Reitbauer) 1926 (?) Tod des Vaters bei einem Unfall. 1937 Matura in Seitenstetten, anschl. Bediensteter bei der šsterr. Bahn (1946 Verzicht auf sŠmtliche AnsprŸche)1938/39 Dienst in Melk (Pioniere; Funkerausbildung) im ehem. …sterr. Pionier-Btl. 3, das im August 1938 zum Pionier-Btl. 70 der Wehrmacht umfunktioniert/umgegliedert wurde. 

Rekonstr. Ereignisse 1939-45: Polenfeldzug 1939, Frankreich  1940, Rang: Stabsgefreiter, 1942 SŸdru§land (Kaukasus) in die 11. Armee verlegt, die im Nov. 1942 einen erfolglosen Entsatzangriff auf Stalingrad fŸhrte. Dort wurde die Einheit von Josef Wagner bis auf drei Mann aufgerieben, er selbst lag tagelang im Schlamm eines SchŸtzengrabens, wo er sich das spŠter immer wiederkehrende Lungenleiden zuzog. Die 11. Armee ging dann nach nach Mittelru§land und in die SŸdukraine, und wurde schlie§lich im Dez. 44 (RŸckzugsbewegung) nach Schlesien bzw. in den Weichselbogen verlegt. Teile des Bionierbtl. 70 wurden in ein anderes Pionierbatl. umgeschichtet, das dann zuletzt in Habelschwerdt (in der unmittelbaren NŠhe von Glatz) war. Ab Winter 1942/43 Lehrbeauftragter an der Nachrichtenschule in Glatz (Oberschlesien), wo er die Tochter des Garnisons-Schuhmachers Heinrich Fischer (gefallen 1944) kennenlernte: Maria Magdalena Fischer, VerkŠuferin, spŠter Hilfsschwester im Auffanglazarett Glatz die er schon nach einem Monat Kennenlernens im JŠnner 1943 heiratete. Dienstrang: Unteroffizier, (vergleichbar mit: OberjŠger/Maat/SS-UnterscharfŸhrer; dann kommen Feldwebel, Hauptfeldwebel usw.) TrŠger des Eisernen Kreuzes II. Klasse, Kriegsverdientskreuz sein in Silber, OstkŠmpfermedaille; Monatsgehalt vor der Verheiratung ca. 150 Reichsmark, danach 177 Reichsmark. Zum Vergleich: Ein einfacher Soldat erhielt monatlich 89 Reichsmark als Lediger, als Verheirateter 106 RM. Ein General dazu: 1.700 Reichsmark monatlicher Sold.

Um die Familie zu schŸtzen (Tochter Angelika geb. Okt. 1943 in Glatz, Sohn Reinhard bereits unterwegs) Verbringung derselben nach Neuhofen/Ybbs (Winter 1944/45) in Flucht vor den anrŸckenden Russen. (Die Ÿbrigen Verwandten von Magdalena Wagner wurden im JŠnner/Feber 1946 in die LŸneburger Heide zwangsumgesiedelt. Das Ziel von Josef Wagner war: Nach Kriegsende sollte Breslau der neue Wohnort der Familie werden. SpŠtestens seit Herbst 1944 aktiv im Widerstand, ma§gebliche Rolle beim Errichten von Strukturen zum Wiedererstehen eines demokratischen neuen …sterreich. Von den Russen als FreiheitskŠmpfer anerkannt, dabei christlich-sozial bis in die Wolle, zeichnete ihn - nicht zuletzt begŸnstigt durch seine weithin bekannte Eloquenz und landauf landab bekannte humorvolle Leutseligkeit - ein exzellentes VerhŠltnis zur russischen Besatzungsmacht aus. GeneralsekretŠr des "Bundes demokratischer FreiheitskŠmpfer" ab 1946*. Was seinem Heimatort Neuhofen so manches ersparte. 1945 GrŸndung der ersten Wochenzeitung im Bezirk Amstetten (mit Franz Bieber) nach dem Krieg. Der sehr erfolgreiche "Amstettner Bote" (BestŠnde bis heute in der Nationalbibliothek) wurde 1946 von der N…N Ÿbernommen und fŸhrte den Titel bis 1957 als Untertitel.

1945-46 erster gewŠhlter BŸrgermeister (…VP) von Neuhofen/Ybbs nach 1945, das nach Aussagen des damaligen GemeindesekretŠrs Franz Bieber eine "Nazihochburg" war; nach schweren Auseinandersetzungen - všlliger Boykott seiner weitblickenden und ehrgeizigen Entscheidungen durch den Gemeinderat - ZurŸcklegung aller politischen €mter 1946. Schon rŸckten die Russen aus, gab es eine Demonstration der Bevšlkerung, um ihn wieder zu installieren. Doch aus nicht ganz nachvollziehbaren GrŸnden wurde unter Beiziehung des Bezirkshauptmanns mit dem russischen Major eine Einigung erzielt, die Josef Wagner aber ablehnte indem er aller politischen €mter entsagte. (1989 wurde Josef Wagner posthum zum EhrenbŸrger von Neuhofen/Ybbs ernannt.)

"Ziegelofenwagner": Josef Wagner Ÿbernimmt das Ziegelwerk am Reitbauernberg in Amstetten (Eigt. Fa. Schimek), das spŠter von der Wienerberger-Ziegelindustrie aufgekauft und stillgelegt wird. 

"Kraftwerkspeppi": ZustŠndig fŸr die Auszahlung der Lšhne an die vielen Arbeiter beim Kraftwerksbau Persenbeug  - Immer wieder schwere Krankheit und Sanatoriumsaufenthalte (TBC)

12 geborene Kinder, weitere 3 Fehlgeburten. (Per 2006 leben noch 9 Kinder.)

1968 Scheidung von Magdalena Wagner. FŸrderhin: Aufenthalt in Hallein bei Salzburg, in der Wohnung seiner neuen LebensgefŠhrtin, einer Witwe. Zungen- und Lungenkrebs.

1. September 1973: Tod nach Lungenembolie in den frŸhen Morgenstunden. Josef Wagner liegt - eingeŠschert - am Friedhof Hallein begraben. RiP.

Anmerkungen:

*Der "Bund demokratischer FreiheitskŠmpfer" wurde 1948 per Bundesgesetz aufgelšst. Auf den Seiten des Nachfolgevereins "…VP Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner fŸr …sterreich" finden Sie dazu weitere Informationen.