Ist diese
Galerie wahllos? Nein. Sie ist zwar eine Auswahl, die die
bildende Kunst in vielen ihrer unbestrittenen BlŸten und Meisterwerken
zeigt. Alle hier gezeigten Werke vereint aber das Ringen um
die Wahrheit, die das Werk zur Wirklichkeit an sich macht.
Das Kunstwerk
zeichnet sich eben durch diese Lebendigkeit und hšhergradige
Wirklichkeit aus, als es die plumpe RealitŠt - die bereits
einen Interpretationshorizont verlangt, denn es gibt keine
RealitŠt an sich, sondern nur ein Wirken in BezŸgen - darstellt.
In der der KŸnstler in seiner Darstellung das wirklich Wirkende,
das eine Welt Konstituierende erfa§t - nein, dieses ihn erfa§t
- hat und aus diesem unberŸhrten Abstraktum des Wirkenden
heraus Neues zulЧt. Damit es selbst sogar reiner weil des
Zeitflusses enthoben darstellt, als es das Gemengelage des
Faktischen, das uns sonst umgibt, ermšglicht. Das ist seine
Leistung, nach der er gefragt wird, die zugleich aber einen
hohen Preis verlangt, nŠmlich den des Asketen.
Damit wird
der Ausflu§ der Natur des KŸnstlers zur neuen, paradiesischen
Schšpfung und Wirklichkeit, gewonnen aus diesem Destillat
des Faktischen, damit der ersten, der Ideenwelt des Vollkommenen
mehr als gleichrangig, ja dessen Vollendung. In Prophetie,
weil das Mšgliche, das immer ein ZukŸnftiges ist, dem Heute
zeigend. Ein Kunstwerk ist somit immer aus seiner Zeit herausgetreten,
steht dieser quer, fŠllt damit zurŸck, um somit vorwegzunehmen.
Warum: Eigentlich
der Zeit unmittelbar VOR seiner Zeit? Der KŸnstler schafft
nur aus der Erinnerung, aus der er das Wirkende destilliert.
Denn das faktisch GegenwŠrtige braucht ja KrŠfte in ihm, die
gar keine Darstellung zulassen und somit nicht abstrahierbar
sind. Sein Ringen um Wahrheit ist also einerseits ein Ringen
um die vollkommene Form des Abstraktums im das gerade Vergangene
Bildenden, anderseits ein Ringen um absolute Freiheit von
der Gegenwart, die aus dem Vergangenen ja gebildet ist - womit
er Wirklichkeit deutend Zukunft entwirft.
Dabei ist
der scheinbare Inhalt všllig gleichgŸltig, abhŠngig von der
historischen Situation, und eine Frage ganz anderer Natur
und Ordnung, nŠmlich eine die nur noch den Betrachter betrifft,
das "Schlachtfeld der Katharsis", des reinigenden
Feuers.
Zugleich
wird aber klar, da§ ein Gegenstand des profanen Alltags kein
Kunstwerk, das faktische Historische nicht Kunst sein kann.
Sondern das das Faktische Konstituierende, das Abstraktum
erst ermšglicht Schšpfung: Ob
es die Wirklichkeit einer Knopfleiste oder einer Hand ist,
eine GemŸtsverfassung oder die Wirklichkeit des Schnees, der
Flut oder einer bestimmten Stimmung im Wald, ein RŸcken, eine
Bewegung, eine Charakternuance ... jedes Kunstwerk sofern
es eines ist schafft dieses Moment so wirklich, da§ es keine
Scheinwelt, in der wir Welt konstruieren, sondern eben eine
reale Welt darstellt, die uns formt und damit erkennen lЧt.
- als Ringen um das allem FigŸrlichen Zugrundeliegende und
Wirkende.
Die faktische
Welt selbst ist somit nur Erz, Rohmaterial - der KŸnstler
mu§ hingegen das reine Edelmetall ausschmelzen. Die faktische
Welt ist unrein. Kunst ist somit ohne SŸnde, ja ohne ErbsŸnde,
damit ohne Tod und Nicht-Sein nicht denkbar - weil Kunst Reinheit
an sich ist. Paradies inmitten einer aus dem Paradies vertriebenen
Menschheit und Welt. Kunst ist nicht die Utopie, sondern der
Trost und die Hoffnung. Der NŠhrstoff des Guten. Das Schšne
also, das Vollkommene, ist nicht begrenzbar durch eine gleichwie
definierte WohlgefŠlligkeit oder rein Šsthetische Frage, sondern
im Ma§ seiner Reinheit der Idee: Das Bšse ALS Bšses, das Schšne
ALS Schšnes ... in seiner von dieser so getrennten Welt. Kunst
IST eine Separatwelt, alles andere ist Utopie.
Diese Erkenntnis
Ÿber Wesen und Auftrag des GegenstŠndlichen - alle Wirklichkeit
hat Gestalt - seine Rolle in der Erkenntnis und die Rolle
der Erkenntnis fŸr die ErfŸllung des menschlichen Daseins,
das ein Dasein des Lebens ist, ein Dasein hin zur UniversalitŠt
und Unendlichkeit Gottes in der Darstellung, hat die Kunst
zu enormer Leistung gefŸhrt. Deshalb setzt diese Galerie etwa
im 14./15. Jhd. an.
Denn die
Entwicklung zu diesem kŸnstlerischen Hšhepunkt
geschah analog mit der Befreiung der Menschen zu einer gigantischen
Kulturleistung, wie sie das Abendland darstellt. Das war wesentlich
sogar ein unbewu§tes, immanentes Geschehen - eine Frucht der
Wahrheit. Erkennen ist ja nicht auf eine Frage des Bewu§tseins
reduzierbar - das kann man als eine der Lehren aus der Bestandsaufnahme
des faktischen Zustands der Moderne im Konstruktivismus (dem
ich den Titel einer "Philosophischen Richtung" ansonsten
abspreche) ziehen. Sehr wohl ist es aber eine Frage des Geistes,
und damit - s. o. - des jede Gestaltenwelt Konstituierenden.
Womit sich diese AusfŸhrungen sogar mit den Erkenntnissen
der Quantenphysik treffen ...
Noch eines
also eint diese Galerie: Das Prinzip der Erkennbarkeit der
Welt, und deren Sinn, im Konkreten, im FigŸrlichen, im Identifikablen.
Welt gibt es nur konkret - in Gestalt. Das in seiner
Zwitternatur einerseits vom Geist als Prinzip konstituiert
wird, anderseits aus dem Konkreten heraus diesen Geist verlebendigt,
reprŠsentiert, darstellt und damit sinnlich und wirklich weitergibt.
Lasssen
Sie mich also kurz einige eng miteinander verflochtene
Kriterien eines Kunstwerkes anfŸhren - sie sind gleich den
Kriterien der Schšpfung, des Kosmos, des Lebendigen, und an
diesem Wirken nachvollziehbar: Die Abgeschlossenheit und Vollkommenheit,
die Lebendigkeit und Wirklichkeit sowie die Freiheit von ZufŠllen,
also die Werkhaftigkeit und Abstraktion, in Wahrheit und Erkennbarkeit
im "propter nos homines" - fŸr uns Menschen.
Wenn also
diese Galerie alles andere als vollstŠndig ist, so lЧt isch
in jedem dieser Bilder mindestens ein Moment der Gro§artigkeit
finden, das trotz der geringen optischen QualitŠt - ein Bildnis
eines Bildes ist nicht das Bild in seiner Gesamtwirkung vergleichbar!
- erfahrbar, zumindest aber ahnbar ist. Soda§ in diesem Ahnen
unser Bestes, unser Paradiesisches gerufen und gestŠrkt wird.
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